Moderne Drahtglassanierung: Effiziente und nachhaltige Lösungen für Industrie- und Gewerbegebäude

Die Sanierung von alten Drahtglasverglasungen stellt eine zentrale Herausforderung und zugleich eine große Chance für Eigentümer von Industrie- und Gewerbeimmobilien dar. Viele Gebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren, insbesondere Produktionshallen, Lagerhäuser oder Bahnhöfe, verfügen noch über diese vergleichsweise ineffizienten Verglasungssysteme. Die Quellenlage verdeutlicht, dass Drahtglasverglasungen aus der Zeit gefallen sind. Sie weisen extrem schlechte Wärmedämmwerte auf, verursachen hohe Heizkosten und entsprechen oft nicht mehr den aktuellen baurechtlichen Anforderungen an den Brandschutz oder die Standsicherheit.

Eine Sanierung ist daher nicht nur zur Kostensenkung, sondern auch zur Sicherung der Bausubstanz und zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben unerlässlich. Dieser Artikel beleuchtet die modernen Sanierungsmethoden, die Verwendung von sprossenlosen Lichtbauelementen aus Polycarbonat sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Eigentümer und Handwerker beachten müssen.

Das Problem mit alten Drahtglasverglasungen

Alte Drahtglaslichtbänder sind in vielen gewerblichen Immobilien noch Standard. Doch die energetischen und technischen Mängel sind gravierend. Laut den vorliegenden Informationen weisen diese Verglasungen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) von oft über 5,9 W/m²K bis hin zu Werten von über 8 W/m²K auf. Im Vergleich dazu erreichen moderne Verglasungen deutlich bessere Werte.

Energetische Ineffizienz

Der hohe Energieverlust ist das offensichtlichste Problem. Durch die eingeschaligen Drahtverglasungen und undichte Randeinfassungen gehen enorme Mengen an Heizwärme verloren. Dies führt zu unnötig hohen Heizkosten und einer schlechten Arbeitsumgebung in den Hallen. Die Sanierung ist hier dringend erforderlich, um die steigenden Energiekosten in den Griff zu bekommen.

Bausubstanz und Gewicht

Ein weiterer Aspekt ist die Bausubstanz. Altes Drahtglas ist schwer. Wenn man es durch modernere, leichtere Materialien ersetzt, entlastet man die Dachkonstruktion. Diese gewonnene Tragfähigkeit kann genutzt werden, um zusätzliche Maßnahmen wie eine bessere Dachdämmung oder sogar den Einbau von Solaranlagen zu realisieren, ohne die statische Belastung des Gebäudes zu erhöhen.

Moderne Sanierungslösungen: Sprossenlose Lichtbauelemente

Ein besonders effizientes Verfahren zur Sanierung ist der Einsatz von sprossenlosen Lichtbauelementen, die oft als „Thermocryl“ bezeichnet werden. Diese Systeme bestehen aus transparenten, hagelsicheren Polycarbonat-Platten mit Nut- und Federverbindung. Sie eignen sich ideal für die Sanierung von Wand- und Dachlichtbändern.

Vorgehängte Fassade (VHF)

Ein zentrales Merkmal moderner Sanierungskonzepte ist die Montage als vorgehängte Fassade. Dabei wird das alte Drahtglas in der Regel demontiert. Die neuen Lichtbauelemente werden dann vor der alten Verglasungsebene – oder direkt auf diese – befestigt.

  • Bei Wandverglasungen: Hier gibt es Flexibilität. Die ursprüngliche Sprossenkonstruktion kann entweder komplett demontiert oder belassen werden. Die neuen Polycarbonat-Platten werden als vorgehängte Fassade vor der alten Ebene montiert.
  • Bei Dachlichtbändern: Hier ist Vorsicht geboten. Insbesondere bei Satteldächern muss die alte Sprossenkonstruktion als tragende Konstruktion erhalten bleiben. Die neuen Lichtbauelemente werden über der alten Verglasungsebene montiert.

Technische Verbesserungen

Durch den Einsatz von 40 mm starken Paneelen können Wärmedurchgangskoeffizienten von bis zu 0,7 W/m²K erreicht werden. Das ist eine immense Verbesserung gegenüber den ursprünglichen Werten. Zudem sorgen neue Klemm- und Dichtprofile sowie First- und Traufbleche für eine dauerhafte Abdichtung und verhindern das Eindringen von Nässe und kalter Luft.

Integration von RWA und Lüftung

Moderne Sanierungslösungen ermöglichen die Integration von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) sowie Lüftungsklappen. Dies ist besonders in Industriehallen und Produktionsstätten essenziell. Die neuen Systeme können so konzipiert werden, dass sie die Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz erfüllen und gleichzeitig eine hohe Tageslichtausbeute garantieren.

Alternative Sanierungsmethoden

Neben den sprossenlosen Systemen gibt es auch Ansätze, die auf den vollständigen Austausch durch moderne Lichtbandkonstruktionen abzielen. Hierbei werden alte Tageslichtbänder durch neue, energieeffiziente Systeme ersetzt. Freitragende Konstruktionen bis zu 6 Meter Länge können dabei mit Stahlblech verarbeitet werden. Diese Methode bietet sich an, wenn die alte Unterkonstruktion nicht mehr standsicher ist oder eine vollständige Erneuerung der Dachhaut angestrebt wird.

