Die Restaurierung von denkmalgeschützten Gebäuden stellt Bauherren, Handwerker und Planer vor besondere Herausforderungen. Die Sanierung der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Bad Honnef dient hierbei als praxisnahes Beispiel für die komplexen Abläufe, technischen Anforderungen und die Bedeutung historischer Bausubstanz. Dieser Artikel beleuchtet die durchgeführten Maßnahmen, die zugrundeliegende Baugeschichte und die handwerklichen Techniken, die bei der Instandsetzung dieses bedeutenden Baudenkmals zum Einsatz kamen. Er richtet sich an Eigentümer historischer Immobilien, an Bauinteressierte sowie an Fachkräfte im Bauwesen, die sich für Denkmalschutz und moderne Sanierungsmethoden interessieren.
Die Bedeutung des Baudenkmals und seine Geschichte
Die Pfarrkirche St. Johann Baptist ist ein zentrales Bauwerk im Stadtbild von Bad Honnef. Laut vorliegender Informationen handelt es sich um das älteste Bauwerk der Stadt. Die Bausubstanz reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück, wobei der untere Teil des Westturms im romanischen Stil erhalten blieb. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Turm aufgestockt, wobei versucht wurde, den romanischen Ursprungsstil beizubehalten.
Eine archäologische Entdeckung untermauert die lange Geschichte des Standorts: Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1979 wurde ein sogenanntes „Bauopfer“ gefunden, ein steinerner Krug, der auf eine Bauzeit um das Jahr 760 bis 780 hindeutet. Dieser Fund belegt, dass bereits im 8. Jahrhundert ein Vorgängerbau an dieser Stelle existierte. Die Kirche wuchs im Zuge des Bevölkerungswachstums der Gemeinde stetig. Die letzte große Erweiterung fand Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil der Neugotik statt, bei der ein Querschiff und zwei Apsiden angefügt wurden. Trotz dieser zahlreichen Umbauten und Anbauten über die Jahrhunderte hinweg präsentiert sich die Kirche auf den ersten Blick als ein einheitliches Bauensemble.
Vorbereitende Maßnahmen und Logistik vor Sanierungsbeginn
Eine Sanierung im Denkmalschutz erfordert eine sorgfältige Planung und Vorbereitung. Bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen können, muss das Inventar des Gebäudes sichergestellt werden. Bei St. Johann Baptist wurde das Inventar Stück für Stück entfernt.
Besonders wertvolle Kunstwerke wurden für die Zwischenlagerung vorbereitet. Dazu gehören unter anderem eine Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert und eine Grablegung aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Auch die Orgeln wurden eingepackt. Ein spezielles Objekt, das „Heilige Grab“ aus dem Jahr 1514, wurde sorgfältig verpackt und abtransportiert. Dieses Kunstwerk wurde nach dem Bau des Kirchenquerschiffes 1912 unter die Chorempore verlagert, was eine Veränderung der ursprünglichen Figurenanordnung zur Folge hatte. Während der Restaurierung wurde diese ursprüngliche Anordnung rückgängig gemacht. Nach Abschluss der Sanierung ist geplant, das Kunstwerk an einem neuen Ort zu platzieren, der seiner Bedeutung als 14. Kreuzwegstation („Jesus wird ins Grab gelegt“) gerechter wird.
Neben der Sicherung der Kunstgegenstände mussten auch liturgische Gerätschaften entsorgt oder umgelagert werden. Beichtstühle, die laut Pfarrer Bruno Wachten keine kunsthistorische Bedeutung besitzen, wurden entfernt und einer Kirche in Litauen zur Verfügung gestellt.
Der Sanierungsprozess: Handwerkliche Techniken und Abläufe
Die Sanierung der Kirche begann im September des Vorjahres und umfasste einen Zeitraum von acht Monaten. Die Arbeiten wurden als „Rundumpaket“ konzipiert, was bedeutet, dass alle Gewerke parallel oder in aufeinanderfolgenden Phasen koordiniert wurden.
Reinigung und Innenraumsanierung
Ein zentraler Bestandteil der Renovierung war die Reinigung der Innenwände. Handwerker des Malermeisters und Restaurators Markus Simons aus Altenahr waren hierfür im Einsatz. Das Team arbeitete in rund sechs Metern Höhe auf einem imposanten Stahlgerüst. Traditionell wurde zur Entfernung von Kerzenruß und anderen Ablagerungen alter Brotteig verwendet. In der modernen Restaurierung kommen jedoch spezielle Silikonschwämme zum Einsatz, die komfortabler in der Anwendung sind.
Die Reinigung zielte darauf ab, die Malereien des Deckengewölbes aus dem 16. Jahrhundert sowie die Bleiglasfenster und Fresken wieder in ihren ursprünglichen Glanz zu versetzen. Die Arbeiten am Gerüst wurden bereits weitgehend abgeschlossen; derzeit wird das Gerüst im Innenraum zurückgebaut.
