Die Sanierung von über 50 Jahre alten Sporthallen stellt die Bauwirtschaft vor komplexe Herausforderungen. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche Großmodernisierung ist der Sporthallenkomplex an der Kopenhagener Straße in Rostock. Dieser Fall verdeutlicht die Notwendigkeit, technische Mängel, Brandschutzdefizite und energetische Anforderungen in einem integrierten Sanierungskonzept zusammenzuführen. Der folgende Artikel beleuchtet die Planung, Durchführung und finanzielle Unterstützung dieser Baumaßnahme und bietet Einblicke in die Abläufe einer öffentlichen Ausschreibung im Bauwesen.
Einführung: Der Sporthallenkomplex Kopenhagener Straße
Der Sporthallenkomplex im Rostocker Stadtteil Lütten Klein, bestehend aus zwei verbundenen Turnhallen des Typs GT 60 L, steht exemplarisch für viele kommunale Gebäude aus den späten 1960er Jahren. Errichtet um 1969/70, erreicht das Gebäude mittlerweile ein Alter von über 50 Jahren. Bisher fanden keine umfassenden Modernisierungen statt. Dies führt zu erheblichen bau- und brandschutztechnischen Mängeln, einer veralteten technischen Ausstattung und unzureichendem Wärme- und Witterungsschutz.
Die Bedeutung der Sanierung dieser Anlage unterstreicht die Tatsache, dass die Stadt Rostock, vertreten durch den Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE Rostock), massive Investitionen in die Infrastruktur tätigt. Ziel der Maßnahme ist nicht nur die Instandsetzung, sondern die Umwandlung in eine zeitgemäße, barrierefreie und energieeffiziente Sporthalle, die zukünftig auch den Anforderungen des Wettkampfbetriebs gerecht wird.
Der Sporthallenkomplex: Bauliche Ausgangssituation und Mängelanalyse
Eine fundierte Sanierung beginnt mit der Analyse des Ist-Zustands. Die Quellenlage zu den baulichen Gegebenheiten in Rostock lässt darauf schließen, dass es sich um ein typisches Vertreterobjekt der Nachkriegsarchitektur handelt, das heute dringend modernisiert werden muss.
Strukturelle Defizite
Die beiden Hallen (Halle 1 östlich, Halle 2 westlich) sind miteinander verbunden und weisen eine Grundfläche auf, die eine Typisierung als GT 60 L nahelegt. Da die Gebäude seit ihrer Errichtung nie modernisiert wurden, sind folgende Mängel dokumentiert: * Statische und bauliche Abnutzung: Die Bausubstanz ist altersbedingt stark beansprucht. * Brandschutz: Es bestehen erhebliche Mängel in der brandschutztechnischen Ausstattung, was bei öffentlichen Gebäuden einen kritischen Sicherheitsfaktor darstellt. * Energieeffizienz: Der Wärme- und Witterungsschutz ist nicht mehr gewährleistet. Dies führt zu hohen Heizkosten und ungemütlichen Nutzungsbedingungen.
Nutzungsbezogene Mängel
Die Anforderungen an eine moderne Sporthalle haben sich seit den 1960er Jahren stark verändert. * Barrierefreiheit: Die bisherige Nutzung war nur in Teilen behindertengerecht. Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die vollständige Beseitigung von Barrieren. * Ausstattung: Die Hallenausstattung für den geplanten Wettkampfbetrieb ist als ungenügend eingestuft worden. * Schadstoffe: Die Notwendigkeit einer Sanierung ergibt sich zudem aus einer zu erwartenden oder festgestellten Schadstoffbelastung im Gebäude, die im Zuge der Renovierung beseitigt werden muss.
Das Sanierungskonzept: Ein 4-Phasen-Plan
Die Komplexität der Sanierung erfordert eine detaillierte Planung. Die Maßnahmen werden in vier Bauabschnitte (BA) unterteilt, um eine strukturierte und wirtschaftliche Durchführung zu gewährleisten.
Die vier Bauabschnitte im Detail
Die Planungen und Ausschreibungen beziehen sich auf folgende Pakete:
- Bauabschnitt 1: Sanierung des Schulsportplatzes auf der Südseite inklusive der Zuwegung bis zur Kopenhagener Straße 5a/b.
