Modernisierung und Sicherheit: Sanierungsmaßnahmen und Ausbaupläne der U35 in Bochum

Einleitung

Die städtebauliche Infrastruktur unterliegt einem ständigen Zyklus von Instandhaltung, Modernisierung und notwendigen Anpassungen an neue technische Standards und steigende Nutzerzahlen. Im Fokus der aktuellen Entwicklungen in Bochum steht dabei die Stadtbahnlinie U35, ein zentraler Verkehrskorridor, der nicht nur die Verbindung zwischen Universität und Stadtmitte sicherstellt, sondern auch eine hohe tägliche Passagierzahl bewältigen muss. Die vorliegenden Informationen beleuchten verschiedene Aspekte dieser Infrastruktur: von konkreten Sanierungsprojekten an Bahnhöfen und Gleisen bis hin zu strategischen Überlegungen für den zukünftigen Ausbau des Streckennetzes.

Dieser Artikel fasst die dokumentierten Sanierungsarbeiten zusammen, die sich auf die Substanz von Stützwänden, die Barrierefreiheit von Bahnsteigen und den baulichen Brandschutz konzentrieren. Darüber hinaus werden die Herausforderungen durch den laufenden Betrieb während dieser Maßnahmen sowie die Notwendigkeit einer Kapazitätserweiterung diskutiert, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Sanierung der Stützwände am Bahnhof Hustadt

Ein wesentlicher Teil der aktuellen Baumaßnahmen betrifft die Substanzerhaltung der Hochbahn-Infrastruktur. Ab dem 19. Mai 2025 beginnt die Sanierung der Stützwände am U35-Bahnhof Hustadt auf der Universitätsstraße. Diese Wände, die den Bahnhof auf einer Seite einfassen und parallel zur Straße verlaufen, sind aus Beton gefertigt und sind mittlerweile etwa 50 Jahre alt. Das Alter der Bausubstanz erfordert eine umfassende Instandsetzung, um die Stabilität und Sicherheit der Anlage zu gewährleisten.

Die Maßnahme ist aufwendig und erfordert eine Koordination mit dem Straßenverkehr. Um die Arbeiten sicher durchführen zu können, wird jeweils eine Fahrspur auf der Universitätsstraße in diesem Bereich eingezogen. Diese Verkehrsregelung ist notwendig, um den benötigten Arbeitsraum für die Handwerker und das notwendige Gerät zu schaffen. Die Planung sieht vor, dass die Sanierung der Stützwände bis Ende August 2025 abgeschlossen sein soll. Dieser Zeitraum von etwa drei Monaten unterstreicht den Umfang der anstehenden Erneuerungsarbeiten an der Betonsubstanz.

Modernisierung der Haltestelle Markstraße: Fokus auf Barrierefreiheit

Ein weiteres Projekt, das bereits in der Vergangenheit umgesetzt wurde, aber die Notwendigkeit von regelmäßigen Updates verdeutlicht, ist die Sanierung des Stadtbahn-Bahnhofs „Markstraße“. Das Tiefbauamt Bochum hat diese Haltestelle einer grundlegenden Überholung unterzogen. Die Haltestelle besitzt eine historische Dimension: Sie wurde ursprünglich in den 1970er Jahren für die Linie 5 errichtet und in den 1990er Jahren für die Campuslinie U35 umgebaut, wobei ein Mittelbahnsteig zwischen den Fahrspuren der Universitätsstraße entstand.

Seit diesem Umbau blieb die Station im Wesentlichen unverändert, was dazu führte, dass sie den heutigen Standards der Barrierefreiheit nicht mehr entsprach. Dieser Zustand machte eine Renovierung unumgänglich. Die durchgeführten Arbeiten umfassten die Erneuerung des kompletten Bodenbelages auf dem Bahnsteig. Ein zentraler Bestandteil war dabei die Installation eines taktilen Leitsystems, das speziell für sehbehinderte und blinde Menschen konzipiert ist und die sichere Orientierung auf dem Bahnsteig gewährleistet.

