Sanierung und Erweiterung des Wunnebads in Winnenden: Ein Großprojekt zwischen Modernisierung, Kostensteigerung und barrierefreier Architektur

Einleitung

Die Sanierung und Erweiterung von Schwimmbädern stellt die Bauwirtschaft vor komplexe Herausforderungen, insbesondere wenn die Maßnahmen im laufenden Betrieb durchgeführt werden müssen. Ein prominentes Beispiel für eine solche Großbaustelle ist das Wunnebad in Winnenden, Baden-Württemberg. Das Vorhaben umfasst nicht nur die grundlegende Modernisierung eines kombinierten Hallen- und Freibads, sondern auch den Ausbau der Barrierefreiheit und die Integration energieeffizienter Technologien. Ziel des Projekts ist es, ein zeitgemäßes Erlebnisbad zu schaffen, das den gestiegenen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Inklusion gerecht wird.

Die vorliegende Analyse beleuchtet die Planung, die Umsetzung und die wirtschaftlichen Aspekte dieses umfangreichen Sanierungsprojekts. Basierend auf den verfügbaren Informationen wird ein detaillierter Überblick über die architektonischen Entscheidungen, die Kostenentwicklung und die technischen Neuerungen gegeben, die für Bauherren, Immobilienverwalter und Planer von Interesse sind.

Ausgangslage und Zielsetzung des Projekts

Das Wunnebad in Winnenden ist ein zentraler Bestandteil der lokalen Infrastruktur. Laut den vorliegenden Daten besuchen jährlich etwa 330.000 Gäste das Bad, das für die rund 55.000 Einwohner Winnendens die einzige ganzjährig verfügbare Einrichtung für Schulschwimmen, Vereinssport und Rehaschwimmen darstellt. Eine besondere Charakteristik ist das ganzjährig betriebene 50-Meter-Außenbecken, das im Umland Stuttgarts ein Alleinstellungsmerkmal bildet. Zudem wird im Winter eine Eisfläche angeboten.

Die Sanierung zielt primär auf drei Hauptbereiche ab: 1. Energieeffizienz: Reduzierung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen durch eine Verbesserung der Gebäudehülle. 2. Barrierefreiheit: Der vollständige Ausbau der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung. 3. Kapazität und Komfort: Die Erweiterung des Angebots durch ein neues Innenbecken und die Neuerrichtung von Umkleide- und Sanitärgebäuden.

Die Bauherrschaft liegt bei den Stadtwerke Winnenden GmbH, die auch den Planungswettbewerb ausgelobt haben.

Planung und Architektur: Ein Wettbewerb um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Die Planung des neuen Wunnebads basiert auf einem nicht offenen Planungswettbewerb, der im Jahr 2018 durchgeführt wurde. Ziel des Wettbewerbs, der nach den Regeln des Preisrecht für Bau- und Planungswettbewerbe (RPW 2013) durchgeführt wurde, war es, die beste architektonische, funktionale und wirtschaftliche Lösung zu finden. Besonderes Augenmerk wurde auf die Wirtschaftlichkeit in den Bereichen Bau, Betrieb, Unterhaltung sowie auf Nachhaltigkeit und innovative Gebäudetechnik gelegt.

Der Wettbewerb wurde als einphasiger Planungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungs- und Auswahlverfahren gestaltet. Zugelassen waren 20 Teilnehmer, aus denen letztlich 11 Arbeiten eingereicht wurden. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte anhand von Kriterien wie Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Erfahrung und Zuverlässigkeit. Die Koordination des Verfahrens oblag dem Büro Architektur 109 aus Stuttgart. Der Zeitplan sah eine Fertigstellung für Dezember 2024 vor, was den ambitionierten Charakter des Projekts unterstreicht.

Das Raumprogramm

Gegenstand der Planung war der Umbau, die Modernisierung und die Erweiterung des Wunnebads auf einer Gesamt-Neuprogrammfläche von ca. 5.260 qm. Das Raumprogramm umfasste dabei mehrere Bauabschnitte, die im laufenden Betrieb realisiert werden mussten. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören:

  • Neubau eines Umkleide- und Sanitärgebäudes: Dieser Ersatzneubau ist essenziell für die moderne Nutzung und die Barrierefreiheit.
  • Erweiterung der Badehalle: Durch ein neues Innenbecken mit Hubboden.
  • Nebenräume: Für den Schwimm-, Kurs- und Übungsbetrieb.
  • Erschließung: Eine neue Aufzugsanlage zur Erschließung des Obergeschosses.