- Bauabschnitt 2: Sanierung und Erweiterung von Halle 1 (östliche Halle) inklusive Zuwegungen und Parkplätze.
- Bauabschnitt 3: Sanierung und Erweiterung von Halle 2 (westliche Halle) inklusive Zuwegungen und Parkplätze.
- Bauabschnitt 4: Anlage von Freianlagen für ein Baseballspielfeld.
Diese Staffelung ermöglicht es, Finanzierungsschübe (Fördermittel) optimal zu nutzen und den Spielbetrieb während der Bauphase zumindest teilweise aufrechtzuerhalten oder zu organisieren.
Schwerpunkte der technischen Sanierung
Die Sanierung zielt darauf ab, das Gebäude auf den aktuellen Stand der Technik zu heben. Dazu gehören laut den Projektspezifikationen: * Barrierefreiheit: Eine komplette Überarbeitung der Zugänge und Innenräume, um eine uneingeschränkte Nutzung für alle Bürger zu ermöglichen. * Energieeffizienz: Durch den Einbau neuer Hüllenelemente (Fenster, Türen) und einer modernen Heizungstechnik wird der Energieverbrauch massiv gesenkt. Ausschreibungen beinhalten explizit den Einbau von Türen und Fenstern (CPV 45421130). * Erweiterung: Neben der reinen Instandsetzung sind Erweiterungsmaßnahmen geplant, um die Funktionalität der Hallen zu verbessern.
Finanzierung und Förderung: Ein Modell für öffentliche Bauprojekte
Die Finanzierung eines Sanierungsvolumens von über 10 Millionen Euro ist für Kommunen eine Herausforderung. Im Fall der Sporthalle Kopenhagener Straße 5a wurde ein mehrstufiges Fördermodell gewählt.
Bund und Land
Ein entscheidender Faktor für den Start des Projekts war die Bewilligung von Fördermitteln durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Im Rahmen des Förderprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur (SJK 2022)“ wurden rund 3,7 Millionen Euro zugesagt. Diese Mittel wurden im Februar 2025 durch Bundesbauministerin Klara Geywitz persönlich bestätigt.
Zusätzlich wurden bereits zuvor EFRE-Fördermittel (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) für die Sanierung der ersten der beiden Hallen (Halle 1) in Anspruch genommen, die Anfang 2024 wieder in Betrieb genommen werden konnte.
Kosten und Zeitplan
- Gesamtkosten: Die veranschlagten Gesamtkosten für die Sanierung belaufen sich auf ca. 10,2 Millionen Euro.
- Fertigstellung: Nach Planung soll die Sanierung bis April 2027 abgeschlossen sein.
- Auftraggeber: Der Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE Rostock) der Hanse- und Universitätsstadt Rostock ist verantwortlicher Auftraggeber.
Vergabe und Ausschreibungspraxis
Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ist der Sporthallenkomplex ein attraktives Großprojekt. Die Vergabe der Arbeiten erfolgt im Rahmen des Vergaberechts (VOB/A) durch ein offenes Verfahren. Die Ausschreibungen sind detailliert in Lose unterteilt, um spezialisierte Firmen anzusprechen.
Beispiele aus der Vergabepraxis (Rostock)
Die vorliegenden Daten zeigen, wie konkret die Ausschreibungen gestaltet werden:
- Los 02 Rohbauarbeiten: Diese Ausschreibung umfasste die grundlegenden baulichen Maßnahmen. Die Vergabe erfolgte im offenen Verfahren, bei dem 11 Angebote eingereicht wurden.
- Los 09 (Sanierung/Rückbau): Hierbei handelte es sich um spezifische Sanierungs- und Rückbauarbeiten. Als Auftragnehmer wurde die AGS-Abbruch GmbH & Co. KG vergeben.
- Los 11 Metallbauarbeiten: Eine Ausschreibung für Metallbauarbeiten wurde am 22.10.25 veröffentlicht, mit einer Angebotsfrist bis zum 24.11.25. Dies zeigt den zeitlichen Ablauf der Vergabe in der Endphase der Projektierung.