Besonders erwähnenswert sind Sanierungen bei denkmalgeschützten Bauwerken, wie Shed- oder Sägezahndächern. Auch hier lassen sich moderne Systeme integrieren, wobei auf die Optik und die historische Bausubstanz geachtet werden muss. Die Möglichkeit, beliebige Klappengröße in Sägezahndächer zu integrieren, bietet eine hohe Flexibilität.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Bestandsschutz

Die Sanierung von Verglasungen unterliegt strengen baurechtlichen Vorgaben. Hier ist eine kritische Betrachtung der aktuellen Rechtslage notwendig.

Anforderungen nach MBO und LBO

Die Musterbauordnung (MBO) fordert in § 1, dass Anlagen so errichtet und instand gehalten werden müssen, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden. Dies gilt auch für Reparaturen.

Das Thema Sicherheitsglas

Ein kritischer Punkt ist der Status von Drahtglas. Früher galt Drahtglas als Sicherheitsglas. Nach heutigem Verständnis und aktuellen DIN-Normen (insbesondere DIN 18008 für Verglasungen) ist dies nicht mehr zwangsläufig der Fall. Bei einer Sanierung muss daher geprüft werden, ob die Verglasung "eins zu eins" ersetzt werden darf oder ob neue Anforderungen (z.B. Schutz vor Ausbruch, Absturzsicherung) erfüllt werden müssen.

Es gibt hierzu in der Quellenlage keine abschließende verbindliche Aussage, ob Bestandsschutz für die alte Verglasung automatisch greift. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass bei Reparaturverglasungen die grundsätzlichen Vorgaben zu beachten sind. Wenn also altes Drahtglas repariert oder ersetzt wird, muss die neue Verglasung in der Regel den aktuellen Normen entsprechen, es sei denn, es liegt eine gesonderte Genehmigung oder ein Bestandsschutz für die spezifische Anforderung vor (z.B. bei denkmalgeschützten Gebäuden).

Arbeitsstättenrichtlinien

Je nach Nutzung des Gebäudes können spezielle Vorschriften wie die Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) greifen. Für bodentiefe Fenster oder Schaufensterverglasungen gelten hier oft spezifische Sicherheitsanforderungen, die bei der Sanierung berücksichtigt werden müssen.

Planung und Durchführung der Sanierung

Die Planung einer Drahtglassanierung erfordert Fachkenntnis. Es ist ratsam, spezialisierte Firmen zu beauftragen, die über das nötige Know-how aus zahlreichen durchgeführten Projekten verfügen.

Wirtschaftliche Aspekte

Eine Sanierung amortisiert sich in der Regel schnell. Die Einsparungen bei den Heizkosten sind signifikant. Quellen nennen eine Ersparnis von rund 36,00 € pro m² Glasfläche und Jahr bei einem realistischen Energiepreis von 0,12 €/kWh. Hinzu kommen Förderprogramme der öffentlichen Hand, die Zuschüsse von bis zu 15 % der Investitionskosten gewähren können.

Betriebliche Nutzung

Ein wichtiger Aspekt für Unternehmen ist die Fortführung des Betriebs während der Sanierung. Professionelle Monteure sorgen dafür, dass Demontage und Montage störungsfrei ablaufen und die Produktion nicht unterbrochen werden muss. Dies wird durch schnelle Montagesysteme und die Einbeziehung bestehender Unterkonstruktionen erreicht.

Materialauswahl

Die Auswahl der richtigen Paneele ist entscheidend. Neben den thermischen Eigenschaften (U-Wert) spielen auch die mechanische Stabilität (Hagelsicherheit) und die Lichtdurchlässigkeit eine Rolle. Polycarbonat-Systeme bieten hier eine hohe Sicherheit und gleichzeitig eine gute Lichtdurchlässigkeit, was die Arbeitsumgebung verbessert.

Fazit

Die Sanierung alter Drahtglasverglasungen ist eine Notwendigkeit für fast alle älteren Industrie- und Gewerbegebäude. Die energetischen Verluste und die oft unzureichende Sicherheit der alten Systeme sind nicht mehr zeitgemäß.

Durch den Einsatz moderner, sprossenloser Lichtbauelemente aus Polycarbonat lassen sich die Gebäudehüllen effizient und nachhaltig erneuern. Die Vorteile liegen auf der Hand: 1. Massive Reduzierung der Heizkosten durch verbesserte Wärmedämmung (U-Werte bis 0,7 W/m²K). 2. Entlastung der Dachstatik durch geringeres Gewicht, was den Einbau von Solaranlagen oder zusätzlicher Dämmung ermöglicht. 3. Erfüllung aktueller Brandschutzanforderungen durch integrierbare RWA-Systeme. 4. Fortführung des Betriebs während der Sanierungsarbeiten.

Trotz der offensichtlichen Vorteile ist die rechtliche Situation bei der Sanierung zu beachten. Die aktuellen Normen (DIN 18008) und Bauvorschriften (MBO) fordern eine Prüfung der Sicherheitsanforderungen, da Drahtglas heute nicht mehr automatisch als Sicherheitsglas gilt. Eine fachgerechte Planung durch spezialisierte Unternehmen ist daher unerlässlich, um eine konforme und wirtschaftliche Lösung zu gewährleisten. Die Investition in eine moderne Sanierung amortisiert sich durch die Energieeinsparungen und staatlichen Förderungen in wenigen Jahren.

Quellen

  1. Thermocryl sprossenlose Lichtbauelemente
  2. Lichtkuppel-Sanierung
  3. Industrieverglasungen mit Polycarbonat sanieren
  4. Drahtglassanierung durch AWIESA
  5. Reparatur von Verglasungen

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