Einleitung
Die Stadt Arnsberg und die Handwerkskammer Südwestfalen befinden sich aktuell in umfangreichen Investitions- und Sanierungsprogrammen, die darauf abzielen, die Infrastruktur für Bildung und Verwaltung zukunftsfähig zu gestalten. Diese Initiativen umfassen sowohl die energetische und funktionale Sanierung bestehender Gebäudekomplexe als auch den Neubau moderner Schulungs- und Schulgebäude. Im Fokus stehen dabei die Verbesserung der Brandschutzstandards, die Erhöhung der Energieeffizienz, die Schaffung barrierefreier Zugänge und die Anpassung der Raumkonzepte an zeitgemäße pädagogische und administrative Anforderungen.
Die folgende Analyse beleuchtet die verschiedenen Projekte, die auf den von der Stadt Arnsberg und der Handwerkskammer veröffentlichten Informationen basieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Neubau des Schulungsgebäudes am Berufsbildungszentrum (BBZ) „Altes Feld“ sowie den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an städtischen Schulen und dem Rathaus.
Neubau des Schulungsgebäudes am BBZ Altes Feld
Ein zentrales Projekt im Bereich der beruflichen Bildung ist der Neubau eines Schulungsgebäudes am Berufsbildungszentrum (BBZ) „Altes Feld“ in Arnsberg. Die Handwerkskammer Südwestfalen als Trägerin des BBZ plant den Ersatz des bestehenden Gebäudes „G“ durch einen zeitgemäßen Gebäudekomplex.
Das Planungs- und Wettbewerbsverfahren
Die Planung für das neue Schulungsgebäude wurde über ein einstufiges Einladungswettbewerbsverfahren nach den Regeln der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (RPW 2013) realisiert. An diesem Wettbewerb nahmen neun Architekturbüros aus Arnsberg, Düsseldorf und dem Rheinland teil. Nach Abgabe der Entwürfe am 18. Dezember 2018 fand die Preisgerichtssitzung am 31. Januar 2019 statt. Unter dem Vorsitz von Franz-Jörg Feja entschied das Preisgericht einstimmig mit 8:0 Stimmen für den Entwurf des Büros Halfmann Architekten aus Köln, welches einen ersten Preis in Höhe von 20.000 EUR erhielt. Der zweite Preis ging an pier 7 architekten GmbH aus Düsseldorf.
Das Preisgericht begründete seine Entscheidung damit, dass der Entwurf die Erwartungen an ein qualitätsvolles, nachhaltiges und gut nutzbares Schulungsgebäude an der „Entrée-Situation“ des BBZ in überzeugender Weise erfüllt.
Architektonisches Konzept und Ausstattung
Das neue Schulungsgebäude wird als zweigeschossiger Kubus konzipiert, der durch gezielte Einschnitte für Belichtung, Erschließung und Terrassen transformiert wird. Die Gestaltung orientiert sich an der Metapher eines „angebissenen Apfels“: Die unangetastete Hülle des Kubus erscheint dunkel, während der Körper im Bereich der Aushöhlungen hell gestaltet ist. Dies erzeugt farbliche Bezüge zu den Bestandsgebäuden, indem dunkler Klinker und weißer Putz kombiniert werden. Die Fenster im Klinkerbereich werden durch ein umlaufendes Leichtmetallelement mit integriertem Sonnenschutz gerahmt, während die Öffnungen im Putzbereich großflächig verglast sind.
Das Gebäude soll etwa 1.200 Quadratmeter Nutzfläche inklusive Technik- und Verkehrsflächen bieten. Die nutzungsneutralen Schulungsräume gruppieren sich im Erdgeschoss um eine teilweise zweigeschossige Eingangshalle. Geplant ist die Unterbringung von Theorieräumen für alle Fachrichtungen sowie speziell für den Fachbereich Friseure und Kosmetik. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Der geplante Baubeginn wurde ursprünglich auf das Jahr der Entscheidung (2019) angesetzt, wobei die genaue Umsetzung im Zeitplan der Handwerkskammer Südwestfalen erfolgen soll.
