Die Ausstattung eines Kirchenraumes prägt seine Atmosphäre und Funktion maßgeblich. Historische Kirchenbänke sind dabei nicht nur Sitzmöbel, sondern oft kunstvolle Handwerksarbeiten, die den Charakter des Gotteshauses definieren. Ihre Erhaltung und fachgerechte Instandsetzung stellt eine besondere Herausforderung für Handwerker und Denkmalpfleger dar. Ebenso wichtig ist die Substanz der Podeste, auf denen diese Bänke stehen, da sie die Optik und Sicherheit des gesamten Ensembles beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte der Restaurierung von Kirchenbänken, die Rekonstruktion fehlender Teile und die Sanierung der dazugehörigen Podeste aus der Sicht des Fachhandwerks.
Die Bedeutung der Restaurierung historischer Kirchenbänke
Kirchengestühle sind oft über Jahrhunderte hinweg genutzt worden und tragen die Spuren ihrer Geschichte sichtbar an sich. Die Aufgabe von spezialisierten Tischlereien ist es, diese Spuren zu bewahren und gleichzeitig die Funktionalität für die heutige Nutzung sicherzustellen.
Zielsetzung und handwerkliche Philosophie
Das primäre Ziel bei der Restaurierung ist der Erhalt der originalen, kunstvoll geschnitzten Teile. In einem beschriebenen Projekt wurde eine historische Kirchenbank mit barock verzierten Wangen in einer Werkstatt aufgearbeitet. Das Ziel war es, die Originalteile zu erhalten und gleichzeitig eine langlebige, funktionale Nutzung sicherzustellen. Die Philosophie hinter solchen Arbeiten ist die "harmonische Verbindung von historischem Original und neuen Ergänzungen". Es geht nicht um eine vollständige Neuanfertigung, sondern um die sensible Integration neuer Bauteile in den alten Bestand.
Umgang mit Gebrauchsspuren und Schäden
Die aufwendig gestalteten, geschnitzten Wangen historischer Bänke weisen oft deutliche Gebrauchsspuren und Risse auf. Fachgerechte Restaurierung bedeutet hier, dass diese Schäden nicht einfach überspielt, sondern analysiert werden. Die Risse können nach sorgfältiger Konservierung oft vollständig erhalten bleiben, sofern die Stabilität gewährleistet ist. Fehlstellen werden stabilisiert und die Oberfläche schonend gereinigt und ausgebessert. Dieser Prozess erfordert ein tiefes Verständnis für das Material Holz und seine Alterungsprozesse.
Rekonstruktion und Neuanfertigung von Kirchenbänken
Neben der reinen Restaurierung bestehender Substanz umfasst das Spektrum von Tischlereien auch die Rekonstruktion fehlender Teile und die Neuanfertigung von Kirchenbänken nach historischen Vorbildern.
Methoden der Rekonstruktion
Bei der Rekonstruktion orientiert sich das Handwerk an den intakten Teilen der Kirchenbänke. Wenn Teile fehlen oder so stark beschädigt sind, dass sie nicht mehr instand gesetzt werden können, dienen alte Zeichnungen und Pläne als Vorlage. Diese historischen Dokumentationen sind entscheidend, um die ursprüngliche Formgebung und Proportion exakt wiederherzustellen. Ein Beispiel für eine solche Rekonstruktion ist die Sanierung des über 100 Jahre alten Kirchengestühls im St. Petri Dom in Bautzen. Hier wurden nicht nur Schäden behoben, sondern auch abgenutzte Teile rekonstruiert.
Barockisierung und Umarbeitung
Eine spezielle Form der Rekonstruktion ist die sogenannte "Barockisierung". Dabei werden Kirchenbänke aus anderen Epochen, beispielsweise aus der DDR-Zeit, unter Wiederverwendung aller Bankteile umgearbeitet und an den barocken Stil angepasst. Dies zeigt, dass Kirchenbänke dynamischen Veränderungen unterliegen können und ihre Gestaltung an den jeweiligen historischen Kontext angepasst wird.
Neue Fertigung nach historischen Vorgaben
Sollte der Originalbestand nicht mehr vorhanden sein oder erweitert werden müssen, fertigen Tischlereien Kirchenbänke neu an. Diese Neuanfertigungen erfolgen streng nach den historischen Vorgaben und alten Vorlagen. Die Tischlerei Wehner ist beispielsweise spezialisiert auf die Fertigung von Kirchenbänken, Kirchenkanzeln und anderen Kirchenmöbeln nach originalem historischem Erscheinungsbild. Dabei wird eine vergleichbare Handwerkstechnik angewendet wie bei der Restaurierung, um die Authentizität zu wahren.
Materialien und Handwerkstechniken
Die Wahl der Materialien und die angewendeten Handwerkstechniken sind entscheidend für die Langlebigkeit und den Denkmalwert der Ergebnisse.
Verwendung von Massivholz
Für die Ergänzung und Neuanfertigung von Sitz- und Rückenflächen wird in der Regel massives Holz verwendet. In einem genannten Projekt wurden die Sitz- und Rückflächen der Bank aus massiver Eiche gefertigt. Eiche ist für ihre Härte und Langlebigkeit bekannt und eignet sich hervorragend für die Nutzung in öffentlichen und liturgischen Räumen. Die Fertigung erfolgt dabei in traditioneller Handwerksweise, um eine nahtlose Eingliederung in den historischen Kontext zu gewährleisten.
