Sanierung der Grundschule Goldbach: Eine umfassende Analyse von Bauabschnitten, Technik und Finanzierung

Die Sanierung und Erweiterung der Grundschule in Goldbach, einem Ortsteil der Gemeinde Drei Gleichen im Landkreis Gotha, Thüringen, stellt ein herausragendes Beispiel für die Revitalisierung alter Bausubstanz unter modernen energetischen und pädagogischen Gesichtspunkten dar. Nach einer sechsjährigen Bauphase, die im Jahr 2019 begann und 2025 abgeschlossen wurde, präsentiert sich der Gebäudekomplex als zeitgemäßer Bildungsort. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, finanziellen und logistischen Aspekte dieses umfangreichen Projekts, das als Vorbild für ähnliche Sanierungsvorhaben im öffentlichen und privaten Bereich dienen kann.

Ausgangslage und historischer Kontext

Die Grundschule Goldbach ist ein typischer DDR-Plattenbau, der ursprünglich im Jahr 1968 eingeweiht wurde. Über Jahrzehnte trug das Gebäude die Spuren der Zeit, bis eine Kernsanierung notwendig wurde. Wie in mehreren Quellen betont, war diese Auffrischung von einer neuen Dimension geprägt. Es handelte sich nicht um eine bloße Oberflächenrenovierung, sondern um eine tiefgreifende Modernisierung, die den gesamten Gebäudekomplex betraf.

Ein entscheidender Faktor für die Notwendigkeit der Sanierung war die demografische Entwicklung und der steigende Platzbedarf. Zum Start der Sanierung im Jahr 2019 besuchten rund 251 Schülerinnen und Schüler die Schule. Die bestehenden Kapazitäten, insbesondere die Anzahl der Klassenzimmer und die Funktionalität der Räume, entsprachen nicht mehr den aktuellen Anforderungen an eine moderne Grundschule. Zudem mussten Angebote der Offenen Ganztagsschule (OGS) und der „Kombi Kids“ untergebracht werden, was den Druck auf die Raumnutzung erhöhte.

Die Bauorganisation: Logistik bei laufendem Schulbetrieb

Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung der Grundschule Goldbach war die Organisation des Bauvorhabens bei gleichzeitig aufrechterhaltendem Schulbetrieb. Um die Bildungsstätte nicht vollständig schließen zu müssen, wurde eine Ausweichschule in Warza genutzt. Wie der Schulleiter Mathias Stellmacher berichtete, zog die gesamte Schule im Jahr 2019 nach Warza um und teilte sich dort die Räumlichkeiten mit der damaligen Regelschule, heute der Gemeinschaftsschule Warza.

Diese Lösung erforderte eine präzise Planung und Koordination. Die Bauausführung erfolgte in mehreren Bauabschnitten, um die bestehenden Gebäudeteile schrittweise zu sanieren, während andere weiterhin genutzt werden konnten. Diese Vorgehensweise ist für Bauherren und Projektmanager von besonderem Interesse, da sie zeigt, wie großvolumige Sanierungsprojekte ohne komplette Stilllegung der Immobilie realisiert werden können.

Die drei Bauabschnitte: Ein strukturiertes Vorgehen

Die Gesamtsanierung war in drei große Bauabschnitte unterteilt. Diese Unterteilung ermöglichte eine klare Priorisierung der Arbeiten und eine bessere Kostenkontrolle.

Bauabschnitt 1: Die erste Etappe (Fertigstellung gefeiert)

Der erste Bauabschnitt umfasste laut den vorliegenden Informationen die Sanierung der Turnhalle, die Gestaltung neuer Mehrzweckräume und den Bau eines Anbaus mit Mensa. Die Fertigstellung dieses Abschnitts wurde mit einer offiziellen Feier gewürdigt, bei der Vertreter der Gemeinde, Lehrer und Eltern die gelungene Umsetzung betonten. Dieser Abschnitt brachte bereits wesentliche Verbesserungen für den Schulalltag, insbesondere durch die neue Mensa und die modernisierte Turnhalle.

Bauabschnitte 1.3 und 1.4: Erweiterung und Sanierung

Laut Informationen des Bauunternehmens Ritter Bauer (Source [4]) wurden die Bauabschnitte 1.3 und 1.4 realisiert. Diese umfassten die Generalsanierung und Erweiterung der bestehenden Schulgebäude. Ein Schwerpunkt lag hier auf der barrierefreien Erschließung, dem Raumbedarf sowie den heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz und Brandschutz. In diesem Zuge entstand ein Erweiterungsbau, der den benötigten Raumbedarf aufgrund der steigenden Schülerzahlen sicherstellen sollte.

