Die Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs unterliegt einem ständigen Modernisierungsprozess, um den heutigen Standards in Barrierefreiheit, Sicherheit und Effizienz gerecht zu werden. Die Stadtbahnlinie U35 in Bochum, auch bekannt als Campuslinie, ist hierbei ein zentrales Element. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Quellen beleuchten aktuelle und geplante Baumaßnahmen, die von der Erneuerung von Bahnhofseinrichtungen bis hin zu umfassenden Gleisarbeiten reichen. Dieser Artikel fasst die relevanten Fakten für Eigentümer, Bauinteressierte und Pendler zusammen, die einen Einblick in den Zustand und die Zukunft der lokalen Verkehrsinfrastruktur suchen.
Aktuelle Sanierungsprojekte an den Bahnhöfen
Zwei konkrete Projekte in Bochum stehen im Mittelpunkt der aktuellen Modernisierung: die Haltestelle Markstraße und der Bahnhof Rathaus Nord. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, die Infrastruktur an aktuelle Standards anzupassen, wobei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.
Sanierung des Bahnhofs Markstraße
Die Haltestelle Markstraße wurde in den 1970er Jahren als Teil der Linie 5 errichtet und in den 1990er Jahren für die heutige Campuslinie U35 mit einem Mittelbahnsteig umgebaut. Da die Anlage seitdem im Wesentlichen unverändert blieb, entspricht sie nicht mehr den aktuellen Anforderungen an Barrierefreiheit.
Ab dem 16. August begann das Tiefbauamt Bochum mit einer Sanierung, die voraussichtlich fünf bis sieben Wochen dauern wird. Die Kernarbeiten umfassen die Erneuerung des kompletten Bodenbelages auf dem Bahnsteig. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Installation eines taktilen Leitsystems, das Sehbehinderten und blinden Menschen die sichere Orientierung ermöglicht. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf rund 170.000 Euro.
Trotz der umfangreichen Arbeiten bleibt der Bahnhof durchgehend in Betrieb. Der Zugang ist jederzeit ohne Einschränkungen möglich. Um die Arbeiten durchführen zu können, wird der Bahnsteig in Abschnitte unterteilt, was zu leichten Behinderungen führen kann. In den Abendstunden ab 20:30 Uhr kommt es zu einer Betriebsänderung: Die U35 verkehrt zwischen den Bahnhöfen Markstraße und Brenscheder Straße im sogenannten „Falschfahr“-Betrieb, was bedeutet, dass sie nur auf einer Bahnsteigseite hält.
Brandschutzmodernisierung im Bahnhof Rathaus Nord
Ein weiteres Modernisierungsprojekt betrifft den Bahnhof Rathaus Nord. Hier liegt der Fokus auf der Verbesserung des baulichen und anlagentechnischen Brandschutzes. Die Arbeiten, die voraussichtlich bis Ende des Jahres andauern, sollen die Sicherheit der Fahrgäste erhöhen und die Auswirkungen möglicher Brandereignisse minimieren. Der Fahrbetrieb der U35 wird während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten.
Die Maßnahmen sind vielfältig und umfassen: * Tausch von Türen: Vorhandene Türen im Bereich der Verteilerebene „Technisches Rathaus“ und in den Betriebsräumen der Fahrebene werden durch neue Feuerschutztüren ersetzt. Dies erfordert umfangreiche Abbruch- und Mauerarbeiten. * Brandmeldeanlage: Der Bahnhof erhält eine moderne Brandmeldeanlage, bestehend aus automatischen Rauchmeldern, manuellen Brandmeldern und Rauchansaugsystemen. * Fluchtwegoptimierung: Auf der Verteilerebene „Kortumstraße“ werden die Bügel der ehemaligen Fahrkartenentwerter demontiert, um den Fluchtweg zu verbessern. * Notrufeinrichtungen: Auf der Fahrebene ist die Installation einer Notrufsäule geplant, die mit einem Feuerlöscher und einem Defibrillator ausgestattet wird. * Lüftungssysteme: Die Lüftungsanlagen in den Betriebsräumen auf der Fahrebene und in der Verteilerebene „Kortumstraße“ werden komplett erneuert. Veraltete Brandschutzklappen werden durch moderne Komponenten ersetzt. * Schilder: Neue Transparente mit Warnhinweisen werden angebracht.
Instandhaltungsarbeiten und Verkehrsführung
Neben den Modernisierungen an den Bahnhöfen sind auch regelmäßige Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen notwendig. Eine solche Maßnahme wurde für den Streckenabschnitt der U35 zwischen den Haltestellen Markstraße und Gesundheitscampus angekündigt.
Die Gleiserneuerung fand in der Zeit vom 22. März bis voraussichtlich 7. April 2024 statt. Während dieser Phase, die auch Arbeiten an den Wochenenden einschloss, war der Betrieb auf dem Abschnitt zwischen Herne Schloss Strünkede und Brenscheder Straße eingeschränkt. Auf dem betroffenen Streckenstück wurden Schienenersatzverkehre mit Bussen eingesetzt.
Bereits vor Beginn der Gleisarbeiten, ab dem 19. März, wurde die Verkehrsführung auf der Universitätsstraße geändert. Die Zahl der Fahrspuren wurde verringert und Spuren eingeengt, was zu Verkehrsbehinderungen führte. Die Behörden empfahlen, den Baustellenbereich großräumig zu umfahren.
Perspektiven und Ausbaupläne für die U35
Die Bedeutung der U35 als Hauptverkehrsader ist erheblich. Laut einer Analyse befördert die Linie etwa 85.000 Fahrgäste pro Tag. In der Hauptverkehrszeit (HVZ) sind die Züge, die aktuell alle drei Minuten mit Doppeltraktionen verkehren, extrem ausgelastet. Experten halten einen umfangreichen Ausbau zur Voll-U-Bahn für notwendig, um die steigende Nachfrage zu bewältigen.
