Die Elektroinstallation in älteren Wohngebäuden stellt oft eine zentrale Herausforderung bei Sanierungen dar. Insbesondere der Sicherungskasten, als Herzstück der Hausstromversorgung, muss häufig erneuert werden, um aktuellen Sicherheitsstandards und den steigenden Anforderungen an den Stromverbrauch gerecht zu werden. Für Eigentümer von Altbauten, die nicht in der Lage oder willens sind, das gesamte Haus auf einmal zu sanieren, stellt sich die Frage, wie eine schrittweise Modernisierung der Elektroinstallation erfolgen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Vorgehensweisen, technischen Notwendigkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei der Erneuerung des Sicherungskastens in bewohnten Häusern zu beachten sind.
Die Notwendigkeit der Modernisierung
In vielen Bestandsgebäuden, besonders jenen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, entspricht die elektrische Installation oft nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Neben veralteten Sicherungstechnologien fehlen häufig Elemente zum Schutz vor Personenschäden, wie sie heutzufordern Standard sind. Auch die schiere Anzahl der benötigten Stromkreise hat sich durch den Einsatz moderner Haushaltsgeräte, IT-Infrastruktur und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge drastisch erhöht.
Eine moderne Installation bietet entscheidende Vorteile, die über die reine Funktionalität hinausgehen: * Aktuelle Sicherheitsstandards: Ein neuer Sicherungskasten entspricht den neuesten Normen und erhöht die Sicherheit erheblich. Dies umfasst insbesondere den Schutz vor Stromschlägen durch Fehlerstromschutzschalter (RCDs). * Flexibilität: Durch den Einbau neuer Stromkreise und die Integration moderner Komponenten wie Überspannungsschutzgeräte wird die Anlage flexibler. * Zukunftssicherheit: Ein modernisierter Kasten kann problemlos auf zukünftige Anforderungen, wie die Installation einer Wallbox für Elektrofahrzeuge oder Smart-Home-Technologien, angepasst werden.
Daher ist der Austausch des Sicherungskastens nicht nur eine Frage der Funktionalität, sondern ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit des Eigenheims.
Grundsätzliche Vorgehensweisen bei der Sanierung
Grundsätzlich lassen sich bei der Sanierung der Elektroinstallation vier mögliche Lösungsansätze unterscheiden, die sich in Aufwand, Kosten und Zulässigkeit unterscheiden.
1. Absoluter Neubau (Tabula Rasa)
Die einfachste, aber aufwendigste Methode ist das vollständige "Totlegen" der alten Anlage und der Neubau der gesamten Elektroinstallation. Dies setzt voraus, dass die Bewohner während der Sanierungsphase das Haus verlassen können. Vorteil ist die vollständige Überprüfung aller Leitungswege und die Möglichkeit, eine vollständig moderne Anlage nach aktuellen Normen zu errichten.
2. Parallelschaltung von alter und neuer Anlage
Eine Möglichkeit, während der Sanierung im Haus zu wohnen, ist die Errichtung einer neuen Anlage parallel zur Bestandsanlage. Hierfür gibt es verschiedene Varianten: * Zwei Zähler: Es werden zwei Zähler betrieben, was zu einer doppelten Grundgebühr führt. Zudem ist entweder ein Doppelhausanschluss notwendig oder ein zweiter Hausanschluss muss gesetzt werden. * Gebrückter Zähler: Die Bestandsanlage wird mit gebrücktem Zähler als Unterverteilung weiterbetrieben, während die neue Anlage parallel geschaltet wird. Je nach Situation kann die vorhandene Leitung vom Hausanschluss zum Zählerschrank umgeleitet oder eine neue Zuleitung gelegt werden.
3. Schrittweise Sanierung
Dies ist der häufigste Weg für Eigentümer, die im Haus bleiben möchten. Hierbei werden Räume nacheinander saniert. Eine provisorische Übergangselektrik mit geringem Aufwand aufputz installiert, versorgt dabei die noch nicht sanierten Räume. Leitungen werden vom Sicherungskasten durch den Flur und durch Wände zu Aufputzsteckdosen geführt. Flur und alle Durchgangsräume für die Leitungen sollten dabei zuletzt saniert werden, da sie als arteries Verbindungsstücke dienen.
Schrittweise Sanierung: Herausforderungen und Lösungsstrategien
Die schrittweise Sanierung ist machbar und durchaus üblich, birgt jedoch spezifische Herausforderungen, die sorgfältig geplant werden müssen.
