Sanierung der Ulmenstraße in Rostock: Planung, Ausführung und Auswirkungen auf die Infrastruktur

Die Sanierung von Hauptverkehrsadern in historischen Stadtkernen stellt eine der komplexesten Herausforderungen im modernen Tiefbau dar. Dies gilt insbesondere für die Hansestadt Rostock, wo die Erneuerung der Ulmenstraße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) über mehrere Jahre hinweg ein zentrales Projekt der städtischen Infrastrukturpolitik darstellte. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, logistischen und finanziellen Aspekte dieses Vorhabens, basierend auf den vorliegenden Informationen aus offiziellen Pressemitteilungen und Berichten der Jahre 2015 bis 2024. Die Maßnahme dient als exemplarisches Fallbeispiel für die Herausforderungen der Modernisierung von Verkehrsanlagen unter gleichzeitiger Erneuerung der unterirdischen Versorgungsleitungen.

Ausgangslage und strategische Bedeutung

Die Ulmenstraße und die Maßmannstraße sind nicht nur für den motorisierten Individualverkehr von Bedeutung, sondern stellen zentrale Erschließungsachsen für die Kröpeliner-Tor-Vorstadt dar. Quellen nennen die Ulmenstraße explizit als Bestandteil der Verbindungsachsen der Rostocker Unicampi, was die Notwendigkeit einer funktionierenden Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr und die Fußgängererschließung unterstreicht.

Bereits im Jahr 2015 wurde die Notwendigkeit der Sanierung durch den Senator für Bau und Umwelt, Holger Matthäus, hervorgehoben. Ziel war es, einen attraktiven Straßenraum zu schaffen, der dem studentischen Leben und den Anwohnenden angepasst ist und gleichzeitig hohen Verkehrssicherheitsstandards genügt. Besonders hervorzuheben ist der damals bereits etablierte partizipative Planungsprozess. Durch moderierte Workshops im Oktober 2012 und Mai 2013 sowie die Einbindung des Ortsbeirats, der Universität und der Polizei wurde eine breite Abstimmung erreicht, bevor die konkrete Ausführungsplanung im Herbst 2015 veröffentlicht wurde.

Technische Planung und Bauabschnitte

Die Sanierung erfolgte in drei klar definierten Bauabschnitten, um die Erschließung des Gebiets weitestgehend aufrechtzuerhalten. Die Planung oblag den beauftragten Ingenieurbüros Meyer und Hentschel, die als Landschaftsplaner fungierten.

Erster Bauabschnitt (2016)

Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich auf den Bereich zwischen dem Knotenpunkt Ulmenstraße/Gewettstraße und dem Knotenpunkt Maßmannstraße/Waldemarstraße auf einer Länge von ca. 510 Metern. Die Ausführung erfolgte durch die Firma ASA-Bau GmbH Neubukow im Auftrag der Hansestadt Rostock.

Technische Maßnahmen und Materialien: Ein Kernziel war die Neugestaltung des Straßenquerschnitts. Die Planungen sahen eine Verringerung der Fahrbahnbreite sowie die Einrichtung separater Park- und Grünstreifen vor. * Fahrbahn: Die Fahrbahn wurde in einer Breite von 6,50 Metern ausgeführt. Zum Schutz von Baumbestand und Leitungen kam ein vollgebundener Oberbau in Asphaltbauweise zur Anwendung. * Parkbuchten: Die fahrbahnnahen Parkbuchten wurden mit Betonrechteckpflaster befestigt. * Gehwege: Die Gehwege wurden mit Betonplatten ausgeführt. * Unterirdische Leitungen: Im Zuge der Baumaßnahmen erfolgte durch die Eurawasser Nord die Sanierung des Regen- und Schmutzwassersammlers sowie der Trinkwasserleitungen.

Dritter Bauabschnitt (ab Mai 2023)

Der dritte Bauabschnitt, der Anfang Mai 2023 startete, umfasste den Streckenabschnitt zwischen der Fritz-Reuter-Straße und dem Saarplatz. Hier wurde eine halbseitige Sperrung implementiert, die einen Einrichtungsverkehr vom Saarplatz kommend in Richtung Maßmannstraße erzwang. Umleitungen waren über Lübecker Straße, Karl-Marx-Straße, Dethardingstraße und Parkstraße (aus westlicher Richtung ab Holbeinplatz) eingerichtet.

Umfang der Leistungen im dritten Abschnitt: Die Arbeiten wurden im Auftrag der Nordwasser GmbH (im Namen des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes) und des Tiefbauamtes durchgeführt. 1. Kanalsanierung: Erneuerung eines Mischwasserkanals (ca. 400 m), eines Regenwasserkanals (ca. 370 m) und eines Stauraumkanals zur Rückhaltung von über 500 Kubikmetern Regenwasser unterhalb des Ulmenmarktes. 2. Trinkwasserversorgung: Erneuerung mehrerer Trinkwasserleitungen, inklusive einer Haupttransportleitung, sowie der Grundstücksanschlüsse. 3. Fahrbahnbau: Neubau der Fahrbahn zwischen Fritz-Reuter-Straße und Saarplatz in Asphaltbauweise.