Die architektonische Umsetzung muss die Anforderungen an ein "wirtschaftlich optimiertes Gebäude" erfüllen, was in der Bauwirtschaft oft eine Balance zwischen hohen Anfangsinvestitionen und niedrigen Betriebskosten bedeutet.

Umsetzung: Bauausführung im laufenden Betrieb

Die Bauausführung eines Schwimmbads im laufenden Betrieb ist eine der komplexesten Aufgaben in der modernen Hochbau. Die Arbeiten am Wunnebad begannen offiziell im Jahr 2019. Die Herausforderung bestand darin, den Schwimmbetrieb so lange aufrechtzuerhalten, bis die neuen Bereiche fertiggestellt waren, oder temporäre Schließungen minimal zu halten.

Technische Herausforderungen

Ein Kernproblem der Bauausführung war der zeitliche Zufall des Baustarts mit geopolitischen Ereignissen. Der Baubeginn fiel in den Februar 2022, genau in den Zeitraum des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Dies hatte direkte Auswirkungen auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Materialien und Dienstleistungen, wie in der Baubranche allgemein bekannt ist.

Die Bauarbeiten konzentrierten sich auf mehrere Gewerke: * Gebäudehülle: Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. * Innenausbau: Installation der neuen Umkleiden und Sanitäranlagen. * Trockenbau: Einbau von Decken und Wänden im Innenbereich. * Rohbau: Errichtung des neuen Tragwerks für die Erweiterungen.

Ein Blick auf die Fertigstellungstermine zeigt, dass es sich um ein "Rolling Release" handelte. Im Sommer 2024 lief der Sommerbadebetrieb bereits, obwohl noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen waren. Die offizielle Eröffnung fand im Sommer 2024 statt, jedoch mussten Arbeiten im Saunabereich (sowohl innen als auch außen) bis November 2024 nachgeholt werden. Auch im Umkleidebereich des Hallenbads fehlten zu diesem Zeitpunkt noch bestimmte Ausbauten (vermutlich die Endverlegung von Bodenbelägen oder die Montage von Spinden).

Kostenentwicklung: Eine Analyse der Preissteigerung

Die wirtschaftliche Dimension des Wunnebad-Projekts ist ein zentrales Thema in der Berichterstattung. Die Kostensteigerung ist ein Phänomen, das in der Bauindustrie aktuell häufig zu beobachten ist, und dient als Fallbeispiel für die Planungsunsicherheit.

Finanzierungsübersicht (Stand 01.08.2024)

Die ursprüngliche Planung sah deutlich geringere Summen vor. Laut der Projektsteckbrief-Information (Source [1]) belaufen sich die Gesamtkosten auf 17.417.950,00 €. Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen:

  • Gesamtkosten: 17.417.950,00 €
  • Bundesförderung: 3.430.066,84 €
  • Eigenmittel: 4.192.303,91 €
  • Drittmittel: 9.795.579,25 €

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen im Kontext der Gesamtsumme von ca. 32 Millionen Euro gesehen werden müssen, die in anderen Quellen genannt werden. Die Differenz deutet auf unterschiedliche Abrechnungszeitpunkte oder Abgrenzungen der Kosten hin (z.B. reine Baukosten vs. Gesamtprojektkosten inkl. Planung, Gerüstbau, etc.).

Chronologie der Kostensteigerung

Die öffentliche Berichterstattung dokumentiert eine deutliche Übertreibung der ursprünglichen Kalkulation:

  1. Ursprüngliche Kalkulation: Gut 26,8 Millionen Euro.
  2. Stand ca. Mitte 2024: Fast 30,8 Millionen Euro (Stand: Mai 2024).
  3. Stand Sommer 2024: Die Marke von 31 Millionen Euro wurde gerissen.
  4. Stand Herbst 2024: Die Summe wurde auf rund 32 Millionen Euro beziffert.

Die Begründung für die Steigerung liegt laut den Quellen vor allem im Termin des Baustarts. Der Beginn im Februar 2022 fiel in eine Phase massiver Preissteigerungen bei Baustoffen (Energie, Stahl, Zement) und Lieferengpässen. Zusätzlich führten gestiegene Zinsen zu höheren Finanzierungskosten. Die Stadtwerke signalisierten, dass das "Ende der Fahnenstange" womöglich noch nicht erreicht sei, was auf die Gefahr weiterer Nachtragsforderungen hindeutet.

Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit als Kernanforderungen

Zwei Aspekte sind für moderne Bauvorhaben unverzichtbar: Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Im Wunnebad werden diese Anforderungen konkret umgesetzt.

