Die Modernisierung von Hochhäusern aus der Plattenbauweise stellt eine zentrale Aufgabe im deutschen Städtebau dar, insbesondere in Ballungszentren wie Dresden. Angesichts einer zunehmenden Bevölkerungsdichte und knappem Wohnraum gewinnen Maßnahmen zur Aufstockung und energetischen Sanierung dieser Gebäude an Bedeutung. Die vorliegenden Informationen beleuchten verschiedene Aspekte solcher Bauprojekte in Dresden, von der technischen Durchführung umfassender Sanierungen bis hin zu Verkehrsinfrastruktur-Maßnahmen, die den Bauvorhaben vorausgehen oder parallel laufen. Dabei werden spezifische Herausforderungen, wie sie bei der Sanierung bewohnter Gebäude auftreten, sowie strategische Entscheidungen zur Wertsteigerung und Wohnraumvermehrung dargestellt.
Wohnraumvermehrung durch Aufstockung in der Johannstadt
Ein wesentlicher Ansatz zur Schaffung neuen Wohnraums in Dresden ist die Aufstockung bestehender Gebäude. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Vorhaben an der Blasewitzer Straße 36-50 in der Johannstadt. Das Bauvorhaben für den Bauherren WGJ umfasst die Aufstockung von zwei Wohngebäuden. Ziel ist es, der wachsenden Bevölkerungsdichte entgegenzuwirken und den knappen Wohnraum zu erweitern.
Die technische Umsetzung erfolgt durch eine Kombination aus Massiv- und Holzbauweise. Während ein Gebäude über zwei Etagen aufgestockt wird, beschränkt sich das andere auf eine Etage. Diese Variante der Aufstockung ermöglicht es, die statischen Gegebenheiten der jeweiligen Gebäude optimal zu nutzen. Durch den Einsatz von Holz in der Aufstockung können zudem wirtschaftliche und ökologische Vorteile realisiert werden.
Das Ziel sind 24 hochwertige und barrierefreie 3- bis 4-Raum-Wohnungen. Die Barrierefreiheit wird durch mehrere Maßnahmen gewährleistet. So werden Aufzüge in die bestehenden Treppenhäuser integriert, was die Erschließung der oberen Etagen auch für mobilitätseingeschränkte Bewohner sicherstellt. Zudem werden die Dachterrassen schwellenlos ausgeführt. Ein weiterer Aspekt der Modernisierung ist die Gestaltung des Tageslichteintritts: Bodentiefe Fenster sorgen für eine helle und einladende Atmosphäre in den neuen Wohnungen.
Neben der Aufstockung und der Schaffung neuer Wohnungen werden auch die bestehenden Substanzen saniert. Die Treppenhäuser werden erneuert, und es erfolgt eine Erneuerung der Grundleitungen sowie der Fernwärmekompaktstation. Diese Maßnahmen sind essenziell, um den Energieverbrauch zu senken und die Infrastruktur des Gesamtobjekts an moderne Standards anzupassen. Die Neugestaltung der Freianlagen und der Fassade rundet das Sanierungskonzept ab und hebt den Wert der gesamten Immobilie.
Umfassende Sanierung von 17-geschossigen Hochhäusern
Ein anderes Sanierungsprojekt betrifft 17-geschossige Hochhäuser vom Typ Wohnhochhaus in 5-Mp-Plattenbauweise (WHH17). Diese Gebäude, die sich in einem Zeitraum von 2013 bis 2021 saniert wurden, stehen exemplar für die Herausforderungen, die bei der Modernisierung von Großwohnanlagen bestehen. Die Gebäude beherbergten ursprünglich 203 bzw. 199 Wohneinheiten nach Wohnungszusammenlegung sowie 15 Gewerbeeinheiten.
