Sanierung, Abriss oder Neugestaltung: Analyse der Optionen für die Stadthalle Mettmann

Die Zukunft der Mettmanner Stadthalle, eines viel diskutierten Bauwerks in der Innenstadt, ist Gegenstand einer komplexen Debatte, die wirtschaftliche, städtebauliche und kulturelle Aspekte umfasst. Während politische Gremien über die Meldung des nahegelegenen Hallenbades zu einem Bundesförderprogramm beraten, bleibt die Entscheidung über das Schicksal der Stadthalle vorerst aus. Die Diskussion dreht sich um die Abwägung zwischen Sanierung, Abriss und Neubau, wobei die Stadt Mettmann betont, dass die Entwicklung eines tragfähigen Nutzungskonzepts Vorrang vor baulichen Entscheidungen hat.

Dieser Artikel beleuchtet den derzeitigen Stand der Planung, die historische Entwicklung, die verschiedenen Szenarien für die Zukunft des Areals sowie die beteiligten Akteure und deren Interessen.

Aktueller Stand der politischen und planerischen Diskussion

Die Planungen für die Stadthalle Mettmann sind Teil einer größeren städtebaulichen Entwicklung. Laut einer Bürgerinformation der Stadt Mettmann steht nicht der Abriss als alleinige Option im Raum, sondern die Erstellung eines umfassenden Nutzungskonzepts für das gesamte Areal. Das Ziel der Stadtverwaltung ist es, ein Konzept zu entwickeln, das von einer breiten Öffentlichkeit getragen wird.

Vorrang des Nutzungskonzepts vor baulichen Maßnahmen

Nach Angaben der Stadt Mettmann ist es entscheidend, zuerst ein schlüssiges Nutzungskonzept mit den öffentlichen und privaten Nutzungen zu entwickeln, die am Standort der Stadthalle denkbar sind und die Innenstadt als Ganzes voranbringen. Erst danach soll die Frage untersucht werden, ob die Stadthalle für die Umsetzung des Nutzungskonzepts restauriert, weiterentwickelt oder sogar abgebrochen wird.

Dieser Ansatz wird auch von der Wählergemeinschaft M.U.T. kritisch betrachtet. Diese moniert, dass es für einen Abriss eine städtebauliche Entwicklung des Areals benötigt, die bis heute nicht vorliege. Zudem fehlten Angaben zu Kosten und Finanzierung.

Einfluss der Bürgerschaft und Fachverbände

Die Stadt bemüht sich, die Bürgerinnen und Bürger, den Einzelhandel und die Vereine frühzeitig in den Prozess einzubeziehen. Als Teil dieses Prozesses fand eine Bürgerinformationsveranstaltung statt, bei der Absolventinnen der Architektur ihre Ideen für die Stadthalle präsentierten. Zwei konträre Ansätze wurden vorgestellt, die im Folgenden detailliert beschrieben werden.

Neben den Bürgern übt auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) Einfluss auf die Planung. Der LVR sieht in dem Gebäude ein „einzigartiges Werk der Architekturgeschichte“ und positioniert sich klar für den Erhalt der Stadthalle. Er regt ein „An- und Weiterbauen“ an.

Die Ausgangslage: Schließung und wirtschaftliche Bewertung

Die Diskussion um die Zukunft der Stadthalle begann nicht erst heute. Bereits im Februar 2021 beschloss der Rat der Stadt Mettmann mit großer Mehrheit, den Veranstaltungsbetrieb in der Neandertalhalle Mettmann einzustellen. Diese Entscheidung fiel nach einer jahrelangen Diskussion und einem umfangreichen Mängelprotokoll.

Ökonomische Faktoren der Schließung

Die Schließung wurde wirtschaftlich begründet. Bereits 2016 waren die Sanierungskosten mit mehr als vier Millionen Euro beziffert worden. Die Kämmerin Veronika Traumann wies damals darauf hin, dass durch die Hallenschließung bereits im laufenden Jahr ein Betrag von 100.000 Euro im Stadtetat eingespart werde. Für die Folgezeit kalkulierte sie mit Einsparungen von 200.000 Euro pro Jahr.

