Die Hansestadt Kiel ist eng mit der Schifffahrt und dem Schiffsbau verbunden. Entlang der Förde zeugen zahlreiche Traditionsschiffe von dieser reichen Vergangenheit. Diese Schiffe sind nicht nur touristische Attraktionen, sondern bewegliche Denkmäler, deren Erhalt eine Herausforderung darstellt. Der aktuelle Stand der Sanierungsmaßnahmen, die notwendigen Finanzierungen und die handwerklichen Techniken stehen im Mittelpunkt dieses Fachbeitrags. Die Sanierung alter Schiffe ist eine komplexe Aufgabe, die denkmalpflegerische Ansprüche mit technischen Innovationen verbindet.
Die Bedeutung maritimer Denkmäler
Traditionsschiffe gelten als schwimmende Denkmäler. Sie verkörpern ein Stück Stadtgeschichte und maritimes Erbe. Besonders das Motorschiff „Stadt Kiel“ genießt aufgrund seiner Geschichte und Bauweise einen besonderen Status. Es wurde 1934 auf der ehemaligen Friedrich Krupp Germaniawerft in Kiel gebaut. Seit 1994 steht es als technisches Kulturdenkmal unter Schutz und ist in die Denkmalsrolle des Landes Schleswig-Holstein eingetragen [2].
Diese Einstufung ist entscheidend für den Fortbestand der Schiffe. Sie ermöglicht den Zugang zu öffentlichen Fördermitteln, die für die teuren Sanierungen unerlässlich sind. Ohne diese Unterstützung wäre der Erhalt vieler alter Schiffe, die überwiegend von ehrenamtlichen Vereinen betrieben werden, kaum möglich. Die Schiffe dienen heute oft als Museen oder werden für Charterfahrten genutzt, um ihre Betriebskosten zu decken.
Herausforderungen bei der Instandhaltung
Alter Schiffe sind ständigem Verschleiß ausgesetzt. Besonders die Feuchtigkeit und das Salzwasser der Ostsee fordern die Materialien. Bei der MS „Stadt Kiel“ sind regelmäßige Sanierungen notwendig, um die Substanz zu erhalten [3]. Die Kosten für Werftzeiten und die Einhaltung gestiegener Auflagen für Traditionsschiffe sind hoch [2].
Ein besonderes Problem stellte die Corona-Pandemie dar. Durch die Einschränkungen konnten bei der MS „Stadt Kiel“ nicht genügend Rücklagen für den denkmalgerechten Unterhalt gebildet werden [6]. Diese finanzielle Schieflage macht externe Unterstützung dringend erforderlich.
Finanzielle Förderung als Rettungsanker
Die Sicherung von Fördermitteln ist ein zentraler Aspekt der Schiffssanierung. Verschiedene Ebenen der Politik sind hierbei involviert. Es gibt Zuschüsse vom Bund sowie vom Land Schleswig-Holstein. Für die MS „Stadt Kiel“ wurden beispielsweise Förderungen in Höhe von 55.000 Euro (Bund) und 47.000 Euro (Land) bewilligt [2].
Auch direkte Bundestagsabgeordnete engagieren sich, um Mittel aus dem „Denkmalschutz-Sonderprogramm“ nach Kiel zu holen. Im aktuellen Fall wurden 170.000 Euro speziell für die Sanierung der Fenster der MS „Stadt Kiel“ bereitgestellt [6]. Solche gezielten Förderungen ermöglichen notwendige Teil-Sanierungen, die den Gesamtzustand des Schiffes stabilisieren.
Handwerkliche Restaurierung und Technik
Die Restaurierung von Traditionsschiffen erfordert spezielles handwerkliches Know-how. Es ist eine Mischung aus traditioneller Schiffsbaukunst und moderner Technik. In Kiel gibt es Werften, die sich auf diese Nische spezialisiert haben. Die Rathje Werft beispielsweise betont ihre über 100-jährige Tradition im Holzbootsbau und nutzt dieses Wissen für die Sanierung und Reparatur [5].
Spezifische Sanierungstechniken
Zu den klassischen Arbeiten im Schiffbau gehören Techniken wie Kalfatern, abmallen, Planken ersetzen und schäften [5]. Diese Handwerkskunst ist oft notwendig, um die alten Schiffe wieder „zum Leben zu erwecken“. Die Arbeiten am Unterwasserschiff sind dabei besonders kritisch. Bei der MS „Stadt Kiel“ wurde Unterwasserschiff in den 90er Jahren zu einem Großteil erneuert [2].
Neben dem klassischen Holzbau müssen auch Stahlrümpfe instand gesetzt werden. Der „Seestern“, ein ehemaliger Dampfschlepper aus dem Jahr 1874, der 1936 zum zweimastigen Segelschiff umgebaut wurde, verfügt über einen Stahlrumpf. Ein solcher Rumpf kann, sofern er in einem entsprechenden Zustand ist, für eine Restaurierung tauglich sein [4]. Die Sanierung des „Seesterns“ wurde von ehrenamtlichen Helfern unterstützt [1].
Fenstersanierung und Denkmalpflege
Ein moderner Aspekt der Sanierung betrifft die Fenster. Bei der MS „Stadt Kiel“ sind die Fenster dringend sanierungsbedürftig. Die gewährten 170.000 Euro sind explizit für diese Maßnahme vorgesehen [6]. Fenster in historischen Schiffen müssen nicht nur dicht sein, sondern auch den denkmalpflegerischen Vorgaben entsprechen, um den Charakter des Schiffes zu erhalten.
Andere Kieler Traditionsschiffe
Neben der MS „Stadt Kiel“ gibt es weitere Projekte. Die Sanierung der „Thor Heyerdahl“ wurde in einem bestimmten Zeitraum vorbereitet, wobei sich zahlreiche ehrenamtliche Helfer am Bollhörnkai einfanden [1]. Auch die Gorch Fock wurde in der Vergangenheit umfangreich saniert [1]. Diese Beispiele zeigen, dass der Erhalt von Traditionsschiffen in Kiel ein kontinuierlicher Prozess ist, der die Zusammenarbeit von Vereinen, Handwerkern und Politik erfordert.
Fazit
Die Sanierung von Traditionsschiffen in Kiel ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die den Erhalt eines wertvollen Kulturgutes sichert. Finanziert wird dies maßgeblich durch Fördermittel des Bundes und des Landes, die aufgrund des Denkmalstatus der Schiffe fließen. Die handwerkliche Umsetzung obliegt spezialisierten Werften, die traditionelle Techniken mit modernen Anforderungen verbinden. Ohne das Engagement von Ehrenamtlichen und die politische Unterstützung wäre der Erhalt dieser schwimmenden Denkmäler nicht möglich.