Schornsteinsanierung: Ursachen, Methoden und eine praktische Anleitung für die Eigenmontage

Die Sanierung eines Schornsteins ist eine wesentliche Maßnahme zur Sicherstellung der Betriebssicherheit von Heizungsanlagen und Kaminöfen. In Deutschland sind viele Immobilien mit traditionellen, gemauerten Schornsteinen ausgestattet, die im Laufe der Jahrzehnte beansprucht werden. Witterungseinflüsse, korrosive Abgase und technische Veränderungen bei den angeschlossenen Feuerstätten machen eine Sanierung oft unumgänglich. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Schäden, stellt die gängigsten Sanierungsmaterialien vor und bietet eine detaillierte Anleitung zur Sanierung eines bestehenden Schornsteinschachtes durch den Einbau eines Edelstahl-Innenrohrs.

Ursachen und Arten von Schornsteinschäden

Eine Schornsteinsanierung ist nicht immer gleichbedeutend mit einem kompletten Neubau. Die Art der Beschädigung bestimmt das erforderliche Sanierungsverfahren. Die zur Verfügung gestellten Quellen nennen verschiedene Schadensbilder, die eine Überprüfung und Sanierung erfordern.

Schäden am Schornsteinkopf

Der Schornsteinkopf ist der oberste, über das Dach hinausragende Teil des Kamins. Er ist permanent den Witterungsbedingungen wie Regen, Schnee und Frost ausgesetzt. Diese Einflüsse können zu bröckelnden Fugen, Spannungsrissen oder porösen Mauersteinen führen. In solchen Fällen ist oft keine aufwändige Komplettsanierung des Innenrohrs erforderlich. Stattdessen kann eine neue Schornsteinverkleidung oder das Erneuern der Fugen und das Abdichten des Schornsteins zum Dach hin ausreichen. Ebenso sollte geprüft werden, ob eine Schornsteinabdeckung notwendig ist, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.

Versottung und Feuchtigkeitsschäden

Eine der häufigsten Ursachen für eine Sanierung ist die sogenannte Versottung. Dabei setzt sich Feuchtigkeit im Schornstein ab und verbindet sich mit Teer und Schwefelsäure zu einem aggressiven Gemisch. Diese Mischung dringt in das Mauerwerk ein und zerstört die Bausubstanz. Typische Anzeichen sind braune Flecken an der Wand, die einen unangenehmen Geruch verströmen. Um eine Versottung zu sanieren, muss der betroffene Putz weiträumig entfernt, die Wand mit einer speziellen Abdichtung gestrichen und anschließend mit Sanierputz neu verputzt werden. Oft ist diese Maßnahme jedoch nur symptomatisch, wenn die Ursache – also das undichte oder falsch dimensionierte Innenrohr – nicht beseitigt wird.

Nicht passende Anschlüsse und Asbest

Ältere Schornsteine haben oft einen zu großen Innendurchmesser für moderne, energieeffiziente Kaminofen-Modelle. Dies führt dazu, dass die Abgase bereits im Schornstein abkühlen und kondensieren, was die Versottung fördert. Zudem können Schornsteine, die vor 1990 errichtet wurden, asbesthaltige Materialien enthalten. Asbest war lange Zeit ein Zusatz in Zementprodukten und ist heute als krebserregend eingestuft. Wird Asbest vermutet, ist eine professionelle Asbestsanierung zwingend erforderlich; in diesem Fall ist von Eigenmaßnahmen dringend abzuraten.

Sanierungsmöglichkeiten und Materialien

Je nach Schadensgrad und Anforderungen der angekoppelten Feuerstätte stehen verschiedene Sanierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einem kompletten Neubau des Schornsteins, dem Einbau eines Leichtbauschornsteins oder dem Verlegen eines neuen Rohrs im bestehenden Schacht.

Der Edelstahlschornstein als Standardlösung

Die wohl gebräuchlichste und wirtschaftlichste Methode zur Sanierung eines gemauerten Schornsteins ist der Einbau eines einwandigen Edelstahlrohres. Die Vorteile liegen auf der Hand: Edelstahl ist resistent gegen Versottung, das Material ist korrosionsbeständig und die Montage ist dank der geringen Wandstärke und des geringen Gewichts vergleichsweise einfach. Einwandige Edelstahlrohre werden direkt in den bestehenden Schornsteinschacht eingeführt. Da die äußere Hülle (das Mauerwerk) bereits als Wärmedämmung dient, ist bei dieser Variante keine zusätzige Isolierung des Rohres notwendig. Edelstahlschornsteine eignen sich laut den Quellen für alle Kamin- und Brennstoffarten (Holz, Pellets, Gas, Öl).

Keramikrohre

Keramik gilt als das hochwertigste Material für Abgasrohre. Es ist resistent gegen Feuchtigkeit und Säure und hält extrem hohen Temperaturen stand. Keramikrohre sind universell für jede Kaminart und jeden Brennstoff geeignet. Nachteilig im Vergleich zu Edelstahl sind das höhere Gewicht und der aufwändigere Einbau, der oft eine fachgerechte Verlegung erfordert.

Kunststoffrohre

Kunststoffrohre werden speziell für Öl- oder Gasbrennwertgeräte eingesetzt. Sie sind sehr kostengünstig und einfach zu montieren, aber in ihrer Anwendbarkeit auf Niedertemperatur-Heizsysteme beschränkt. Für Kaminöfe oder Holzheizungen sind sie nicht geeignet.