Die Wählergemeinschaft M.U.T. äußerte jedoch Zweifel an diesen Zahlen. Sie vermutete, dass die Schließung der sogenannten „Laubfroschoper“ weniger Einsparungen gebracht hat als angekündigt. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass bei einem Abriss eine Sonderabschreibung fällig würde, was die wirtschaftliche Bilanz komplizierter gestalten könnte. Konkrete aktuelle Zahlen zu den finanziellen Auswirkungen der zukünftigen Optionen liegen nach den vorliegenden Informationen nicht vor.

Die Petition für den Erhalt

Nicht alle Bürger akzeptieren die Schließung oder den geplanten Abriss kritiklos. Eine Petition fordert den Erhalt der Stadthalle. Die Petenten argumentieren, dass der Abriss der falsche Schritt sei, da er die beträchtlichen ökologischen Folgelasten außer Acht lasse. Umbau und Umnutzung des Bestandsgebäudes müssten auf der Tagesordnung stehen, nicht der Abriss. Die Petition wurde von 627 Personen aus Mettmann unterzeichnet. Für eine Stellungnahme der Bürgermeisterin sind 660 Unterschriften notwendig.

Szenarien für die Zukunft: Konzepte und Visionen

Die Diskussion über die Zukunft der Stadthalle wird durch zwei konträre Planungsansätze von Absolventinnen der Architektur belegt. Diese wurden im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung präsentiert.

Szenario A: Erhalt und Umnutzung als „Future LAB“

Ein Ansatz zielt auf die Erhaltung des bestehenden Gebäudebestands ab. Johanna Foth, Absolventin der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf, schlägt vor, die denkmalgeschützte Stadthalle in ein Zukunftslabor („Future LAB“) umzuwandeln. Dieses Konzept sieht vor, das Gebäude als Gegenpol zum Neanderthal Museum zu positionieren und den Blick aus der Vergangenheit in die Zukunft zu richten.

Laut den Planungen soll das Gebäude für Durchgangsmöglichkeiten aufgeschnitten werden. Es sollen neue Nutzungsmöglichkeiten entwickelt werden: * Ein Veranstaltungsraum mit Bühne für rund 200 Gäste. * Ein Gewächshaus als Lebensraum für Pflanzen und Insekten. * Ausstellungs- und Lernräume. * Eine Cafeteria.

Dieses Konzept setzt auf die Substanz des vorhandenen Bauwerks und versucht, dieses durch gezielte Eingriffe für moderne Nutzungen zu öffnen.

Szenario B: Neubau und städtebauliche Neuordnung

Ein zweiter Ansatz, vorgestellt von Lisa Krön, Absolventin der RWTH Aachen, sieht eine radikalere Veränderung vor. In ihrer Masterarbeit hat sie das bestehende Gebäude der Stadthalle nicht berücksichtigt. Stattdessen entwirft sie ein ganz neues Kulturzentrum.

Die geplante Bebauung umfasst folgende Elemente: * Ein multifunktionaler Veranstaltungsraum. * Die Unterbringung der Stadtbibliothek, der Musikschule und der VHS. * Ein neuer, langer Gebäuderiegel, der Platz für einen Mehrgenerationentreff, ein Bürgerbüro und eine kleine Kita schafft.

Das Ziel dieses Entwurfs ist es, eine Verbindung zwischen Außenring und Innenstadt zu schaffen, indem die Natur in die Stadt hinein geholt wird. Damit soll die Entwicklung der Innenstadt und der Standort Am Königshof als kulturelles Zentrum gestärkt werden.

Die Rolle des Hallenbades als Parallelprojekt

Obwohl sich dieser Artikel auf die Stadthalle konzentriert, ist das nahegelegene Hallenbad ein wichtiger Faktor im städtebaulichen Kontext und in der Finanzplanung der Stadt. Die Diskussion um das Hallenbad zeigt, wie die Stadt Mettmann versucht, Fördermittel zu sichern, um die Infrastruktur zu erhalten.

