Die Umgestaltung von Hafenarealen stellt eine komplexe Herausforderung für Städte und Gemeinden dar, die weit über eine rein ästhetische Aufwertung hinausgeht. Insbesondere wenn es sich, wie im Fall des Stadthafens Wedel, um ein historisch gewachsenes Gebiet handelt, das zudem den Anforderungen an den modernen Hochwasserschutz gerecht werden muss, sind detaillierte Planungen, eine solide Kostenkalkulation und die Einbindung zahlreicher Fachdisziplinen erforderlich. Der Sanierungsprozess des Wedeler Hafens, der unter dem Dach eines umfassenden Städtebauförderprogramms läuft, dient als prägnantes Beispiel für eine gelungene Kommunalplanung. Er zeigt, wie durch gezielte Investitionen und eine klare strategische Ausrichtung ein städtischer Raum neu definiert und für die Zukunft gesichert werden kann.
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hafensanierung in Wedel, von den initialen Planungen und der Bedarfsfeststellung über die detaillierte Kostenaufstellung bis hin zu den spezifischen technischen und städtebaulichen Maßnahmen. Dabei liegt der Fokus auf der Darstellung der Fakten, wie sie in den offiziellen Projektbeschreibungen und Pressemitteilungen festgehalten sind, um Bauherren, Investoren und Fachplanern einen detaillierten Einblick in ein Modellprojekt der modernen Hafen- und Stadtentwicklung zu geben.
Die Ausgangslage: Das Sanierungsgebiet „Stadthafen Wedel“
Im Jahr 2009 wurde von der Stadt Wedel das Sanierungsgebiet „Stadthafen Wedel“ offiziell ausgewiesen. Diese Ausweisung war der Schlüssel zur Aktivierung von Fördermitteln und zur strukturierten Planung der umfassenden Maßnahmen. Das übergeordnete Ziel war und ist die Entwicklung des Wedeler Elbufers zu einer sogenannten „Maritimen Meile“. Ein zentraler Bestandteil dieses Vorhabens ist der Schulauer Hafen, dessen Neugestaltung im Mittelpunkt der Sanierungsarbeiten steht.
Das Sanierungsgebiet umfasst eine Fläche von insgesamt rund 15 Hektar. Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem schlechten Zustand der Hafeninfrastruktur, der Notwendigkeit, den Hochwasserschutz zu verbessern und den Bereich für die Bevölkerung und den Tourismus attraktiver zu gestalten. Die Gesamtprojektdauer ist langfristig angelegt und begann im Jahr 2009; es wird als laufendes Projekt geführt. Eine entscheidende Rolle in der Projektsteuerung spielt die BIG, vermutlich die Bundesgesellschaft für Immobiliennutzung, die die Stadt Wedel in den Bereichen Kostenmanagement, Vertragsmanagement und Fördermittelakquisition unterstützt.
Städtebauliche Gesamtmaßnahme und Förderung
Die Sanierung des Wedeler Stadthafens ist nicht als isoliertes Projekt zu betrachten, sondern als Teil einer größeren städtebaulichen Gesamtmaßnahme. Dieser Status war Voraussetzung für die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm „Sanierung und Entwicklung“ im Jahr 2008 durch das Land Schleswig-Holstein.
Ein wesentlicher Meilenstein für die Finanzierung war die Freigabe von Fördermitteln durch das Innenministerium des Landes. Für die Umgestaltung der Ostpromenade allein wurden etwa zwölf Millionen Euro an Städtebaufördermitteln freigegeben. Die Finanzierung erfolgt nach der klassischen Drittelung: Bund, Land und Stadt Wedel übernehmen jeweils ein Drittel der Kosten. Diese föderale Unterstützung unterstreicht die überregionale Bedeutung des Projekts. Innenminister Hans-Joachim Grote hob hervor, dass durch den Umbau der Ostmole der Hafen noch deutlich attraktiver wird und ein Gewinn für die gesamte Region sei.
Detaillierte Kostenaufstellung und Wirtschaftlichkeit
Eine transparente Kostenplanung ist das Fundament jeder Baumaßnahme. Im Zuge der positiven Förderbescheide für die Neugestaltung der Ostpromenade wurde ein aktualisierter Gesamtkostenplan für die Sanierung des gesamten Gebiets erstellt. Die geschätzten Gesamtkosten für die Sanierungsmaßnahmen belaufen sich auf insgesamt 34,9 Millionen Euro.
