Sanierung der Südlichen Friedrichstadt in Berlin: Umfassende Analyse eines städtebaulichen Großprojekts

Einführung

Die Südliche Friedrichstadt in Berlin, ein historisch bedeutsames Stadtquartier zwischen Friedrichstraße, Wilhelmstraße und Kochstraße, befindet sich in einem langfristigen und umfassenden Sanierungsprozess. Ziel der Maßnahmen ist die Beseitigung erheblicher städtebaulicher und funktionaler Schwächen, um die Lebensqualität zu verbessern und bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Seit der Festlegung als Sanierungsgebiet im Jahr 2011 sind zahlreiche Akteure, darunter das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die Senatsverwaltung und spezialisierte Sanierungsbeauftragte, in das Projekt involviert. Der Prozess ist durch eine langfristige Planung, die Anpassung von Sanierungszielen und die Finanzierung über die Städtebauförderung geprägt. Dieser Artikel beleuchtet die rechtlichen Grundlagen, die Entwicklung von Teilbereichen wie dem Block 616, die Umgestaltung öffentlicher Plätze und die Perspektiven für Eigentümer und Bewohner.

Rechtliche Grundlagen und Sanierungsgebiet

Die rechtliche Basis für die Sanierung bildet die Festlegung des Gebiets als Sanierungsgebiet gemäß § 144 des Baugesetzbuchs (BauGB). Mit einer Rechtsverordnung vom 15. März 2011, die am 1. April 2011 in Kraft trat, wurde die „Südliche Friedrichstadt“ förmlich als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Vorbereitende Untersuchungen ergaben zu diesem Zeitpunkt, dass das Gebiet durch erhebliche städtebauliche und funktionale Schwächen gekennzeichnet ist. Dazu zählen die mangelnde städtebauliche Einbindung wichtiger Areale und öffentlicher Standorte sowie gestalterische und funktionale Defizite bei der sozialen Infrastruktur und im öffentlichen Raum.

Die ursprüngliche Laufzeit der Sanierungsmaßnahme war auf zehn Jahre befristet. Aufgrund der anhaltenden Notwendigkeit zur Fortführung der Sanierungsarbeiten beantragte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Verlängerung. Ein Beschluss des Bezirksamtes vom 30. Juni 2020 sah ursprünglich eine Antragstellung auf eine Verlängerung um zehn Jahre vor. In einem Schreiben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (SenSW) vom 19. September 2022 wurde jedoch mitgeteilt, dass das Sanierungs- und Fördergebiet zum 31. März 2026 beendet werden solle. Daraufhin beschloss das Bezirksamt am 21. September 2023, die beantragte Verlängerung auf einen Zeitraum bis zum 31. März 2031 zu begrenzen. Dieser Beschluss erfolgte unter Verweis auf die gemäß § 136 BauGB vorhandenen städtebaulichen Missstände. Der Sanierungsbeauftragte für die Südliche Friedrichstadt ist das Unternehmen Stadtkontor, das seit dem 1. Januar 2017 mit der Koordination beauftragt ist.

Teilbereich: Block 616 – Entwicklungspotenzial und Sanierungsziele

Ein zentraler Bestandteil der Sanierung ist der Block 616, der als größtes Neubau-Entwicklungspotenzial innerhalb des Sanierungsgebiets ausgewiesen wurde. Das Areal wird begrenzt durch die Wilhelmstraße (Westen), Franz-Klühs-Straße (Norden), Friedrichstraße (Osten) und Friedrich-Stampfer-Straße (Süden). Das Bezirksamt hat durch die Anpassung der Sanierungsziele für diesen Block konkretisiert, dass hier bezahlbarer Wohnungsneubau realisiert werden soll.

Die Entwicklung des Blocks obliegt drei verschiedenen Eigentümern, die jeweils Streifen in Ost-West-Richtung besitzen: * Ein privates Unternehmen besitzt den nördlichen Streifen, auf dem sich eine „Parkpalette“ befindet. * Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE ist Eigentümer der mittleren Fläche, auf der eine große „Wohnscheibe“ steht. * (Anmerkung: Der dritte Eigentümer im Süden wird in den vorliegenden Ausschnitten nicht explizit genannt, ist aber Teil der Dreiteilung des Blocks).

Im Jahr 2023/24 wurde ein zweistufiges Werkstattverfahren durchgeführt, an dem Anwohnende, Initiativen, Verwaltung, die HOWOGE und die AOK (Anmerkung: Kontext lässt auf AOK als Akteur schließen) teilnahmen. Ein entscheidender Meilenstein war die Veröffentlichung des Masterplans für den Block 616, der im kooperativen Planungsprozess erarbeitet wurde.

Infrastrukturmaßnahmen und Aufwertung des öffentlichen Raums

Die Sanierung der Südlichen Friedrichstadt umfasst weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und des öffentlichen Raums. Ein besonderer Fokus liegt auf der Revitalisierung historischer Plätze und der Schaffung neuer Begegnungsstätten.