Leichtbauschornsteine

Ist die Bausubstanz des alten Schornsteins so stark geschädigt, dass eine Sanierung durch Einbau eines Rohres nicht mehr ausreicht, kann ein neuer Leichtbauschornstein montiert werden. Dies ist eine Alternative zum kompletten Neubau eines massiven Schornsteins.

Schornsteinsanierung durch Eigenmontage: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Mit handwerklichem Geschick und einem passenden Sanierungs-Bausatz ist die Sanierung des Schornsteins auch im Eigenbau möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass der alte Schornstein vorab vom Schornsteinfegermeister geprüft und die Vorgehensweise abgesprochen wird. Nach der Installation muss der Kamin zwingend vom Schornsteinfeger abgenommen werden, bevor er in Betrieb gehen darf.

Die folgende Anleitung beschreibt den Einbau eines Systems aus Edelstahlrohren in einen bestehenden gemauerten Schornstein.

Vorbereitung und Reinigung

Vor Beginn der Arbeiten muss der Schornsteinschacht vollständig gereinigt werden. Alte Rußreste oder lose Teile im Schacht müssen entfernt werden, um eine spätere Verstopfung oder Instabilität zu verhindern.

1. Montage der Schornsteinsohle (T-Stück und Kondensatschale)

Zunächst werden die unteren Komponenten des neuen Systems montiert. Dazu gehört die Schornsteinsohle, eine Kondensatschale, das Reinigungselement und ein T-Stück. * Arbeitsweise: Das Mauerwerk an der Anschlussstelle muss aufgebrochen werden, um diese Teile in den Schacht einzubringen. * Zentrierung: Um sicherzustellen, dass das Rohr später mittig im Schacht sitzt, wird empfohlen, eine Montageschelle am T-Stück zu befestigen.

2. Vorbereitung der Längenelemente

Die Edelstahlrohre werden in sogenannten Längenelementen (Rohrstücke) eingebaut. Diese Elemente werden von oben in den Schacht eingeführt. * Ablasssystem: Die Längenelemente benötigen eine Befestigung für das Herablassen. Hersteller wie Jeremias oder Schiedel bieten Längenelemente mit vormontierten Ablassschlaufen an. An diese wird ein Ablassseil angebracht.

3. Einbau der Längenelemente

Die Montage erfolgt von oben (vom Dach aus). * Herablassen: Das erste Längenelement wird mittels des Seils in den Schacht gelassen. Wichtig: Es darf nicht ganz bis nach unten gelassen werden, da das nächste Element von oben aufgesteckt werden muss. * Verbindung: Das nächste Element wird auf das bereits im Schacht befindliche Rohr aufgesteckt und nach der Systemanleitung gesichert. * Abstandshalter: Um eine lotrechte Führung und ausreichend Abstand zum Mauerwerk zu gewährleisten, müssen alle 3 Meter Abstandshalter eingesetzt werden. Die Laschen dieser Halter werden nach dem Einbau auf den Innendurchmesser des Schachts nach oben gebogen.

4. Wiederherstellung des Mauerwerks

Nachdem alle Längenelemente eingebaut und gesichert sind, muss der Schornsteinschacht wieder geschlossen werden. * Mauern: Das Mauerwerk um die Reinigungsöffnung, den Anschluss und den eventuellen Kondensatablauf wird wieder aufgemauert. * Putztür: Hierbei ist darauf zu achten, dass die Putztür, die an das Reinigungselement gesetzt wird, die richtige Tiefe hat. Sie darf nicht aus dem Mauerwerk herausragen, sondern muss bündig mit der Wand abschließen.

Kostenvergleich: Eigenbau vs. Fachfirma

Die Entscheidung, die Sanierung selbst durchzuführen oder ein Unternehmen zu beauftragen, hängt stark vom eigenen Geschick und dem Budget ab. Es ist ratsam, die Arbeiten zumindest vorab mit einem Profi abzusprechen, da dieser über die nötige Erfahrung verfügt.

Laut den vorliegenden Informationen können die Kosten erheblich variieren: * Fachbetrieb: Für den Einbau eines 10 Meter langen, einwandigen Edelstahlrohres durch ein Fachunternehmen müssen Kosten zwischen ca. 900 und 1.500 Euro einkalkuliert werden. * Eigenbau: Ein Selbstbau ist meist problemlos durchführbar und deutlich günstiger. Der Sanierungs-Bausatz kostet nur einen Bruchteil der Handwerkerleistung. Die Ersparnis gegenüber der Beauftragung eines Fachbetriebs ist also erheblich.

Fazit

Die Sanierung eines Schornsteins ist eine notwendige Investition in die Sicherheit und Effizienz einer Heizungsanlage. Obwohl die Ursachen für Schäden vielfältig sind – von Witterungsschäden am Kopfbau bis hin zur inneren Versottung durch aggressive Kondensate – gibt es für fast jeden Fall eine passende Lösung.

Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, einen gemauerten Schornstein durch den Einbau eines einwandigen Edelstahl-Innenrohres zu sanieren. Dieses Verfahren ist technisch ausgereift, wirtschaftlich attraktiv und in vielen Fällen auch für versierte Heimwerker durchführbar. Wichtig bleiben jedoch die vorherige Überprüfung durch den Schornsteinfeger und die anschließende behördliche Abnahme. Wer diese Punkte beachtet, sorgt für eine langfristig funktionierende und sichere Abgasanlage.

Quellen

  1. Ofenseite.com - Schornsteinsanierung Anleitung
  2. Ofen.de Blog - Schornsteinsanierung
  3. Heimwerker.de - Schornstein sanieren

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