Die Immobilien- und Baulandschaft in Nierenhof, einem Stadtteil von Velbert, befindet sich im Wandel. Während historische Bausubstanz unter strengen Auflagen denkmalgerecht saniert wird, entstehen parallel dazu moderne Gewerbekomplexe, die auf Expansion und Effizienz ausgelegt sind. Darüber hinaus zeigt die Sanierung einer kommunalen Schwimmhalle, wie langfristige Instandhaltung durch gezielte Investitionen und Förderprogramme gesichert wird. Dieser Artikel beleuchtet drei markante Entwicklungen, die für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachhandwerker in der Region von Bedeutung sind.
Denkmalschutz am Voßwinkelshof: Restaurierung bis ins Detail
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem denkmalgeschützten Gebäude am Gutsweg 2 in Nierenhof, dem ehemaligen Voßwinkelshof. Obwohl die Fassade auf den ersten Blick kaum Veränderungen erkennen lässt, sind die Sanierungsarbeiten laut Auskunft der Stadt Velbert bereits fortgeschritten.
Statische Sicherung und historische Substanz
Die Eigentümer, die den Hof im September 2011 erwarben, haben sich zunächst auf die statische Sicherung des Gebäudes konzentriert. Laut Hella Naumann, der für die Baudenkmäler in Langenberg zuständigen Vertreterin der Stadt Velbert, wurden im Inneren des Hauses Balken und Träger eingezogen. Diese Maßnahmen sind essenziell, um die Substanz des alten Gutshofes zu erhalten, bevor die eigentliche Fassaden- und Innenrestaurierung folgen kann.
Ziel: Originale Wiederherstellung
Die Sanierung des Voßwinkelshofs wird mit einem hohen Anspruch durchgeführt. Das Ziel ist nicht die übliche Sanierung, sondern die „möglichst originale Wiederherstellung bis ins letzte Detail“. Dies bedeutet für die handwerkliche Ausführung einen erheblichen Aufwand. Historische Bauteile, die unter starken Schäden leiden – darunter Dielen, Zargen und Fenster – werden in traditioneller Handarbeit restauriert, anstatt durch neue Bauteile ersetzt zu werden.
Förderung durch Bundesmittel
Die Bedeutung des Projekts unterstreicht die Gewährung von Bundesmitteln. Im Juni 2013 berichtete SPD-MdB Kerstin Griese der WAZ über 80.000 Euro aus einem Sonderprogramm für Denkmalschutz. Diese Summe fließt in die Sanierung, die angesichts des Aufwands einer vollständigen, denkmalgerechten Restaurierung notwendig ist. Ein Baustellenschild weist zudem darauf hin, dass das Beschädigen oder Entfernen von Gegenständen – selbst wenn sie unbedeutend erscheinen – strikt untersagt ist, was die Sensibilität der Arbeiten verdeutlicht.
Neubau der Trio-Leuchten im Gewerbegebiet Gut Nierhof
Parallel zur Sanierung historischer Bausubstanz entsteht im Voßwinkeler Gewerbegebiet „Gut Nierhof“ ein komplett neuer Firmenkomplex. Die Trio-Leuchten GmbH & Co. KG, bisher in Niedereimer angesiedelt, plant den Umzug auf ein 53.000 Quadratmeter großes Grundstück.
Umfang und Zeitplan des Baus
Der Bau des neuen Firmenkomplexes soll voraussichtlich im Mai beginnen, vorausgesetzt die notwendigen Kanal- und Erdarbeiten sind abgeschlossen. Der Komplex umfasst ein Hochregallager, eine Versand- und Verpackungshalle sowie ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude. Die Fertigstellung ist für den Spätsommer 2019 geplant.
Logistische Planung und Wachstum
Das Unternehmen plant eine schrittweise Verlagerung der Betriebsteile. Aufgrund des Saison-Geschäfts im August und September soll das neue Lager im Herbst 2019 zuerst befüllt werden. Der Umzug der restlichen Abteilungen folgt in der Zeit zwischen den Jahren 2019 und 2020. Die Expansionsgründe liegen im starken Wachstum des Unternehmens. Die Kapazitäten werden massiv ausgebaut:
- Palettenstellplätze: Von 22.000 auf 45.000 (Verdopplung).
