Die Sanierung öffentlicher Schwimmbäder stellt eine zentrale Aufgabe für die kommunale Infrastruktur in Deutschland dar. Ein erheblicher Anteil der bestehenden Hallen- und Freibäder ist sanierungsbedürftig, was nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die Sicherheit und die Schwimmausbildung betrifft. Verschiedene politische Ebenen und Verbände arbeiten an Lösungen, um den Verfall aufzuhalten und die Bäder zukunftsfähig zu gestalten. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Zustand der Bäder, die politischen Initiativen auf Bundes- und Landesebene sowie konkrete Sanierungsmaßnahmen.
Aktueller Zustand und Bedarf
Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGFDB) führt derzeit rund 6.000 Hallen- und Freibäder sowie 570 Naturbäder und über 2.430 Badestellen in Deutschland (Quelle 4). Trotz dieses großen Netzwerks ist die Situation prekär. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt, dass etwa die Hälfte aller öffentlichen Schwimmbäder sanierungsbedürftig ist. Sollten keine umfassenden Sanierungen erfolgen, droht der Schließungsbetrieb von rund jedem siebten öffentlichen Schwimmbad in den kommenden drei Jahren. Dies würde einem Verlust von etwa 800 Bädern entsprechen (Quelle 4).
Der Sanierungsbedarf wird als sehr hoch eingestuft. Laut dem Verband Schütte ergibt sich bei rund tausend Hallen- und Freibädern über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren ein erheblicher Erneuerungsbedarf (Quelle 5). Dieser umfasst nicht nur optische Mängel wie bröckelnden Putz oder rostige Türen, sondern vor allem technische Defizite, die Energieeffizienz und Sicherheit beeinträchtigen (Quelle 3).
Politische Initiativen und Förderprogramme
Die Sanierung der Schwimmbäder ist ein wichtiges Thema für die politischen Parteien. Insbesondere in Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder die Sanierung maroder Schwimmbäder als Versprechen formuliert. Ziel ist es, die Kommunen beim Erhalt und der Sanierung finanziell zu unterstützen. Es ist jedoch unklar, ob dies bereits detailliert abgestimmt ist; das Finanzministerium wies auf Nachfrage hin, dass von einem konkreten Plan noch keine Rede sein kann (Quelle 1).
Auf Bundesebene gibt es konkrete Fördertöpfe. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat zusätzliche 583 Millionen Euro bewilligt, wovon 250 Millionen Euro explizit für die Sanierung von Schwimmbädern vorgesehen sind. Diese Mittel sind entscheidend, da dieser Bereich aufgrund der hohen Kosten bislang nur begrenzt gefördert wurde (Quelle 2). Zudem startete die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Klara Geywitz, einen Projektaufruf zur energetischen Sanierung von Schwimmbädern und anderen kommunalen Einrichtungen. Hierfür stehen weitere 400 Millionen Euro zur Verfügung (Quelle 3).
Förderprogramme im Überblick
| Programm / Initiative | Fördersumme | Fokus | Quelle |
|---|---|---|---|
| Bundestag (Haushaltsausschuss) | 250 Mio. € | Sanierung von Schwimmbädern | Quelle 2 |
| Bundestag (Sportmilliarde) | 333 Mio. € | Sanierung von Sportstätten | Quelle 2 |
| SJK-Bundesprogramm | 400 Mio. € | Energieeffiziente Sanierung (Schwimmbäder, Sporthallen, etc.) | Quelle 3 |
Neben dem Bund fordern Verbände eine langfristige Sicherung der Finanzierung. Die Bäderallianz Deutschland, ein Zusammenschluss von 15 Verbänden, fordert eine Milliarde Euro pro Jahr über einen Zeitraum von mindestens zwölf Jahren. Hiervon sollen 700 Millionen Euro jährlich in Neubau, energetische Sanierung, Digitalisierung und Substanzsanierung fließen (Quelle 4).
Konkrete Sanierungsmaßnahmen und Strategien
Die Sanierung umfasst verschiedene technische und bauliche Aspekte. Im Folgenden werden konkrete Beispiele und strategische Ansätze dargestellt.
Energieeffizienz und Technik
Ein Hauptaugenmerk liegt auf der energetischen Sanierung, um Betriebskosten zu senken und klimaneutrale Standards zu erreichen. Bei Freibädern ist das Ziel eine klimaneutrale Wärmeversorgung und eine effektive Wassereinsparung (Quelle 3).