Kapazitätsausbau und technische Möglichkeiten
Ein vorgeschlagener Ausbau würde unter anderem den kreuzungsfreien Ausbau im Bereich Wasserstraße/Brenscheder Straße und die Verlängerung der Bahnsteige an oberirdischen Stationen umfassen. Langfristig würde dies den Betrieb einer vollautomatischen U-Bahn im 90-Sekunden-Takt mit Vierfachtraktionen ermöglichen. Eine solche Kapazitätserhöhung wäre eine Reaktion auf die Grenzen des aktuellen Betriebs.
Zahlen verdeutlichen das Potenzial: Aktuell fahren in der HVZ 15 Doppeltraktionen pro Stunde. Ein Ausbau könnte dies auf 24 Dreifachtraktionen pro Stunde steigern, was eine Verdoppelung der Kapazität bedeuten würde. Selbst bei einer geringeren Nachfrage könnte ein Takt von 3/3/4 Minuten realisiert werden, was immer noch eine deutliche Kapazitätssteigerung darstellt.
Verlängerungen und Reisezeiten
Neben dem Kapazitätsausbau werden Verlängerungen der Linie diskutiert, um neue Pendlerpotenziale zu erschließen. * Südlicher Ast: Die Verlängerung nach Langendreer zu einem potenziellen neuen Bahnhof wird als wichtigstes Projekt angesehen. Die aktuelle Fahrzeit von der Hustadt zum Hauptbahnhof beträgt 12 Minuten. Im Vergleich dazu benötigt die Buslinie 302 aktuell 28 Minuten vom Hauptbahnhof zum S-Bahnhof Langendreer. Diese Fahrzeitverkürzung würde die Attraktivität des ÖPNV erheblich steigern. * Nördlicher Ast: Eine weitere Verlängerung nach Norden, beispielsweise bis Recklinghausen-Süd, wird ebenfalls erwogen. Eine solche Verbindung könnte die Fahrzeit zwischen Bochum und Recklinghausen auf 16 bis 17 Minuten reduzieren, was deutlich schneller wäre als bestehende Zugverbindungen (ca. 24 Minuten), die zudem oft weniger Halte bieten.
Im Endausbau könnte die U35 zwischen Hustadt und Bergbaumuseum alle 2,5 Minuten fahren. Die Äste nach Langendreer und Herbede könnten im 5- bzw. 10-Minuten-Takt bedient werden. Eine Verbindung nach Recklinghausen-Süd wäre ebenfalls alle 5 Minuten geplant.
Generalsanierungen der Deutschen Bahn
Die Maßnahmen an der U35 stehen im Kontext eines bundesweiten Trends zur Modernisierung der Schieneninfrastruktur. Die Deutsche Bahn (DB) führt im Rahmen einer Generalsanierung umfangreiche Arbeiten an zahlreichen Strecken durch, um Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit zu steigern. Diese Projekte umfassen oft die Erneuerung von Gleisen, Weichen, Leit- und Sicherungstechnik sowie von Brücken und Bahnübergängen.
Beispiele aus den vorliegenden Daten zeigen den Umfang dieser Sanierungen: * Strecke Bremerhaven – Bremen: Von Juli bis Dezember 2027 wird die Strecke saniert, die für den Regional- und Güterverkehr (Container, Autos, Kreuzfahrtpassagiere) von Bedeutung ist. * Schnellfahrstrecke Berlin – Lehrte: Die 1998 in Betrieb genommene Strecke wird ebenfalls bis Dezember 2027 saniert. Hier stehen die Erneuerung von Gleisen und Weichen sowie die Modernisierung mehrerer Bahnhöfe im Fokus. * Ostkorridor Nord (Uelzen – Halle): Auch auf diesem Korridor finden von August 2027 an Sanierungen statt, um mehr Flexibilität im Betrieb zu ermöglichen. Dazu gehören Überholmöglichkeiten und Maßnahmen an Oberleitungen und Bahnübergängen. * Korridor Hagen – Hamm: Die Strecke, die auch für den Güterverkehr relevant ist, wird modernisiert, insbesondere die Stellwerkstechnik und mehrere Bahnhöfe werden aufgewertet.
Diese umfassenden Modernisierungen zeigen, dass der Schienenverkehr in Deutschland einen erheblichen Investitionsbedarf hat, um die Leistungsfähigkeit für den Personen- und Güterverkehr zu erhalten und auszubauen.
Fazit
Die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an der U35 in Bochum sind ein wichtiger Schritt zur Anpassung der Verkehrsinfrastruktur an aktuelle und zukünftige Anforderungen. Die Arbeiten an den Bahnhöfen Markstraße und Rathaus Nord adressieren spezifische Defizite in Barrierefreiheit und Brandschutz und erhöhen die Sicherheit und den Komfort für die Fahrgäste. Die Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen sind notwendig, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten.
Darüber hinaus verdeutlichen die Ausbaupläne das enorme Potenzial der U35. Ein Ausbau zur Voll-U-Bahn und die Verlängerung der Linie könnten die Verkehrsbindung in der Region Bochum und Umgebung deutlich verbessern und Alternativen zum motorisierten Privatverkehr stärken. Die dargestellten Fakten basieren auf den vorliegenden Veröffentlichungen und geben einen Überblick über den aktuellen Stand der Planung und Umsetzung. Für Eigentümer und Bewohner der betroffenen Gebiete bedeutet dies, dass die Verkehrsinfrastruktur gezielt modernisiert wird, was langfristig die Attraktivität der Standorte stärken kann.