Mehringplatz

Der Mehringplatz, ein historischer Gartendenkmalbereich aus dem 18. Jahrhundert am südlichen Ende der Friedrichstraße, wurde umfassend saniert. Die Arbeiten umfassten die Restaurierung der denkmalgeschützten Friedenssäule und der Statuen am Platzrand sowie die Erneuerung des historischen Brunnens. Die Neugestaltung zielte darauf ab, den in den 1970er Jahren umgestalteten Platz zu einem innerstädtischen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Die Bauarbeiten begannen im westlichen Außenring und im Innenring des Platzes; der Innenkreis wurde am 3. Juli 2019 geschlossen. Die Gesamtmaßnahme, zu der auch die Umgestaltung von Bereichen der südlichen Friedrichstraße gehört, wurde 2022 fertiggestellt. Für das Projekt wurden 7,6 Millionen Euro aus der Städtebauförderung bereitgestellt.

Interkulturelles Familienzentrum und Kita Wilhelmstraße

Die ehemalige Carl-Friedrich-Zelter-Hauptschule in der Wilhelmstraße 116/117 erhielt eine neue Nutzung als interkulturelles Familienzentrum mit einer Kita für 100 Kinder sowie einer Sozial- und Familienberatung. Die Sanierung des Gebäudes erfolgte unter Beachtung des Denkmalschutzes und wurde so ausgeführt, dass es den technischen und energetischen Anforderungen der neuen Nutzung gerecht wird. Die Freiflächen des Zentrums und der Kita wurden 2016 neugestaltet. Die Finanzierung erfolgte ebenfalls über die Städtebauförderung mit 1,79 Millionen Euro für die Gebäudesanierung und 595.000 Euro für die Freiflächen.

Theodor-Wolff-Park

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) 1987 wurde der Theodor-Wolff-Park als wichtige Grün- und Erholungsfläche in die Südliche Friedrichstadt integriert.

Aktuelle Entwicklungen und Teilprojekte

Neben den großen Infrastrukturprojekten laufen parallel kleinere und mittlere Maßnahmen, die den Alltag der Bewohner direkt betreffen.

Bildungscampus Puttkamerstraße/Wilhelmstraße/Kochstraße

Stadtkontor hat eine städtebauliche Machbarkeitsstudie für die Entwicklung eines Bildungscampus an diesem Standort abgeschlossen. Anlass waren bestehende Abhängigkeiten und Zielkonflikte, die den Bedarfen der Kurt-Schumacher-Grundschule, der Kita und des Oberstufenzentrums Bekleidung und Mode (OSZ) nicht mehr gerecht werden. In sechs Szenarien wurden räumliche Entwicklungschancen ausgelotet. In Zusammenarbeit mit den Nutzern und Bedarfsträgern wurde eine Vorzugsvariante erarbeitet.

Verkehrsuntersuchung Hallesches Tor – Blücherplatz

Eine Verkehrsuntersuchung soll die Rahmenbedingungen für eine Umgestaltung der Verkehrssituation im südlichen Sanierungsgebiets untersuchen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Blücherplatz, Hallesche-Tor-Brücke und Uferstraßen einschließlich der Kreuzungen. Erste Analyseergebnisse und Vorgehensweisen wurden in Sanierungsbeiratssitzungen (12.12.2018, 27.03.2019, 22.05.2019, 22.08.2019) vorgestellt.

Quartiersmanagement und Kommunikation

Für die Bewohner und Interessierten gibt es eine aktive Kommunikationsstruktur. Die „Sanierungszeitung Südseite“ wird von einem Redaktionsteam (Ulrike Steglich, Christof Schaffelder) herausgegeben und informiert über Neuigkeiten aus dem Gebiet. Zudem bietet das Sanierungsbeauftragtenbüro Stadtkontor sowie die asum GmbH (Mieterberatung) wöchentliche Sprechstunden in der Kiezstube an, um Fragen zu beantworten und Bewohner zu beraten. Die asum GmbH bietet zusätzlich Dienstags im Stadtteilzentrum F1 Sprechstunden an.

Fazit

Die Sanierung der Südlichen Friedrichstadt ist ein langfristiges, komplexes städtebauliches Projekt, das auf gesetzlichen Grundlagen des Baugesetzbuchs basiert. Nach der ersten Festlegung 2011 und einer Verlängerung um fünf Jahre bis 2026 strebt der Bezirk eine weitere Verlängerung bis 2031 an, um die definierten Sanierungsziele vollständig zu erreichen. Zentrale Elemente sind die Entwicklung von Wohnraum im Block 616, die Aufwertung historischer Plätze wie des Mehringplatzes und die Schaffung neuer sozialer Infrastruktur wie des Familienzentrums in der Wilhelmstraße. Begleitet werden die Maßnahmen durch Verkehrsuntersuchungen und ein aktives Quartiersmanagement. Für Eigentümer, Bewohner und Bauinteressierte bietet das Projekt sowohl Chancen durch die Aufwertung des Standorts als auch Herausforderungen durch die langfristige Bauaktivität. Die Finanzierung erfolgt maßgeblich über die Städtebauförderung, wobei die Gesamtfinanzierung für Teilbereiche wie den Bildungscampus noch geklärt werden muss.

Quellen

  1. Stadtkontor - Südliche Friedrichstadt
  2. Berlin.de - Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
  3. Sanierung Südliche Friedrichstadt
  4. Baustelle Gemeinwohl - Block 616
  5. Berlin.de - SenStadtBauWohn - Südliche Friedrichstadt

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