Ökonomische Aspekte der Vergabe
Die Ausschreibungen folgen strengen Kriterien. Bei der Vergabe der Abbrucharbeiten (Source 1) lag die Auftragssumme bei 510.240,93 EUR. Das offene Verfahren ermöglichte eine Markterkundung, bei der 11 Unternehmen Angebote abgaben. Dieser Wettbewerb führt zu wirtschaftlichen Konditionen für die öffentliche Hand.
Abbruch und Entsorgung: Voraussetzung für den Neubau
Ein wesentlicher Teil der Sanierung ist der Rückbau von Bauteilen, die nicht mehr den aktuellen Standards entsprechen oder durch Schadstoffe belastet sind. Die Arbeiten an der Kopenhagener Straße 5b (im Kontext des Gesamtkomplexes) belegen die Notwendigkeit professioneller Abbrucharbeiten.
Der beauftragte Auftragnehmer für die Abbrucharbeiten begann seine Tätigkeit im April 2021 und musste die Arbeiten bis Juli 2021 abschließen. Solche Arbeiten beinhalten: * Trennung von Schadstoffen: Asbest und andere Gefahrstoffe müssen fachgerecht entfernt werden. * Materialrecycling: Baustoffe wie Beton oder Metall werden sortenrein zurückgewonnen. * Sicherung der Bausubstanz: Beim Rückbau im Verbundgebäude ist darauf zu achten, dass die zu erhaltende Bausubstanz (Hallen 1 und 2) nicht beschädigt wird.
Die Bedeutung der Sanierung für die Bauwirtschaft
Der Sporthallenkomplex Kopenhagener Straße ist ein Musterbeispiel für den Modernisierungsbedarf der deutschen Infrastruktur. Millionen Quadratmeter kommunaler Gebäude benötigen in den kommenden Jahren Sanierungen.
Herausforderungen für Handwerksbetriebe
Für Bauunternehmen ergeben sich hier Chancen, aber auch Anforderungen: * Sachkenntnis: Die Bearbeitung von Altbauten aus den 60er Jahren erfordert Wissen über damalige Baustoffe und Konstruktionen. * Fördermittelkompetenz: Die Abwicklung von geförderten Projekten verlangt eine genaue Kenntnis der Antrags- und Verwendungsnachweisregeln. * Schnittstellenmanagement: Da die Arbeiten in vier Abschnitten geplant sind, ist ein koordiniertes Arbeiten zwischen den Gewerken (Rohbau, Metallbau, Tiefbau) essenziell.
Fazit
Die Sanierung der Sporthalle an der Kopenhagener Straße 5a in Rostock ist ein Paradebeispiel für eine zeitgemäße Transformation veralteter Infrastruktur. Der Fall zeigt, wie über 50 Jahre alte Gebäude durch eine kluge Mischung aus Bundesförderung und kommunaler Investition (ca. 10,2 Mio. € Gesamtkosten, davon 3,7 Mio. € Bundesförderung) saniert und an moderne Anforderungen (Barrierefreiheit, Brandschutz, Energieeffizienz) angepasst werden.
Die strukturierte Umsetzung in vier Bauabschnitten und die transparente Ausschreibungspraxis über das offene Verfahren (VOB/A) gewährleisten eine wirtschaftliche und planungssichere Durchführung. Für die Bauwirtschaft bleibt dieser Komplex ein wichtiger Indikator für den Bedarf an Sanierungsleistungen im kommunalen Bereich. Die Fertigstellung ist für April 2027 geplant, was den Bürgern in Lütten Klein eine moderne und barrierefreie Sportstätte sichert.
Quellen
- Sanierung Sporthalle, Kopenhagener Str. 5b, 18107 Rostock Abbrucharbeiten
- Sanierung Sporthalle Kopenhagener Straße 5a
- Ausschreibung Sanierung/Rückbau Sporthalle Kopenhagener Straße 5a - Los 02 Rohbauarbeiten
- Ausschreibung Sanierung/Rückbau Sporthalle Kopenhagener Straße 5a - Los 09
- Ausschreibung Sanierung/Rückbau Sporthalle Kopenhagener Straße 5a - Los 11 Metallbauarbeiten
- Baustart für die Sanierung der Sporthalle Kopenhagener Straße 5a in Lütten Klein
- Baustart Sanierung Sporthalle Kopenhagener Straße