Vitamar Kleinostheim: Entscheidung für Generalsanierung – Analyse der Planung, Bürgerbeteiligung und Risiken

Die Entscheidung über die Zukunft eines kommunalen Freizeitbades ist stets ein komplexes Vorhaben, das technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichermaßen berührt. Im Fall des Freizeitbades Vitamar in Kleinostheim hat der Gemeinderat sich nach langen Diskussionen für eine Generalsanierung des bestehenden Objekts entschieden. Diese Entscheidung markiert den Beginn eines umfangreichen Planungsprozesses, der von Fragen der Projektsteuerung, der Einbindung der Bürgerschaft und der Abwägung von Risiken zwischen Sanierung und Neubau geprägt ist. Der vorliegende Artikel beleuchtet den aktuellen Stand, die strategischen Überlegungen und die Herausforderungen dieses Großprojekts aus der Perspektive von Bau- und Sanierungsmanagement.

Die Entscheidung des Gemeinderats: Generalsanierung statt Neubau

Die politische Entscheidung für den Erhalt des Vitamar an seinem alten Standort fiel mit knapper Mehrheit. In einer Sitzung des Gemeinderats Kleinostheim stimmten elf Gemeinderäte für die komplette Sanierung, während sich neun Räte dagegen aussprachen (Quelle 1). Diese Entscheidung beendete eine Phase der Unsicherheit, in der auch eine Vertagung der Abstimmung erwogen wurde. Die Entscheidung für die Generalsanierung bedeutet jedoch nicht, dass das Projekt unmittelbar in die Ausführungsphase übergeht. Vielmehr handelt es sich um den Startschuss für eine detaillierte Planung und Vorbereitung.

Die Ausgangslage und politische Diskussion

Die Debatte um Neubau versus Sanierung hatte die Kommune über Jahre beschäftigt. Während die einen einen modernen Neubau anstrebten, sahen andere den Wert in der Erhaltung der bestehenden Bausubstanz. Die Entscheidung für die Sanierung wurde von der Fraktion der Freien Wähler (FW) kritisch gesehen. Diese argumentierte, dass eine Sanierung das Risiko von Kostensteigerungen und Bauzeitverzögerungen berge und das Bad trotz aller Maßnahmen ein über 50 Jahre altes Bad bleibe. Die FW-Fraktion sah das Ziel, den Kleinostheimern ein Schwimmbad für die nächsten Generationen zu erhalten, als stark gefährdet an (Quelle 5). Dem gegenüber stand die Position von Bürgermeister, Grünen, SPD und CSU, die sich für die Sanierung aussprachen (Quelle 4).

Projektvorbereitung und Projektsteuerung

Eine Generalsanierung erfordert eine professionelle Projektsteuerung, um Kosten, Zeit und Qualität im Blick zu behalten. Auf Basis des Ratsbeschlusses vom 15. Dezember 2022 (12:8 Stimmen für Generalsanierung) wurden erste Maßnahmen eingeleitet (Quelle 4).

Beauftragung von Projektsteuerungsbüros

Die Verwaltung ist beauftragt, Gespräche mit potenziellen Projektsteuerungsbüros zu führen. Eine mögliche europaweite Ausschreibung für diese Dienstleistung war für das Jahr 2023 vorgesehen. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine solide Grundlage für die nachfolgenden Schritte zu schaffen. Dazu gehört die Erstellung einer Zielbeschreibung für die Sanierungsmaßnahme sowie die Vorbereitung von Entwurfswettbewerben und Planungsleistungen (Quelle 4).

Fehlende Transparenz und Kritik an der Geschwindigkeit

Trotz der formalen Beschlüsse kritisieren Beobachter die mangelnde Dynamik des Projekts. Im Juli 2024 wurde im Werkausschuss deutlich, dass die eigentliche Sanierung noch nicht in Sichtweite sei. Es wird vermutet, dass die Entscheidungsschritte sich lediglich an den halbjährlichen Werkausschusssitzungen orientieren. Dieses tempo wird von den Grünen in Kleinostheim als unverständlich bewertet. Sie merken an, dass bei einer Entscheidung für einen Neubau vermutlich ein stärkeres Engagement zu verzeichnen gewesen wäre (Quelle 6).

Bürgerbeteiligung und Akzeptanzsicherung

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Sanierungsprojekten in der öffentlichen Hand ist die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Nutzern. Die Grünen haben einen Antrag gestellt, der eine frühzeitige Einbindung aller Beteiligten vorsieht.

Einbindung von Vereinen und Experten

Der Antrag der Grünen zur Bildung einer Projektgruppe „Sanierung VITAMAR“ wurde im Ausschuss mit 5:3 Stimmen angenommen. Ziel ist es, von Beginn an Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft mit ins Boot zu nehmen. Dies umfasst Vereine wie die TSG Schwimmabteilung oder den Förderkreis „Pro Vitamar“, aber auch Schulen und Fachleute aus dem Bereich der Sanierung von Großprojekten (Quelle 4). Die Argumentation hierfür ist, dass die Mitwirkung am Sanierungsziel und an der Ausführung wesentlich für die Akzeptanz und Transparenz der Sanierungsschritte ist.

