Einleitung
Die Sanierung von Schwimmbädern stellt eine komplexes Bauvorhaben dar, das weit über eine bloße Oberflächenreparatur hinausgeht. Insbesondere bei öffentlichen Hallenbädern und Freizeitbädern, die im Dauerbetrieb genutzt werden, erfordert die Modernisierung eine akribische technische Planung, die Einhaltung strenger DIN-Normen und eine strategische Umsetzung, um die Badeeinrichtung weiterhin nutzbar zu halten. Die Sanierung des Schwimmzentrums Itzehoe dient hierbei als praxisnahes Beispiel für die Herausforderungen und Lösungsansätze, die bei der Revitalisierung von Wasservergnügungsstätten anzutreffen sind. Von der Erneuerung der Beckendurchströmung über die Anpassung der Wasseraufbereitung bis hin zur energetischen Optimierung der Gebäudehülle zeigt dieser Fall, wie eine umfassende Attraktivierung einer Badeanstalt gelingen kann. Für Eigentümer, Investoren und Bauherren, die sich mit der Renovierung von Immobilien oder gewerblichen Badeeinrichtungen befassen, liefert der folgende Artikel detaillierte Einblicke in die notwendigen Maßnahmen und technischen Verfahren.
Analyse der Sanierungsmaßnahmen im Schwimmzentrum Itzehoe
Das Schwimmzentrum Itzehoe unterlag einem umfangreichen Sanierungs- und Attraktivierungsprozess, der sich über einen Zeitraum von 30 Monaten erstreckte und 2019 abgeschlossen wurde. Die Maßnahme umfasste eine Gesamtfläche von ca. 6.020 Quadratmetern, wovon ca. 1.330 Quadratmeter auf die Wasserfläche und ca. 1.450 Quadratmeter auf die Saunafläche entfielen. Die Planung und Bauleitung übernahm die Generalplanung janßen bär partnerschaft mbB im Auftrag der Stadtwerke Itzehoe GmbH. Ziel der Sanierung war die Steigerung der Attraktivität der Becken und des Umgangsbereiches sowie die technische Modernisierung unter laufendem Betrieb.
Strategische Planung und Bauausführung
Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung von Schwimmbädern ist die Durchführung von Maßnahmen, ohne den Betrieb vollständig einzustellen. Im Itzehoer Schwimmzentrum wurde dieser Umstand durch eine Aufteilung in drei Bauabschnitte bewältigt. Diese Unterteilung ermöglichte es, während der Freibadsaison weiterhin Betrieb zu gewährleisten und die Arbeiten terminlich sowie konstruktiv zu steuern. Diese Vorgehensweise ist für Bauherren von großer Bedeutung, da sie den wirtschaftlichen Ausfall minimiert.
Die federführende Rolle in der Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus IB Bornholdt, WDK Architekten und Rendsburg, oblag der Ingenieurbüro Bornholdt. Diese Struktur der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) ist im Bauwesen üblich, um die spezialisierten Kompetenzen von Tragwerksplanern, Architekten und Fachplanern zu bündeln.
Technische Sanierung der Beckenanlagen
Im Fokus der technischen Sanierung stand die vollständige Erneuerung der Wasserkreisläufe und der Beckenauskleidung. Ein zentrales Element war die Erneuerung der Filtertechnik unter Betriebsbedingungen. Die Filtertechnik ist das Herzstück jeder Wasseraufbereitungsanlage, da sie für die optische und hygienische Wasserqualität sorgt. Die Erneuerung unter laufenden Bedingungen erfordert hohe ingenieurtechnische Expertise, um die Wassermengen stets zu gewährleisten.
Des Weiteren erfolgte die Erneuerung des Schwallwasserbehälters inklusive aller Rohrleitungen. Schwallwasserbehälter sind essentiell für die Hygiene, da sie verhindern, dass durch die Rückführung des Wassers Keime im System zirkulieren. Der Einbau von PE-HD (Polyethylen hoher Dichte) Druckrohrleitungen und PE-HD Schwallwasserbehältern unter beengten Verhältnissen zeigt die Notwendigkeit, moderne, korrosionsbeständige Materialien in bestehende Bauten zu integrieren.
Ein besonderes Merkmal der Sanierung war die Ausführung des Beckenkopfes als "Finnische Rinne". Bei einer Überlaufrinne wird das Wasser über einen Überlauf an der Beckenkante abgeführt. Eine finnische Rinne zeichnet sich durch eine spezielle Geometrie aus, die einen ruhigen Wasserspiegel ohne Strömungsstörungen gewährleistet. Die Auskleidung des Beckenkopfes erfolgte mit Fliesen und Keramikformsteinen. Zudem wurde eine Kapillarsperre aus Epoxidharz hinter der Überlaufrinne eingebaut. Eine Kapillarsperre verhindert das Aufsteigen von Feuchtigkeit im Mauerwerk, was für die Bausubstanz und die Lebensdauer der Verkleidung entscheidend ist.
