Die Generalsanierung und der teilweise Neubau von Schulgebäuden in dicht besiedelten städtischen Kontexten stellen komplexe Aufgaben für Bauherren, Architekten und Bauingenieure dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Bauaufgabe ist die Sanierung und Erweiterung der Städtischen Wirtschaftsschule Amberg. Dieses Projekt, das zwischen 2011 und 2016 umgesetzt wurde, bietet wertvolle Einblicke in die Planungsphasen, technischen Herausforderungen und Lösungsansätze, die bei der Modernisierung historischer Bausubstanz unter laufendem Betrieb anfallen. Der folgende Artikel analysiert die Baumaßnahmen, die Kostenentwicklung und die technischen Innovationen dieses Projekts, um Planern und Interessenten eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Ausgangslage und Projektrahmen
Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung ergab sich aus der Unfähigkeit der bestehenden Räumlichkeiten, die Anforderungen eines modernen Lehrplans zu erfüllen. Eine räumliche Erweiterung war unumgänglich geworden. Das Projekt umfasste die Sanierung der Bestandsgebäude sowie den Neubau und den Wiederaufbau von Gebäudeteilen.
Die Dimensionen des Vorhabens waren erheblich. Laut den vorliegenden Daten betrug der umbauten Raum 25.408 m³, die Bruttogrundstücksfläche belief sich auf 6.634 m² und die Hauptnutzfläche auf 3.008 m². Der Ausführungszeitraum erstreckte sich von 2011 bis 2016. Eine entscheidende Herausforderung stellte der Umstand dar, dass die Sanierung im laufenden Schulbetrieb durchgeführt werden musste. Diese Randbedingung erfordert eine außergewöhnliche Koordination zwischen Bauausführung und Schulbetrieb, um die Sicherheit der Schüler und den Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten.
Architektonisch wurde das Projekt von der Dömges Architekten AG in freier Mitarbeit begleitet. Die Leistungsphasen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) wurden von Phase 2 (Vorplanung) bis Phase 8 (Objektüberwachung) abgedeckt, was auf eine umfassende Planungs- und Bauüberwachungsverantwortung hindeutet.
Städtebauliche Einbindung und Entwurfskonzept
Ein zentrales Element des Projekts war die städtebauliche Verknüpfung der Gebäude. Dem Entwurf gingen intensive Studien voraus, wie die Bestandsgebäude mit einem Zwischenbau als neue Mitte der Schule optimal verknüpft werden können. Ziel war es, ein harmonisches Ensemble aus Neubau, Sanierung und Wiederaufbau zu schaffen, das funktionale und städtebauliche Aspekte vereint.
Das Konzept sah vor, den fehlenden Raumbedarf durch den Wiederaufbau des Gebäudes Bahnhofstraße 9 und einen neuen Verbindungbau zu decken. Dieser Verbindungsbau beherbergt unter anderem eine neue große Aula mit Mehrzweckraum. Der Entwurf legte großen Wert auf die Wirtschaftlichkeit und die optimale Anbindung an die bestehenden Gebäude.
Architektonisch unterscheidet sich der Neubau bewusst von der historischen Substanz. Ein nüchtern und sachlich gestalteter Neubau verbindet die beiden historischen Gebäude. Dieser Bereich beinhaltet den Haupteingang, die Pausenhalle und den Lehrertrakt und bildet somit das Herz der Schule. Die Materialwahl im Neubau ist modern: Es werden Holz, Sichtbeton sowie graue und weiße Oberflächen verwendet, um eine elegante Räumlichkeit zu erzeugen. Im Kontrast dazu zeigt die sanierte Bausubstanz eine stärkere Farbigkeit. Ein verbindendes Element über alle Geschosse hinweg ist ein dunkler Lino-Boden, der eine visuelle Kontinuität zwischen Alt und Neu schafft.
Herausforderungen bei der Sanierung im laufenden Betrieb
Die Sanierung einer Schule während des laufenden Unterrichts gilt als eine der komplexesten Bauaufgaben. Der Architekt Thomas Eckert (Dömges Architekten Regensburg) beschrieb dies als große Herausforderung. Die Verantwortlichen mussten mehrere Unwägbarkeiten meistern, die typisch für Sanierungen in historischen Innenstadtlagen sind.
Ein Beispiel für solche Unwägbarkeiten war der Bau einer Tiefgarage. Die Zufahrt zur Tiefgarage lieferte viel Stoff für Diskussionen und erforderte eine sorgfältige verkehrstechnische Planung. Ebenso überraschend war ein historischer Brunnen, der plötzlich im Keller auftauchte und im wahrsten Sinne des Wortes mit in die neue Bausubstanz eingebaut werden musste. Solche Funde erfordern eine schnelle Anpassung der Baupläne und oft eine Rücksprache mit der Denkmalpflege, was die Projektlaufzeit und Kosten beeinflussen kann.
Technische Ausstattung und Innenraumgestaltung
Die technische Modernisierung war ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Ein besonderer Fokus lag auf der Lüftungstechnik. Bereits vor der Pandemie wünschte sich die Schule einen automatisierten Luftaustausch. Hauptgrund war der Verkehrslärm an der Ziegelgasse: Wenn die Fenster geöffnet wurden, um die Luftqualität zu verbessern, drang Lärm in die Klassenzimmer ein, was den Unterricht störte.