Die Sanierung wurde als wohnwerterhöhend konzipiert und umfasste ein breites Spektrum an Gewerken. Ein Kernpunkt der Sanierung war die Erneuerung und Ertüchtigung der Sanitär- und Heizungsstränge sowie des Abluftkanalsystems für die Wohneinheiten. Besonders relevant ist der Hinweis, dass diese Sanierung im bewohnten Zustand durchgeführt wurde. Dies erfordert eine außergewöhnliche Planung und Koordination, um den Alltag der Bewohner so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
Neben den inneren Werten wurde auch die äußere Hülle modernisiert. Um die Energieeffizienz zu steigern, entschied man sich für eine vorgehängte, hinterlüftete Metallfassade. Diese Fassadenart gewährleistet ein optimales Raumklima und reduziert die Heizkosten. Die Gestaltung der Fassade erfolgte durch verschiedene miteinander harmonierende Grün- und Gelbtöne in den Brüstungsbereichen, was den Gebäuden eine moderne und freundliche Optik verleiht. Der Begriff der „Platte“ verliert durch solche Modernisierungen seinen negativen Beiklang und wird durch eine qualitativ hochwertige Architektursprache ersetzt.
Im Bereich der Gebäude technik wurden zudem wichtige Auflagen im Brandschutz umgesetzt. Zu den Hauptpunkten der Sanierung in den Gebäuden zählten die Entrauchungsanlage sowie die neue Druckerhöhungsanlage der Feuerlöschleitung in den Etagenfluren und allgemein zugängigen Bereichen. Diese Maßnahmen sind für die Sicherheit der Bewohner von entscheidender Bedeutung. Auch die Sanierung von Sanitär-, Lüftungs-, Heizungs-, MSR- und Elektrotechnik sowie der Brandschutzeinrichtungen gehörten zu den umfangreichen Gewerken dieses Projekts, dessen Bausumme sich auf 9.100.000 € brutto belief.
Infrastruktur-Sanierungen als Voraussetzung für die Stadtentwicklung
Die Sanierung von Wohngebäuden ist eng mit der Anbindung an die städtische Infrastruktur verknüpft. Ein Großprojekt, das dies verdeutlicht, ist die Sanierung der Blasewitzer und Loschwitzer Straße in Dresden. Diese 1,7 Kilometer lange Ost-West-Verkehrsachse wird seit Mai saniert. Das Projekt ist ein Paradebeispiel für die Komplexität von Infrastrukturmaßnahmen in einer Großstadt.
Die Arbeiten umfassen die Sanierung der Fahrbahndecken und die Erneuerung der Gleisanlagen, wobei über 600 Meter Schienen erneuert werden. Das Rathaus investiert hierfür 3,5 Millionen Euro. Allerdings zeigt das Projekt auch die Grenzen der Finanzierbarkeit und Planbarkeit auf. Eine grundhafte Sanierung, die den Neubau von Belägen, breiteren Schienen, barrierefreien Haltestellen und neuen Versorgungsleitungen beinhalten würde, ist aufgrund des bürokratischen Aufwands (Planfeststellungsverfahren etc.) vor 2030 nicht realisierbar. Um den Zustand der Straße nicht weiter verschlechtern zu lassen, wurde eine kleinere Sanierungsvariante gewählt.
Die Notwendigkeit dieser Maßnahme ergab sich aus dem schlechten Zustand der Straße, die als „Buckelpiste“ beschrieben wird. Der Lärmschutz der Anwohner spielte ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung für den früheren Baubeginn. Die Arbeiten sind so geplant, dass sie 2024 abgeschlossen sein sollen. Während der Bauphase werden Verkehrsregelungen getroffen, um die Mobilität in der Stadt aufrechtzuerhalten. So wird beispielsweise versucht, in eine Richtung weiterhin die Bahnen fahren zu lassen, was das Projekt zwar teurer und komplizierter macht, aber die Akzeptanz bei den Dresdnern erhöht.
