Die Sanierung und Erweiterung von Bildungszentren stellt eine der komplexesten Aufgaben im modernen Hochbau dar. Neben der Notwendigkeit, die Bausubstanz zu erhalten und zu modernisieren, gilt es, pädagogische Anforderungen, energetische Vorgaben und städtebauliche Integration unter einen Hut zu bringen. Das Projekt am Bildungszentrum Markdorf dient hierbei als ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Bestandssanierung im laufenden Betrieb. Der folgende Fachbeitrag beleuchtet die umfangreichen Maßnahmen, die im Zuge dieser Generalsanierung ergriffen wurden, und setzt einen Schwerpunkt auf die technischen und planerischen Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Sporthalle und der technischen Gebäudeausrüstung (TGA).
Einführung: Das Projekt Bildungszentrum Markdorf
Das Bildungszentrum Markdorf, erbaut im Jahr 1972, bildet das pädagogische Herz des Ortes und beheimatet Haupt-, Gymnasial- und Realschulklassen. Seit seiner Errichtung durch das Stuttgarter Architekturbüro Bidlingmaier, Egenhofer, war das Gebäude mehrfach Erweiterungen und Anpassungen unterworfen. Die Entscheidung zur vollständigen Sanierung und Erweiterung, initiiert durch eine Elterninitiative und begleitet von den Plösser Architekten aus Friedrichshafen, zielte darauf ab, den Standort zukunftssicher zu gestalten. Ein Kernanliegen war die Schaffung einer homogenen Gesamtanlage, in der Schule, Mensa und Sporthalle durch eine zentrale Freiraumachse vernetzt sind.
Die Sanierung umfasste nicht nur die Gebäudehülle und die statischen Elemente, sondern eine tiefgreifende Neustrukturierung der inneren Funktionalitäten. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass alle Arbeiten im laufenden Schulbetrieb durchgeführt werden mussten, was eine außergewöhnliche logistische und technische Planung erforderte.
Die Generalsanierung der Sporthalle: Ein Technik-Herzschlag
Ein zentraler Baustein des Projekts war die Sanierung der 1972 errichteten Sporthalle 1. Diese Halle dient nicht nur dem Schulsport, sondern ist eine wichtige Einrichtung für zahlreiche lokale Vereine. Ziel der Maßnahme war es, den Energiebedarf der Halle drastisch zu senken – konkret auf nur noch 50 % des vorherigen Verbrauchs. Um dies zu erreichen, wurde eine Sanierung durchgeführt, die an die Substanz ging: „Alles neu bis aufs Gerippe“.
Umfassende Modernisierung der Gebäudehülle und Technik
Die Maßnahmen an der Sporthalle waren vielschichtig und umfassten nahezu alle Bereiche des Gebäudes:
- Gebäudehülle: Eine vollständige Erneuerung der Fassade und des Dachaufbaus war essenziell, um die thermische Hülle zu dichten. Zudem wurden die bestehenden Dachoberlichter umgebaut.
- Sanitär- und Umkleidebereiche: Eine Kernsanierung der Sanitär- und Umkleideräume wurde vorgenommen, um den hygienischen Standards gerecht zu werden und die Nutzbarkeit für verschiedene Gruppen zu gewährleisten.
- Elektrotechnik: Der Austausch der gesamten elektrischen Anlage, inklusive der Hallenbeleuchtung, bildete eine weitere Säule der Modernisierung.
- Heizung und Lüftung: Das Heizsystem wurde erneuert und durch eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ergänzt. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Energieeffizienz, da durch die Wärmerückgewinnung Energie aus der Abluft zurückgewonnen und zur Vorwärmung der Zuluft genutzt wird.
- Raumakustik: Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik wurden implementiert, was die Nutzungsqualität im Sportbetrieb erheblich steigert.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung dieser umfangreichen Sanierung erfolgte durch eine Kombination kommunaler Mittel und staatlicher Förderprogramme. Dies unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die öffentliche Infrastruktur. Beteiligt waren der Bodenseekreis und die Stadt Markdorf, unterstützt durch folgende Förderprogramme:
- Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums (Projektträger Jülich)
- Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur des Bundesministeriums des Inneren (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung)
- Energieeffizientes Bauen und Sanieren – Nichtwohngebäude (KfW)
- Kommunales Sportstättenbauförderprogramm (Land Baden-Württemberg)
Diese breite Aufstellung an Fördergebern zeigt, dass die Sanierung nicht nur lokal, sondern auf Landes- und Bundesebene als vorbildlich eingestuft wurde.
Die Hochbausanierung: Pädagogik trifft Architektur
Neben der Sporthalle erstreckte sich die Sanierung auf den gesamten Gebäudekomplex der Schule. Das Ziel war die Entwicklung eines neuen, homogenen Schulcampus.
