Die Sanierung von Hochschulgebäuden stellt die Bauwirtschaft vor komplexe Herausforderungen. Neben der Notwendigkeit, moderne technische Standards und energetische Anforderungen zu erfüllen, müssen oft historische Bausubstanz erhalten und der laufende Betrieb einer Universität oder Forschungseinrichtung aufrechterhalten werden. Die Technische Universität Darmstadt (TU Darmstadt) bietet mit ihren aktuellen Sanierungsprojekten ein instruktives Beispiel für die Bewältigung dieser Aufgaben. Die vorliegenden Informationen zu den Sanierungsmaßnahmen am Fachbereich Architektur (Gebäude L3|01), am Fachbereich Geowissenschaften und am Alten Hauptgebäude illustrieren moderne Planungsansätze, die sich durch eine Kombination aus denkmalgerechter Instandsetzung, brandschutztechnischer Aufrüstung und nachhaltiger Campusgestaltung auszeichnen.
Analyse der Sanierungsstrategien und Planungsprozesse
Die Sanierung von Universitätsgebäuden erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Erhalt und Erneuerung. Die TU Darmstadt setzt hierbei auf Konzepte, die eine schrittweise Modernisierung ermöglichen, ohne die Nutzung der Gebäude vollständig einzustellen.
Planungsmanagement und Vergabe
Ein zentraler Aspekt der Sanierungsprojekte ist die professionelle Steuerung der Planungs- und Vergabeprozesse. Die TU Darmstadt bezieht hierbei externe Fachplaner ein. Für das Sanierungskonzept des Gebäudes L3|01 (Fachbereich Architektur) wurden beispielsweise Leistungen für die Objektplanung Hochbau sowie für die Fachplanungen TGA (Technische Gebäudeausrüstung) ausgeschrieben. Zu den beauftragten Leistungen gehören neben Beratung und Projektvorbereitung auch die Entwicklung von Eignungs- und Zuschlagskriterien, die Veröffentlichung der Ausschreibung, die Prüfung und Auswertung der Angebote sowie das Führen und Dokumentieren der Vergabeverhandlungen (Source 3, 4). Dieser strukturierte Ansatz stellt sicher, dass die komplexen Anforderungen an die Sanierung durch qualifizierte Planer umgesetzt werden.
Sanierung im laufenden Betrieb (SiL)
Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung von Universitätsgebäuden ist die Minimierung der Beeinträchtigungen für Lehre und Forschung. Für das Gebäude L3|01, das 1969 als erstes Gebäude im Darmstädter Bausystem auf der Lichtwiese fertiggestellt wurde, hat die TU Darmstadt ein Sanierungskonzept entwickelt, das eine „abschnittsweise und bedarfsgerechte Sanierung im laufenden Betrieb“ ermöglicht (Source 3, 4). Dieses Vorgehen erlaubt es, Bereiche des Gebäudes zu sanieren, während andere weiter genutzt werden können. Das Ziel ist dabei, „möglichst viel intakte Bausubstanz zu erhalten“ (Source 4).
Das Konzept ist bis zur Leistungsphase 4 (LPH 4) der HOAI abgeschlossen. Als Vorabmaßnahmen wurden Musterflächen und -lösungen entwickelt und gebaut, um Erkenntnisse für die Gesamtsanierung zu gewinnen. Dazu gehörten Lösungen für die Fenster- und Betonfassade, die historische Abhangdecke und die Wärmeversorgung. Diese Musterflächen wurden gemeinsam mit der Denkmalpflege, den Planern und den Nutzern entwickelt (Source 4). Die daraus resultierenden Erfahrungswerte fließen in die Entwurfsplanung ein. Die Sanierung der einzelnen Quadranten der Fachgebiete soll unabhängig von der Hauptmaßnahme bei Bedarf umgesetzt werden, was eine hohe Flexibilität gewährleistet.
Bauliche Substanz und Denkmalschutz
Viele Universitätsgebäude stehen unter Denkmalschutz, was spezifische Anforderungen an die Sanierung stellt. Das Verständnis der vorhandenen Bausubstanz ist hierbei fundamental.