Der neue Sicherungskasten als zentrale Voraussetzung
Ein entscheidender Punkt ist die Notwendigkeit eines neuen Sicherungskasten von Beginn an. Die Vorstellung, man könne zunächst nur einzelne Räume erneuern und dabei den alten Sicherungskasten belassen, ist nach den gängigen Vorschriften nicht zulässig. Sobald auch nur ein Stromkreis für Steckdosen erneuert wird, ist die gesamte Anlage auf den aktuellen Stand zu bringen. Dies bedeutet insbesondere den Einbau von Personenschutz (RCDs) für alle Stromkreise. Bis auf das Bad, das einen eigenen RCD benötigt, können mehrere Räume an einen RCD zusammengefasst werden. Sinnvollerweise geschieht dies so, dass bei einer Auslösung des RCD immer noch ausreichend Licht in den betroffenen Bereichen vorhanden bleibt.
Diese RCDs benötigen Platz im Sicherungskasten. Ein Umbau des alten Kastens ist oft schwieriger und teurer als der Einbau eines neuen, modernen Verteilers. Daher ist es ratsam, den Sicherungskasten vollständig zu erneuern. Dies umfasst: * Demontage des alten Kastens. * Neuinstallation der Komponenten (Sicherungsautomaten, FI-Schalter, gegebenenfalls Überspannungsschutz). * Prüfung und Anpassung der Verkabelung (siehe unten).
Umgang mit den alten Leitungen
Bei der schrittweisen Sanierung stellt sich die Frage, was mit den alten Leitungen im Mauerwerk geschehen soll. Es gibt hierzu unterschiedliche Ansichten, aber eine klare Empfehlung: Die alten Leitungen sollten nicht unbedingt in den Wänden bleiben. * Befreiung der Installationszonen: Man stemmt ohnehin die Installationszonen auf, um neue Leitungen zu verlegen. Dabei werden die alten Leitungen frei. Es ist daher unkompliziert, sie zu entfernen. * Sicherheit beim Bohren: Verbleiben alte Leitungen in der Wand, muss man später vor jedem Bohren überlegen, ob dort eine alte (und potenziell unsichere) Leitung liegen könnte. * Wirtschaftlichkeit: Für alte Elektroleitungen kann man beim Schrotthändler noch etwas Geld bekommen.
Es ist jedoch auch möglich, alte Leitungen abzuklemmen und im Mauerwerk zu belassen, wenn dies baulich bedingt ist. Wichtig ist, dass sie außer Betrieb genommen und nicht mehr genutzt werden.
Vorgehen bei der Verkabelung
Für die neuen Leitungen im Zuge der schrittweisen Sanierung gelten folgende Standards: * Leitungstyp: Verwendet werden i.d.R. NYM-Leitungen. * Querschnitte: Standard sind 3x1,5 mm² für Leuchten und Steckdosen. Für den Herdanschluss oder größere Verbraucher werden 5x2,5 mm² (bei Starkstrom) oder entsprechend dimensionierte Leitungen verwendet. * Ausnahmen: Die Querschnitte können abweichen, wenn die Leitungswege zu lang sind oder die Verlegeart (z.B. in Dämmstoffen) eine negative Belastung verursacht.
Der Prozess der Erneuerung: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Erneuern eines Sicherungskastens gemäß den geltenden Vorschriften erfordert eine strukturierte Vorgehensweise. Auch wenn die Detailplanung und Ausführung einer Fachkraft überlassen werden sollte, hilft das Verständnis des Prozesses bei der Koordination.
1. Vorbereitung
- Stromversorgung sicherstellen: Bevor Arbeiten beginnen, ist die Stromversorgung sicher auszuschalten. Es muss sichergestellt werden, dass sie nicht wieder zugeschaltet werden kann (Arbeitsfreigabe, Verriegelung).
- Planung: Der neue Sicherungskasten muss geplant werden. Welche Stromkreise sind notwendig? Wo kommen RCDs hin? Welche Zukunftsanforderungen (z.B. Wallbox) müssen berücksichtigt werden?
2. Demontage der alten Anlage
Der alte Sicherungskasten wird entfernt. Dabei werden die vorhandenen Kabel überprüft. In der Praxis bedeutet dies oft: Kabel abschneiden, isolieren und zurück in die Wand ziehen oder entfernen.
3. Montage des neuen Sicherungskastens
Der neue Kasten wird eingebaut. Die Komponenten (Sicherungsautomaten, FI-Schutzschalter, etc.) werden gemäß den Vorschriften verdrahtet. Hierbei ist auf korrekte Belegung und Klemmung zu achten, was in der Regel durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen sollte.