Die Baukosten beliefen sich auf rund 170.000 Euro. Trotz der umfangreichen Arbeiten blieb der Bahnhof während der Sanierung durchgehend in Betrieb, der Zugang war jederzeit ohne Einschränkungen möglich. Um die Behinderungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, erfolgte die Erneuerung des Bodenbelages in verschiedenen Abschnitten. Dennoch kam es zu leichten Behinderungen. Besonders in den Abendstunden ab 20:30 Uhr wurde der Betrieb der U35 an den Bahnhöfen Markstraße und Brenscheder Straße im sogenannten „Falschfahr“-Betrieb organisiert, sodass die Züge nur auf einer Bahnsteigseite hielten. Diese Maßnahme dauerte fünf bis sieben Wochen.

Aufwertung des Brandschutzes am Bahnhof Rathaus Nord

Die Sicherheit der Fahrgäste hat oberste Priorität. Eine umfangreiche Modernisierung des baulichen und anlagentechnischen Brandschutzes wurde im Stadtbahn-Bahnhof „Rathaus Nord“ der U35 umgesetzt. Die Arbeiten, die voraussichtlich bis Ende des Jahres andauerten, zielten darauf ab, die Sicherheit zu verbessern und die Auswirkungen eines potenziellen Brandes zu minimieren, wobei der Fahrbetrieb während der gesamten Zeit aufrechterhalten werden konnte.

Die technischen Maßnahmen waren vielfältig und umfassten mehrere Bereiche des Bahnhofs: * Erneuerung von Türen: In der Verteilerebene „Technisches Rathaus“ und in den Betriebsräumen der Fahrebene wurden vorhandene Türen durch neue Feuerschutztüren ersetzt. Diese Arbeiten erforderten umfangreiche Abbruch- und Mauerarbeiten. * Brandmeldeanlage: Der Bahnhof erhielt eine moderne Brandmeldeanlage. Diese setzt sich aus automatischen Rauchmeldern, manuellen Brandmeldern und Rauchansaugsystemen zusammen. * Fluchtwegoptimierung: Auf der Verteilerebene „Kortumstraße“ wurden die Bügel der ehemaligen Fahrkartenentwerter demontiert, um den Fluchtweg zu verbessern. * Notruf- und Erste-Hilfe-Ausstattung: Auf der Fahrebene wurde eine Notrufsäule installiert, die mit einem Feuerlöscher und einem Defibrillator ausgestattet ist. * Lüftungstechnik: Die Lüftungsanlagen in den Betriebsräumen auf der Fahrebene und in der Verteilerebene „Kortumstraße“ wurden komplett erneuert. Dabei wurden veraltete Brandschutzklappen durch moderne Komponenten ersetzt. * Information: Zusätzlich wurden neue Transparente mit Warnhinweisen aufgehängt.

Diese umfassende Aufrüstung zeigt, wie wichtig die Anpassung von Bestandsanlagen an aktuelle Sicherheitsstandards ist.

Gleisarbeiten und Betriebsbeeinträchtigungen

Neben den Arbeiten an den Bahnhöfen sind auch direkte Eingriffe in die Gleisanlagen notwendig, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Im März und April 2024 fanden auf der Strecke der U35 Instandhaltungsarbeiten statt, die eine Gleiserneuerung auf der Universitätsstraße zwischen den Haltestellen Markstraße und Gesundheitscampus erforderten.

Diese Maßnahme war auf mehrere Wochen terminiert und führte zu erheblichen Verkehrsänderungen. Die Arbeiten erstreckten sich über den Zeitraum vom 22. März bis voraussichtlich 7. April 2024. Um die Bauarbeiten sicher durchführen zu können, wurde die Verkehrsführung im Baufeld bereits ab dem 19. März geändert. Die Zahl der Fahrspuren wurde verringert oder eingeengt, was zwangsläufig zu Verkehrsbehinderungen führte. Die Empfehlung der zuständigen Stellen war, den Baustellenbereich großräumig zu umfahren, falls möglich.

