Einleitung
Die Modernisierung und der Erhalt kommunaler Infrastruktur stellen Gemeinden vor erhebliche finanzielle und logistische Herausforderungen. Im Fokus dieser Entwicklungen steht die Gemeinde Barsbüttel, die aktuell zwei bedeutende Sanierungsprojekte vorantreibt: die Erneuerung des Kunstrasenplatzes im Helmut-John-Stadion und die dringend benötigte Sanierung der örtlichen Schwimmhalle. Diese Vorhaben verdeutlichen die Notwendigkeit, veraltete Sport- und Freizeiteinrichtungen auf den aktuellen technischen Stand zu bringen, um die Lebensqualität für die ansässige Bevölkerung zu erhalten und den Anforderungen an Sicherheit und Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Während der Kunstrasenplatz bereits in der Umsetzung ist und auf Fördermittel des Landes Schleswig-Holstein zurückgreifen kann, befindet sich die Sanierung der Schwimmhalle noch in der Planungs- und Finanzierungsphase. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen Details, die Kostenstruktur und die strategischen Maßnahmen beider Projekte aus der Perspektive von Bauherrn und Planern.
Erneuerung des Kunstrasenplatzes im Helmut-John-Stadion
Die Erneuerung des Kunstrasenplatzes am Soltausredder ist ein Paradebeispiel für eine notwendige Baumaßnahme im Bereich der Sportstättenförderung. Nachdem der vorherige Belag aus dem Jahr 2006 das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht hatte, begannen die Arbeiten zur Sanierung der Anlage.
Technische Umsetzung und Materialwahl
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Entsorgung des alten, abgängigen Kunststoffrasenbelags. Im Zuge der Modernisierung wird dieser durch einen hochwertigen neuen Kunststoffrasen ersetzt. Besondere Beachtung findet dabei die gewählte Füllung: Das Gemeindeamt Barsbüttel setzt auf eine Mischung aus Quarzsand und Korkgranulat. Diese Entscheidung fiel nicht zufällig; zwei Jahre zuvor hatte die Gemeinde bei der Neugestaltung einer Sportanlage in Willinghusen bereits positive Erfahrungen mit dieser Verfüllung gemacht. Ein wesentlicher Vorteil dieser Materialkombination ist die Verwendung reiner Naturstoffe als Füllmaterial. Dies unterstreicht den Trend hin zu umweltfreundlicheren Baustoffen im kommunalen Bereich.
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird ein Sportfeld modernster Bauart zur Verfügung stehen. Dieses wird primär von den Fußballern des Barsbütteler Sportvereins genutzt, aber auch der Sportunterricht der Erich Kästner Gemeinschaftsschule und der Kirsten Boie Schule profitiert von der hochwertigen Oberfläche.
Finanzierung durch Landesförderung
Finanziell wird das Projekt durch das Land Schleswig-Holstein erheblich unterstützt. Die voraussichtlichen Gesamtkosten belaufen sich auf 380.000 Euro. Davon übernimmt die Landesregierung im Rahmen des Infrastrukturprogramms „IMPULS 2030“ genau die Hälfte, also 190.000 Euro. Diese Förderung erfolgt auf Basis der Sportstättenförderrichtlinie. Die Tatsache, dass die Baukosten zu 50 % durch Drittmittel gedeckt werden, ist für die kommunale Haushaltsplanung von entscheidender Bedeutung.
Die Sanierung der Schwimmhalle Barsbüttel: Eine komplexere Herausforderung
Während der Kunstrasenplatz bereits in der Umsetzung ist, stellt die Sanierung der Schwimmhalle Barsbüttel ein weitaus komplexeres und kostenintensiveres Vorhaben dar. Die Anlage, die 1977 eröffnet wurde, weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, der nicht nur die Schwimmbadtechnik, sondern auch die gesamte Haustechnik betrifft.
Analyse des Sanierungsbedarfs
Ein im Herbst 2023 vorgelegtes Gutachten, das von der Gemeinde als Eigentümerin in Auftrag gegeben wurde, quantifiziert den Gesamtbedarf für die Sanierung und Erneuerung der Haus- und Schwimmbadtechnik auf rund 6 Millionen Euro (bzw. laut anderen Quellen auf ca. 6,5 Millionen Euro). Die Technik der Halle ist weitgehend veraltet; selbst Ersatzteile für bestehende Systeme sind nur noch schwer oder gar nicht mehr zu beschaffen. Ein akutes Beispiel aus dem Jahr 2024 war die Defektheizungsanlage im Lehrschwimmbecken in Glinde, die zu Wassertemperaturen von nur 19,8 Grad führte – ein Szenario, das auch für Barsbüttel bei ausbleibender Sanierung drohen könnte.