Struktur und Materialität
Das Gebäude L3|01 (Fachbereich Architektur) ist ein eingetragenes Einzeldenkmal. Sein Rohbau ist als Stahlbetonskelettkonstruktion aus Fertigteilen ausgeführt. Typische Bauteile sind Stützen, Unterzüge, Deckenkassetten sowie Fassaden- und Balkonelemente. Der Ausbau erfolgte über vorgefertigte Elemente im Ausbauraster von 1,875 m (Source 3, 4). Dieses Wissen um die ursprüngliche Bauweise ist entscheidend für die Planung von Eingriffen, die die Denkmalqualitäten wahren.
Im Alten Hauptgebäude der TU Darmstadt lag der Fokus der Sanierung unter anderem auf dem Brandschutz (Source 2). Auch wenn die Quelle hier nur knapp ist, zeigt sie, dass Auflagen in diesem Bereich oft zentrale Treiber von Sanierungsmaßnahmen sind.
Funktionsneugliederung und Nutzungsanforderungen
Neben dem Erhalt der Substanz geht es oft um die Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen. Am Fachbereich Geowissenschaften bestand die Aufgabenstellung in der „substanziellen und brandschutztechnischen Ertüchtigung“, der Neuordnung der Funktionsbereiche und der Verbesserung der Erschließung (Source 1).
Hierbei wurde eine klare Trennung der Funktionen herbeigeführt: * Labore * Hörsäle und Seminarräume * Verwaltungen der Lehrstühle
Diese Bereiche wurden geschossweise neu gegliedert. Eine architektonische Maßnahme war der Umbau des Eingangsfoyers zu einer zweigeschossigen Halle mit einem Verbindungssteg, indem die Decke entfernt wurde. Durch die Neuaufteilung in Brandabschnitte mit separaten Fluchtwegen konnten zentrale Funktionen wie Sekretariate, Besprechungsräume oder Teeküchen an den Übergangspunkten zwischen der Verbindungshalle und den Funktionsriegeln angeordnet werden. Diese Bereiche sind zu den Flurbereichen hin offen gestaltet. Die innenliegenden Flure erhalten durch verglaste Trennwände Tageslicht (Source 1). Diese Maßnahmen zeigen, wie durch bauliche Veränderungen nicht nur Sicherheit (Brandschutz), sondern auch die Orientierung und die Kommunikation im Gebäude gefördert werden.
Nachhaltigkeit und Campusgestaltung
Ein moderner Sanierungsansatz bezieht heutzutage zwingend Aspekte der Nachhaltigkeit mit ein. Die TU Darmstadt definiert Nachhaltigkeit in der Campusgestaltung durch bauliche Entwicklungen, die einen energieeffizienten Betrieb ermöglichen und zu einer hohen Aufenthaltsqualität führen (Source 6).
Ökologische und energetische Aspekte
Bei Neubauten und Sanierungen werden Aspekte wie Ressourceneffizienz, der Einsatz von Erneuerbaren Energien und die Reduzierung der Flächenversiegelung berücksichtigt. Das Projekt „Grüner Campus“ des Büros für Nachhaltigkeit zielt darauf ab, die Klimaresilienz, Biodiversität und Aufenthaltsqualität zu stärken. Es wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) gefördert und verfolgt Ansätze für verschiedene Standorte. Ein Schwerpunkt liegt auf Pilotprojekten und der partizipativen Einbindung von TU-Angehörigen (Source 6).
Zu den konkreten Maßnahmen gehören ökologische und regenerative Aktionen wie Baumpflanzaktionen. Diese stärken die Ökosysteme und machen das Thema Nachhaltigkeit sichtbar und erfahrbar (Source 6). Im Zuge von Sanierungen, wie denen an den genannten Gebäuden, sind solche Maßnahmen oft Teil eines übergreifenden Konzepts, das über die reine Gebäudehülle hinausgeht.
Betriebliche Aspekte
Nachhaltigkeit umfasst auch die Art der Verwaltung der Liegenschaften. Die Quellen geben an, dass es eine Rolle spielt, ob die Liegenschaften intern oder extern verwaltet werden, da dies die Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten im Betrieb beeinflusst (Source 6). Die Sanierungskonzepte der TU Darmstadt legen nahe, dass eine langfristige Planung berücksichtigt werden muss, um den Energiebedarf zu senken und die Lebensdauer der Bausubstanz zu verlängern.
