Sanierung des Waldbads Hanstedt: Ein Beispielprojekt für nachhaltige Modernisierung und Bürgerbeteiligung

Einleitung

Die Modernisierung von kommunalen Einrichtungen stellt eine zentrale Herausforderung für Städte und Gemeinden dar, insbesondere wenn es um den Erhalt von Infrastruktur geht, die für das gesellschaftliche Leben von großer Bedeutung ist. Das Waldfreibad in der Samtgemeinde Hanstedt dient hierbei als exemplarisches Fallbeispiel für eine umfassende Sanierung, die nicht nur den technischen Standard anhebt, sondern auch soziale und ökologische Aspekte in den Vordergrund stellt. Der Fortbestand des 1961 erbauten Schwimmbades war ohne eine grundlegende Erneuerung nicht mehr zu gewährleisten. Die Sanierung umfasste eine Vielzahl von Maßnahmen, von der Erneuerung der Beckentechnik bis hin zum barrierefreien Neubau von Umkleide- und Sanitäranlagen. Finanziell wurde das Vorhaben durch das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ mit einem Zuschuss in Höhe von 1,15 Millionen Euro gefördert. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, energetischen und planerischen Aspekte des Projekts und zeigt auf, wie durch eine strukturierte Herangehensweise der Erhalt einer wichtigen Freizeitstätte gesichert werden konnte.

Historischer Kontext und Notwendigkeit der Sanierung

Das Waldbad Hanstedt wurde im Jahr 1961 errichtet und stellte über Jahrzehnte einen wichtigen Pfeiler der regionalen Freizeitinfrastruktur dar. Nach einer ersten grundlegenden Sanierung Mitte der 1980er Jahre war die Anlage über 30 Jahre in Betrieb, was zu einer erheblichen Substanzverschleißung führte. Die Bereiche Bausubstanz und Anlagentechnik wiesen einen Zustand auf, der eine Instandhaltung durch bloße Reparaturen ausschloss.

Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus mehreren Faktoren: 1. Technischer Veraltungsgrad: Die Schwimmbadtechnik entsprach nicht mehr aktuellen Standards, was Energieeffizienz und Betriebssicherheit betraf. 2. Bauliche Mängel: Umkleide- und Sanitärbereiche sowie das Funktions- und Aufsichtsgebäude waren baulich stark sanierungsbedürftig. 3. Sicherheits- und Nutzungsstandards: Die Anlage benötigte eine moderne Sprunganlage und Rutschen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und barrierefreie Zugänge, um den Anforderungen einer inklusiven Gesellschaft gerecht zu werden.

Ohne die Sanierung drohte die Schließung des Bades, was den Verlust eines Identifikationspunktes für die sechs Ortsteile der Samtgemeinde und die gesamte Region bedeutet hätte. Das Bad dient als zentraler Ort für den Schwimmunterricht von Schulen, Angebote von Vereinen und die Freizeitgestaltung generationenübergreifend.

Planung und Finanzierung

Die Planung des Sanierungsvorhabens war ein komplexer Prozess, der frühzeitig die Bürger der Samtgemeinde einbezog. Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, das sowohl die technischen Anforderungen erfüllt als auch die sozialen Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt.

Bürgerbeteiligung

Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die intensive Bürgerbeteiligung. Die Verwaltung der Samtgemeinde Hanstedt initiierte eine Fragebogenaktion, bei der die Bürger ihre Wünsche und Anregungen einbringen konnten. Als Anreiz wurde eine Freikarte für das Bad verlost. Zudem wurde eine Informationsveranstaltung im Rahmen des „Tages der Städtebauförderung“ durchgeführt, um die Pläne transparent zu kommunizieren. Diese Maßnahmen führten zu einer hitzigen, aber letztlich konstruktiven Diskussion über die Ausgestaltung des Bades, insbesondere über die Anzahl der Schwimmbahnen.

Kosten und Förderung

Die finanzielle Planung sah ursprünglich Kosten in Höhe von 2,57 Millionen Euro vor. Später wurde ein Betrag von insgesamt 3 Millionen Euro für die Umbaumaßnahmen genannt. Eine erhebliche Entlastung brachte die Aufnahme des Projekts in das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Bundesbauministerin Barbara Hendricks überreichte eine Förderurkunde über 1,15 Millionen Euro (auch 1,2 Millionen Euro in anderen Quellen genannt). Diese Bundesmittel machten das Projekt erst wirtschaftlich tragbar.

Zusätzlich mussten die Kosten aufgrund der „schlechten Ausschreibungssituation“ um rund 300.000 Euro nach oben korrigiert werden. Die Finanzierungssicherheit war Voraussetzung für die Erteilung der Baugenehmigung durch den Landkreis Harburg, die zeitgerecht erteilt wurde.

Technische und bauphysikalische Maßnahmen

Im Zentrum der Sanierung stand die vollständige Erneuerung der technischen Infrastruktur und der Bausubstanz. Die Maßnahmen können in folgende Bereiche unterteilt werden:

Beckentechnik und Wasseraufbereitung

Das zentrale Kombibecken wurde vollständig entleert und die alte Folie entfernt. Anschließend wurde das Becken mit einer neuen, modernen Folie ausgekleidet. Dies dient der Dichtigkeit und Hygiene. Um die Attraktivität für verschiedene Nutzergruppen zu steigern, wurden neue Wasserelemente installiert: * Eine Breitwellenrutsche: Bietet ein erhöhtes Freizeitvergnügen. * Eine Sprunganlage: Ermöglicht den sportlichen Wassersprung.

