Umfassende Stadtsanierung der Nördlichen Innenstadt in Oldenburg (i.H.): Konzepte, Finanzierung und Umsetzung bis 2036

Die Stadt Oldenburg in Holstein steht an der Schwelle zu einer tiefgreifenden Transformation ihrer Innenstadt. Mit dem Ziel, den städtischen Kern zu revitalisieren, zu modernisieren und zukunftssicher aufzustellen, hat die Stadtverwaltung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Gebiet der „Nördlichen Innenstadt“, das sich von der Lappankreuzung bis nördlich des Pferdemarktes erstreckt. Diese Initiative ist nicht nur für die Stadtentwicklung von Bedeutung, sondern stellt auch für Eigentümer, Investoren und Bauinteressierte einen zentralen Hebel für die Aufwertung der Immobilienwerte und die Verbesserung der Lebensqualität dar.

Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, Ziele und konkreten Schritte der Sanierung, basierend auf den offiziellen Planungen und Veröffentlichungen der Stadt Oldenburg und beteiligter Unternehmen.

Das Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“

Das Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“ umfasst eine Fläche von etwa 20 Hektar. Es wurde offiziell in das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne“ des Landes Niedersachsen aufgenommen. Dies ist ein entscheidender Schritt, da er den Zugang zu staatlichen Fördermitteln ermöglicht. Das Gebiet bildet das nördliche Eingangstor in die Innenstadt und erstreckt sich entlang bedeutender Verkehrsachsen und Plätze.

Ziele der Stadtsanierung

Die Motivation für die Sanierung ist vielschichtig. Laut der Stadt Oldenburg zählt die Region in geografischer und regionaler Hinsicht zu einem „Unterzentrum“, das Teilfunktionen eines Mittelzentrums erfüllen soll. Die bestehende Infrastruktur und Gestaltung entsprechen jedoch oft nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen und Ansprüchen einer modernen Stadtgesellschaft.

Primäre Ziele der Sanierung sind: * Stärkung des Zentrums: Oldenburg i.H. soll als Wohnort und Lebensader der Gesamtstadt gestärkt werden. * Verbindung von Wohnen und Grün: Ein wesentlicher Fokus liegt auf der besseren Verbindung der Innenstadt mit den umliegenden Grünbereichen und Wohngebieten. * Aufwertung des öffentlichen Raums: Durch eine Vereinheitlichung der Gestaltung soll ein attraktiver und funktionaler Raum entstehen. * Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Die Maßnahmen zielen darauf ab, versiegelte Flächen aufzulockern und klimatische Aspekte in der Planung zu berücksichtigen.

Finanzierung und Zeitplanung

Die Umsetzung einer solch umfangreichen Sanierung erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Die Stadt Oldenburg hat hierfür ein solides Finanzierungskonzept entwickelt, das sich aus städtischen Mitteln, Landesförderungen und Bundesmitteln zusammensetzt.

Kostenstruktur und Förderung

Das Gesamtkostenvolumen der aktuellen Planung beläuft sich auf insgesamt 90 Millionen Euro. Diese Summe umfasst alle geplanten Maßnahmen im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung.

  • Fördermittel: Ein Betrag von 18,5 Millionen Euro wurde als Städtebauförderung bewilligt. Bei diesen Fördermitteln übernehmen Bund und Land jeweils zwei Drittel, während ein Drittel als städtischer Anteil verbleibt.
  • Städtische Beteiligung: Neben dem Anteil an den Fördermitteln trägt die Stadt Oldenburg die Kosten für die Sanierung des öffentlichen Raums. In der Regel beträgt der städtische Anteil an den Gesamtkosten eines Sanierungsträgers ein Drittel. Darüber hinaus hat der Stadtrat am 30. Juni 2025 beschlossen, dass die Stadt Oldenburg Mehrkosten in Höhe von rund 13,2 Millionen Euro übernehmen wird. Diese entstehen durch Anpassungen in der Planung und werden vom Fördergeber anerkannt.

Zeitrahmen bis 2036

Der Sanierungszeitraum ist langfristig angelegt und endet ursprünglich im Jahr 2036. Die Planung ist jedoch dynamisch. Aufgrund der Ankündigung der Deutschen Bahn AG (DB), die Brücke über den Pferdemarkt voraussichtlich erst 2035 zu erneuern, hat die Stadt beim Land Niedersachsen um eine Verlängerung des Sanierungszeitraums um fünf Programmjahre gebeten. Dies zeigt, dass die Sanierung eng mit den Infrastrukturprojekten der Bahn abgestimmt wird.

Steuerung und Organisation

Für die erfolgreiche Umsetzung der Sanierung ist eine professionelle Organisation entscheidend. Die Stadt Oldenburg hat hierfür eine klare Struktur geschaffen.

Sanierungsträger: Die Steuerung des Gesamtprozesses wird durch die Stadt sichergestellt. Für die zügige Durchführung der erforderlichen Maßnahmen ist der treuhänderische Sanierungsträger „GOS Gesellschaft für Ortsentwicklung und Stadterneuerung mbH“ beauftragt. Diese Gesellschaft übernimmt operative Aufgaben und unterstützt die Stadt bei der Planung und Realisierung der Projekte.

Konkrete Maßnahmen und Infrastruktur

Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt werden sollen. Ein zentrales Element ist die sogenannte „Rahmenplanung“.

