Sanierung des Schulhauses Mattenbach in Winterthur: Ein architektonischer und technischer Fachbericht

Einführung

Die energetische und bauliche Modernisierung von Bestandsgebäuden stellt eine zentrale Herausforderung und zugleich eine Chance im modernen Baugeschehen dar. Ein prominentes Beispiel für eine solche Maßnahme ist die Sanierung des Schulhauses Mattenbach in Winterthur. Dieses Projekt verdeutlicht, wie historische Bausubstanz unter Einhaltung heutiger energetischer Standards und architektonischer Vorgaben saniert werden kann. Der vorliegende Fachbeitrag beleuchtet die Hintergründe des Bauvorhabens, die architektonische Entwicklung des Gebäudes sowie die durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus lokalen Medienmitteilungen und Referenzobjekten wird ein detaillierter Überblick über die Planung und Umsetzung dieser Sanierung gegeben.

Historischer Kontext und Bedarf

Das Schulhaus Mattenbach wurde notwendig, da nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere in der Nachkriegszeit, die Bevölkerung in den Quartieren Talgut und Gutschick stark anwuchs. Dieser demografische Wandel führte zu einem erheblichen Bedarf an neuen Schulgebäuden. Die Planungen für die neue Schulanlage begannen bereits 1970. Das Bauvorhaben wurde von den Architekten von Paillard + Lehmann projektiert und geleitet. Der Primarschultrakt konnte 1973 bezogen werden, gefolgt vom Oberstufenschultrakt im Jahr 1974, sodass die Einweihung der gesamten Anlage 1974 stattfand.

Das Gebäude diente über Jahrzehnte als zentraler Bildungsort, verlor jedoch im Laufe der Zeit an energetischer Effizienz. Eine Bauzustandsanalyse bestätigte, dass das Gebäude die energetischen Anforderungen nicht mehr erfüllte. Dieser Umstand war der entscheidende Auslöser für die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung. Der Stadtrat von Winterthur erkannte diesen Bedarf und stellte die notwendigen finanziellen Mittel für die Projektierung bereit.

Architektonische Einordnung und Ursprungszustand

Das Schulhaus Mattenbach ist ein typisches Vertreter der modernen Schularchitektur der 1970er Jahre. Entworfen wurde es von den Zürcher Architekten Claude Paillard und Peter Leemann. Das Bauwerk besteht aus vier Trakten: einem Oberstufentrakt mit 14 Klassenzimmern, zwei Primarschultrakten mit je 5 Klassenzimmern und einem Turnhallentrakt mit Doppelsporthalle.

Besonders hervorzuheben ist die ursprüngliche Gestaltung des Gebäudes. Der Künstler Ulrich Elsener verlieh dem Bauwerk eine charakteristische Fassadengestaltung mit farbigen Streifen. Diese künstlerische Komponente war integraler Bestandteil der Architektur und prägte das Erscheinungsbild des Schulhauses über Jahrzehnte. Auch die Fensterrahmen trugen zur Ästhetik bei: Es handelte sich um goldgelb eloxierte Fensterrahmen aus Aluminium.

Die Anlage war ursprünglich über einen eingeschossigen Erschließungsbau verbunden, der die Trakte für die Primarschule, Sekundarschule und Betreuung sowie die Turnhalle miteinander verknüpfte.

Die Sanierung: Zielsetzung und Planung

Projektvorbereitung und Ausschreibung

Die Sanierung des Schulhauses Mattenbach war ein komplexes Vorhaben, das eine sorgfältige Vorbereitung erforderte. Der Stadtrat Winterthur hat gebundene Ausgaben in Höhe von 150.000 CHF für die Projektierung der Sanierung freigegeben. Im ersten Schritt wurden eine Bauzustandsanalyse und eine Machbarkeitsstudie erstellt. Diese Maßnahmen dienten dazu, den genauen Umfang der Sanierung zu bestimmen.

Nach dieser Analysephase folgte ein Planerwahlverfahren. Die Ausschreibung für die Planungsleistungen wurde amtlich publiziert. Ziel war es, qualifizierte Planer zu finden, die die energetischen und architektonischen Anforderungen umsetzen konnten.

Architektonische Leitung während der Sanierung

Für die Durchführung der Sanierung wurde eine spezifische Planergemeinschaft beauftragt. Die architektonische Leitung lag bei der Planergemeinschaft Camenzind Bosshard Architekten AG, Zürich, und Dürsteler Bauplaner GmbH, Winterthur. Diese Kombination aus einer renommierten Architektenfirma und einem lokalen Bauplaner bürgt für eine Verbindung von überregionaler architektonischer Expertise und detaillierter Kenntnis der lokalen Gegebenheiten.

Durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen

Die Sanierung zielte darauf ab, das Gebäude energetisch auf den neuesten Stand zu bringen und gleichzeitig die architektonische Identität zu bewahren.