Elektrotechnik und Beleuchtungskonzept
Ein wesentlicher technischer Aspekt der Modernisierung war die Neugestaltung der Elektroinstallation. Die Elektriker Guido Fuchs und sein Vater Peter verlegten mehrere hundert Meter Kabel. Ein besonderes Merkmal der Sanierung ist das ausgeklügelte Beleuchtungskonzept. Es wurden bis zu 50 regelbare Lampen installiert, die je nach Anlass (z. B. Gottesdienst, Konzert, Führungen) das Kircheninnere unterschiedlich beleuchten können. Die Steuerung erfolgt über mehrere Displays in der Sakristei.
Fußbodenheizung und archäologische Entdeckungen
Im Zuge der Verlegung einer neuen Fußbodenheizung stießen die Handwerker auf eine Mauernische. In dieser befand sich das bereits erwähnte „Badorfer Gefäß“ aus der Zeit um 760 bis 780. Solche Funde sind bei Sanierungen von historischen Gebäuden nicht ungewöhnlich und erfordern eine enge Abstimmung mit der Denkmalpflege.
Darüber hinaus wurden bei früheren Arbeiten im Innenraum Gräber entdeckt. Ein besonders gut erhaltenes Grab einer jungen Frau mit langen blonden Haaren und vollständig erhaltenen Barockkleidern wurde dokumentiert. Solche Funde unterstreichen die historische Tiefe des Standorts und fließen in die Präsentation der Kirche ein, sobald diese wieder für Besucher geöffnet ist.
Koordination und Zusammenarbeit
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Projekts war die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gewerken. Der Restaurator Markus Simons lobte ausdrücklich die exzellente Zusammenarbeit. Die Planung war langwierig und beinhaltete die Unterstützung durch die erzbischöfliche Bauabteilung. Zudem war die Denkmalpflege aus Brauweiler eineninhalb Tage vor Ort, um alle Gewerke zu begleiten und abzustimmen.
Kosten und Finanzierung
Die Gesamtkosten für die Sanierung werden auf knapp 1,2 Millionen Euro geschätzt. Dieser Betrag liegt rund 400.000 Euro höher als ursprünglich geplant. Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination aus Mitteln des Erzbistums, der Kirchengemeinde und der Bezirksregierung.
Zusammenfassung der durchgeführten Arbeiten
Um die Komplexität der Sanierung übersichtlich darzustellen, lassen sich die wesentlichen Arbeitsschwerpunkte wie folgt zusammenfassen:
- Innensanierung: Reinigung der Wände und Decken (Entfernung von Ruß und Ablagerungen) sowie Neuverputzarbeiten.
- Statik und Gebälk: Überprüfung und Sanierung des Turmgebälks.
- Heizung und Elektro: Verlegung einer Fußbodenheizung und komplette Neuverkabelung.
- Lichtkonzept: Installation eines modernen, steuerbaren Beleuchtungssystems.
- Kunst- und Kulturgutschutz: Sicherung, Restaurierung und Neuplatzierung von Kunstwerken (Madonna, Heiliges Grab).
- Fenster: Pflege der Bleiglasfenster und Überprüfung der 2002 und 2008 eingebauten Fenster (Kommunion- und Firmungsfenster).
Die Rolle der Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit
Während einer Sanierung bleibt die Öffentlichkeit oft vom Besuch des Gebäudes ausgeschlossen. Um dennoch eine Verbindung zur Gemeinde und zu Interessierten zu halten, wurden Begleitmaterialien veröffentlicht. Der Kirchbauverein Sankt Johann Baptist hat einen neuen Kirchenführer herausgegeben, der auf 44 Seiten Geschichte, bauliche Veränderungen und Kunstschätze des Gotteshauses dokumentiert. Dieser Führer basiert auf älteren Werken und wurde durch den Historiker Heiner Jansen und Stephan Bücker aktualisiert. Er enthält auch Informationen zu den neuen Fenstern und der Architekturgeschichte. Für Eigentümer von Denkmälern zeigt dies, wie wichtig die Dokumentation und Aufarbeitung der Bausubstanz für die Wertschätzung des Objekts ist.
Fazit
Die Sanierung der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Bad Honnef ist ein Musterbeispiel für die professionelle Restaurierung eines denkmalgeschützten Sakralbaus. Die Arbeiten umfassten nicht nur ästhetische Aufwertungen, sondern auch tiefgreifende technische Modernisierungen wie die Verlegung einer Fußbodenheizung und die Erneuerung der gesamten Elektroinstallation. Die enge Zusammenarbeit zwischen Handwerkern, Planern und der Denkmalpflege war entscheidend für die Einhaltung des Zeitplans und die Sicherung der historischen Substanz. Für Bauherren vergleichbarer Objekte verdeutlicht das Projekt die Notwendigkeit, archäologische Funde, Kunstschutz und moderne Haustechnik unter einem Dach zu vereinen. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Gebäude nicht nur optisch aufgewertet, sondern auch funktional an zeitgemäße Anforderungen angepasst, wobei der historische Charakter vollständig erhalten bleibt.