4. Integration neuer Stromkreise und Verkabelung
Im Zuge der schrittweisen Sanierung werden die neuen Leitungen in den zu sanierenden Räumen verlegt. Ein Vorteil der schrittweisen Vorgehensweise ist, dass die Kabel zum Sicherungskasten gezogen, aber zunächst aufgerollt und "geparkt" werden können. Sobald alle Kabel für einen Raum oder einen Abschnitt da sind und der neue Kasten bereit steht, können sie installiert und anklemmen werden. Dosen und Schalter werden dabei mit 3-adrigem Kabel angeschlossen.
5. Abschließende Prüfung und Inbetriebnahme
Nach Abschluss der Arbeiten (entweder pro Raum oder nach Fertigstellung des Verteilers) erfolgt die Inbetriebnahme. Dies umfasst eine umfassende Überprüfung der Funktionalität und Sicherheit der Anlage. Nur durch eine fachgerechte Prüfung (z.B. nach DIN VDE 0100-600) kann sichergestellt werden, dass alle Vorschriften eingehalten wurden und die Anlage sicher betrieben werden kann.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Normen
Die Erneuerung von Sicherungskasten und Elektroinstallation unterliegt strengen Vorschriften. Die Quellen sprechen wiederholt von den "sicherungskasten erneuern vorschriften". Diese Vorschriften fordern: * Den Schutz vor elektrischem Schlag (Berührungsschutz). * Den Schutz vor Überstrom (Kurzschluss und Überlastung). * Den Schutz vor Wärmeeinwirkung (durch Funkenbildung etc.). * Die Verwendung von Fehlerstromschutzschaltern (RCDs) in allen relevanten Stromkreisen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass eine schrittweise Sanierung, bei der nur einzelne Räume aufgerüstet werden, während der Rest mit alter Elektroinstallation betrieben wird, nach gängigem Wissen nicht zulässig ist. Sobald an einer Stelle modernisiert wird, muss die Anlage als Ganzes betrachtet und auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dies betrifft insbesondere den Sicherungskasten und den Personenschutz.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile der schrittweisen Sanierung
| Aspekt | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Kosten | Verteilung der Kosten über einen längeren Zeitraum. | Provisorische Lösungen (Aufputz-Leitungen) können teurer sein als eine Komplettsanierung auf einmal. |
| Wohnsituation | Bewohner können im Haus bleiben. | Einschränkungen durch provisorische Stromversorgung und Baustellen. |
| Aufwand | Fokussierter Aufwand pro Raum. | Höherer Planungsaufwand, Koordination der Anschlüsse zum Sicherungskasten. |
| Sicherheit | Schneller Sicherheitsgewinn in sanierten Bereichen. | Risiko von Unklarheiten bei der Verkabelung (alte vs. neue Leitungen). |
| Zukunftssicherheit | Anpassung an neue Bedürfnisse in den sanierten Bereichen. | Der nicht sanierte Teil bleibt "alt" und limitiert die Gesamtleistung. |
Fazit
Die schrittweise Sanierung des Sicherungskastens und der Elektroinstallation in einem Altbau ist ein komplexes, aber machbares Projekt. Sie bietet Eigentümern die Möglichkeit, die Sicherheit und den Komfort ihres Eigenheims schrittweise an moderne Standards anzupassen, ohne das Haus während der Sanierungsphase verlassen zu müssen.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Planung und der Einhaltung der rechtlichen Vorgaben. Ein zentraler Punkt ist die Erkenntnis, dass der Sicherungskasten stets als eine Einheit betrachtet werden muss: Eine Sanierung einzelner Räume erfordert zwingend die Anpassung des Sicherungskastens auf den aktuellen Stand der Technik, insbesondere den Einbau von Fehlerstromschutzschaltern. Die Idee, alte Leitungen einfach zu belassen, ist aus Sicherheits- und Zukunftsgründen abzulehnen; vielmehr sollten sie während der Sanierung entfernt werden, um klare Verhältnisse zu schaffen.
Letztlich ist die Investition in eine moderne Elektroinstallation eine Investition in Sicherheit, Lebensqualität und den Wert der Immobilie. Ob als Komplettsanierung oder als durchdachte schrittweise Modernisierung – die fachgerechte Umsetzung durch einen Elektrofachbetrieb ist dabei unerlässlich, um die hohen Anforderungen an die Sicherheit zu erfüllen.