Die Sanierung ist zwingend notwendig, um den Betrieb langfristig zu sichern. Das Gutachten prognostiziert, dass nach einer umfassenden Modernisierung ein Weiterbetrieb für weitere 30 bis 35 Jahre realistisch ist.
Finanzierungsschwierigkeiten und Beteiligung des Fördervereins
Die Finanzierung des Vorhabens stellt die Gemeinde vor große Hürden. Der Förderverein Schwimmhalle Barsbüttel e.V., der die laufenden Maßnahmen bislang allein getragen hat, kann die Summe von über 6 Millionen Euro nicht aufbringen. Somit muss die Gemeinde den Großteil der Finanzmittel bereitstellen. Da die kommunalen Haushalte jedoch stark angespannt sind, sucht man nach alternativen Wegen der Kapitalbeschaffung.
Der Förderverein hat sich als treibende Kraft etabliert. Neben der Organisation von Spenden (z.B. für den Einbau neuer Duschen für ca. 70.000 Euro aus Eigenmitteln) hat der Verein im September 2025 gemeinsam mit anderen ortsansässigen Vereinen die Petition „Rettet unsere Schwimmhalle“ gestartet. Ziel der Petition, die online unterstützt werden kann, ist es, die Gemeindevertretung unter Bürgermeister Thomas Schreitmüller dazu zu bewegen, im Haushalt 2026 Planungskosten in Höhe von 200.000 Euro einzustellen. Ohne diese Planungskosten ist die Beantragung von Fördergeldern für die eigentliche Sanierung nicht möglich.
Strategische Planung und Ausschreibungen
Parallel zur Bürgermobilisierung laufen die offiziellen planerischen Vorhaben. Im Februar 2024 beschlossen Finanzausschuss und Gemeindevertretung einstimmig, ein Planungsbüro zu beauftragen, den gesamten Sanierungsprozess zu betreuen. Konkret wurde eine Ausschreibung für die „Objektplanung Gebäude und Innenräume“ gemäß HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) § 34 durchgeführt. Diese Planungsleistung umfasst die Leistungsphasen 1 bis 9 und dient dazu, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) und die Schwimmbadtechnik auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Der Zeitplan sieht vor, dass eigentliche Sanierungsarbeiten voraussichtlich nicht vor 2026 beginnen werden.
Herausforderungen für die öffentliche Hand
Die Projekte in Barsbüttel stehen exemplarisch für die Situation vieler deutscher Kommunen. Die Bäder sind alt, Sanierungen teuer und die kommunalen Haushalte angespannt. In Barsbüttel nutzt die Schwimmhalle eine breite Öffentlichkeit: Neben den drei lokalen Schulen nutzen auch Bildungseinrichtungen aus Oststeinbek, Hoisdorf, Lütjensee und Großensee die Anlage. Zudem trainieren dort 13 Vereine und die Feuerwehr. Der Wegfall dieser Infrastruktur hätte weitreichende soziale und sportliche Folgen für die Region.
Fazit
Die Gemeinde Barsbüttel befindet sich in einer Phase des infrastrukturellen Wandels. Mit der Erneuerung des Kunstrasenplatzes am Soltausredder wird ein wichtiges Projekt mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein erfolgreich umgesetzt. Hier stehen moderne, nachhaltige Materialien und eine solide Finanzierung im Vordergrund. Die Sanierung der Schwimmhalle hingegen befindet sich in einer kritischen Phase. Die hohen Kosten von über 6 Millionen Euro erfordern eine ausgeklügelte Finanzierungsstrategie, die staatliche Förderungen, Mittel der Gemeinde und die Unterstützung durch den engagierten Förderverein kombiniert. Der Erfolg des Vorhabens hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die notwendigen Planungskosten im Haushalt zu verankern, um den Weg für weitere Finanzierungsschritte zu ebnen. Beide Projekte verdeutlichen die Notwendigkeit proaktiver Planung und langfristiger finanzieller Verantwortung im kommunalen Bauwesen.