Während dieser Zeit musste der Bahnbetrieb auf dem betroffenen Streckenabschnitt unterbrochen werden. Die BOGESTRA setzte stattdessen Busse ein, um die Verbindung aufrechtzuerhalten. Diese temporäre Umstellung verdeutlicht die Abhängigkeit des Schienenverkehrs von der Intaktheit der Gleise und die Notwendigkeit, solche Arbeiten in festgelegten Zeitfenstern durchzuführen.

Kapazitätsausbau und Zukunftsperspektiven

Die aktuelle Nutzung der U35 stellt hohe Anforderungen an die Kapazität. Laut vorliegender Informationen befördert die Linie etwa 85.000 Fahrgäste pro Tag. In den Hauptverkehrszeiten (HVZ) sind die Züge extrem voll, weshalb aktuell mit Doppeltraktionen und einem Takt von ungefähr drei Minuten gefahren wird. Es wird jedoch festgestellt, dass diese Kapazität nicht mehr ausreicht.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines umfangreichen Ausbaus zur Voll-U-Bahn mit deutlich höherer Kapazität. In diesem Zusammenhang werden konkrete technische Maßnahmen genannt, die notwendig wären, um langfristig einen Ausbau zur vollautomatischen U-Bahn im 90-Sekunden-Takt mit Vierfachtraktionen zu ermöglichen. Dazu gehören: * Der kreuzungsfreie Ausbau der Strecke im Bereich Wasserstraße/Brenscheder Straße. * Die Verlängerung der Bahnsteige an den oberirdischen Stationen.

Diese Überlegungen dienen dazu, die Optionen für die Zukunft offen zu halten. Zusätzlich zu diesem Kapazitätsausbau werden auch Verlängerungen des Streckennetzes diskutiert. Als wichtigstes Projekt wird die Verlängerung der Linie nach Langendreer zu einem potenziellen neuen Bahnhof angesehen. Auch südliche Verlängerungen werden erwogen.

Fazit

Die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen entlang der U35 in Bochum zeigen eine klare Priorisierung: Erhalt der Substanz, Sicherheit der Fahrgäste und Anpassung an aktuelle Standards. Obwohl die Arbeiten an den Stützwänden in Hustadt erst 2025 beginnen, stehen sie exemplarisch für die Notwendigkeit, die über 50 Jahre alte Betoninfrastruktur zu erneuern. Parallel dazu demonstrieren die Projekte an der Haltestelle Markstraße und dem Bahnhof Rathaus Nord, dass auch innerhalb der Stationen dringender Nachholbedarf besteht – sei es bei der Barrierefreiheit oder beim technischen Brandschutz.

Die Betriebsunterbrechungen durch Gleisarbeiten verdeutlichen die Herausforderung, notwendige Instandhaltungen durchzuführen, ohne den öffentlichen Verkehr längerfristig zu beeinträchtigen. Gleichzeitig wird die Dringlichkeit eines langfristigen Ausbaus deutlich, um die hohe Nachfrage zu bewältigen und die Verkehrsleistung nachhaltig zu steigern. Für Eigentümer und Investoren in der Region unterstreichen diese Entwicklungen die Bedeutung einer gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsinfrastruktur als Standortfaktor.

Quellen

  1. Bochum.de - Sanierung der Stützwände am Bahnhof Hustadt
  2. Bochumer Zeitung - Sanierung der Stützwände am Bahnhof Hustadt Bochum
  3. Bochumer Zeitung - Stadt Bochum Infos: Sanierung des Stadtbahn-Bahnhofs Markstraße
  4. Bochum.de - Stadtbahn-Bahnhof Rathaus Nord erhält verbesserten Brandschutz
  5. Lokalkompass - Stadtbahn-Bahnhof Rathaus Nord erhält verbesserten Brandschutz
  6. Halloherne - U35: Mehrwöchige Gleisarbeiten
  7. Linieplus - Bochum U35 Verlängerung nach Langendreer West, Witten und zur Fachhochschule

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