Für die Stadt Wedel ergibt sich daraus ein Eigenanteil von 15,1 Millionen Euro. Die Förderquote, also der Anteil der Mittel von Bund und Land, liegt bei knapp 57 Prozent. Dieser hohe Förderanteil macht das Projekt für die Kommune wirtschaftlich tragbar. Zu Beginn der Planung war noch von Gesamtkosten in Höhe von rund 30,6 Millionen Euro ausgegangen worden. Die Kostensteigerung wird unter anderem auf den Boom in der Baubranche und Notwendigkeiten im Bereich der Baugrundverbesserung zurückgeführt.
Die folgende Tabelle gibt einen detaillierten Überblick über die Kostenverteilung der einzelnen Maßnahmen, wie sie in der Projektplanung ausgewiesen sind:
| Maßnahme | Gesamtkosten (Mio. Euro) | Eigenanteil Wedel (Mio. Euro) |
|---|---|---|
| Ponton "Willkomm Höft" | 2,2 | 1,2 |
| Hafenumbau | 19,4 | 7,6 |
| Ostpromenade (inkl. Hochwasserschutz) | 10,4 | 5,2 |
| Hafenmeisterhaus und Kiosk | 0,7 | 0,3 |
| Traditionsschiffsanleger | 0,4 | 0,2 |
| Freianlagen Strandbad | 0,8 | 0,3 |
| Allg. Projektkosten (z.B. Sanierungsträger) | 1,0 | 0,3 |
| Summe | 34,9 | 15,1 |
Es ist zu beachten, dass Kosten für die Sanierung der Hafenspundwände im Bereich des östlichen Hafenbeckens in dieser Tabelle noch nicht enthalten sind. Hier laufen derzeit EU-weite Ausschreibungen für das Sanierungskonzept. Die Stadt hofft, auch für diese notwendigen Arbeiten Fördermittel einwerben zu können. Sowohl die Spundwandsanierung als auch die Grundsanierung der Hochwasserschutzwände wären der Stadt ohnehin aufgekommen, unabhängig von der Hafensanierung, was die Notwendigkeit dieser Arbeiten unterstreicht.
Technische und bauliche Maßnahmen im Detail
Die Sanierung des Schulauer Hafens umfasst eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die technische, ökologische und städtebauliche Aspekte miteinander verbinden.
Erneuerung des Hafenbeckens
Ein Kernstück des Projekts ist die Erneuerung des Hafens in seinem Gesamterscheinungsbild. Dies beinhaltet konkret: * Eine Verbreiterung des Hafenbeckens um rund 30 Meter. * Eine Verkürzung des Beckens um rund 60 Meter. Diese geomorphologischen Veränderungen dienen der Optimierung der Hafenfunktion und der Verbesserung der Nutzbarkeit der Wasserfläche. Durch die Teilverfüllung des vorhandenen Hafenbeckens wird zudem ein neuer zentraler Raum geschaffen: der Hafentorplatz. Dieser neue Platz soll als Aufenthalts- und Veranstaltungsfläche dienen.
Hochwasserschutz und Molenbau
Die Verbesserung des Schwellschutzes und die Reduzierung des Sedimenteintrags sind für einen Hafen an der Elbe von großer Bedeutung. Um dies zu gewährleisten, wird eine begehbare Quermole errichtet. Diese Maßnahme dient nicht nur dem Schutz des Hafens, sondern auch der Sicherung der Wassertiefe und der allgemeinen Hafenfunktion.
Besonders hervorzuheben sind die Arbeiten im Bereich der Hochwasserschutzwände und Spundwände. Die Sanierung der Spundwände aus den 1960er Jahren wurde durch aufwendige geotechnische Untersuchungen (Bohr- und Sondierungsarbeiten) notwendig. Diese Untersuchungen zeigten, dass die Standfestigkeit aufgrund von Veränderungen im Niedrigwasserspiegel (Absenkung um ca. 1 Meter seit den 1960er Jahren) nicht mehr ausreichend war. Die Sanierung wird nun parallel zur Neugestaltung der Ostmole durchgeführt, um Synergien zu nutzen.
Die Neugestaltung der Ostpromenade
Die Ostpromenade stellt die letzte große Etappe der Sanierung dar. Hier soll das bisher ungenutzte Areal vor der Flutschutzwand zu einer begrünten, terrassenartigen Promenade umgebaut werden. Ziel ist es, den Hafen erlebbarer zu machen und eine bessere Verknüpfung zwischen Stadt und Hafen zu schaffen.
Zentrale Elemente der Planung sind: * Eine große Freitreppe. * Großzügige Sitzmöglichkeiten. * Eine extensive Grünbepflanzung. * Barrierefreie Zugänge zur Promenade.