Inklusion durch Architektur

Die Sanierung zielt darauf ab, Menschen mit Behinderung eine uneingeschränkte Nutzung zu ermöglichen. Dies wird durch mehrere Maßnahmen erreicht: * Hubboden im Innenbecken: Ein Hubboden ermöglicht es, die Wassertiefe flexibel an die Bedürfnisse von Schwimmern, Therapiegruppen oder Kindern anzupassen. Dies ist ein Standard für Reha-Schwimmbäder. * Aufzugsanlage: Die Neuerrichtung eines Aufzugs erschließt das Obergeschoss, in dem sich vermutlich die neuen Umkleiden oder ein Teil der Gastronomie befinden. * Barrierefreie Umkleiden und Sanitärbereiche: Die Neuerrichtung des Umkleide- und Sanitärgebäudes muss den aktuellen DIN-Normen entsprechen, um eine diskriminierungsfreie Nutzung zu gewährleisten.

Energieeffizienz

Die Reduzierung des Energieverbrauchs ist ein Haupttreiber der Sanierung. Eine verbesserte Gebäudehülle (Dämmung, moderne Fenster) senkt den Heizwärmebedarf. Da Schwimmbäder extrem energieintensiv sind (durch Beheizung von Wasser und Luft sowie Lüftung), ist die Optimierung der Haustechnik entscheidend. Die Quellen erwähnen explizit, dass durch die Sanierung der Energieverbrauch gesenkt werden soll. Dies impliziert den Einsatz moderner Pumpentechnik, Wärmerückgewinnung aus der Abluft und möglicherweise die Nutzung von Solarenergie oder anderen regenerativen Quellen, wobei letztere in den Texten nicht explizit genannt werden.

Betriebswirtschaftliche Aspekte: Wettbewerb und Management

Die Stadtwerke Winnenden GmbH agieren nicht nur als Bauherr, sondern auch als Betreiber. Die Bewirtschaftung eines Schwimmbads erfordert ein hohes Maß an betriebswirtschaftlichem Know-how. Die Anforderungen an den Betrieb wurden bereits im Planungswettbewerb verankert: Das Gebäude soll in Betrieb und Unterhaltung wirtschaftlich optimiert sein.

Ein Alleinstellungsmerkmal, das das Wunnebad wirtschaftlich stärkt, ist das ganzjährig betriebene 50-Meter-Außenbecken. In einer Region mit vielen Triathleten und ambitionierten Schwimmern schafft dies eine stabile Zielgruppe, die auch außerhalb der Hauptsaison Einnahmen generiert. Die Integration der Eisfläche im Winter diversifiziert das Angebot und nutzt die Infrastruktur (Kältetechnik) ganzjährig.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung des Wunnebads in Winnenden ist ein Musterbeispiel für die Herausforderungen moderner Bauprojekte im öffentlichen Raum. Es zeigt sich, dass eine gut gemeinte Planung zur Modernisierung und Barrierefreiheit durch externe Faktoren – insbesondere die Preissteigerungen nach Beginn des Ukraine-Kriegs – massiv unter Druck geraten kann.

Die technische Umsetzung ist ambitioniert: Der Bau einer neuen Hülle, neuer Umkleiden und eines Hubbodens im laufenden Betrieb erfordert präzise Logistik. Gleichzeitig setzen die Stadtwerke Winnenden auf Nachhaltigkeit und Inklusion, was den langfristigen Wert der Immobilie sichert.

Für Bauherren und Planer lässt sich ableiten: 1. Planungspuffer: Bei Großprojekten, die über mehrere Jahre laufen, sind finanzielle Puffer für Rohstoffpreisschwankungen unverzichtbar. 2. Barrierefreiheit: Sie ist kein "Nice-to-have", sondern ein Muss und lässt sich am besten in der Neuplanung (z.B. durch Hubbecken) integrieren. 3. Energiekonzept: Sanierungen von Schwimmbädern müssen immer mit einer Optimierung der Gebäudehülle und der Haustechnik einhergehen, um die Betriebskosten zu senken.

Das Wunnebad wird voraussichtlich Ende 2024/Anfang 2025 vollständig fertiggestellt sein und stellt dann ein modernes, barrierefreies und energiesparendes Schwimmbad dar, das den Anforderungen einer vielfältigen Nutzerschaft gerecht wird.

Quellen

  1. Winnenden: Sanierung und Erweiterung des Wunnebades
  2. Stuttgarter Zeitung: Das Megaprojekt Wunnebad ist auf der Zielgeraden
  3. ZVW: 31 Millionen Euro - Der Wunnebad-Umbau in Winnenden wird immer teurer
  4. ZVW: Winnenden: 32 Millionen Euro teuer und fast fertig - Was kann das Wunnebad 2.0?
  5. Wettbewerbe Aktuell: Erweiterung Wunnebad Winnenden

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