Vergleich der Sanierungsobjekte
Um die unterschiedlichen Herangehensweisen und Schwerpunkte der Sanierungsprojekte an der TU Darmstadt zu verdeutlichen, bietet sich ein Vergleich der in den Quellen genannten Gebäude an:
| Merkmal | Gebäude L3 | 01 (FB Architektur) | Gebäude FB Geowissenschaften | Altes Hauptgebäude |
|---|---|---|---|---|
| Status | Eingetragenes Einzeldenkmal | Sanierung | Sanierung | |
| Baujahr / System | 1969, Darmstädter Bausystem | (Nicht explizit genannt, älteres Gebäude) | (Nicht explizit genannt, historisch) | |
| Hauptziel | Abschnittsweise Sanierung im laufenden Betrieb, Erhalt intakter Substanz | Substanzielle & brandschutztechnische Ertüchtigung, Neuordnung Funktionsbereiche | Brandschutz | |
| Besonderheiten | Musterflächen für Fenster, Betonfassade, historische Abhangdecke; Raster 1,875 m | Zweigeschossige Foyer-Halle, offene Sekretariate, verglaste Trennwände | (Fokus auf Brandschutz LP 1-8) | |
| Planungsstatus | LPH 4 abgeschlossen | (Nicht explizit genannt) | (Nicht explizit genannt) |
Dieser Vergleich zeigt, dass jedes Projekt spezifische Antworten auf seine baulichen und funktionalen Voraussetzungen findet. Während das Gebäude L3|01 durch seinen Denkmalstatus und die Notwendigkeit des Betriebsbesuchs eine sehr vorsichtige, schrittweise Sanierung erfordert, zielen die Maßnahmen an den Geowissenschaften vor allem auf eine Klarheit der Funktion und Sicherheit ab.
Fazit
Die Sanierungsprojekte der Technischen Universität Darmstadt demonstrieren zeitgemäße Strategien für die Revitalisierung von Hochschulbauten. Zentrale Elemente dieser Strategien sind:
- Planerische Voraussicht: Die Durchführung von Vergabeverhandlungen und die Erstellung von Sanierungskonzepten bis in detaillierte Planungsphasen (LPH 4) bilden die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung.
- Denkmalgerechtes Vorgehen: Der Erhalt historischer Bausubstanz, wie der Stahlbetonskelettbau von 1969 oder historische Abhangdecken, wird mit modernen Anforderungen an den Brandschutz und die Funktionalität verbunden.
- Nutzerzentrierung: Maßnahmen wie die Offenlegung von Sekretariaten oder die Schaffung von Belichtung durch verglaste Trennwände verbessern die Arbeitsbedingungen und die Kommunikation.
- Nachhaltigkeitsintegration: Die Verankerung von Nachhaltigkeit im Campusmanagement, beispielsweise durch das Projekt „Grüner Campus“, zeigt, dass Sanierung mehr ist als nur Instandsetzung von Gebäudehüllen; sie ist ein Beitrag zur Klimaresilienz und zur Aufwertung des Standorts.
Für Bauherren und Planer in vergleichbaren Kontexten (z. B. die Sanierung von Büro- und Verwaltungsgebäuden mit Denkmalcharakter) liefern die Vorgehensweisen an der TU Darmstadt wertvolle Anregungen. Die Kombination aus sorgfältiger Bestandsaufnahme, Entwicklung von Musterflächen zur Risikominimierung und der Fokussierung auf licht- und nutzungsorientierte Grundrisse erweist sich als zukunftsfähig.
Quellen
- Umbau und Sanierung Institutsgebäude Technische Universität Darmstadt
- SANIERUNG Altes Hauptgebäude TU Darmstadt
- Die TU Darmstadt plant für das Gebäude L3|01 FB 15 Architektur ein Sanierungskonzept
- Die TU Darmstadt hat für das Gebäude L3|01 FB Architektur ein Sanierungskonzept entwickelt
- Überblick über die verschiedenen Bauprojekte der Technischen Universität Darmstadt
- Nachhaltige Campusgestaltung an der TU Darmstadt