Der Förderkreis Pro Vitamar

Ein Beispiel für das bürgerliche Engagement ist der Förderkreis „Pro Vitamar Kleinostheim e.V.“, der sich aus der Initiative engagierter Bürger heraus im Mai 2004 während eines Bürgerbegehrens zur langfristigen Erhaltung des Schwimmbades gebildet hat. Das erklärte Ziel des Vereins ist es, die Nutzung, Sanierung und Erhaltung des Vitamar zu fördern (Quelle 2). Diese Struktur zeigt, dass die Notwendigkeit einer Sanierung und des Erhalts der Infrastruktur in der Bevölkerung verankert ist.

Aktueller Stand der Beteiligung

Aktuelle Informationen aus dem Jahr 2024 deuten jedoch auf eine restriktive Handhabung der Bürgerbeteiligung hin. Geplant ist ein Workshop zur Zielfindung mit einem begrenzten Teilnehmerkreis aus Gemeinderat, Verwaltung und Projektplanern. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind hierbei nicht vorgesehen. In diesem Workshop soll die Aufgabenstellung für einen Architektenwettbewerb beschrieben werden (Quelle 6). Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zu dem ursprünglichen Ziel einer breiten Einbindung.

Risikoanalyse: Sanierung vs. Neubau

Aus baulicher Sicht und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Abwägung zwischen Sanierung und Neubau immer eine Frage der Gesamtkostenrechnung und der zukünftigen Betriebswirtschaft.

Argumente für die Sanierung

Die Entscheidung für die Generalsanierung wurde politisch mit dem Erhalt des bestehenden Standorts und vermutlich mit niedrigeren initialen Baukosten als ein vollständiger Neubau verbunden. Der Erhalt des Vitamar wird von vielen Bürgern emotional positiv bewertet (Quelle 1).

Argumente für einen Neubau

Die Kritiker der Sanierung, insbesondere die Freien Wähler, führen folgende Risiken auf: * Kostensteigerungen: Die Erfahrung aus anderen Orten zeigt, dass bei Sanierungen regelmäßig weitere Probleme auftauchen, die zu Kostensteigerungen führen. * Bauzeitverzögerungen: Ähnlich wie bei Kosten kommt es häufig zu Verzögerungen im Bauprozess. * Geringe Lebensdauer: Trotz Sanierung bleibt das Bad ein über 50 Jahre altes Bad. Zukünftige Entscheidungsträger könnten es leichter haben, ein saniertes Bad stillzulegen, da die Substanz alt bleibt. * Verlust von Personal und Gästen: Während der Sanierungszeit droht der Abzug von Fachpersonal und Stammgästen, die Alternativen suchen (Quelle 5).

Ein Neubau hätte hingegen die Chance, ein modernes, energieeffizientes Schwimmbad zu schaffen. Konkret wurden folgende Anforderungen für einen Neubau genannt: * Ein 50-Meter-Becken mit Kinderspielbereich. * Ein zusätzliches, etwas stärker temperiertes Lehr- und Kursschwimmbecken. * Mehrzweckräume und Gastronomie. * Optimierung der Größe zur Reduzierung von Wasser- und Wärmeverbrauch (Quelle 5).

Zeitlicher Ablauf und aktueller Status

Der Weg zur tatsächlichen Sanierung ist lang. Nachdem der Beschluss zur Generalsanierung Ende 2022 fiel, folgten 2023 erste Vorbereitungen. Für 2023 war geplant, Projektsteuerungsbüros zu beauftragen (Quelle 4). Im Jahr 2024 zeigt sich jedoch, dass der Prozess ins Stocken geraten ist. Der Workshop zur Zielfindung soll zwar stattfinden, aber eine konkrete Sanierung liegt laut Berichten aus dem Werkausschuss noch nicht in Sichtweite (Quelle 6). Es bleibt abzuwarten, wie schnell die beschlossenen Schritte – Erstellung der Zielbeschreibung, Architektenwettbewerb, Planungs- und Ausführungsleistungen – tatsächlich umgesetzt werden.

Fazit

Die Entscheidung für die Generalsanierung des Vitamar in Kleinostheim ist ein politischer Beschluss mit hoher Tragweite. Er sichert den Standort und den Betrieb des Schwimmbades vorerst, birgt aber erhebliche Herausforderungen in der Umsetzung. Die Diskussion über die Vorzüge einer Sanierung gegenüber einem Neubau – insbesondere in Bezug auf langfristige Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Kostenkontrolle – ist dabei nicht vollständig abgeschlossen.

Für die Praxis der Bau- und Projektmanagement ist das Vitamar-Projekt ein Lehrbuchbeispiel für die Komplexität öffentlicher Sanierungsprojekte. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die geplante professionelle Projektsteuerung effizient zu implementieren und ob die ursprünglich angestrebte breite Bürgerbeteiligung tatsächlich in der geplanten Form stattfindet oder ob der Prozess im Wesentlichen von Verwaltung und Politik getragen wird. Aktuell deutet wenig auf eine zügige Umsetzung hin, was die Sorge der Projektgegner bestätigt, dass das Projekt ins Stocken geraten könnte.

Quellen

  1. Primavera24: Entscheidung in Kleinostheim: Vitamar wird generalsaniert
  2. Förderkreis Pro Vitamar Kleinostheim e.V.
  3. Main-Echo: Diskussion um Vitamar geht weiter
  4. Grüne Kleinostheim: Vitamar – Start des Sanierungsprojektes mit Bürgerbeteiligung
  5. Freiwillige Feuerwehr Kleinostheim: Das Vitamar soll saniert werden – Ein Neubau wurde abgelehnt
  6. Grüne Kleinostheim: Vitamar – Es ist noch nichts passiert. Oder doch?

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