Sanierung des Gemeindehauses St. Katharinen in Braunschweig: Eine umfassende Analyse der Dachsanierung und den damit verbundenen Bau- und Finanzierungsmaßnahmen

Einleitung

Die Sanierung von Baudenkmälern stellt Bauherren, Eigentümer und Gemeinden vor spezifische Herausforderungen, die weit über die rein technische Instandsetzung hinausgehen. Insbesondere wenn es sich um historische Gebäude handelt, die unter Denkmalschutz stehen, müssen bautechnische Maßnahmen, Finanzierung und die Einhaltung von Vorschriften präzise aufeinander abgestimmt werden. Ein prominentes Beispiel für eine solche Komplexität ist die jüngste Dachsanierung des Gemeindehauses der St. Katharinen Kirche in Braunschweig.

Dieser Artikel beleuchtet die Sanierung des Flachdaches am Hagenmarkt, die durch ein extremes Wetterereignis ausgelöst und beschleunigt wurde. Er analysiert die technischen Hintergründe der Schadensaufnahme, die zeitliche Planung der Baumaßnahme sowie die komplexe Finanzierungsstruktur, die sich aus staatlichen Mitteln, Stiftungen und Spenden zusammensetzt. Darüber hinaus wird der organisatorische Aspekt der Sanierung beleuchtet, insbesondere die Beeinträchtigungen für den laufenden Kirchenbetrieb und die Nutzung des Gemeindehauses. Für Bauinteressenten und Immobilienbesitzer in Braunschweig und Umgebung bietet der Fall St. Katharinen wertvolle Erkenntnisse über den Ablauf von Großsanierungen im sensiblen Umfeld historischer Bausubstanz.

Der Auslöser: Starkregen und die Folgen für das Flachdach

Die Notwendigkeit einer umfassenden Dachsanierung wurde durch ein extremes Wetterereignis im Juni 2023 offensichtlich. Ein heftiger Starkregen heimsuchte Braunschweig und führte zu erheblichen Schäden am Gemeindehaus der St. Katharinen Kirche am Hagenmarkt. Das Gebäude verfügt über ein Flachdach, das bereits zuvor als marode eingestuft wurde. Durch das starke Regenwasser, das sich auf dem Dach staut, drang Feuchtigkeit in das Gebäude ein. Quellen berichten, dass das Wasser durch undichte Stellen in den Innenraum tropfte, sodass es in Wannen aufgefangen werden musste, um weiteren Schaden abzuwenden.

Ein entscheidender Punkt in der Bewertung der Situation ist, dass die Sanierung des Daches ohnehin bereits geplant war. Der Starkregen diente jedoch als Katalysator, um die Maßnahmen zu beschleunigen. Wie der leitende Architekt der Bauabteilung im Landeskirchenamt, Lorenz Haselhorst, ausführte, war an dem bereits in die Jahre gekommenen Dach nicht mehr viel zu retten. Das Regenwasser stand wochenlang auf dem Flachdach und lief in den Innenraum, was die Dringlichkeit der Instandsetzung massiv erhöhte.

Historischer Kontext und Baumängel

Um die Dimension der Sanierung zu verstehen, ist der historische Kontext des Gebäudes relevant. Es handelt sich um ein barockes Bauwerk, dessen Dachkonstruktion ursprünglich aus dieser Epoche stammt. Über die Jahrhunderte hinweg wurden lediglich Teile des Daches ausgebessert, anstatt eine vollständige Erneuerung vorzunehmen. Diese punktuellen Reparaturen führten langfristig zu einem Zustand, in dem die Integrität des Gesamtdaches nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Erste ernsthafte Warnungen gab es bereits im Jahr 2010. Damals stellte das Baureferat des Landeskirchenamtes erhebliche Mängel an der Dachkonstruktion fest. Der Anlass war ein Sturm im Frühjahr 2010, bei dem sich einige Ziegel lösten. Im Zuge der darauf folgenden Begutachtung wurde klar, dass das Dach einer grundlegenden Sanierung bedurfte. Die ursprüngliche Schätzung der Sanierungskosten belief sich im Jahr 2010 auf etwa 1,6 Millionen Euro, was den Kirchenvorstand damals schockierte. Im Laufe der Zeit und durch veränderte Kostenschätzungen konnte der Betrag jedoch auf nunmehr knapp eine Million Euro gesenkt werden.