Die Erneuerung des Fliesenbelages und Estrichs bis auf die Rohdecke war ein weiterer wichtiger Schritt, um die Trittsicherheit und die Ästhetik zu gewährleisten. In diesem Zuge wurde auch die Beckendurchströmung erneuert. Die Beckendurchströmung sorgt für eine gleichmäßige Verteilung von Frischwasser und die Entfernung von Schwebstoffen.
Vergleichsanalyse: Sanierungsmaßnahmen in anderen Kommunen
Um die Maßnahmen in Itzehoe einzuordnen, lohnt ein Blick auf vergleichbare Projekte, die von der Firma Bornholdt durchgeführt wurden. Diese Referenzen zeigen unterschiedliche Schwerpunkte in der Sanierung von Schwimmbädern.
Sanierung in Brunsbüttel
In Brunsbüttel lag der Fokus auf der Verhinderung von Wasserverlusten durch eine neue Beckenauskleidung und die Erneuerung des Beckenkopfes. Hierbei wurde Trocal-Folie als Auskleidungsmaterial verwendet. Trocal ist eine PVC-Folie, die oft bei Renovierungen eingesetzt wird, um undichte Becken dicht zu bekommen, ohne das Becken komplett auszuklinken. Des Weiteren wurde die Badewasseraufbereitung an die DIN 19643 angepasst. Diese Norm regelt die Anforderungen an die Wasserqualität in öffentlichen Bädern und ist für die Hygiene zwingend einzuhalten. Der Beckenkopf wurde aus Betonfertigteilen ausgebildet, was die Bauzeit verkürzen kann. Die Rohrleitungen wurden aus PVC/PE-HD verlegt und die Beckendurchströmung mittels Formteilen aus Edelstahl 1.4571 (eine titanstabilisierte Chrom-Nickel-Stahllegierung) erneuert.
Umbau in Burg zum Freizeitbad
Das Projekt in Burg beinhaltet einen Umbau eines Freibades in ein Freizeitbad. Hierbei wurde das Tragwerk untersucht ("Bauwerksuntersuchung auf Standsicherheit") und die Dachkonstruktion saniert. Ein spezielles Augenmerk lag auf der Sanierung der Betonlüftungskanäle. Bei älteren Betonbauten können Lüftungskanäle Korrosionsschäden aufweisen. Der Einbau eines Treppenturms mit Stahlgerüst und einer Aluminium-Glas-Fassade zeigt den modernen Anspruch an die Architektur. Für die Wasservergnügung wurde eine 63 Meter lange Großrutsche aus GfK (Glasfaser verstärkter Kunststoff) installiert. GfK ist ein Material, das oft für Rutschen verwendet wird, da es robust und formstabil ist.
Energetische Sanierungen (Wilster, Meldorf, Preetz)
Die energetische Sanierung von Hallenbädern gewinnt an Bedeutung, da der Energieverbrauch in Schwimmbädern sehr hoch ist. Im Hallenbad Wilster wurden Maßnahmen gemäß Konjunkturprogramm II durchgeführt. Dazu gehörten: * Erneuerung der Fassadenverglasung. * Erneuerung der Isowand-Fassadenflächen und Nebendachflächen. * Herstellung eines Wärmedämmverbundsystems an der Außenwand. * Erneuerung der lufttechnischen Anlagen (HLK) mit Wärmerückgewinnung. * Neukonzeption der Warmwasserbereitung basierend auf dem System der Heizwasserpufferung. * Neugestaltung der Duscheinrichtungen.
Diese Punkte zeigen, dass eine Sanierung nicht nur die Becken, sondern auch die gesamte Gebäudehülle und die Haustechnik umfasst. Die Umsetzung in einem Zeitfenster von nur 6 Monaten unterstreicht die Effizienz moderner Sanierungskonzepte.
Wasseraufbereitung und Hygiene nach DIN 19643
Ein wiederkehrendes Thema in den Sanierungsprojekten ist die Anpassung der Badewasseraufbereitung an die DIN 19643. Diese Norm ist für alle öffentlichen Bäder in Deutschland verbindlich und legt strengste Maßstäbe an die Wasserqualität, um Gesundheitsgefahren durch Mikroorganismen zu vermeiden. Die Sanierung der Anlagen in Wilster und Brunsbüttel beinhaltete explizit die Erneuerung der Aufbereitungsanlage nach dieser Norm.
Die DIN 19643 fordert unter anderem: * Eine Desinfektion, die sicherstellt, dass keine Krankheitserreger im Wasser überleben. * Eine ständige Überwachung der Wasserwerte (pH-Wert, Chlor, Temperatur). * Die Trennung von Frisch- und Zirkulationswasser durch Schwallwasserbehälter.
Die Erneuerung der Anlagen nach dieser Norm ist oft mit dem Einbau moderner Dosierautomatik und Messtechnik verbunden. Für Bauherren bedeutet dies, dass bei einer Sanierung stets der aktuelle Stand der Technik und der Normung eingehalten werden muss, um behördliche Zulassungen zu erhalten.