In Bremen werden konkrete Maßnahmen vorbereitet. Für das Südbad sind Investitionen in Höhe von rund 1,15 Millionen Euro geplant. Dazu gehören: * Erneuerung der Lüftungsanlage (950.000 Euro) * Revision des Blockheizkraftwerks (150.000 Euro) * Einbau eines neuen Netzwerkschrankes (45.000 Euro)
Für das Schloßparkbad in Bremen ist ein Paket mit einem Volumen von rund 3 Millionen Euro in Vorbereitung. Dieses umfasst: * Neue Beleuchtung in der Schwimmhalle (750.000 Euro) * Moderne Lüftungsanlage (600.000 Euro) * Sanierung des Beckenumgangs (750.000 Euro) * Neugestaltung des Vorplatzes (800.000 Euro) * Maßnahmen zur Barrierefreiheit (35.000 Euro)
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Bäder energieeffizienter, sicherer und attraktiver zu gestalten (Quelle 2).
Strategische Planung: Der Deutsche Schwimmbadplan
Die Bäderallianz hat mit dem „Deutschen Schwimmbadplan“ eine Strategie für eine zukunftsfähige Infrastruktur vorgestellt. Das Ziel ist es, Kindern den Erwerb des Schwimmabzeichens zu ermöglichen, was wohnortnahe und moderne Bäder erfordert. Der Plan gliedert das Netz an Bädern bundesweit systematisch in vier Bädertypen, um die Versorgung planbar und effizient zu gestalten (Quelle 6).
Ein spezieller Typ ist das Lehrschwimmbad. Diese Bäder sind speziell für den Schwimmunterricht konzipiert und sollen eine funktionale, barrierefreie Ausstattung bieten. Die Planung sieht vor, dass die Pools eine Größe von 12,5 Meter x 8 Meter haben und eine abfallende Tiefe von 80 bis 135 Zentimetern aufweisen. Durch die Standardisierung des Baus sollen die Kosten gesenkt werden. Zudem ist eine digitale Überwachung mehrerer Bäder zentral vorgesehen (Quelle 6).
Herausforderungen: Schwimmausbildung und Sicherheit
Die Notwendigkeit der Sanierung wird auch durch gesellschaftliche und sicherheitstechnische Aspekte unterstrichen. Die Fähigkeit zu schwimmen nimmt in der Bevölkerung signifikant ab, was insbesondere Schülerinnen und Schüler betrifft. Ein Grund dafür ist der Verlust an Wasserflächen, wodurch Schulen die Lehrplaninhalte zum Thema Schwimmen oft nicht mehr abdecken können (Quelle 5). Ohne moderne Schwimmbäder in der Nähe kann dieser Trend nicht umgekehrt werden.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Sicherheit. Bayern ist trauriger Spitzenreiter bei der Zahl der Badetoten in Deutschland. Ein tragischer Vorfall in Unterfranken, bei dem ein Fünfjähriger während eines Schwimmkurses starb, verdeutlicht die Dringlichkeit, die Bäder sicher zu halten (Quelle 1). Auch wenn die Sanierung der Bausubstanz hier nicht direkt als Ursache genannt wird, sind funktionierende Überwachungssysteme und eine sichere Umgebung Teil der Gesamtstrategie.
Zusammenarbeit der Ebenen
Die Umsetzung der Sanierungen erfordert eine Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Der Bund stellt Mittel bereit, die Kommunen reichen Projekte ein. In Bremen wird dies aktuell praktiziert: Die Stadt bereitet Anträge vor, um die Frist von 15. Januar 2026 einzuhalten, und hofft auf eine positive Berücksichtigung durch den Bund (Quelle 2).
Auf Landesebene, beispielsweise in Baden-Württemberg, wird diskutiert, wie Landesförderungen (z. B. über die L-Bank) mit Bundesmitteln kombiniert werden können. Besonders relevant ist hier die Berücksichtigung von Schülern, die nicht am Wohnort der Schule schwimmen lernen (Quelle 5). Es besteht Einigkeit darüber, dass Programme zur Sanierung notwendig sind, um den Erhalt der Schwimmfähigkeit sicherzustellen.
Fazit
Die Sanierung öffentlicher Schwimmbäder ist eine dringende Aufgabe, die hohe finanzielle Mittel erfordert. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die Hälfte der bestehenden Anlagen saniert werden muss, um einen weiteren Verfall zu verhindern. Politische Initiativen auf Bundes- und Landesebene sowie Förderprogramme in Höhe von insgesamt über einer Milliarde Euro (250 Mio. € + 400 Mio. € + 333 Mio. €) zeigen die Dringlichkeit des Themas.
Konkrete Maßnahmen in Städten wie Bremen belegen, dass Investitionen vor allem in die Technik (Lüftung, Heizung) und die Substanz (Beckenumgänge, Fenster) fließen. Parallel dazu entwickeln Verbände wie die Bäderallianz strategische Pläne, um die Schwimmausbildung durch standardisierte Lehrschwimmbäder zu sichern. Die Zusammenarbeit zwischen den politischen Ebenen ist entscheidend, um die verfügbaren Mittel effizient einzusetzen und die öffentlichen Schwimmbäder als wichtige Infrastruktur für Sport, Gesundheit und Sicherheit zu erhalten.