Neustrukturierung der Funktionsräume
Ein besonderer Fokus lag auf der Neuorganisation der naturwissenschaftlichen Bereiche. Hier erhielten die Räumlichkeiten eine gesamte Neustrukturierung und Neueinrichtung, um modernen pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden. Ebenso wurde der Bereich der Ganztagesbetreuung erweitert.
Der Grundgedanke hierbei war die Schaffung einer multifunktionalen Cafeteria. Diese dient nicht nur der Verpflegung, sondern fungiert als Aula und sozialer Kommunikationsort im Schulalltag. Diese funktionale Aufwertung ist ein zentraler Aspekt moderner Schularchitektur, die den sozialen Aspekt des Lernens betont.
Architektur und Integration
Die Planung durch Plösser Architekten zeichnet sich durch eine große Sensibilität im Umgang mit dem Bestand aus. Die ursprüngliche Architektur von 1972, die als horizontal, nach einem strengen Raster geordnet und mit strukturalistischen Anklängen beschrieben wird, wurde respektiert und weiterentwickelt. Die Architekten orientierten sich nah am Bestand, wobei die Materialisierung an das Frühwerk von Günther Behnisch erinnert.
Ein wesentlicher städtebaulicher Aspekt ist die Erschließung des Geländes. Über den Campus wurde eine zentrale Freiraumachse gelegt, die die Bausteine Bushaltestelle/Parkplatz, Schule, Mensa und Sporthalle miteinander vernetzt. Diese Achse dient als Nahtstelle zwischen dem bestehenden Bildungszentrum und einem späteren Bauabschnitt der Campusanlage. Sie schafft eine offene und klare Vernetzung aller Einrichtungen und integriert größere und kleinere Aktivitätsinseln für Interaktion und Rückzug.
Technische Gebäudeausrüstung (TGA): Das unsichtbare Rückgrat
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Sanierung, insbesondere im Hinblick auf die Energieeffizienz, war die komplette Erneuerung der Technischen Gebäudeausrüstung. Die Conplaning GmbH brachte hier ihr Know-how in der Fachplanung der gesamten TGA ein.
Die Maßnahmen im Bereich der TGA umfassten: * Sanitärinstallation: Vom Austausch der Rohrleitungen bis hin zu neuen Armaturen. * Heizungsinstallation: Die Erneuerung der Heizkörper und Leitungen sowie die Anbindung an neue Wärmeerzeuger. * Elektroinstallation: Die Verlegung neuer Leitungen, Installation neuer Verteiler und die Anpassung an moderne IT- und Kommunikationsstandards.
Die Notwendigkeit dieser vollständigen Erneuerung ergab sich aus dem Alter der Anlagen und dem Ziel, den Energieverbrauch des gesamten Gebäudekomplexes signifikant zu senken. Die Integration von Wärmerückgewinnungssystemen, wie in der Sporthalle, und die Optimierung der Heizungs- und Lüftungssteuerung sind Beispiele für die technische Tiefe der Sanierung.
Außenanlagen und Freiraumgestaltung
Die Sanierung beschränkte sich nicht auf das Gebäudeinnere. Der gesamte Gebäudekomplex erhielt eine neue Fassade, und die komplette Außenanlage wurde erneuert. In Zusammenarbeit mit dem Überlinger Büro Freiraumwerkstadt wurden die Außenanlagen neu gestaltet. Die Gestaltung der Freiflächen ist eng mit dem Konzept der neuen Freiraumachse verknüpft und soll die Vernetzung der Campus-Bereiche auch im Außenraum visuell und funktional unterstützen.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung des Bildungszentrums Markdorf stellt einen Meilenfall in der modernen Baupraxis dar. Es wurde ein Beispiel dafür geschaffen, wie ein veraltetes Bildungszentrum unter strenger Beachtung energetischer Vorgaben und moderner pädagogischer Anforderungen zukunftsfähig gemacht werden kann. Die Maßnahmen reichten von der vollständigen Erneuerung der technischen Infrastruktur über die Neugestaltung der Funktionsräume bis hin zur architektonischen und städtebaulichen Aufwertung des gesamten Geländes.
Besonders bemerkenswert ist die Sanierung der Sporthalle, die durch eine umfassende Modernisierung von Fassade, Dach, Sanitär-, Elektro- und Heizungstechnik sowie dem Einbau einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung den Energieverbrauch halbierte. Die Finanzierung durch eine Vielzahl von Förderprogrammen unterstreicht die Vorbildfunktion des Projekts. Die Arbeiten wurden im laufenden Betrieb realisiert, was die hohe Kompetenz der beteiligten Planer und Handwerker beweist. Das Ergebnis ist ein moderner, vernetzter Schulcampus, der als multifunktionaler sozialer Ort und als energieeffizientes Bauwerk dient.