Technische Umsetzung und Bauweise

Besonders hervorzuheben ist die moderne Bauweise des Erweiterungsbaus. Die Planung sah eine Holz-Beton-Mischbauweise vor. Diese Konstruktion verbindet die Vorteile beider Materialien: Beton sorgt für Stabilität und Masse, während Holz für Leichtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und schnelle Bauzeiten steht.

Die technischen Details der Ausführung sind beachtlich: * Tragwerk: Die WU-Bodenplatte (Wasserundurchlässige Betonbauteile), die Decke zwischen Untergeschoss (UG) und Erdgeschoss (EG) sowie die tragenden Innenwände wurden aus Stahlbeton erstellt. * Fassade: Die Außenwände entstanden in Holzständerbauweise. Zur Dämmung kam Holzfaserdämmung zum Einsatz, verkleidet mit einer vorgehängten Holzfassade. Diese Fassadenkonstruktion gewährleistet ein hohes Maß an Wärmeschutz und Atmungsaktivität. * Dachtragwerk: Das Dachtragwerk wurde aus Nagelbrettbindern gefertigt. Diese spezielle Bauart erlaubt große Spannweiten ohne zusätzliche Stützen und ist ökologisch vorteilhaft. Das Dach wurde verschalt und mit mineralischer Wärmedämmung sowie einer Dacheindeckung aus Aluminium-Profiltafeln versehen. Aluminium als Deckung bietet eine hohe Lebensdauer und ist wartungsarm.

Innenarchitektur und Funktionalität

Die Sanierung beschränkte sich nicht auf das Gebäudegehäuse, sondern transformierte auch die inneren Strukturen. Ziel war es, den Anforderungen einer zeitgemäßen Bildung gerecht zu werden. Die ursprünglich sechs Klassenzimmer wurden auf elf erweitert. Dieser massive Zuwachs an Kapazität war durch den Abriss alter Substanz und den Neubau sowie den Ausbau von Dachgeschossen oder Kellern möglich.

Die neue Raumaufteilung beinhaltet: * Elf Unterrichtsräume: Diese ermöglichen kleinere Klassengrößen und eine intensivere Betreuung. * Werkraum: Fördert handwerkliches Geschick und praktisches Lernen. * Zwei neue Hort- und ein Differenzierungsraum: Stärken das Ganztagsangebot und individuelle Förderung. * Medienraum/Bibliothek: Integriert digitale und analoge Medienarbeit in den Lehrplan. * Kursraum, Sozial- und Arztraum: Bieten Platz für Gruppenarbeit und die Versorgung der Schüler. * Pausenhalle: Dient als wetterunabhängiger Aufenthaltsbereich.

Ein zentrales Element im neuen Gebäude ist das Atrium. Es beschreibt einen offenen Multifunktionsbereich mit einer Lichtkuppel. Hier wird nicht nur gegessen, sondern der Raum kann auch für Filmvorführungen über einen großen Bildschirm oder als Begegnungsstätte genutzt werden. Solche flexiblen Raumkonzepte sind in modernen Schulbauten unverzichtbar geworden.

Barrierefreiheit

Ein entscheidendes Merkmal der Modernisierung ist die vollständige Barrierefreiheit. Durch den Einbau eines neuen Aufzuges und die Anpassung der Zugänge ist das gesamte Schulhaus nun für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich. Dies erfüllt nicht nur gesetzliche Vorgaben, sondern schafft auch eine inklusive Lernumgebung.

Außenanlagen und Freiraumgestaltung

Die Sanierung der Grundschule Goldbach umfasst auch die Außenanlagen. Zum Schulstart im August 2025 waren bereits die wesentlichen Zuwegungen und der Pausenhof geschaffen. Die abschließende Gestaltung des Spielbereichs, des Schulgarten und der Kleinsportfläche ist für das Folgejahr geplant. Dieses Phasenmodell zeigt, dass die Fertigstellung des Gebäudekörpers Vorrang hatte, um den Schulbetrieb aufnehmen zu können, während die Freiraumgestaltung im Anschluss erfolgt.

Finanzielle Aspekte und Förderung

Die Finanzierung eines solchen Projekts ist oft der kritischste Faktor. Die Sanierung der Grundschule Goldbach kostete den Landkreis Gotha als Schulträger seit Baubeginn im Jahr 2019 etwa 12,4 Millionen Euro. Diese Summe beinhaltet die Bereitstellung moderner und funktionaler Räumlichkeiten für die 251 Schüler und das Lehrpersonal.