Das Schwimmzentrum Itzehoe: Infrastruktur und Nutzerführung
Neben den technischen Aspekten ist bei der Sanierung und dem Betrieb von Schwimmbädern auch die Nutzerfreundlichkeit entscheidend. Das Schwimmzentrum Itzehoe bietet hierzu eine detaillierte Infrastruktur, die für den Komfort der Badegäste sorgt.
Behindertengerechtheit und Barrierefreiheit
Ein modernes Schwimmbad muss barrierefrei erreichbar sein. Im Itzehoer Zentrum ist ein mobiler Lift vorhanden, der für alle Becken nutzbar ist. Zudem befinden sich zwei Behindertenparkplätze direkt vor dem Eingang. Diese Maßnahmen sind nicht nur serviceorientiert, sondern oft auch gesetzlich vorgeschrieben.
Hygiene und Komfort
Die Ausstattung der Umkleiden und Duschen spielt eine große Rolle in der Wahrnehmung der Badegäste. Es stehen 105 Schließfächer zur Verfügung, die eine sichere Verwahrung von Wertsachen ermöglichen. Die Nutzung erfordert eine Kaution in Form einer 1- oder 2-Euro-Münze. Für Gruppen und Einzelpersonen gibt es separate Kabinen. Ein moderner Service ist die bargeldlose Zahlungsmöglichkeit ab 10 Euro per EC- oder Kreditkarte. Auch ein Leihdienst für vergessene Badekleidung (Leihgebühr 1 €) ist eingerichtet. Die Föhnplätze mit Spiegeln und Hockern bieten Komfort beim Haaretrocknen. Diese Details sind für den wirtschaftlichen Erfolg eines Schwimmbades wichtig, da sie die Kundenbindung stärken.
Zusatzangebote und Events
Zur Attraktivierung gehört auch das Kursprogramm. Das Schwimmzentrum Itzehoe bietet Schwimmkurse vom Babyschwimmen bis zum Personal Training und Schwangerschaftsschwimmen an. Die Integration eines "Hüttendorfes" direkt am Schwimmzentrum, in dem bis zu 40 Personen schlafen können, weist auf die Möglichkeit von mehrtägigen Veranstaltungen oder Zeltlagern hin, was die multifunktionale Nutzung der Anlage demonstriert.
Materialien und Konstruktionen in der Schwimmbadsanierung
Die Auswahl der richtigen Materialien ist für die Langlebigkeit einer sanierten Schwimmbadanlage entscheidend. Die vorliegenden Daten geben Hinweise auf bewährte Baustoffe.
- PE-HD (Polyethylen hoher Dichte): Verwendung für Druckrohrleitungen und Schwallwasserbehälter. Das Material ist resistent gegen aggressive Wasserinhaltsstoffe und Korrosion.
- Edelstahl 1.4571: Verwendung für Formteile in der Beckendurchströmung. Dieser Stahl ist rostfrei und widerstandsfähig gegen Chlor.
- GfK (Glasfaser verstärkter Kunststoff): Verwendung für Großrutschen. Leicht, stabil und formbar.
- Fliesen und Keramikformsteine: Klassische Auskleidung für Beckenkopf und Wände. Sie sind langlebig, wenn die Verlegung fachgerecht erfolgt (inkl. Kapillarsperre).
- Trocal-Folie: Eine PVC-basierte Folie, oft zur Sanierung von undichten Becken oder als kostengünstige Alternative zu Fliesen.
- Wärmedämmverbundsysteme (WDVS): Notwendig für die energetische Sanierung der Gebäudehülle, um Heizverluste zu reduzieren.
Fazit
Die Sanierung des Schwimmzentrums Itzehoe und vergleichbarer Projekte in Schleswig-Holstein verdeutlicht, dass die Renovierung von Schwimmbädern eine interdisziplinäre Aufgabe ist, die technisches Know-how, normative Einhaltung und strategische Planung erfordert. Der Einsatz moderner Materialien wie PE-HD und Edelstahl sorgt für Langlebigkeit, während Maßnahmen wie die Aufteilung in Bauabschnitte die wirtschaftliche Tragbarkeit sicherstellen.
Für Bauherren und Eigentümer von Immobilien mit Badeeinrichtungen lassen sich folgende Kernstrategien ableiten: 1. Ganzheitliche Betrachtung: Eine Sanierung muss Becken, Rohrleitungen, Filtertechnik, Gebäudehülle und Haustechnik gleichermaßen umfassen. 2. Einhaltung von Normen: Die Anpassung an die DIN 19643 ist für die Hygiene unverzichtbar. 3. Barrierefreiheit und Service: Moderne Nutzeransprüche an Komfort und Zugänglichkeit müssen bedient werden. 4. Energieeffizienz: Der Einsatz von Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung ist für die Betriebskosten entscheidend.
Die vorliegenden Informationen belegen, dass eine fachgerechte Sanierung die Lebensdauer einer Schwimmbadanlage deutlich verlängert und die Attraktivität für die Nutzung signifikant steigert.