Die bestehende Flutschutzwand wird dabei nicht entfernt, sondern ansprechend gestaltet und in die neue Promenade integriert. Im Bereich der Hafenstraße sind zudem zusätzliche Öffnungen geplant, die direkt zur Hafenpromenade führen und so die Wegeverbindungen optimieren. Die bestehenden Fluttore bleiben in ihrer heutigen Form erhalten. Um die Akzeptanz bei allen Nutzergruppen zu gewährleisten, wurden die Planungen mit dem Seniorenbeirat und dem Behindertenbeauftragten abgestimmt. Dabei wurden detaillierte Wünsche, wie eine ausreichende Beleuchtung der Wegeflächen und eine spezifische Sitzhöhe der Bankelemente, in die Planung einbezogen.
Aufwertung des Hafenumfeldes und ökologische Aspekte
Neben den großen baulichen Anlagen umfasst das Projekt auch die Neugestaltung der angrenzenden Freiflächen und die Durchführung von Erschließungsmaßnahmen. Ein wichtiger ökologischer Aspekt ist die Entfernung von Boden- und Schlickbelastungen. Diese Untersuchungen und Sanierungen sind essenziell, um den Bereich wieder für den Menschen nutzbar zu machen und ökologische Risiken zu minimieren. Die Vorbereitung der Hafenfläche für die Nachnutzung ist ein dauerhafter Auftrag des Projekts.
Projektmanagement und Rolle der Sanierungsträger
Die Komplexität des Projekts erfordert ein professionelles Projektmanagement. Die BIG übernimmt hier eine zentrale Rolle als Projektsteuerer. Ihre Aufgaben umfassen: * Das Kosten- und Vertragsmanagement. * Die Mitwirkung an Genehmigungsverfahren. * Die fachliche Beratung des Auftraggebers (Stadt Wedel). * Die Akquisition und das Management der Fördermittel. * Die Aufstellung und Fortschreibung des Terminrahmenplans. * Die Steuerung von Fachplaner- und Ausführungsleistungen. * Die Erstellung der Vergabeunterlagen und Mitwirkung bei der Vergabe von Ingenieur- und Ausführungsleistungen.
Ein spezieller Aspekt ist die sicherheitstechnische Koordination. Es wurde eine Kampfmittelkonzeption erstellt, da bei Baumaßnahmen in historischen Hafengebieten immer das Risiko von Altlasten oder unexplodierten Sprengkörpern besteht. Auch die Untersuchung der Bau- und Anlagensubstanz sowie die Auswertung der Schadstoffanalytik sind Teil des Leistungsumfangs.
Als treuhänderischer Sanierungsträger der Stadt Wedel fungiert die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (DSK). Diese Gesellschaft unterstützt die Stadt in operativen Belangen und stellt die fachliche Umsetzung der Sanierungsziele sicher.
Fazit
Die Sanierung des Stadthafens Wedel ist ein umfassendes und vielschichtiges Projekt, das als Vorzeigebeispiel für moderne Hafen- und Stadtentwicklung dienen kann. Durch die klare Definition als Sanierungsgebiet und die Einbindung in das Städtebauförderprogramm konnte eine solide finanzielle Grundlage geschaffen werden, die es der Stadt ermöglicht, bei Gesamtkosten von rund 34,9 Millionen Euro einen Eigenanteil von nur 15,1 Millionen Euro zu tragen.
Die Maßnahmen gehen weit über eine rein optische Verschönerung hinaus. Sie beinhalten essentielle technische Anpassungen wie die Veränderung der Hafengeometrie, den Bau einer begehbaren Quermole und die dringend notwendige Sanierung der Hochwasserschutz- und Spundwände, die durch veränderte hydrologische Bedingungen notwendig geworden ist. Gleichzeitig wird durch die terrassenförmige Gestaltung der Ostpromenade und die Schaffung neuer Aufenthaltsqualitäten eine städtebauliche Aufwertung erreicht, die den Hafen für die Bevölkerung und den Tourismus öffnet.
Die detaillierte Planung, die Einbindung von Interessengruppen wie Seniorenbeirat und Behindertenbeauftragten sowie die professionelle Projektsteuerung durch die BIG und den Sanierungsträger DSK sind entscheidende Faktoren für den Erfolg des Vorhabens. Für Bauherren und Planer in vergleichbaren Projekten zeigt der Wedeler Fall, wie wichtig eine frühzeitige und umfassende Bestandsaufnahme, eine transparente Kostenplanung und die strategische Nutzung von Fördermitteln sind, um komplexe Bauvorhaben wirtschaftlich und erfolgreich umzusetzen.