Herausforderungen bei Sanierungen im bewohnten Zustand
Die Sanierung von Wohngebäuden während des laufenden Betriebs bringt spezifische Herausforderungen mit sich, die über die technische Planung hinausgehen. Ein Bericht über die Sanierung von Bädern und WC‘s in einem Plattenbau-Hochhaus an der Blasewitzer Straße 52 zeigt die sozialen und logistischen Dimensionen solcher Vorhaben. Die Sanierung begann am 7. August und führte zu einer Situation, in der sich 130 Bewohner zwei Toiletten auf dem Hof teilen mussten.
Die Ausstattung der Container-WCs wurde als unzureichend beschrieben: Es gab nur zwei Toiletten, zwei Urinbecken und Duschen. Mangelnde Privatsphäre und die Kälte im Winter stellten für die Bewohner eine erhebliche Belastung dar. Besonders betroffen waren ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen, für die die niedrigen Campingtoiletten im Flur unbenutzbar waren. Diese Situation verdeutlicht die Notwendigkeit, bei der Planung von Sanierungen im bewohnten Zustand ausreichend und barrierefreie Ersatzsanitäranlagen vorzusehen.
Die Bewohner berichteten von Wartezeiten bei Minusgraden und dem Gefühl, auf die Hilfsangebote des Vermieters angewiesen zu sein, ohne dass diese den Bedarf deckten. Solche Erfahrungen zeigen, dass die Kommunikation und die Organisation von Ersatzlösungen während umfangreicher Baumaßnahmen einen kritischen Erfolgsfaktor darstellen. Die Bereitstellung von sanitären Einrichtungen muss den Bedürfnissen einer heterogenen Bewohnerschaft, einschließlich älterer und behinderter Menschen, gerecht werden. Die Ablehnung von Mietkürzungen durch den Vermieter in einer solchen Situation führt zudem zu Konflikten, die die Akzeptanz des Projekts beeinträchtigen können.
Fazit
Die dargestellten Projekte in Dresden zeigen die Vielschichtigkeit der Modernisierung von Wohnraum und Infrastruktur. Die Aufstockung von Gebäuden an der Blasewitzer Straße 36-50 stellt eine effektive Methode dar, um bei knappem Raum neuen, hochwertigen Wohnraum zu schaffen. Durch den Einsatz moderner Bauweisen und die Integration von Aufzügen und barrierefreien Gestaltungen werden die Gebäude zukunftsfähig gemacht.
Die umfassende Sanierung von 17-geschossigen WHH17-Hochhäusern demonstriert, wie durch den Einsatz von vorgehängten hinterlüfteten Metallfassaden und der Erneuerung der Haustechnik der Energieverbrauch gesenkt und der Wohnkomfort erheblich gesteigert werden kann. Die Umsetzung solcher Projekte im bewohnten Zustand erfordert eine sorgfältige Koordination der technischen Gewerke, insbesondere im Bereich des Brandschutzes und der Lüftungstechnik.
Gleichzeitig machen die Sanierungen der Blasewitzer und Loschwitzer Straße deutlich, dass die städtische Infrastruktur mit den Entwicklungen am Wohnungsmarkt Schritt halten muss. Die gewählte Variante der Teilsanierung stellt einen pragmatischen Kompromiss dar, um den schlechten Zustand der Verkehrswege zu verbessern, ohne die langfristigen Planungen für eine vollständige Modernisierung zu gefährden.
Die Herausforderungen, die sich bei der Sanierung im bewohnten Zustand ergeben, wie am Beispiel der mangelhaften sanitären Ersatzversorgung beschrieben, unterstreichen die Bedeutung einer mitdenkenden Planung. Logistische Lösungen müssen nicht nur technisch, sondern auch sozial vertretbar sein, um die Akzeptanz bei den Bewohnern zu sichern. Insgesamt zeigen die Projekte, dass eine nachhaltige Stadtentwicklung nur durch die Kombination von technischer Innovation, wirtschaftlichem Kalkül und sensibler Begleitung der betroffenen Menschen gelingen kann.