Das Förderprogramm des Bundes

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Mettmann hat beantragt, dass die Stadtverwaltung das Projekt „Sanierung des Mettmanner Hallenbads“ für das Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur (SKS)“ anmeldet. Dieses Programm des Bundes unterstützt Kommunen bei der Sanierung wichtiger Sportstätten mit Zuschüssen von bis zu 45 %. In finanziell besonders belasteten Städten können die Zuschüsse sogar bis zu 75 % der Gesamtkosten betragen.

Ziel der Anmeldung

Florian Peters, Fraktionsvorsitzender der SPD Mettmann, betont, dass das Hallenbad ein zentraler Ort für Schul- und Vereinssport und für viele Mettmannerinnen und Mettmanner unverzichtbar sei. Mit dem Förderprogramm sollen dringend nötige Sanierungsmaßnahmen endlich angepackt werden – unabhängig von der langfristigen Standortdiskussion.

Die Anmeldung soll den Erhalt des Schwimmbetriebs in der Übergangszeit absichern. Die Projektskizze muss laut Bundesvorgaben bis zum 15. Januar 2026 eingereicht werden. Dafür ist ein entsprechender Ratsbeschluss erforderlich.

Einfluss auf die politische Agenda

Die Thematik des Hallenbads und der Stadthalle überschneidet sich in der politischen Arbeit. Der Ausschuss für Planen, Umwelt und Bauen tagt regelmäßig und hat beide Themen auf der Tagesordnung. So stand am 26. November unter anderem die Meldung der Sanierung des Mettmanner Hallenbades zum Bundesprogramm sowie die Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzepts auf der Agenda. Auch eine Änderung des Flächennutzungsplans für die Rettung und Sanierung von Gut Heresbach wurde behandelt, was zeigt, dass die Stadt an mehreren Fronten planerisch tätig ist.

Bewertung der Quellen und Zuverlässigkeit

Bei der Analyse der Situation in Mettmann müssen die verschiedenen Informationsquellen differenziert betrachtet werden.

  • Offizielle Stadtverwaltung und politische Gremien: Informationen, die direkt von der Stadt Mettmann oder aus Sitzungen des Ausschusses für Planen, Umwelt und Bauen stammen, gelten als zuverlässig. Hierzu zählen die Termine der Ausschusssitzungen und die offizielle Ankündigung der Bürgerinformation zum Nutzungskonzept.
  • Politische Fraktionen: Äußerungen von Parteien wie der SPD oder der Wählergemeinschaft M.U.T. spiegeln deren politische Positionen und Interessen wider. Die SPD fördert aktiv die Sanierung des Hallenbades durch Bundesmittel. Die M.U.T. übt Kritik an der Transparenz und Wirtschaftlichkeit der Entscheidungen bezüglich der Stadthalle. Diese Perspektiven sind wichtig für das Gesamtbild, aber als parteipolitische Standpunkte zu kennzeichnen.
  • Presseberichte: Der Artikel der RP Online liefert historische Kontextinformationen zur Schließung im Jahr 2021 und zitiert damalige Aussagen der Kämmerin. Diese Quelle dient der Rekonstruktion der wirtschaftlichen Begründung für die Schließung.
  • Bürgerinitiativen und Petitionen: Die Petition für den Erhalt der Stadthalle und die offenen Briefe der Vereine (Aule Mettmanner, Schützenbruderschaft) repräsentieren die öffentliche Meinung und die Sorgen von direkt Betroffenen. Die Zahlen zur Petition (627 Unterschriften) sind als Stand der Bürgerinitiative zu werten.
  • Akademische Planungen: Die Konzepte der Architekturstudentinnen (Foth und Krön) sind wissenschaftliche und visionäre Entwürfe. Sie bieten kreative Ideen, sind aber noch keine festen Planungen der Stadt. Ihre Vorstellung dient der Illustration möglicher Zukunftspfade.

Widersprüche in den Quellen ergeben sich vor allem im Bereich der Kosten. Während 2016 von Sanierungskosten von 4 Millionen Euro (Stadthalle) und Neubaukosten von 12 Millionen Euro gesprochen wurde, gibt es keine aktuellen Kostenschätzungen. Die Wählergemeinschaft M.U.T. stellt die damaligen Einsparprognosen der Stadt in Frage. Aufgrund fehlender aktueller Datenlage ist eine verlässliche Kostenaussage heute nicht möglich.

