Sanierung der St. Ulrichskirche in Heubach: Historische Bausubstanz modernisiert und ökologisch aufgewertet

Die Sanierung historischer Kirchenbauten stellt Architekten, Handwerker und Denkmalpfleger vor besondere Herausforderungen. Es gilt, die bauliche Integrität und den historischen Charakter zu bewahren, gleichzeitig aber moderne Nutzungsanforderungen zu erfüllen und den Bau vor weiterem Verfall zu schützen. Die umfassende Sanierung der Evangelischen St. Ulrichskirche in Heubach dient als praxisnahes Beispiel für eine solche Denkmal- und Modernisierungssanierung. Im Zentrum des Projekts standen die Sicherung der Bausubstanz, die energetische und funktionale Optimierung sowie die ökologische Aufwertung des gesamten Areals. Dieser Artikel beleuchtet die durchgeführten Maßnahmen, die verwendeten Materialien und die handwerklichen Techniken, die im Rahmen dieser umfangreichen Baumaßnahme zur Anwendung kamen.

Historischer Kontext und Ausgangslage

Die Evangelische St. Ulrichskirche in Heubach besitzt eine wechselvolle Baugechichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Laut historischen Aufzeichnungen wurde im Jahr 1121 eine Pfarrkirche errichtet, die als Wehrkirche mit hohen Mauern und zwei Türmen angelegt war. Von dieser Anlage ist heute noch der sogenannte Blockturm im Süden erhalten, während der Diebsturm im Nordwesten abgebrochen wurde.

Eine vorletzte größere Sanierung fand in den 1960er Jahren statt. 1968 erfolgte eine Innensanierung, 1969 eine Außensanierung des Gemäuers und 1970 eine gärtnerische Neugestaltung der Anlage. Nach etwa 50 Jahren zeigten sich jedoch erhebliche Mängel, die eine erneute, grundlegende Sanierung unvermeidlich machten. Die Außenhülle wies deutliche Schäden auf, die einen weiteren Verfall verhindern sollten. Besonders das gesamte Dach inklusive Deckung, Dachrinnen, Blitzschutz und Schneefang sowie die Turmhaube waren betroffen.

Sanierung der Außenhülle und des Daches

Ein Kernbereich der Sanierungsmaßnahmen betraf die Wiederherstellung der äußeren Hülle. Hierbei kamen Materialien und Techniken zum Einsatz, die denkmalgerecht und langlebig sind.

Dachdeckung und Turmhaube

Der Turm der Kirche ist weithin sichtbar an seiner traditionell grünen Haube erkennbar. Bei der Sanierung wurde diese Haube nach historischem Vorbild erneuert. Als Deckungsmaterial dienten glasierte, mehrheitlich grüne Biberschwanzziegel. Diese Ziegelart ist ein typisches Element historischer Dachdeckungen und bietet durch ihre glasierte Oberfläche einen hohen Schutz gegen Witterungseinflüsse und Verschmutzung. Das Aufbringen dieser Deckung erfordert handwerkliches Geschick, um die optische Ästhetik und die funktionale Dichtigkeit zu gewährleisten.

Neben der Turmhaube wurde auch das gesamte Dach des Kirchenschiffs neu eingedeckt. Zu den Arbeiten gehörten ebenfalls die Erneuerung von Dachrinnen sowie die Überprüfung und Erneuerung des Blitzschutzsystems. Ein funktionsfähiges Blitzschutzsystem ist bei einem Kirchturm von hoher Priorität, um sowohl den Bau als auch die darin installierte Technik zu schützen. Ebenso wurde der Schneefang erneuert, was die Sicherheit im Außenbereich gewährleistet.

Putzarbeiten und Fassadensanierung

Die äußere Fassade erhielt einen neuen Putzauftrag. Zunächst musste der alte, beschädigte Oberputz vollständig abgenommen werden. Anschließend wurde ein mineralischer Putz aufgetragen, der sich an der historischen Bausubstanz orientiert. Mineralische Putze sind diffusionsoffen, atmungsaktiv und zeichnen sich durch eine hohe Beständigkeit aus, was sie besonders für die Sanierung von Denkmälern geeignet macht. Diese Handlungsweise stellt sicher, dass das Mauerwerk "atmen" kann und Feuchtigkeitsschäden vermieden werden.