Diese Elemente waren wesentlich für die Erweiterung des Nutzungsspektrums.

Gebäude- und Anlagenbau

Die Substanz der Gebäude war massiv beeinträchtigt. Daher wurde das alte Funktions- und Aufsichtsgebäude vollständig abgerissen. An seiner Stelle entstand ein Neubau. Auch die Umkleide- und Sanitärbereiche wurden abgerissen und durch zeitgemäße, neue Bauten ersetzt. Besonderer Wert wurde hier auf die Barrierefreiheit gelegt, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Nutzung des Bades zu ermöglichen.

Außenanlagen und Landschaftsintegration

Da es sich um ein „Waldfreibad“ handelt, ist die Einbindung in die natürliche Umgebung essenziell. Die Außenanlagen wurden zu großen Teilen umgestaltet. Ziel war es, die klimatischen Gegebenheiten des Waldes zu nutzen und zu erhalten. Die Maßnahmen umfassten die Neugestaltung von Wegen, Sitzbereichen und Grünflächen, um den Erholungswert zu steigern.

Energetische Aspekte und Nachhaltigkeit

Ein zentrales Ziel der Sanierung war die Ausrichtung an den Prinzipien des Klimaschutzes. Die Bundesbauministerin hob hervor, dass die Modernisierung einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Die Maßnahmen im Bereich der Energieversorgung und der Technik umfassten:

  1. Klimafreundliche Technik: Die Anlagentechnik (z. B. Pumpen, Filteranlagen) wurde auf energieeffiziente Standards umgestellt.
  2. Energieversorgung: Die Energieversorgung wurde so angepasst, dass der CO2-Fußabdruck des Bades reduziert wird.
  3. Ressourcenschonung: Durch den Austausch der Beckenfolie und die Optimierung der Wasseraufbereitung wird Ressourcenverschwendung vorgebeugt.

Die Verknüpfung von Sanierung und Klimaschutz ist ein aktueller Trend in der Bauwirtschaft, der hier erfolgreich umgesetzt wurde.

Soziale und gesellschaftliche Auswirkungen

Die Sanierung des Waldbads Hanstedt geht über eine rein technische Erneuerung hinaus. Sie hat direkte Auswirkungen auf das soziale Gefüge der Gemeinde.

  • Generationenübergreifende Integration: Das Bad ist ein Ort der Begegnung für alle Altersgruppen. Durch die Modernisierung und die neuen Attraktionen wird die Nutzung durch Familien, Jugendliche und Senioren gleichermaßen gefördert.
  • Schwimmförderung: Der Schwimmunterricht von Schulen und die Angebote von Schwimmvereinen können langfristig gesichert werden. Dies ist gesellschaftlich relevant, da Schwimmfähigkeit eine grundlegende Sicherheitskompetenz ist.
  • Identifikationspunkt: Die moderne Anlage stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der Samtgemeinde und ist ein „wichtiger Identifikationspunkt“ für die Bürger.

Der Erfolg der Sanierung wurde bei der feierlichen Eröffnung deutlich, die von etwa 500 Besuchern besucht wurde und durch ein buntes Rahmenprogramm mit Mitmach-Zirkus und Spielstationen gefeiert wurde.

Umsetzung und Zeitplan

Die Umsetzung des Projekts folgte einem engen Zeitplan. Nach der Genehmigung der Pläne durch den Landkreis Harburg begann die Ausschreibung der ersten Gewerke. Die Baugenehmigung lag voll im Zeitplan, was für eine Fertigstellung zum geplanten Termin im Mai (Eröffnung am 6. Mai) entscheidend war. Die Samtgemeinde nutzte den „Tag der Städtebauförderung“, um die Bürger vor Baubeginn über den Ablauf zu informieren. Die Sanierung wurde als „Beispiel für eine gelungene Bürgerbeteiligung“ gewertet, da Politik, Bürger und Verwaltung an einem Strang zogen.

Fazit

Die Sanierung des Waldfreibads in Hanstedt ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Modernisierung kommunaler Infrastruktur. Durch die Kombination aus Bundesmitteln, lokaler Planung und aktiver Bürgerbeteiligung konnte eine Anlage, die in die Jahre gekommen war, in eine moderne, klimafreundliche und barrierefreie Freizeitstätte verwandelt werden. Die Investition von rund 3 Millionen Euro sichert den Fortbestand einer wichtigen Einrichtung für Sport, Erholung und Integration. Die technischen Maßnahmen, wie der Austausch der Beckentechnik und der Bau neuer Umkleiden, wurden mit ökologischen Aspekten wie einer energieeffizienten Versorgung verknüpft. Das Projekt zeigt, wie durch strategische Planung und die Einbindung der Öffentlichkeit nachhaltige Lösungen für den Erhalt von Schwimmbädern gefunden werden können, die der gesamten Region zugutekommen.

Quellen

  1. Hanstedt: Waldfreibad
  2. Bundesbauministerium fördert Sanierung des Waldfreibads in Hanstedt mit 1,15 Millionen Euro
  3. Feierliche Eröffnung des Waldbads in Hanstedt
  4. Kreiszeitung-Wochenblatt: Waldbad Hanstedt
  5. Kreiszeitung-Wochenblatt: Waldbad Sanierung

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