Zeitlicher Ablauf und Organisation der Baumaßnahme

Die Planung und Durchführung einer solchen Sanierung erfordert eine präzise Terminplanung, um die Beeinträchtigungen für die Gemeindearbeit so gering wie möglich zu halten. Die Arbeiten am maroden Dach der St. Katharinenkirche begannen Anfang Mai und sollten laut Planung im Oktober abgeschlossen sein. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung befand sich der Aufbau der Gerüste bereits im Gange, während die Ausschreibung für die eigentlichen Dacharbeiten parallel dazu lief.

Besonders relevant für die Anwohner und Nutzer ist die Frage nach der Lärmbelästigung. Die Bauabteilung des Landeskirchenamtes unter Joachim Tappe versicherte, dass lediglich kleine Maschinen zum Einsatz kommen würden. Der Geräuschpegel sollte dabei nicht lauter sein als der normale Verkehr rund um den Hagenmarkt. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Öffentlichkeit war der freie Zugang zur Kirche. Trotz der aufgestellten Bauzäune und Baugerüste wurde sichergestellt, dass der Besuch der Kirche weiterhin möglich bleibt.

Die Organisation der Baustelle beeinflusst auch den Betrieb des Gemeindehauses. Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, fand das wöchentliche Bildungsangebot der Katharinengemeinde, der sogenannte „Mittwochnachmittag“, aufgrund der Baumaßnahme im Gemeindehaus ab sofort woanders statt. Als Ausweichquartier diente das Gemeindehaus der Evangelisch-Reformierten Gemeinde am Wendentorwall. Diese Maßnahme galt voraussichtlich für einen Zeitraum von etwa 10 bis 12 Wochen. Der Pfarrer Werner Busch betonte, dass das Markenzeichen des Angebots – breites Themenspektrum, Referenten, Musik sowie Kaffee und Kuchen – in dieser Zeit erhalten bleiben solle.

Finanzierung: Ein komplexes Geflecht aus Mitteln

Ein Kernthema jeder großen Baumaßnahme ist die Finanzierung. Im Fall der Dachsanierung von St. Katharinen in Braunschweig handelt es sich um ein bemerkenswertes Modell der Mittelaufbringung, das die Wichtigkeit von Denkmalschutz und Spendengemeinschaft unterstreicht. Die Gesamtkosten sind mit einer Million Euro angesetzt.

Die Finanzierung ist wie folgt gegliedert: * Bundesmittel: 200.000 Euro stammen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes. * Stiftung: 60.000 Euro wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bereitgestellt. * Landeskirche: Den mit Abstand größten Anteil stellt die Landeskirche mit 620.000 Euro zur Verfügung. * Kirchengemeinde: Die örtliche Kirchengemeinde muss rund 70.000 Euro aufbringen. Dieser Betrag setzt sich aus Spenden von Privatpersonen und Kollekten zusammen.

Ein besonders kurioser und für die Gemeinde ermutigender Posten ist eine Spende in Höhe von 10.000 Euro, die im Rahmen des sogenannten „Braunschweiger Wunders“ einging. Dabei handelte es sich um einen Umschlag, der anonym bei der Kirchengemeinde abgegeben wurde und Geld enthielt. Der Kirchenvorstand beschloss im Einklang mit der Gemeinde, diese anonyme Gabe gezielt für die Dachsanierung einzusetzen.

Es ist geplant, dass die Kirchengemeinde die Sanierung als Belästigung begreift, aber auch als Möglichkeit nutzt. Um die Bautätigkeit transparent zu gestalten, sollen Banner an den Zäunen angebracht werden, die sich inhaltlich mit dem Kriegsende befassen. Zudem ist eine Veranstaltungsreihe geplant, die ebenfalls das Kriegsende im Zusammenhang mit der Kirche thematisiert.