Restaurierung von Naturstein und Epitaphien

Besondere Aufmerksamkeit galt den Details. Die wunderschönen Natursteinfensterleibungen und Pfeiler im Chorbereich wurden gereinigt und restauriert. Beschädigungen wurden ausgebessert und die Fugen erneuert. Solche Arbeiten sind essenziell, um die Stabilität und das Erscheinungsbild der Architektur zu erhalten. Ebenfalls an der Außenwand befindliche Epitaphien (Gedenksteine) wurden restauriert, was deren kulturellen und historischen Wert bewahrt.

Wege und Außenanlagen

Der Außenbereich wurde ebenfalls umfassend saniert. Die Beläge der Außenwege wurden komplett erneuert und beleuchtet. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass die neuen Beläge dem historischen Ambiente des Kirchengebäudes angepasst sind. Die neue Beleuchtung des Turms sorgt zudem dafür, dass der Bau in "belebten Nachtstunden" im Stadtraum präsent bleibt.

Innensanierung und Technische Modernisierung

Die Sanierung beschränkte sich nicht auf das Äußere, sondern umfasste auch die Bausubstanz im Inneren sowie die technische Infrastruktur.

Tragkonstruktion und Holzschutz

Im Gebälk des Turms und des Kirchenschiffs konnten zahlreiche Schäden in der Tragkonstruktion beseitigt werden. Schäden an der Tragkonstruktion stellen eine unmittelbare Gefahr für die Standsicherheit des Bauwerks dar und mussten daher fachgerecht instand gesetzt werden. Da es sich bei Kirchenbauten oft um Holzkonstruktionen handelt, die anfällig für Schädlinge sind, wurden im Zuge der Sanierung auch Maßnahmen zum Schutz vor Holzschädlingen ergriffen.

Fenster und Verglasungen

Beschädigte Farbverglasungen an den Fenstern wurden repariert. Die Instandsetzung von Bleiverglasungen ist eine spezialisierte Handwerkskunst. Zudem wurden Taubenvergrämungen angebracht, um die wertvollen Bauteile vor Verschmutzung und Beschädigung durch Tiere zu schützen.

Glockenanlage

Eine technisch wichtige Komponente ist die Glockenanlage im Turm. Diese erhielt neue Antriebe, neue Klöppel und eine moderne Steuerung. Dies ist nicht nur für die Klangqualität relevant, sondern auch für die Betriebssicherheit. Besonders erwähnenswert ist die Restaurierung der historisch wertvollen Glocke 6, die nach den Sanierungsarbeiten wieder zu hören ist.

Ökologisches Engagement: Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“

Ein besonderer Aspekt dieser Sanierung war die Rücksichtnahme auf den Naturschutz. Kirchtürme sind oft Lebensräume für geschützte Tierarten wie Turmfalken, Dohlen und Fledermäuse. Bei den Sanierungsarbeiten wurde daher unter Begleitung des NABU (Naturschutzbund Deutschland) sehr behutsam vorgegangen. Das Ziel war es, die Lebensräume der Tiere nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu verbessern. Für diese vorbildliche Zusammenarbeit erhielt die Kirchengemeinde die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“. Diese Auszeichnung unterstreicht, wie Denkmalpflege und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Erweiterung der Nutzungsflächen: Toilettenbau und Geräteschuppen

Neben der Sicherung des historischen Kirchengebäudes plant die Kirchengemeinde auch die Erweiterung der funktionalen Nutzungsmöglichkeiten im Bereich des Kirchgartens. Hier stand ein Gebäude aus den frühen 1960er Jahren, das sanitären Zwecken diente, zur Disposition.