Sanierungsprogramm der Stadt Arnsberg: Schulen und Kitas
Die Stadt Arnsberg hat ein umfangreiches Schulsanierungsprogramm für die Jahre 2023 bis 2027 aufgelegt. Ziel ist die Modernisierung von über 20 Schulen und Kitas im Stadtgebiet. Die Maßnahmen konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf Brandschutz, Energieeffizienz, Akustik und Barrierefreiheit.
Hauptschule Grimmeschule (Neubau/Sanierung)
Ein prominentes Projekt ist die Verlegung der Hauptschule Grimmeschule. Nach langen politischen Diskussionen und einer Machbarkeitsstudie soll die Schule in den Sanierungskomplex des früheren Realschulstandortes an der Goethestraße (Goethestraße 16–18) ziehen. Die Arbeiten hierfür sollen im ersten Quartal 2025 beginnen, nachdem ein Schadstoffkataster erstellt wurde. Das Gebäude wird für eine 2,5-zügige Hauptschule ertüchtigt.
Allerdings gab es Verzögerungen im Zeitplan. Ein Nachprüfungsverfahren führte zu einer Anpassung der Rahmenterminplanung. Der Einzug der Schule verschiebt sich voraussichtlich um ein Schuljahr auf 2027/28. Die Stadt Arnsberg investiert in diesen Standort rund 16 Millionen Euro.
Weitere Sanierungen an Grundschulen (2025)
Neben der Grimmeschule sind umfangreiche Maßnahmen an weiteren Schulgebäuden geplant:
- Grundschule Röhrschule Hüsten: Geplant ist für 2025 der Dachausbau. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und einem Statik-Büro.
- Grundschule Müggenberg Rusch: Bis Ende des dritten Quartals 2025 sind Akustik-, Beleuchtungs- und Malerarbeiten sowie Maßnahmen auf Grundlage eines neuen Brandschutzkonzeptes vorgesehen.
- Grundschule St.-Josef-Schule – Bergheim: Die Umsetzung von Brandschutzmaßnahmen und der Einbau von Akustikdecken mit integrierter Beleuchtung laufen bis Ende des zweiten Quartals 2025. Zudem wird ein Klassenraum saniert (Boden, Malerarbeiten, Austausch von Akustikplatten und Deckenbeleuchtung). Die Mensa wird gestrichen und ein eventueller Dachausbau inklusive Dachdämmung überprüft.
- Graf-Gottfried-Schule: Sicherheitsrelevante Maßnahmen im Treppenhaus (Erneuerung der Geländer) und punktuelle Ausbesserungen der WC-Anlagen sind geplant.
- Grundschule Mühlenberg: Im Rahmen des Programms „Arnsberg investiert in Schulen“ werden Akustikmaßnahmen im Essensraum und Brandschutzmaßnahmen im ersten und zweiten Quartal 2025 vollzogen. Für den Umbau der Schule begannen 2024 die Vergaben der Objekt- und Fachplanungsleistungen; die Planungen werden 2025 fortgesetzt. Parallel wird ein Alternativstandort für eine Einfachsporthalle geprüft. Die Bauphase ist für 2026 bis 2028 geplant.
- Grundschule Rodentelgenschule Bruchhausen: Die Erweiterung der Mensa ist im ersten Quartal 2025 vorgesehen.
- Grundschule Regenbogen Niedereimer: Eine Schadstoffsanierung inklusive Malerarbeiten ist bis einschließlich viertes Quartal 2025 geplant.
- Grundschule Regenbogen Schreppenberg: Im ersten Quartal 2025 stehen der Einbau neuer Brandschutztüren (inklusive Trockenbauarbeiten) und ein geplanter Fassadendurchbruch an.
- Grundschule Müschede: Aktuell wird die Ausführungsplanung zur Sanierung der Pausenhalle erstellt.
