Die Sanierung und Modernisierung von historischen Bädern stellt eine besondere Herausforderung für die Bauwirtschaft dar. Sie verlangt einen sensiblen Umgang mit architektonischem Erbe einerseits und die Erfüllung moderner Nutzungsansprüche sowie technischer Standards andererseits. Ein herausragendes Beispiel für eine solche gelungene Symbiose aus Denkmalschutz, Naturschwimmbad-Technologie und zeitgemäßer Ausstattung ist das Waldstrandbad in Windsbach. Dieser Artikel beleuchtet die Planung, Durchführung und technischen Details der umfassenden Renovierung, die 2017 abgeschlossen wurde. Er richtet sich an Bauherren, Planer und Enthusiasten, die sich für die Sanierung von Bestandsimmobilien und die Implementierung nachhaltiger Badetechnologien interessieren.
Historische Bedeutung und Ausgangslage
Das Waldstrandbad Windsbach ist weit mehr als nur ein lokales Schwimmbad; es ist ein kulturelles Denkmal und ein Stück lebendiger Regionalgeschichte.
Entstehung und architektonische Einordnung
Errichtet wurde das Bad im Jahr 1938 in einer beeindruckenden Bauzeit von nur fünf Monaten. Als Bauherrin trat die Stadt Windsbach auf, die Pläne lieferte ein Ingenieur aus Ansbach namens Albrecht Gebauer. Bereits bei seiner Eröffnung wies das Bad eine für die Zeit ungewöhnlich große Gesamtfläche von ca. 20.000 m² auf. Das Herzstück bildet ein riesiges Schwimmbecken mit den Maßen 100 Meter Länge und 60 Meter Breite, das bis heute vom nahegelegenen Schwalbenbach gespeist wird.
Die architektonische und historische Bedeutung des Bades ist immens. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stuft die Anlage als einzigartiges Beispiel des Sportstättenbaus der späten 1930er Jahre ein. Die stringente Planung der Gesamtanlage und die zeittypische Formensprache der Bauteile verleihen dem Bad einen hohen Wert. Im Jahr 2015 erfolgte offiziell die Einstufung als Denkmal, was seinen Erhalt im Interesse der Allgemeinheit manifestierte. Trotz einer Erweiterung in den 1950er-Jahren durch einen zweiten Kabinentrakt blieb der Originalzustand laut Denkmalbehörde der am besten erhaltene im gesamten Freistaat Bayern.
Der Zustand vor der Sanierung
Bereits in den 1990er Jahren erkannte der Stadtrat Notwendigkeiten zur Instandsetzung, zunächst beschränkt auf eine Beckensanierung und kleinere Arbeiten im Sanitärbereich. Aufgrund von Priorisierungen anderer Infrastrukturprojekte wie Schulen und Kindertagesstätten musste eine Generalsanierung jedoch immer wieder verschoben werden. Mit fortschreitendem Alter wurden die Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Barrierefreiheit jedoch immer dringlicher. Zudem stiegen die Erwartungen der Badegäste an moderne Attraktionen und Komfort.
Planung und Bürgerbeteiligung: Der Weg zur Sanierung
Der Weg zur umfassenden Modernisierung war ein komplexer Prozess, der technische Planung, Finanzierung und die Einbindung der Öffentlichkeit vereinte.
Interkommunale Zusammenarbeit und Finanzierung
Ein entscheidender Schritt war die interkommunale Zusammenarbeit mit mehreren Nachbarkommunen, um ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Positive Signale der Regierung von Mittelfranken ebneten den Weg für die Finanzierung. Ein Großteil der Gesamtkosten in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro floss aus Mitteln der Städtebauförderung des Freistaats Bayern. Die Stadt Windsbach trug lediglich 1,6 Millionen Euro selbst. Diese Finanzierungsstruktur zeigt, wie wichtig staatliche Förderprogramme für die Erhaltung historischer Infrastruktur sind.