Die Rahmenplanung als Leitbild

Die Rahmenplanung ist die Basis für die weitere Entwicklung des Quartiers. Sie legt Ziele und Perspektiven verbindlich fest und schafft die Grundlage, Projekte mit Fördermitteln finanzieren zu können. Der Entwurf dieser Planung wurde in einer vierwöchigen Ausstellung im „CORE“ (Heiligengeiststraße 6) der Öffentlichkeit vorgestellt. Bürger konnten sich informieren und Ideen einbringen. Die Rahmenplanung muss vom Stadtrat beschlossen werden und wird in den kommenden Jahren bis 2036 in ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept fortgeschrieben und konkretisiert. Geplant ist dies beispielsweise über gesonderte Planungswettbewerbe.

Ein virtueller Rundgang, der seit Juni 2025 verfügbar ist, ermöglicht es Interessierten, die nördliche Innenstadt bequem von zu Hause aus zu entdecken. Basierend auf Drohnenaufnahmen aus dem Jahr 2025 bietet dieser Rundgang Eindrücke des aktuellen Stands und der Visionen.

Verkehr und Parken

Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung ist die Neugestaltung der Verkehrsflächen und Parkmöglichkeiten. Der Entwurf der Rahmenplanung sieht vor, die bisher den Raum dominierenden ebenerdigen Stellplätze in flächeneffizientere Lösungen zu verlagern.

Das Parkplatzkonzept sieht folgende Änderungen vor: * Neubau eines Parkhauses: Die Parkplätze auf der heutigen Marktfläche sollen in einem neuen dreigeschossigen Gebäuderiegel parallel zur Bahn gestapelt werden. Dies ermöglicht wetterunabhängiges, komfortables und barrierefrei erreichbares Parken. * Kapazitätssteigerung: Durch den Verbund mit der zu sanierenden Tiefgarage „Am Stadtmuseum“ sollen zu Wochenmarktzeiten sogar mehr Abstellmöglichkeiten angeboten werden als heute. * Klimatische Aspekte: Die Konzentration der Parkplätze und die damit verbundene Auflockerung der versiegelten Flächen werden als sinnvoll bewertet, sofern sie mit dem Wochenmarkt vereinbar sind.

Sanierung der Tiefgarage „Am Stadtmuseum“

Im Zuge der Maßnahmen ist auch die Sanierung der Tiefgarage „Am Stadtmuseum“ geplant. Diese soll in den Verbund mit dem neuen Parkhaus integriert werden.

Aktuelle Infrastrukturmaßnahmen (EWE NETZ)

Parallel zu den städtebaulichen Planungen laufen bereits konkrete Infrastrukturmaßnahmen. Die EWE NETZ hat Arbeiten in der Innenstadt durchgeführt, die für die Sanierung notwendig sind.

  • Notwendigkeit: Die Infrastruktur, insbesondere die Gasleitungen in den Straßen, wird erneuert. Viele dieser Leitungen stammen aus den 1960er Jahren und haben das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht.
  • Durchführung: Die Firma Hotze aus Oldenburg ist mit der Ausführung der Sanierungsarbeiten beauftragt.
  • Zeitplanung: Die Arbeiten wurden bewusst bereits Anfang Februar gestartet, um sicherzustellen, dass die Verlegearbeiten vor Beginn der Hauptsaison der Außengastronomie abgeschlossen sind. Ziel war es, eine große Sommerbaustelle in der Innenstadt zu vermeiden.
  • Kommunikation: Anwohner und Betriebe wurden vor Beginn der Bauarbeiten umfassend informiert. Der enge Austausch mit dem Innenstadtmanagement ist etabliert.

Das Gestaltungshandbuch

Ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung ist das Gestaltungshandbuch. Es soll eine Vereinheitlichung des öffentlichen Raumes in der Innenstadt von Oldenburg i.H. aufzeigen. Hintergrund ist, dass frühere Sanierungsmaßnahmen zeitlich versetzt durchgeführt wurden, was zu einem weitestgehend uneinheitlichen Erscheinungsbild geführt hat. Das Gestaltungshandbuch dient als Leitfaden für zukünftige Baumaßnahmen und Gestaltungen, um eine konsistente und ästhetisch ansprechende Innenstadt zu gewährleisten.

Beteiligung der Bürger

Die Stadt Oldenburg legt großen Wert auf die Einbindung der Bevölkerung. Neben der bereits erwähnten Ausstellung im „CORE“ sind drei geführte Spaziergänge durch das Sanierungsgebiet geplant. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Planungsprozess einzubinden und ihre Visionen für eine lebenswertere Innenstadt aufzunehmen.

Fazit

Die Stadtsanierung der Nördlichen Innenstadt in Oldenburg (i.H.) ist ein zukunftsweisendes Projekt mit hoher wirtschaftlicher und städtebaulicher Relevanz. Mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro und einem Planungshorizont bis 2036 (ggf. verlängert) schafft die Stadt die Basis für eine moderne, funktionale und attraktive Innenstadt.

Für Eigentümer von Immobilien in diesem Gebiet sowie für Bauinteressierte ergeben sich Chancen durch die Aufwertung der Infrastruktur, die Verbesserung der Verkehrsführung und die generelle Aufwertung des Standorts. Die professionelle Steuerung durch die GOS mbH und die enge Abstimmung mit Förderinstitutionen und Partnern wie der Deutschen Bahn und der EWE NETZ gewährleisten eine strukturierte Umsetzung. Die integrierte Rahmenplanung und die Beteiligung der Bürger stellen sicher, dass die Sanierung nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich auf einer breiten Basis erfolgt. Oldenburg positioniert sich damit klar als lebenswertes Unterzentrum mit Mittelzentrumsfunktion.

Quellen

  1. Sanierung Oldenburg
  2. Stadt Oldenburg - Nördliche Innenstadt
  3. Jade-Weser-Zeitung
  4. Stadt Oldenburg - Pressemitteilung

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