Die Diskussion über die Art der Lüftung war intensiv. Es wurde debattiert, ob eine Teil-Lüftung (nur auf der lärmexponierten Seite) ausreiche oder ob eine Komplettlösung notwendig sei. Der Stadtrat genehmigte letztendlich die Komplettlösung, was zusätzliche Kosten von rund einer Million Euro verursachte. Diese Investition erwies sich als zukunftsweisend: Die neue Technik regelt die Raumluft so effizient, dass die vorgegebenen Grenzwerte deutlich unterschritten werden. Schulleiterin Brigitte Conchedda berichtete, dass theoretisch kein Fenster mehr geöffnet werden müsste, um die Luftqualität zu gewährleisten.
Neben der Lüftungstechnik wurde die Schule umfassend digitalisiert und für den Ganztagsbetrieb ausgerichtet. Die Innenraumgestaltung orientiert sich an modernen pädagogischen Anforderungen. Die Materialien im Neubau (Holz, Sichtbeton) sorgen für eine helle, konzentrierte Atmosphäre, während die Farbigkeit in den sanierten Bereichen eine aktivierende Wirkung entfalten soll.
Kostenentwicklung und Projektfinanzierung
Die Finanzierung von Schulbauprojekten ist ein sensibles Thema. Bei der Wirtschaftsschule Amberg kam es zu einer erheblichen Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Planung. Laut Oberbürgermeister Michael Cerny flossen am Ende rund 14,5 Millionen Euro in das Projekt. Im Jahr 2014 waren noch knapp elf Millionen Euro eingeplant gewesen.
Die Kostensteigerung um mehr als 30 Prozent ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: 1. Unvorhergesehene bauliche Gegebenheiten: Wie erwähnt, führten der Brunnenfund und die Notwendigkeit einer Tiefgarageneinfahrt zu Mehrkosten. 2. Technische Nachrüstung: Die Entscheidung für eine Voll-Lüftungsanlage führte zu einem Kostenplus von einer Million Euro. 3. Allgemeine Kostensteigerungen: Bei einer Projektlaufzeit von über fünf Jahren (2011–2016) sind Preissteigerungen im Baugewerbe üblich.
Hochbauamtsleiter Hubert Meier betonte dennoch die Wirtschaftlichkeit der Investition. Er bezeichnete das Projekt als "sicher gut angelegtes Geld", da die Schule als wichtiger Ausbildungspartner für die regionale Wirtschaft fungiert. Die Bruttogeschossfläche von 7.600 Quadratmetern – verglichen mit der Größe eines großen Fußballfeldes – unterstreicht die Dimension der gebauten Infrastruktur.
Pädagogische und funktionale Integration
Eine Sanierung beschränkt sich nicht auf das Gebäudehülle, sondern muss auch die Nutzungsanforderungen erfüllen. Die Wirtschaftsschule Amberg hat ihren Lehrplan modernisiert und bietet nun Modulfächer wie "Robotik" und "Extended Reality" an. Die bauliche Struktur unterstützt diese Ausrichtung. So gibt es in der Schule die Möglichkeit, technische Fähigkeiten zu erlernen, beispielsweise durch die Arbeit mit 3D-Druckern zur Herstellung von Roboterteilen.
Die Zusammenarbeit mit der Filtertechnikherstellerin Herding ermöglicht den Schülern zudem Einblicke in technische Ausbildungsberufe. Auch das Angebot von SAP-Zertifikaten, das die Schule attraktiv für Arbeitgeber macht, ist Teil des pädagogischen Konzepts. Die neue Aula und der Mehrzweckraum bieten zudem Räumlichkeiten für die Schulband und andere kulturelle Aktivitäten, was die Bedeutung der individuellen Förderung unterstreicht.
Die Architektur des Verbindungsbaues – als Herz der Schule mit Pausenhalle und Lehrertrakt – fördert zudem die Begegnung zwischen den Schülern und dem Lehrkörper, was zur von der Schulleiterin beschriebenen "familiären Atmosphäre" beiträgt.
Fazit
Die Generalsanierung der Wirtschaftsschule Amberg ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Architektur und technischer Innovation. Das Projekt zeigt, dass Sanierungen im laufenden Betrieb möglich sind, wenn eine detaillierte Vorplanung (HOAI Phasen 2-8) und ein flexibles Management von Unwägbarkeiten gegeben sind.
Die Investition von 14,5 Millionen Euro wurde notwendig durch die Anpassung an neue Lehrpläne, die energetische Sanierung und die Notwendigkeit, Lärmproblematiken durch eine aufwendige Lüftungstechnik zu lösen. Entscheidend für den Erfolg war die städtebauliche Integration: Durch den Neubau eines Verbindungsbaues entstand eine funktionale Einheit aus historischer Bausubstanz und modernen, lichtdurchfluteten Räumen.
Für Bauherren und Planer lässt sich ableiten, dass bei Sanierungen in historischen Kontexten immer mit unentdeckten Gegebenheiten (wie historischen Brunnen) gerechnet werden muss und dass die Investition in eine hochwertige Lüftungstechnik – wie hier die Komplettlösung – langfristig die Luftqualität sichert und sogar das Lüftungsverhalten überflüssig machen kann. Das Projekt beweist zudem, dass moderne Schularchitektur aus Sichtbeton und Holz nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend sein kann, wenn Materialkontraste bewusst gestaltet werden.