- Showroom: Im Erdgeschoss des neuen Empfangsgebäudes entsteht ein 1.000 Quadratmeter großer Ausstellungsraum. Dieser ist 400 Quadratmeter größer als der jetzige Showroom an der Dieselstraße.
Verkehrsführung und Arbeitsplätze
Der Neubau entsteht nahe dem heutigen Ende der Oststraße. Die neuen Verkehrswege sind so geplant, dass der gesamte Verkehr in Richtung Trio und von Trio weg durch das Gewerbegebiet „Gut Nierhof“ zur B 7 geleitet wird. Zudem rechnet Geschäftsführer Bernd Müller in den ersten drei Jahren nach dem Umzug (2019–2022) mit der Schaffung von 20 bis 30 neuen Arbeitsplätzen. Aktuell beschäftigt die Trio Lighting Group rund 200 Mitarbeiter.
Instandhaltung des Lehrschwimmbeckens Nierenhof
Ein dritter Bereich, der für die Bau- und Immobilienbranche relevant ist, betrifft die kommunale Infrastruktur. Die Stadt Velbert investiert kontinuierlich in den Erhalt des Lehrschwimmbeckens Nierenhof, um die Nutzung durch die Grundschule Max & Moritz und andere Nutzergruppen zu sichern.
Investitionen der letzten Jahre
Seit 2020 flossen laut Stadtverwaltung rund 560.000 Euro in die Sanierung und den Erhalt der Anlage. Diese Summe setzt sich aus städtischen Mitteln (240.000 Euro) und Fördermitteln des Landesprogramms „Moderne Sportstätte 2022“ (rund 320.000 Euro) zusammen, die vom Verein „Wasserfreunde Nierenhof“ beantragt wurden. Zu den durchgeführten Maßnahmen mit einem Volumen von 377.193 Euro gehörten:
- Dachsanierung
- Sanierung der Lüftungsanlage
- Sanierung von Duschen und Umkleideräumen
Im Jahr 2024 wurden zudem 17.947 Euro investiert, um Duscharmaturen zu erneuern.
Geplante Modernisierung und energetische Sanierung
Für das aktuelle Haushaltsjahr (2025) sind 50.000 Euro eingeplant. Diese Mittel dienen der Evaluierung und Aktualisierung eines Gutachtens eines Architekturbüros. Der Fokus liegt dabei auf der geplanten Umstellung des Standortes auf eine CO2-neutrale Energieversorgung. Die Stadt Velbert sieht sich in der Verantwortung, durch gezielte Investitionen den Betrieb und einen „guten Zustand“ der Schwimmhalle langfristig zu sichern.
Fehlgeschlagene Förderung und Kostenprognosen
Trotz der laufenden Investitionen ist eine umfassende Sanierung mit hohen Kosten verbunden. Im Jahr 2022 versuchte die Stadt, am Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ teilzunehmen. Das Projekt „Sanierung des Lehrschwimmbeckens und Ersatzneubau der Turnhalle in Velbert-Nierenhof“ scheiterte jedoch. Grundlage war eine Studie des Architekturbüros Krieger, die im Sanierungs- und Teilneubau-Gutachten Kosten von rund 6,7 Millionen Euro (Preisstand 10/2020) für die Arbeiten am Lehrschwimmbecken und der Turnhalle kalkulierte.
Fazit
Die Entwicklungen in Nierenhof spiegeln den Spannungsbogen zwischen Erhalt und Fortschritt wider. Die denkmalgerechte Sanierung des Voßwinkelshofs erfordert spezialisiertes Handwerk und Geduld, da historische Materialien restauriert statt ersetzt werden. Gleichzeitig zeigt der Neubau von Trio-Leuchten die wirtschaftliche Dynamik der Region, die durch massive Kapazitätserweiterungen und moderne Logistik geprägt ist. Die Investitionen in das Lehrschwimmbecken Nierenhof demonstrieren schließlich die Notwendigkeit, kommunale Infrastruktur durch kontinuierliche Wartung und energetische Sanierungsplanung zukunftssicher zu gestalten. Für Bauherren und Investoren in der Region bedeutet dies eine vielseitige Landschaft, in der traditionelle Handwerkskunst und modernes Bauen koexistieren.