Sanitäranlagen

Das bestehende Toilettengebäude wurde als nicht mehr zeitgemäß eingestuft. Es fehlten barrierefreie Zugänge für Menschen mit Körperbehinderung, und die technische Ausstattung (einschließlich einer alten Heizung) war veraltet. Die Planung sieht den Neubau einer Toilettenanlage vor, die allen modernen Anforderungen genügt.

Erweiterung um eine Küche

Aufgrund der zunehmenden Nutzung des Kirchgartens für Veranstaltungen soll das Gebäude um eine kleine Küche erweitert werden. Diese soll mit einem Herd, einer Kaffeemaschine, einer Spülmaschine und einem Kühlschrank ausgestattet werden. Die Planung sieht vor, das Fenster in Richtung Kirchturm zu vergrößern und als Durchreiche zu nutzen. Diese Maßnahme dient der Verbesserung der Bewirtungsmöglichkeiten bei Gottesdiensten, Hochzeiten oder anderen Events.

Geräteschuppen

Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Bau eines neuen Geräteschuppens. Der Vorbau muss hierfür entrümpelt werden. Der neue Schuppen soll eine kleine Fundamentierung erhalten, frostfest sein und über einen Stromanschluss verfügen. Eine wichtige Anforderung ist die optische Unterordnung unter das Kirchengebäude, um den denkmalgeschützten Kontext nicht zu stören. Im Schuppen sollen Rasenmäher, Kehrmaschinen und diverse Gartengeräte Platz finden.

Planung, Finanzierung und Umsetzung

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit dem Architekten und dem Denkmalamt. Alle Pläne, insbesondere die Erweiterungsbauten, werden mit diesen Behörden abgesprochen, um die Denkmalforderungen einzuhalten.

Die Finanzierung des Projekts setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen. Für die Erweiterungsbauten (Toiletten, Küche, Schuppen) wurde eine erste Kostenschätzung von rund 120.000 Euro genannt. Diese Schätzung ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Preise für Bauleistungen stark schwanken ("derzeit wird alles teurer"). Die Finanzierung ist gesichert durch: * Zuschuss der Evangelischen Landeskirche (36.000 Euro aus dem Ausgleichstock). * Zuschuss des Kirchenbezirks (8.000 Euro). * Eigenmittel der Heubacher Kirchengemeinde.

Die Baumaßnahmen sollen im kommenden Jahr umgesetzt werden, sofern es die Witterung und die Auftragslage der Handwerker zulassen. Die Terminierung ist in der Bauwirtschaft ein kritischer Faktor, da Fachkräfte oft langfristig gebunden sind.

Fazit

Die Sanierung der St. Ulrichskirche in Heubach ist ein umfassendes Beispiel für die moderne Denkmalpflege. Sie verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit notwendigen Modernisierungen und ökologischem Engagement. Durch den Einsatz von traditionellen Materialien wie glasierten Biberschwanzziegeln und mineralischem Putz wird der historische Charakter gewahrt. Gleichzeitig sichern moderne Techniken in der Glockenanlage und eine neue Beleuchtung die Funktionstüchtigkeit und Sichtbarkeit des Bauwerks.

Die Integration von Naturschutzaspekten durch die Begleitung des NABU und die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ zeigen auf, wie Kirchenbauten als ökologische Nischen genutzt werden können. Die geplanten Erweiterungen im Bereich der Sanitär- und Wirtschaftsgebäude demonstrieren zudem die Anpassungsfähigkeit des Bauensembles an zeitgemäße Nutzungsanforderungen. Für Bauherren und Planer bietet dieses Projekt wertvolle Lehren über die Abwägung zwischen Denkmalwert, Funktionalität und ökologischer Verantwortung.

Quellen

  1. Sanierung der Evangelischen St. Ulrichskirche Heubach
  2. Neues Gesicht für "grüne Kirche"
  3. Evangelische Kirche St. Ulrich in Heubach: Toiletten, Küche und neuer Schuppen
  4. Evangelische St.-Ulrich-Kirche Heubach

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