Erhalt der architektonischen Substanz

Ein zentrales Ziel der Sanierung war die Wiederherstellung der ursprünglichen Architektur. Das Schulhaus Mattenbach aus dem Jahr 1974 sollte nach Abschluss der Arbeiten wieder seine ursprüngliche ästhetische Qualität zeigen.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Fassade geschenkt. Die vom Winterthurer Künstler Ulrich Elsener stammende Gestaltung mit farbigen Streifen wurde von ihm selbst aufgefrischt. Zudem wurde diese Gestaltung in den neu geschaffenen Gebäudeteilen weitergeführt. Dies gewährleistet eine konsistente visuelle Identität über das gesamte Areal hinweg.

Auch die Fenster spielten eine Rolle. Die ursprünglichen goldgelb eloxierten Fensterrahmen aus Aluminium wurden im Zuge der Sanierung berücksichtigt. Der Erhalt oder die angleichende Neugestaltung dieser Elemente ist entscheidend für die Authentizität des Gebäudes.

Energetische Anforderungen

Hauptmotivation für die Sanierung war, wie eingangs erwähnt, die Nichteinhaltung der energetischen Anforderungen durch den Altbau. Obwohl die konkreten technischen Maßnahmen (z.B. Dämmung, Heizungstausch, Fenstermodernisierung) in den zur Verfügung gestellten Quellen nicht detailliert aufgeschlüsselt sind, ist der Zweck der Sanierung klar definiert: Die Schulanlage muss in einen Zustand versetzt werden, der den aktuellen energetischen Standards entspricht. Dies umfasst in der Regel eine Verbesserung der Gebäudehülle und der Haustechnik.

Zusammenfassung der Projektdaten

Um einen schnellen Überblick über das Bauvorhaben zu geben, sind die relevanten Daten im Folgenden zusammengefasst:

Merkmal Details
Objekt Schulhaus Mattenbach (Primar- und Sekundarschulhaus)
Standort Talgutstrasse 71, 8400 Winterthur
Baujahr (Ursprung) 1974
Fertigstellung (Sanierung) 2021
Ursprüngliche Architekten Claude Paillard, Peter Leemann (Zürich)
Architekten (Sanierung) Camenzind Bosshard Architekten AG (Zürich), Dürsteler Bauplaner GmbH (Winterthur)
Bauherr Department Schule und Sport der Stadt Winterthur (DSS)
Trakte Oberstufen-, Primarschul- und Turnhallentrakt

Analyse der Bauplanung und Projektabwicklung

Die Art und Weise, wie das Projekt angegangen wurde, folgt einem modernen und strukturierten Baumanagement-Ansatz. Die Freigabe von 150.000 CHF vor der eigentlichen Ausschreibung unterstreicht die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Vorplanung. In der Bauindustrie ist es bewährt, zunächst eine detaillierte Bauzustandsanalyse (BZA) durchzuführen, um Bauschäden, Mängel und energetische Defizite exakt zu identifizieren. Aufbauend darauf wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die die wirtschaftliche und technische Realisierbarkeit der Sanierung prüfte.

Das Planerwahlverfahren, das im Anschluss an die Analyse durchgeführt wurde, ist ein Instrument, um das beste Planungsteam für die spezifischen Anforderungen des Projekts zu ermitteln. Die Wahl fiel auf ein Duo aus einer Architektenfirma und einem Bauplaner. Dies deutet auf eine Arbeitsteilung hin: Die Architekten (Camenzind Bosshard) sind vermutlich für das architektonische Konzept, die Gestaltung und die Einbindung in das Quartier verantwortlich, während der Bauplaner (Dürsteler) die technische Umsetzung, Ausschreibungen und die Bauausführung begleitet.

Fazit

Die Sanierung des Schulhauses Mattenbach in Winterthur ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz, architektonischer Ästhetik und modernen energetischen Anforderungen. Das 1974 von Claude Paillard und Peter Leemann erbaute Gebäude wurde durch den Zuwachs an Bevölkerung im Quartier notwendig und diente jahrzehntelang als Bildungsort.

Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus der Nichteinhaltung aktueller energetischer Standards. Der Prozess der Sanierung wurde professionell vorbereitet: Durch eine Bauzustandsanalyse und Machbarkeitsstudie wurde der Umfang der Maßnahmen definiert, gefolgt von einem strukturierten Planerwahlverfahren.

Ein herausragendes Merkmal der Sanierung ist die Sensibilität für die architektonische Vorlage. Durch die Einbeziehung des ursprünglichen Künstlers Ulrich Elsener zur Auffrischung der Fassadengestaltung und durch die Arbeit der Planergemeinschaft Camenzind Bosshard Architekten AG und Dürsteler Bauplaner GmbH wurde sichergestellt, dass der charakteristische Stil des Baus aus den 1970er Jahren erhalten bleibt, während die technische Performance auf den neuesten Stand gebracht wurde. Die Fertigstellung im Jahr 2021 markiert den Abschluss eines Projekts, das als Leitfaden für ähnliche Sanierungsvorhaben in öffentlichen Gebäuden dienen kann.

Quellen

  1. Stadt Winterthur - Sanierung Schulhaus Mattenbach
  2. Sprachrohr Winti - Neue Fassade im Ursprungsstil
  3. Referenz-Objekte.ch - Schulanlage Mattenbach
  4. Winterthur-Glossar - Schulhaus Mattenbach

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