Ausblick: Weitere Sanierungsmaßnahmen im Bestand

Die Dachsanierung ist laut Pfarrer Werner Busch nur der erste große Schritt zu weiteren notwendigen Sanierungen im Bestand der Kirche und des Gemeindehauses. Nach Abschluss der Dacharbeiten im Oktober sind weitere Investitionen geplant, um den gesamten Komplex zu erhalten und zu modernisieren.

Zu den bereits genannten oder in Planung befindlichen Maßnahmen gehören: 1. Technische Ausstattung: Es wurde bereits eine neue Tonanlage und eine Orgelerweiterung realisiert. 2. Heizungstechnik: Die Heizungsanlage des Gebäudes muss saniert werden. 3. Innenausbau: Ein neuer Innenanstrich ist ebenfalls im Wunschzustand der Gemeinde.

Diese geplanten Maßnahmen unterstreichen, dass die Pflege historischer Bausubstanz ein fortlaufender Prozess ist, der über die reine Dachsanierung hinausgeht und eine langfristige Strategie erfordert.

Städtebaulicher Rahmen: Sanierung im Kontext von Braunschweig

Obwohl die Sanierung von St. Katharinen eine Einzelmaßnahme eines privaten Trägers (der Kirchengemeinde) darstellt, lässt sie sich in den übergeordneten städtebaulichen Kontext von Braunschweig einordnen. Die Stadt Braunschweig verfügt über eine Abteilung Stadterneuerung, die für die Aufwertung von städtebaulichen Strukturen zuständig ist. Diese geht über die klassische Instandhaltung einzelner Gebäude hinaus.

Gemäß dem Baugesetzbuch (BauGB) dienen städtebauliche Sanierungsmaßnahmen der Verbesserung oder Umgestaltung von Teilbereichen der Stadt, wenn dort städtebauliche Missstände vorliegen oder ungleiche Entwicklungen zu verzeichnen sind. Der Fokus liegt hierbei auf der Gesamtmaßnahme und nicht auf dem Einzelvorhaben. Die Sanierung des Daches der Katharinenkirche am Hagenmarkt kann als Teil der Aufwertung dieses städtischen Bereichs gesehen werden, auch wenn sie nicht explizit als städtebauliche Sanierungsmaßnahme im Sinne der §§ 136 bis 164b BauGB deklariert wurde. Die Verbesserung der Bausubstanz eines historischen Kirchengebäudes trägt jedoch zur Stabilisierung und Aufwertung des gesamten Quartiers bei.

Fazit

Die Dachsanierung des Gemeindehauses von St. Katharinen in Braunschweig ist ein Musterbeispiel für die Bewältigung von Baupflichten an historischen Immobilien. Der Sanierungsbedarf wurde durch den Starkregen im Juni 2023 akut, basierte aber auf strukturellen Mängeln, die bereits Jahre zuvor identifiziert wurden. Die Maßnahme, die mit einem Volumen von einer Million Euro budgetiert ist, zeigt eindrucksvoll, wie Finanzierung durch staatliche Zuschüsse, Stiftungen und Kirchenmittel sowie private Spenden (inklusive des „Braunschweiger Wunders“) gesichert werden kann.

Für Bauherren und Eigentümer von Denkmälern oder älteren Immobilien lässt sich aus dem Projekt ableiten, dass frühzeitig geplante Sanierungen Krisen verhindern können und dass die Einbindung der Öffentlichkeit sowie transparente Kommunikation über die Dauer der Bauphase essenziell sind, um die Akzeptanz zu sichern. Mit dem Abschluss der Dacharbeiten im Oktober ist das Gemeindehaus wieder wasserdicht, und die Weichen für weitere Modernisierungen im Innenbereich sind gestellt.

Quellen

  1. Okerwelle - Wieder wasserdicht: Dachsanierung des Gemeindehauses von St. Katharinen in Braunschweig ist abgeschlossen
  2. Regionalheute - Braunschweig: Dach der St. Katharinenkirche wird für eine Million Euro saniert
  3. Radio38 - Nach Starkregen: Gemeindehaus-Dach der St. Katharinen Kirche wird saniert
  4. Regionalheute - Baumaßnahme im Gemeindehaus: Mittwochnachmittag ab sofort woanders
  5. Stadt Braunschweig - Stadterneuerung

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