Logistische Herausforderungen und Verkehrsführung

Die Sanierung einer stark frequentierten Straße im Stadtzentrum erfordert ausgeklügelte Verkehrskonzepte. Während der Bauarbeiten, insbesondere im letzten Abschnitt, wurde der Fahrzeugverkehr über großräumige Umleitungen geführt, um die Innenstadt nicht zusätzlich zu belasten. Für die Anwohner und Besucher des Szeneviertels blieb jedoch die Erreichbarkeit ein zentrales Thema.

Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs. Im Oktober 2024, als sich die Arbeiten dem Ende zuneigten, wurde die Buslinie 26 deutlich verlängert. Die neue Route verbindet nun den Hauptbahnhof Süd über die Stadthalle und die Erich-Schlesinger-Straße mit den neuen Haltestellen Saarplatz, Campus Ulmenstraße und Thomas-Müntzer-Platz direkt in der Ulmenstraße. Diese Maßnahme, begleitet von der Einstellung der Buslinie 27 und der Verlegung der Haltestelle Klinikum Schillingallee auf die Linie 39, stärkt die Anbindung der Forschungsstandorte und Schulen und dient als Ausgleich für die Verkehrserschließung während und nach der Bauphase.

Zeitlicher Ablauf und Fertigstellung

Der Zeitplan des Projekts unterlag mehreren Verschiebungen und Phasen: * Planungsphase: 2012 bis 2015. * Start erster Bauabschnitt: August 2016. * Start dritter Bauabschnitt: Mai 2023. * Asphaltierung: Im September 2024 wurde im Abschnitt zwischen Saarplatz und Ulmenmarkt die Asphaltdeckschicht eingebaut. Eine Vollsperrung für diesen Schritt war notwendig. * Fahrbarkeit: Ab Donnerstag nach der Asphaltierung (September 2024) soll die Ulmenstraße wieder durchgängig in beide Richtungen befahrbar sein. * Endgültiger Abschluss: Trotz der Wiedereröffnung der Fahrbahn sind Restarbeiten an Gehwegen und Baumstandorten bis Ende September 2025 geplant. In dieser Zeit ist die Straße in der Breite eingeschränkt.

Kosten und Finanzierung

Die Sanierung der Ulmenstraße stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für den Stadthaushalt Rostocks dar, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt.

Gesamtkosten: Die Gesamtkosten für die Sanierung beliefen sich auf etwa 9,2 Millionen Euro. Dieser Betrag umfasst die Erneuerung von Fahrbahnen, Gehwegen, Baumschutzeinrichtungen, Straßenbeleuchtung und der Regenentwässerung.

Aufteilung nach Gewerken: * Straßenbau: Die Kosten für den reinen Straßenbau (im letzten Abschnitt) lagen bei ca. 3,25 Millionen Euro. * Kanalisationsbau: Das Auftragsvolumen des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV) lag bei rund 6,7 Millionen Euro. Davon entfielen knapp zwei Millionen Euro auf den Ausbau des Regenwasserkanals im Zuge der Maßnahme. * Finanzquelle: Die Mittel wurden aus dem Kernhaushalt der Stadt bereitgestellt.

Fazit

Die Sanierung der Ulmenstraße in Rostock ist ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit und Komplexität von Infrastrukturerhaltung in historischen Stadtkernen. Die Maßnahme beschränkte sich nicht auf eine bloße Oberflächenbehandlung, sondern beinhaltete eine tiefgreifende Erneuerung der gesamten Verkehrsanlage und der kritischen Daseinsvorsorge durch die Erneuerung von Trinkwasser- und Abwassersystemen.

Die gewählte Bauausführung in drei Abschnitte ermöglichte eine weitgehende Aufrechterhaltung der Verkehrsfunktion, auch wenn es zu erheblichen Beeinträchtigungen durch Sperrungen und Umleitungen kam. Die Einführung einer verlängerten Buslinie 26 zeigt die städtebauliche Reaktion auf die veränderte Verkehrssituation und die gewonnene Attraktivität des Areals.

Für Bauherren und Planer in vergleichbaren Kontexten zeigt das Projekt die Bedeutung der frühzeitigen Einbindung der Anwohnerschaft und der Abstimmung mit den Versorgungsträgern (Wasser/Abwasser). Die Investitionssumme von über 9 Millionen Euro unterstreicht zudem, dass die Sanierung von Verkehrsflächen eine der größten Posten in städtischen Haushalten darstellt, deren Amortisation über die Sicherung der Bausubstanz und die Erhöhung der Lebensqualität erfolgt. Mit dem Abschluss der Arbeiten Ende 2024/Anfang 2025 steht der Ulmenstraße eine Zukunft als moderne, sichere und ökologisch angepasste Hauptachse im Rostocker Stadtbild bevor.

Quellen

  1. Rostock-heute.de
  2. Rostock-heute.de
  3. NDR.de
  4. Rathaus Rostock
  5. Nordkurier.de

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