Neubau Grundschule Dinschede
Ein weiteres Großprojekt ist der Neubau der Grundschule Dinschede mit Offener Ganztagsschule und Bürgerzentrum. Die Planung für Objekt- und Fachplanungsleistungen wurde ausgeschrieben und vergeben. Das städtebaulich-architektonische Konzept wurde an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Ein Teil des neuen Quartiersplatzes mit Schulhof soll bereits vorzeitig im Mai/Juni 2025 fertiggestellt werden, um der Schulgemeinde frühzeitig Nutzungsmöglichkeiten zu bieten.
Investitionen in die Kita-Landschaft
Auch im Kita-Bereich investiert die Stadt Arnsberg. In Bruchhausen ist an der städtischen Kita „Entenhausen“ eine Erweiterung um zwei Gruppen in Planung. Durch diese Maßnahme sollen Kapazitäten für rund 45 Kinder geschaffen werden, was als Reaktion auf die Ankündigung des Trägers des katholischen Kindergartens („Wir-Kitas“) gesehen wird, im vergangenen Jahr Betreuungsplätze zu reduzieren.
Sanierung des Rathauses Arnsberg
Neben den Bildungseinrichtungen durchläuft auch das Rathaus Arnsberg eine umfassende Modernisierung. Das Gebäude wurde 1968 fertiggestellt und muss nun nach 50 Jahren Nutzung saniert werden, da es energetisch und hinsichtlich der Barrierefreiheit nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Auch die Nutzungsansprüche an das direkt an der Ruhr gelegene Gebäude haben sich gewandelt.
Ziele der Sanierung
Die Sanierung wird von der Stadt Arnsberg als Bauherrn in Zusammenarbeit mit der Assmann Projektsteuerung umgesetzt. Die Architekturplanung liegt bei v-architekten Köln. Die Planung konzentriert sich auf mehrere Kernbereiche:
- Energetische Sanierung: Reduzierung des Energieverbrauchs durch Modernisierung der Gebäudehülle und Technik.
- Gestaltung der Fassaden: Aufwertung des äußeren Erscheinungsbildes.
- Neugestaltung der Bürolandschaft: Umsetzung neuer Konzepte für flexible und bürgernahe Büroorganisation mit hoher Nutzerqualität. Die Räume sollen verschiedene Arbeitssituationen unterstützen.
- Ausbildung öffentlicher Bereiche: Das Rathaus soll künftig nicht nur Verwaltungssitz sein, sondern auch Raum für Veranstaltungen von Vereinen, Initiativen und Gruppen bieten. Diese „Öffnung zur Stadt“ wird durch eine Aufwertung des Freiraums und eine bessere Einbindung des Standortes in den Stadtraum unterstützt.
Das Gebäude besteht aus einem Büro-Hochtrakt und einem Flachtrakt. Die Sanierung umfasst das Bürgerzentrum im Erdgeschoss und die Verwaltungsbüros in den Obergeschossen des Hochbaus.
Fazit
Die Entwicklungen in Arnsberg zeigen eine deutliche Investition in die öffentliche Infrastruktur. Die Maßnahmen reichen von hochwertigen Neubauten, wie dem Schulungsgebäude am BBZ Altes Feld, über umfangreiche Sanierungen bestehender Schulstandorte bis hin zur Modernisierung des Rathauses.
Ein zentraler Aspekt ist die stringente Umsetzung von Sicherheitsstandards, insbesondere im Brandschutz, sowie die Verbesserung des Innenraumklimas durch akustische und energetische Maßnahmen. Gleichzeitig wird durch Erweiterungen von Kitas und den Bau neuer Schulen (Dinschede) auf demografische Veränderungen und den Bedarf an Betreuungsplätzen reagiert. Die Vielzahl der Projekte erfordert eine präzise Terminplanung, die sich an den Vorgaben des Schulsanierungsprogramms orientiert. Für Handwerker und Planungsbüros ergeben sich hier vielfältige Auftragsmöglichkeiten im Bereich der Sanierung und des Neubaus.