Die Renaissance historischer Bausubstanz: Sanierung und Neuentwicklung der Taunusanlage in Frankfurt

Die Taunusanlage in Frankfurt am Main ist aktuell Schauplatz umfangreicher Baumaßnahmen, die von der denkmalgerechten Sanierung historischer Gebäude bis hin zur Errichtung moderner Hochhausprojekte reichen. Diese Entwicklungen spiegeln den Trend wider, urbanen Raum durch die Kombination aus Erhalt von Kulturerbe und moderner Architektur aufzuwerten. Für Immobilienbesitzer, Bauinteressierte und Handwerker bietet der aktuelle Stand der Arbeiten an der Taunusanlage 20 und der S-Bahnstation Taunusanlage wertvolle Einblicke in moderne Sanierungstechniken, die Anwendung von Denkmalschutzrichtlinien und die Integration nachhaltiger Infrastruktur.

Die S-Bahnstation Taunusanlage: Moderne Infrastruktur im Untergrund

Ein zentraler Bestandteil der Aufwertung des Areals ist die Sanierung der unterirdischen S-Bahnstation Taunusanlage. Nach vierjähriger Bauzeit wurde die Station offiziell eröffnet. Die Maßnahmen konzentrierten sich nicht nur auf kosmetische Verbesserungen, sondern auf eine grundlegende technische und funktionale Überarbeitung.

Investitionen und technische Ausstattung

Die Sanierungskosten beliefen sich auf rund zehn Millionen Euro. Zu den wesentlichen Arbeiten gehörten: * Barrierefreiheit: Der Einbau eines Aufzugs stellt sicher, dass die Station für alle Nutzergruppen zugänglich ist. * Beleuchtung und Wegeleitsystem: Erstmals wurden in einer unterirdischen Station LEDs verbaut. Diese erzeugen ein Farbspiel, das den täglichen rund 30.000 Nutzern den Weg zur Oberfläche weist. * Bodenbeläge und Decken: Es wurden neue Bodenbeläge und rauchoffene Decken installiert. * Kommerzielle Integration: Zwei Läden wurden in die Station integriert, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Zudem erhielt die Station eine künstlerische Note durch Leuchtpiktogramme von Nikolaus A. Nessler und Andreas von Chrzanowski, die Wahrzeichen der Rhein-Main-Region darstellen.

Taunusanlage 20: Denkmalschutz und Substanzerhalt

Das Gebäude Taunusanlage 20, ein barock-klassizistischer Bau aus den Jahren 1898 bis 1903, steht als Kulturdenkmal unter Schutz. Es handelte sich einst um den Stammsitz der Frankfurter Versicherungs AG (heute Allianz SE). Die aktuelle Sanierung unter der Leitung des Frankfurter Architekturbüros MOW zielt darauf ab, das ehemalige Erscheinungsbild wiederherzustellen und eine adäquate Nutzung zu ermöglichen.

Fassadensanierung und Materialien

Die Fassade ist mit einer hochwertigen Natursteinfassade mit Skulpturen und Ornamenten verkleidet. Die Sanierung erfordert eine hohe handwerkliche Präzision: * Materialwahl: Für die Reparaturen wird Wartauer Sandstein verwendet, da dieser farblich dem Original sehr nahekommt. * Ornamentrekonstruktion: Fehlende Ornamente an den Figuren werden rekonstruiert. Besonders hervorzuheben sind die prägnanten Knabenfiguren am Hauptportal. Da diese zu stark beschädigt waren und in der Vergangenheit bereits mehrfach repariert wurden, erfolgt nun eine originalgetreue Rekonstruktion. Die abgenommenen Figuren werden wieder aufgesetzt. * Schäden am Mauerwerk: Kleine Schäden werden mit Steinersatzmasse, größere Schäden mit neuen Steinen repariert. * Kriegsschäden: Einschüsse aus dem Zweiten Weltkrieg werden bewusst nicht versteckt, um der jüngeren Generation die historischen Spuren des Krieges zu erhalten.

Fenster, Dach und Tragwerk

Die Modernisierung umfasst auch kritische Bauteile: * Fenster: Die bestehenden Fenster werden durch Denkmal-Holzfenster ersetzt. Laut Angaben des Denkmalamtes müssen diese nach historischem Vorbild mit dunkelbraunen Holzrahmen gefertigt werden. * Rolläden: Auch die Holzrollläden werden saniert und hellbeige lackiert. * Dachtragwerk: Das Dachtragwerk aus den 1950er Jahren, das in der Nachkriegszeit aufgesetzt wurde (das Gebäude war ursprünglich viergeschossig, bekam eine fünfte Etage), wird zurückgebaut. Es entsteht ein neues Tragwerk in Holzbauweise. * Glasdach: Das filigrane, sattelförmige Glasdach über dem lichtdurchfluteten Atrium wird im konstruktiven Austausch mit dem Denkmalamt saniert. Das historische Tragwerk hierbei wird erhalten und aufgearbeitet.

Historische Relikte und Restaurierung

Besonders aufwendig ist die Restaurierung der Sandsteinreliefs. Ein beschädigter Dutt eines Frauenkopfes wird vom Steinmetz restauriert. Das schmiedeeiserne Hauptportal ist die einzige erhaltene Original-Außentür. Die Entscheidung über die Verwendung der Originalteile, die ausgebaut wurden (wie die Knabenfiguren), steht noch aus; eine museale Aufbewahrung wird erwogen.