Eine wichtige Erkenntnis für Bauherren und Investoren ist die Möglichkeit der Förderung. Der Landkreis Gotha konnte auf Fördermittel von Bund und Freistaat Thüringen in Höhe von 4,4 Millionen Euro zurückgreifen. Dies reduzierte die Eigenlast erheblich. Solche Förderprogramme sind oft an Kriterien wie energetische Sanierung, Barrierefreiheit oder den Erhalt von Baudenkmälern geknüpft.

Zusammenfassung der Projektdaten

Um die wichtigsten Fakten übersichtlich zusammenzufassen, dient folgende Tabelle:

Merkmal Details
Objekt Grundschule Goldbach (DDR-Plattenbau von 1968)
Standort Goldbach, Landkreis Gotha, Thüringen
Bauzeit 2019 bis 2025 (6 Jahre)
Schülerzahl ca. 251 (Start 2025/26)
Gesamtkosten ca. 12,4 Mio. €
Fördersumme 4,4 Mio. € (Bund & Freistaat)
Architektur Erweiterungsbau Holz-Beton-Mischbauweise
Fassade Erweiterungsbau Holzständerbauweise mit Holzfaserdämmung
Dach Nagelbrettbinder, mineralische Dämmung, Aluminium-Eindeckung
Räumliche Erweiterung Von 6 auf 11 Klassenzimmer, plus Medienraum, Atrium, Mensa, Turnhalle
Ausweichschule Warza (Gemeinschaftsschule)

Bedeutung für die Bauwirtschaft

Das Projekt Goldbach bietet wertvolle Erkenntnisse für die Bauwirtschaft. Die Kombination aus Erhalt (Sanierung des Plattenbaus) und Erweiterung (Neubau in Holz-Beton-Mischbauweise) ist ein zukunftsweisendes Konzept. Es ermöglicht, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, da Holz als nachwachsender Rohstoff bindet Kohlendioxid, während gleichzeitig die bestehende Bausubstanz revitalisiert wird.

Die Entscheidung für eine Holzfaserdämmung unterstreicht den Fokus auf ökologisches Bauen. Im Vergleich zu mineralischen Dämmstoffen bietet sie bessere Dämmeigenschaften bei geringerer Dicke und ist diffusionsoffen, was Schimmelbildung vorbeugt. Die Verwendung von Aluminium-Profiltafeln als Dacheindeckung ist eine langlebige und recycelbare Alternative zu herkömmlichen Dachdeckungen.

Fazit

Die Sanierung der Grundschule Goldbach ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Stadtsanierung und Investition in die Zukunft. Nach sechs Jahren Bauzeit, einer intensiven Phase der Umstrukturierung und der Nutzung einer Ausweichschule in Warza, präsentiert sich der Standort Goldbach nun als moderner, barrierefreier und funktionaler Bildungsort.

Die Investition von 12,4 Millionen Euro, unterstützt durch 4,4 Millionen Euro Fördermittel, hat nicht nur die Bausubstanz saniert, sondern auch die Kapazitäten von sechs auf elf Klassenzimmer erweitert. Besonders hervorzuheben sind die moderne Bauweise des Erweiterungsbaus (Holz-Beton-Mischbauweise) und die intelligente Raumaufteilung mit Atrium und Medienraum. Für Bauinteressenten und Projektverantwortliche in der öffentlichen Hand zeigt dieses Projekt, dass komplexe Sanierungen bei laufendem Betrieb möglich sind, wenn eine kluge Bauorganisation und moderne Bautechniken Hand in Hand gehen. Die Fertigstellung der Außenanlagen im Folgejahr wird das Projekt dann vollenden und den Schülern eine Lernumgebung bieten, die den Namen "Zukunft" verdient.

Quellen

  1. Primavera24 - Goldbach: Grundschüler feiern ersten Bauabschnitt
  2. MDR Mediathek - Nach sechs Jahren: Sanierung der Grundschule in Goldbach abgeschlossen
  3. Landkreis Gotha - Sanierte Grundschule Goldbach nimmt Betrieb auf
  4. Ritter Bauer - Grund- und Mittelschule Goldbach Bauabschnitte 1.3 und 1.4
  5. Gotha Aktuell - Sanierte Grundschule Goldbach nimmt Betrieb auf
  6. Oscar am Freitag - Lernen auf Top-Niveau: Sanierung der Schule in Goldbach nach sechs Jahren abgeschlossen

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