Einbeziehung der Nutzer
Ein klares Signal aus einer Bürger- und Besucherbefragung im Sommer 2014 war der Wunsch, den Charme und das familiäre Flair des Bades beizubehalten, gleichzeitig aber zusätzliche Attraktionen zu schaffen. Diese Erkenntnis wurde zur Richtschnur für die Planung. Ein speziell eingerichteter Projektausschuss begleitete die Arbeiten intensiv. Die Planungsbüros Josef Krautloher, Wolfgang Eckardt und die WasserWerkstatt Bamberg wurden mit der Ausführung beauftragt.
Zeitplanung
Der Spatenstich erfolgte am 8. April 2016. Nach einer Bauphase von etwa 13 Monaten konnte die neue Anlage im Juli 2017 feierlich übergeben werden. Diese Zeitspanne ist angesichts des Umfangs der Arbeiten und der denkmalpflegerischen Auflagen als sehr effizient zu bewerten.
Technische Umsetzung der Sanierung
Die Sanierung umfasste sowohl die denkmalgerechte Restaurierung historischer Substanz als auch den Einbau modernster Technik, insbesondere im Bereich der Wasseraufbereitung und der Beckeninfrastruktur.
Erhalt und Restaurierung historischer Bausubstanz
Ein Kernanliegen war der Erhalt originärer Elemente. Die hölzernen Umkleidekabinen, ein markantes Merkmal des Bades, wurden liebevoll restauriert und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Auch das große Schwimmbecken mit seiner monumentalen Seitenlänge von 100 Metern blieb erhalten und wurde saniert. Besonders hervorzuheben ist die Umwandlung eines denkmalgeschützten Vorwärmbeckens aus den 30er Jahren in ein kleines Plantschbecken für Krabbelkinder. Diese adaptive Wiedernutzung ist ein vorbildliches Beispiel für denkmalgerechtes Bauen.
Modernisierung der Beckenlandschaft
Um den Ansprüchen verschiedener Altersgruppen gerecht zu werden, wurde die Beckenlandschaft deutlich aufgewertet: * Nichtschwimmerbereich: Der Bereich wurde neu strukturiert. Der Nordstrand erhielt einen Rutschenbereich, während der Südstrand mit einem Spielschiff und einem Quellstein ausgestattet wurde. Der Nichtschwimmerbereich umfasst insgesamt 2.958 m². * Schwimmerbereich: Der Schwimmerbereich verfügt über 6 Bahnen mit einer Länge von 100 Metern und einer Fläche von 2.034 m². * Springerbereich: Ein neuer Sprungturm mit Kombinationssprungbrettern in den Höhen 5, 3 und 1 Metern wurde installiert (Fläche 222 m²). * Kleinkinderbecken: Ein separates Becken für die Jüngsten (60 m²) bietet sicheren Badespaß.
Zudem wurden neue Stege und eine Seetribüne installiert, was die Aufenthaltsqualität und die Zuschauermöglichkeiten verbessert. Eine neue Wellenrutsche sorgt zudem für zusätzlichen Spaßfaktor, insbesondere bei Jugendlichen.
Wasseraufbereitung: Das Naturschwimmbad-Konzept
Eine der größten technischen Herausforderungen war die Implementierung einer modernen Filteranlage bei gleichzeitiger Beibehaltung des Charakters als Naturbad. Das Bad nutzt nach wie vor Wasser aus dem Schwalbenbach, was eine hohe ökologische Verantwortung bei der Aufbereitung erfordert. Das Kernstück des neuen Systems bildet eine biologische Reinigungsanlage. Die Daten aus der Planung zeigen das komplexe Gefüge: * Pflanzenfilter und Regenerationsbecken: Diese bilden das Herz der biologischen Reinigung. Die Regenerationsfläche beträgt 1.312 m² bei einem Wasservolumen von 762 m³. * Vorfilter: Ein externer Vorfilter (360 m²) sorgt für die erste mechanische Reinigung des Zulaufs. * Aquakultur: Eine spezielle Zone für Aquakultur (952 m²) unterstützt die biologischen Prozesse.