Oberflächenbehandlung und Schutz
Die Oberflächenbehandlung dient dem Schutz des Holzes und der Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes. Im Zuge der Restaurierung des Gestühls im St. Petri Dom wurden die Oberflächen farblich angepasst und mit Holzseife geschützt. Holzseife ist ein traditionelles Mittel, das das Holz pflegt und widerstandsfähig macht, ohne eine unnatürliche Schicht zu hinterlassen. Die farbliche Anpassung ist dabei essenziell, um neue und alte Teile optisch miteinander zu verbinden.
Präzision bei der Montage
Die Montage der Kirchenbänke erfordert höchste Präzision. Im St. Petri Dom wurden über 100 Kirchenbänke auf dem Podest präzise ausgerichtet. Diese Ausrichtung erfolgt nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch aus funktionalen und liturgischen Überlegungen – die Bänke müssen in perfekter Position zum Altar stehen. Auch die traditionelle Einpassung der neuen Holzteile in die alten Wangen erfordert handwerkliches Geschick, um Stabilität und Harmonie zu gewährleisten.
Die Sanierung und Gestaltung von Podesten
Das Podest, auf dem das Kirchengestühl steht, ist ein wesentlicher Bestandteil des Ensembles. Es definiert den Raum, trägt das Gewicht der Bänke und muss sicher sein.
Podeste als gestalterisches Element
Podeste prägen den Charakter eines Gotteshauses. Sie schaffen eine visuelle Trennung zwischen dem Gemeinderaum und dem Altarbereich und verleihen dem Raum Tiefe und Struktur. Die Gestaltung des Podests muss daher funktional wie ästhetisch überzeugen und sich harmonisch in das Gesamtbild der Kirche einfügen.
Beheizbare Podeste
Moderne Anforderungen an den Komfort führen zu Innovationen auch im kirchlichen Umfeld. Ein Beispiel ist der Bau eines beheizten Podests für das Kirchengestühl des Klosters St. Marienthal in Ostritz. Eine solche Beheizung verbessert das Raumklima und den Sitzkomfort, insbesondere in alten, oft kühlen Kirchenräumen. Die Planung und der Bau solcher Systeme erfordern eine enge Abstimmung zwischen Tischlerei und Heizungsbauer.
Sanierung von Podesten und Treppen
Ähnlich wie bei Kirchenbänken ist auch die Substanz der Podeste und Treppenbereiche oft sanierungsbedürftig. Spezialisierte Unternehmen bieten hier Systeme an, die eine schnelle und schmutzarme Sanierung ermöglichen. Dabei werden oft Natursteinoberflächen verwendet, um eine hochwertige und langlebige Lösung zu schaffen. Die Sanierung von Eingangsbereichen und Podesten mit Naturstein sorgt nicht nur für eine optische Aufwertung, sondern auch für mehr Sicherheit und Langlebigkeit. Die Verwendung von Materialien wie Nero Assoluto, Super Grey oder Bianco Sardo light verleiht diesen Bereichen einen zeitlosen Charakter.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Denkmalschutz
Die Restaurierung und Rekonstruktion von Kirchenbänken unterliegen strengen gesetzlichen Auflagen, insbesondere wenn es sich um denkmalgeschützte Objekte handelt.
Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes
Handwerkliche Anfertigungen müssen genau den Vorgaben des Denkmalsamtes entsprechen und von diesem abgenommen werden. Fachbetriebe, die sich auf die Restaurierung von Kirchenbänken spezialisiert haben, kennen diese Bestimmungen genau. Sie können den Auftraggeber fachmännisch und kompetent beraten, um sicherzustellen, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Probleme bei der Genehmigung oder späteren Nutzung zu vermeiden.
Zusammenarbeit mit Denkmalämtern
Die Zusammenarbeit mit Denkmalämtern ist ein wesentlicher Teil des Restaurierungsprozesses. Wenn ein Auftraggeber Vorgaben vom Denkmalsamt erhalten hat, die eingehalten werden müssen, ist ein Handwerksbetrieb, der die alten Fertigungstechniken beherrscht, der richtige Ansprechpartner. Nur so kann ein denkmalgeschütztes Objekt authentisch restauriert werden. Die Expertise der Tischlerei Wehner umfasst beispielsweise explizit die Beratung und Umsetzung im Rahmen des Denkmalschutzes.
Fazit
Die Restaurierung und Sanierung von Kirchenbänken und Podesten ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die tiefes handwerkliches Wissen, Respekt vor der historischen Substanz und die Kenntnis rechtlicher Rahmenbedingungen erfordert. Ziel ist es, die Balance zwischen dem Erhalt kulturellen Erbes und der Gewährleistung moderner Funktionalität und Nutzungsdauer zu finden.
Ob es um die sensible Konservierung barocker Schnitzereien, die Rekonstruktion fehlender Bankteile nach alten Plänen oder die Gestaltung beheizter Podeste geht – spezialisierte Handwerksbetriebe bieten die notwendige Kompetenz. Sie verstehen es, traditionelle Techniken mit modernen Anforderungen zu verbinden und dabei die Vorgaben der Denkmalpflege zu erfüllen. Durch fachgerechte Restaurierung wird nicht nur das Möbelstück selbst, sondern auch der Charakter des gesamten Kirchenraumes für kommende Generationen gesichert.