Generalsanierung der Wiener Südosttangente (A23): Umfang, Maßnahmen und Verkehrsauswirkungen

Die Südosttangente in Wien, offiziell als A23 bekannt, stellt eine der verkehrsreichsten Autobahnen Österreichs dar. Als zentrale Verkeirsader im Osten Wiens ist sie für den daily commuter sowie den Güterverkehr von hoher Bedeutung. Im Jahr 2020 begann ein umfassendes Sanierungsprojekt mit dem Namen "Tangente Neu", das darauf abzielt, die in den 1970er-Jahren errichtete Strecke grundlegend zu erneuern und an moderne Sicherheits- sowie Umweltstandards anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet den Umfang der Baumaßnahmen, die technischen Details sowie die Auswirkungen auf den Verkehr aus der Perspektive von Bauexperten und Anwohnern.

Hintergrund und Bedeutung der Sanierung

Die A23, die sich über rund 18 Kilometer erstreckt, ist eine der am stärksten frequentierten Autobahnen Österreichs. Laut den vorliegenden Informationen befahren täglich bis zu 200.000 Fahrzeuge die Strecke, was eine immense Belastung für die Infrastruktur darstellt. Das Sanierungsprojekt "Tangente Neu" wurde bereits im Jahr 2007 initiiert, um die Autobahn Stück für Stück auf den neuesten technischen Stand zu bringen.

Der Fokus der im Jahr 2020 gestarteten Bauphase lag auf der Hochstraße St. Marx. Dieses knapp drei Kilometer lange Teilstück erstreckt sich zwischen dem Knoten Prater und der sogenannten "gesperrten Ausfahrt Simmering" und durchquert dabei die Bezirke Landstraße, Favoriten und Simmering. Die Notwendigkeit der Sanierung ergibt sich aus dem Alter der Bausubstanz und der gestiegenen Verkehrsdichte, die den ursprünglichen Entwurf aus den 1970er-Jahren, der für lediglich 45.000 Fahrzeuge pro Tag konzipiert war, bei weitem übersteigt.

Umfang der Generalsanierung

Die Generalsanierung der Hochstraße St. Marx war ein komplexes Unterfangen, das über einen Zeitraum von knapp drei Jahren andauerte. Die Arbeiten begannen offiziell am 9. März 2020 und wurden im Wesentlichen bis November 2022 abgeschlossen, wobei Abschlussarbeiten bis Februar 2023 andauerten. Der Umfang der Maßnahmen war dabei erheblich und umfasste nahezu alle technischen Komponenten der Autobahn.

Erneuerung der Fahrbahn und Brückenwerke

Ein Kernstück der Sanierung war die Erneuerung der Verkehrsflächen. Laut den Quellen wurden 150.000 Quadratmeter Fahrbahn erneuert. Dies entspricht einer Fläche, die weit über 45 Fußballfeldern entspricht. Diese Fläche war notwendig, da nicht nur die Oberfläche, sondern auch die darunterliegenden Schichten und die Entwässerungssysteme generalüberholt wurden.

Neben der Fahrbahn standen die Brücken im Fokus der Erneuerung. Die Hochstraße St. Marx führt über insgesamt 32 Brücken. Alle diese Tragwerke wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Besonders erwähnenswert ist eine Brücke im Bereich der ehemaligen Anschlussstelle Arsenal, die im Zuge der Abrissarbeiten aufgrund ihres Gewichts von über 500 Tonnen als Ganzes weggehoben werden musste, da sie für den herkömmlichen Abbruch zu schwer war. Insgesamt wurden 42 Brücken im gesamten Projektbereich (inklusive Knoten Kaisermühlen) saniert.

Anschlussstellen und Verkehrsführung

Die Sanierung betraf auch die kritischen Knotenpunkte. Von den zehn Auf- und Abfahrten im Bereich der Hochstraße St. Marx wurden alle auf den neuesten Stand gebracht. Besondere Aufmerksamkeit galt der Anschlussstelle Gürtel und der Anschlussstelle St. Marx. Zudem wurde die "gesperrte Ausfahrt Simmering" neu gestaltet. Es handelte sich dabei um einen historisch unvollständigen Teil der A23, der ursprünglich als Anschlussstelle zur A3 (Südostautobahn) gedacht war. Da diese A3 heute jedoch bei Guntramsdorf in die A2 mündet, wurde die Ausfahrt Simmering nun so umgebaut, dass sie zukünftig ausschließlich von der Autobahnmeisterei und Einsatzkräften genutzt werden kann und der allgemeine Verkehr sie nicht mehr befahren kann.

Technische Ausrüstung und Sicherheit

Die technische Infrastruktur wurde vollständig modernisiert. Dazu gehörte der Austausch von 400 Beleuchtungskörpern, die auf LED-Technologie umgestellt wurden, was zu einer höheren Energieeffizienz und besseren Ausleuchtung der Fahrbahn führt. Auch Beschilderungen und Sicherheitseinrichtungen wie Leitschienen und Betonleitwände wurden erneuert oder verbessert.