Diese Anordnung gewährleistet eine Wasserqualität, die den hohen hygienischen Standards moderner Freibäder entspricht, ohne auf den Einsatz von Chemikalien in großem Stil angewiesen zu sein. Dies ist ein entscheidender Vorteil für die Hautverträglichkeit und die Umwelt.
Erweiterung der Infrastruktur und Nutzungsangebote
Eine Sanierung beschränkt sich nicht auf die technischen Kernbereiche, sondern umfasst die gesamte Aufenthaltsqualität. Im Waldstrandbad Windsbach wurde der Bereich um das Bad herum ebenso neu gestaltet wie die sozialen Einrichtungen.
Sozial- und Gastronomiebereich
Der Kiosk-Bereich wurde komplett neu gestaltet, um den Gästen ein modernes Angebot zu bieten. Die Einrichtung von Wohnmobilstellplätzen erweitert das Angebot über den reinen Tagesbesuch hinaus und macht das Bad auch für Reisende attraktiv. Ein Biergarten und Liegewiesen laden zum Verweilen ein.
Freizeit- und Sportangebote
Um die Aufenthaltsdauer zu verlängern und verschiedene Interessen abzudecken, wurden zusätzliche Aktivitätsflächen geschaffen: * Beachvolleyballfelder * Tischtennisplatte * Schachfelder * Ein Spielplatz * Ein Motorik-Park
Diese Angebote entlasten den reinen Badebetrieb und fördern den Sport und die Bewegung im Freien, was dem ursprünglichen Zweck des Bades aus den 1930er Jahren – der Förderung von Bewegung und frischer Luft – gerecht wird.
Zusammenfassung der Leistungsdaten
Um den Umfang der Sanierung technisch zu erfassen, bieten die vorliegenden Planungsdaten einen detaillierten Einblick in die Dimensionen der Anlage.
| Bereich | Einheit | Wert |
|---|---|---|
| Gesamtfläche (Wasser) | m² | 5.214 (nutzbar) |
| Gesamtvolumen (Wasser) | m³ | 7.915 |
| Nichtschwimmerbereich | m² | 2.958 |
| Schwimmerbereich | m² | 2.034 |
| Kleinkinderbecken | m² | 60 |
| Springerbereich | m² | 222 |
| Pflanzenfilterfläche | m² | 1.312 |
| Baukosten | ca. | 4,8 Mio. Euro |
Diese Zahlen belegen, dass es sich um eine Großanlage handelt, deren Sanierung den Einsatz modernster Verfahren und erhebliche finanzielle Mittel erforderte.
Fazit
Die Sanierung des Waldstrandbades Windsbach steht beispielhaft für eine gelungene Verbindung von Denkmalschutz, Naturnähe und moderner Technologie. Die Entscheidung der Stadt Windsbach, den historischen Charakter der 1938 errichteten Anlage zu wahren und gleichzeitig die Infrastruktur für heutige Nutzergruppen radikal zu modernieren, war mutig und konsequent.
Der Erfolg liegt in der stringenter Einhaltung der Nutzerwünsche nach Erhalt des "Familiären" bei gleichzeitiger Schaffung neuer Attraktionen. Technisch wurde ein Meisterstück vollbracht: Durch den Einbau eines komplexen biologischen Filtersystems (Pflanzenfilter, Regenerationsbecken, Aquakultur) wurde eine hohe Wasserqualität erreicht, die den Betrieb als Naturschwimmbad sichert. Gleichzeitig ermöglichte die Finanzierung durch Städtebauförderung die Realisierung eines Vorhabens, das sonst möglicherweise an den Kosten gescheitert wäre.
Für Bauherren und Planer ist dieses Projekt eine wichtige Lektion: Erhalt von Bausubstanz ist oft möglich und wertvoll, erfordert aber die frühzeitige Einbindung von Denkmalpflegern und eine offene Kommunikation mit den späteren Nutzern. Das Waldstrandbad Windsbach beweist, dass Tradition und Fortschritt kein Widerspruch sein müssen.