Taunusanlage 8: Neubau im Bankenviertel

Während Taunusanlage 20 saniert wird, entsteht mit der Taunusanlage 8 ein vollständig neues Bauwerk. Es handelt sich hierbei um ein Hochhausprojekt im Frankfurter Bankenviertel, das als Landmark fungieren soll.

Projektentwicklung und Architektur

Das Projekt wird von der Credit Suisse Asset Management entwickelt. Der Entwurf stammt von den Architekturbüros Prof. Fritz Novotny (Offenbach am Main) und msm meyer schmitz-morkramer (Frankfurt am Main). Das Gebäude besitzt einen H-förmigen Grundriss. Generalunternehmer ist die Ed. Züblin AG.

Das Projekt versteht sich als eines der modernsten und nachhaltigsten Objekte der Stadt. Ein besonderes Verkaufsargument ist die Lage direkt am Grüneburgpark, eines der größten Parks Frankfurts, was eine "einzigartige Qualität" verleiht.

Bauablauf und Fertigstellung

Nach dem Richtfest, bei dem der Richtkranz gehoben wurde, begannen die Innenausbauarbeiten. Die Rohbauarbeiten waren zuvor zügig vorangeschritten. Die Fertigstellung war ursprünglich für das zweite Quartal 2016 geplant. Das Gebäude soll das Straßenniveau entscheidend prägen und zum neuen Herzen des Bankenviertels avancieren.

Bewertung der Sanierungsstrategien aus Expertensicht

Für Bauherren und Investoren bieten die Maßnahmen an der Taunusanlage wichtige Lehrsätze im Umgang mit historischer Bausubstanz.

Die Bedeutung der Denkmalbehörde

Die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde ist, wie in den Quellen dargelegt, essenziell. Die Sanierung von Taunusanlage 20 zeigt, dass "behutsame Sanierung" nicht nur eine philosophische Haltung, sondern ein konkreter Abstimmungsprozess ist. Die Entscheidung, das Glasdach im Austausch mit dem Denkmalamt zu sanieren, unterstreicht die Notwendigkeit, Expertise der Behörden frühzeitig einzubinden.

Kostenfaktor Denkmalschutz

Die Quellen machen deutlich, dass die Kosten für denkmalgeschützte Gebäude deutlich höher liegen als für Neubauten. Andreas Bendlin, Geschäftsführer von MOW Architekten, verweist darauf, dass "immer wieder Überraschungen" auftauchen. Dies ist ein Faktor, den Bauherren bei der Sanierung alter Substanz einkalkulieren müssen. Die Notwendigkeit, Originalteile (wie die Knabenfiguren) komplett zu rekonstruieren, statt sie nur zu reparieren, treibt die Kosten in die Höhe, ist aber oft die einzige Möglichkeit, die Denkmalwürdigkeit zu erhalten.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Obwohl die Sanierung von Taunusanlage 20 primär den Erhalt des Erscheinungsbildes zum Ziel hat, sind Eingriffe wie der Austausch der Fenster (Holzfenster nach Denkmalstandard) und die Sanierung des Daches auch energietechnisch relevant. Das neue Tragwerk in Holzbauweise (bei Taunusanlage 20) und das Konzept der Taunusanlage 8 als "nachhaltigstes Objekt" zeigen die Richtung, in die moderne Bauwirtschaft geht: Kombination von Ästhetik, Denkmalschutz und ökologischer Verantwortung.

Fazit

Die Entwicklungen an der Taunusanlage in Frankfurt sind ein Paradebeispiel für die Weiterentwicklung urbaner Räume. Während die S-Bahnstation Taunusanlage durch technische Modernisierung und künstlerische Gestaltung die Infrastruktur für Pendler verbessert, stehen die Gebäude Taunusanlage 20 und Taunusanlage 8 für zwei gegensätzliche, sich aber ergänzende Ansätze: 1. Denkmalpflegerische Sanierung: Hier steht der Erhalt der historischen Substanz im Vordergrund. Die Arbeit von MOW Architekten und das Engagement des Denkmalamtes zeigen, wie durch aufwendige Handwerkskunst (Natursteinreparaturen, Rekonstruktion von Ornamenten) die Geschichte Frankfurts bewahrt wird. 2. Moderne Neubauentwicklung: Mit Taunusanlage 8 entsteht ein zeitgenössisches Hochhaus, das durch seine Nachhaltigkeit und Lage neue Maßstäbe setzt.

Für Bauinteressierte zeigt das Areal, dass Sanierung mehr ist als Renovierung. Sie ist ein komplexer Prozess aus Historie, Handwerk, Recht (Denkmalschutz) und moderner Technik. Die Frage, was mit den restaurierten Originalteilen geschieht, bleibt spannend – der Vorschlag, ein Museum einzurichten, unterstreicht den Wert, den diese Bauten für die Identität der Stadt haben.

Quellen

  1. Journal Frankfurt
  2. MOW Architekten
  3. LinkedIn - Skyline Atlas
  4. Frankfurter Rundschau
  5. DPS News

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