Zukunftsaussichten und notwendige Schritte

Der Weg zur Entscheidung über die Stadthalle ist noch weit. Die Stadt Mettmann hat einen strukturierten Prozess eingeleitet, der in den kommenden Monaten und Jahren zu einem Ergebnis führen soll.

Bürgerbeteiligung als Schlüssel

Die erste Bürgerinformationsveranstaltung ist der Auftakt. Die Stadt plant, die Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Prozess einzubeziehen. Das Ziel ist es, am Ende des Weges ein Konzept in den Händen zu haben, das von einer breiten Öffentlichkeit getragen wird. Dieser Ansatz versucht, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern und Konflikte frühzeitig abzubauen.

Die Herausforderung der Finanzierung

Unabhängig von der gewählten Variante (Sanierung, Umbau oder Neubau) stellt die Finanzierung eine große Herausforderung dar. Die Erfolge bei der Anmeldung von Fördermitteln, wie beim Hallenbad, könnten ein Modell für die Finanzierung der Stadthalle sein. Allerdings sind die Kosten für die Stadthalle, basierend auf den alten Zahlen von 2016, deutlich höher (4 Mio. € Sanierung, 11-12 Mio. € Neubau). Ob und in welcher Höhe Bund oder Land hier fördernd eingreifen können, ist aus den vorliegenden Informationen nicht ersichtlich.

Städtebauliche Einbettung

Die Entscheidung über die Stadthalle hängt eng mit der Entwicklung der gesamten Innenstadt zusammen. Sowohl das Konzept des „Future LAB“ als auch der Neubauansatz von Lisa Krön zielen darauf ab, den Standort Am Königshof aufzuwerten und die Innenstadt mit Leben zu füllen. Die Verbindung von Kultur, Bildung und Einkaufsmöglichkeiten wird als Treiber für die Entwicklung der Mettmanner Innenstadt gesehen.

Fazit

Die Zukunft der Mettmanner Stadthalle ist ungewiss, aber der Prozess zu ihrer Neubestimmung ist transparent und partizipativ angelegt. Aktuell stehen drei Hauptfaktoren im Zentrum der Betrachtung:

  1. Die historische und wirtschaftliche Last: Die Schließung 2021 war eine Reaktion auf hohe Sanierungskosten und Mängel. Die damals prognostizierten Einsparungen werden von politischer Seite kritisch hinterfragt, und aktuelle Zahlen fehlen.
  2. Die konträren Zukunftsvisionen: Von der behutsamen Umnutzung des Bestands zum „Future LAB“ bis zum kompletten Neubau eines Kulturzentrums mit integrierten sozialen Funktionen ist alles denkbar. Beide Ansätze von Absolventinnen der RWTH Aachen und der Peter Behrens School of Arts zeigen das breite Spektrum architektonischer Möglichkeiten.
  3. Der Einfluss der Bürgerschaft: Mit Petitionen, offenen Briefen und der Beteiligung an Bürgerforen fordern die Mettmanner Bürger eine Mitsprache. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Denkmalschutzbehörde positioniert sich zudem klar für den Erhalt des Bauwerks.

Die Stadt Mettmann geht den Weg, erst ein Nutzungskonzept zu entwickeln und danach die baulichen Maßnahmen zu definieren. Dieser Ansatz verlangsamt möglicherweise den Prozess, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis den Bedürfnissen der Stadt und ihrer Bewohner gerecht wird. Parallel dazu zeigt das Beispiel Hallenbad, dass die Stadt durchaus in der Lage ist, Wege zur Finanzierung von Sanierungen zu nutzen. Ob dies für die Stadthalle gelingt, hängt maßgeblich von der endgültigen Ausgestaltung des Nutzungskonzepts und der damit verbundenen Kosten ab.

Quellen

  1. SPD Mettmann will Hallenbad-Sanierung mit Bundesförderung sichern
  2. Ausschuss für Planen, Umwelt und Bauen tagt am 26. November
  3. Mettmann zahlt sich die Schließung der Stadthalle aus
  4. Was wird aus der Stadthalle?
  5. Bürgerinformation zum Startschuss für ein neues Nutzungskonzept des Stadthallen-areals

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