Ein wichtiger Aspekt war zudem der Lärmschutz. Für die tausenden direkten Anrainer entlang der Strecke wurde ein neuer, bis zu fünf Meter hoher Lärmschutz errichtet, um die Belastung durch den starken Verkehr zu reduzieren.

Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen

Das Projekt "Tangente Neu" integrierte auch signifikante Umweltschutzmaßnahmen. Ein zentraler Punkt war das Recycling des Abbruchmaterials. Das Material aus den alten Brücken und der Fahrbahn wurde wiederverwertet, was den Ressourcenverbrauch senkte. Zudem wurde auf der Baustelle eine ökologische Bauaufsicht eingesetzt, um sicherzustellen, dass Umweltstandards eingehalten wurden.

Ein Beispiel für präventiven Naturschutz ist die Anlage einer 2.500 Quadratmeter großen Hamsterschutzzone im Bereich der Anschlussstelle Gürtel, die bereits vor der eigentlichen Sanierung entstand.

Nach Abschluss der Bauarbeiten ist eine Wiederaufforstung mit mehr als 300 Bäumen geplant. Das durch den Umbau und die Neugestaltung frei gewordene Areal im Bereich an der Ostbahn unterhalb der Tangente soll zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet werden. Dies unterstreicht den Anspruch, nicht nur die Verkehrsinfrastruktur zu erneuern, sondern auch die städtebauliche Integration und die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern.

Verkehrsauswirkungen und Bauphysik

Für Bauherren, Anwohner und Pendler war die Dauer und Intensität der Baustelle von hoher Relevanz. Die Sanierung fand unter laufendem Betrieb statt, was hohe Anforderungen an die Planung stellte.

Verkehrseinschränkungen

Trotz des massiven Umfangs der Arbeiten wurde versucht, die Beeinträchtigungen für den Berufsverkehr so gering wie möglich zu halten. Die Asfinag (Autobahn- und Schnellstraßen-Finanzierungs-GmbH) kommunizierte, dass zu den Spitzenzeiten keine Fahrstreifen gesperrt werden sollten. Dennoch waren zeitweise Sperren von Auf- und Abfahrten, insbesondere bei den Anschlussstellen Gürtel/Landstraße und St. Marx, unvermeidbar.

Um die Fahrer zu unterstützen, wurde ein Farbleitsystem implementiert. Dieses System sollte den Verkehrsteilnehmern helfen, während der Sperrungen und wechselnden Fahrbahnführungen frühzeitig die richtige Spur zu wählen.

Im Bereich des Knotens Kaisermühlen, der parallel zur Hochstraße St. Marx saniert wurde, galt ebenfalls Tempo 60 im Baustellenbereich. Besondere Maßnahmen waren auch für die Praterbrücke geplant: Ein Fahrbahnübergang sollte zwischen April und Mai ausgetauscht werden. Diese Arbeiten wurden nachts durchgeführt, und die Baustelle wurde tagsüber mit einer Spezialkonstruktion abgedeckt, um Spursperren am Tag zu vermeiden.

Dauer der Maßnahmen

Die gesamte Sanierung des Abschnitts St. Marx dauerte von März 2020 bis Februar 2023. Die Hauptbauphase war bis Ende 2022 abgeschlossen, sodass die Hauptverkehrsadern wieder vollständig freigegeben waren. Kleinere Abschlussarbeiten zogen sich jedoch bis ins Frühjahr 2023.

Fazit

Die Generalsanierung der Wiener Südosttangente A23 stellt ein Infrastrukturprojekt von hoher Bedeutung dar. Durch die Erneuerung von 150.000 Quadratmeter Fahrbahn, 32 Brücken und der kompletten technischen Ausstattung wird die Lebensdauer der Autobahn entscheidend verlängert. Die Integration von Umweltschutzmaßnahmen wie dem Baumaterial-Recycling und der Anlage von Naherholungsgebieten zeigt einen modernen Ansatz im Straßenbau, der über die reine Verkehrsführung hinausgeht.

Für Anwohner und Nutzer bedeutete das Projekt eine erhebliche Belastung über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Maßnahmen zur Verkehrsführung, wie das Farbleitsystem und die nächtlichen Arbeiten an sensiblen Punkten wie der Praterbrücke, dienten der Minimierung dieser Belastung. Mit der Fertigstellung im Jahr 2023 ist die A23 nun nicht nur sicherer und leistungsfähiger, sondern auch umweltfreundlicher und für die Anwohner akzeptabler geworden. Das Projekt dient als Beispiel für die Herausforderungen und Notwendigkeiten der Instandhaltung von urbaner Hochstraßen-Infrastruktur.

Quellen

  1. Heute.at
  2. Meinbezirk.at
  3. ORF Wien
  4. Kleinezeitung
  5. W24
  6. Autto.at

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