Einführung
Die Infrastruktur öffentlicher Schwimmbäder in Deutschland befindet sich in einer kritischen Lage. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus dem Jahr 2024 zeigt, dass rund ein Drittel der Kommunen damit rechnet, ohne umfassende Sanierungen in den kommenden drei Jahren eines ihrer öffentlichen Schwimmbäder schließen zu müssen. Hochgerechnet würde dies einem Verlust von etwa 800 Bädern entsprechen. Der Investitionsrückstand im Bereich Sport beläuft sich auf über 12 Milliarden Euro.
Gleichzeitig fordern Fachverbände aus Schwimmsport, Rettungswesen und Bäderwesen unter dem Dach der „Bäderallianz“ entschlossenes Handeln. Mit dem „Deutschen Schwimmbadplan“ präsentieren sie eine Strategie, die nicht nur den Erhalt der Badesicherheit und des Schwimmunterrichts, sondern auch die energetische Effizienz im Fokus hat. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation, die geforderten strukturellen Veränderungen sowie die technischen und baulichen Maßnahmen, die notwendig sind, um die öffentlichen Badeeinrichtungen zukunftsfähig zu gestalten.
Die aktuelle Lage: Sanierungsstau und Schließungsgefahr
Die Notwendigkeit für Investitionen ist akut. Laut einer Sonderbefragung des Difu unter rund 900 Kämmereien ist die Lage in vielen Kommunen prekär. Ohne Sanierungen droht der Verlust von massivem Badevolumen, was nicht nur die Badekultur, sondern auch die Sicherheit gefährdet. Die Präsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt, warnt vor den Folgen eines solchen Szenarios, da dies fatal für die Schwimm- und Badekultur wäre.
Die Ursache für die Misere ist ein massiver Investitionsstau. Im Jahr 2023 belief sich der Investitionsrückstand über alle Aufgabenbereiche hinweg auf 186,1 Milliarden Euro, wobei auf den Bereich Sport ein Anteil von rund 12,12 Milliarden Euro entfällt. Obwohl für 2024 eine leichte nominale Steigerung der Investitionen in die Sportinfrastruktur auf rund 3,9 Milliarden Euro prognostiziert wird, reicht dies bei Weitem nicht aus, um den Sanierungsbedarf zu decken.
Der Deutsche Schwimmbadplan: Ein strukturierter Ansatz
Die Bäderallianz, ein Zusammenschluss von 15 Verbänden (darunter DLRG, Deutscher Schwimmverband und Deutsche Gesellschaft für das Badewesen), hat einen umfassenden Plan vorgelegt, um die Krise zu bewältigen. Kernforderung ist ein jährlicher Milliardenzuschuss durch den Bund über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Ziel ist es, flächendeckend Verantwortung zu übernehmen und einen zukunftsfähigen Standard zu schaffen. Ein Hauptaugenmerk liegt darauf, dass Kinder spätestens beim Verlassen der Grundschule sicher schwimmen können.
Um die Versorgung planbar und effizient zu gestalten, schlägt der Plan eine systematische Gliederung des Netzes in vier Bädertypen vor:
- Lehrschwimmbad: Dieser Typ ist speziell auf den Schwimmunterricht ausgerichtet. Die Anforderungen an die Baulichkeit sind präzise definiert: Eine Beckengröße von 12,5 Metern x 8 Metern mit einer abfallenden Tiefe von 80 bis 135 Zentimetern soll barrierefreie Nutzung ermöglichen. Der Fokus liegt auf standardisiertem Bau, um Kosten zu senken. Zudem ist geplant, durch digitale Technik eine zentrale technische Überwachung mehrerer Bäder zu ermöglichen.
- Weitere Typen (Kombibad, Sportbad, Freizeitbad) sind in der Strategie zur bedarfsgerechten Versorgung vorgesehen, wobei der Lehrschwimmbad-Typ den Kern der bildungspolitischen Sicherstellung bildet.
Energetische Sanierung und Dekarbonisierung
Neben der strukturellen Sicherung spielt die energetische Modernisierung eine entscheidende Rolle. Die steigenden Energiekosten und die klimaneutralen Bestrebungen der Kommunen erfordern drastische Einsparungen. Aktuell gibt es in Deutschland etwa 6.000 öffentliche Schwimmbäder (Vergleich: im Jahr 2000 waren es noch 7.800). Ihre nachhaltige Bewirtschaftung ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Eine Analyse des baulichen und anlagentechnischen Zustands ist der erste Schritt. Maßnahmen der energetischen Sanierung der Gebäudehülle sowie der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) können den Energieverbrauch erheblich senken.
Maßnahmen der Gebäudehülle
Die Sanierung der Gebäudehülle umfasst Fassaden, Dächer und Fenster. Eine intakte Hülle ist die Basis für effizienten Klimaschutz in Schwimmbädern.
Maßnahmen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA)
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Wärmeversorgung. Für Freibäder stehen eine möglichst klimaneutrale Wärmeversorgung und die Reduzierung des Einsatzes von Ressourcen wie Wasser oder Mittel zur Desinfektion im Mittelpunkt. Die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung eines öffentlichen Schwimmbads ist dabei eine zentrale Fragestellung.
Bundesförderprogramme als Unterstützung
Um den Sanierungsstau zu bekämpfen, hat der Bund Programme aufgelegt, die Städte und Gemeinden unterstützen. Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ (SJK) aus dem Klima- und Transformationsfonds bietet hierfür die finanzielle Grundlage.
Im Jahr 2023 startete Bundesbauministerin Klara Geywitz einen neuen Projektaufruf mit einem Volumen von 400 Millionen Euro. Dieser folgte auf 476 Millionen Euro im Vorjahr. Gefördert werden kommunale Einrichtungen wie Sport- und Schwimmhallen. Das Ziel der Förderung ist es, die Gebäude nach der Sanierung auf einen hohen energetischen Stand zu bringen. Ein großes Augenmerk liegt dabei auf der Modernisierung, damit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wieder Spaß daran haben, in modernisierten Einrichtungen Sport zu treiben und Schwimmen zu lernen. Die Auswahl der Projekte erfolgt durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages; Anträge müssen beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) eingereicht werden.
Fazit
Die Lage der öffentlichen Schwimmbäder in Deutschland ist alarmierend, aber lösbar. Der massive Investitionsrückstand und die drohenden Schließungen erfordern ein koordiniertes Vorgehen auf Bundesebene. Die Forderungen der Bäderallianz nach einem jährlichen Milliardenzuschuss und einem strukturierten Schwimmbadplan bieten eine klare Handlungsgrundlage. Parallel dazu ist die energetische Sanierung unerlässlich, um steigende Kosten zu senken und Klimaziele zu erreichen. Durch gezielte Förderprogramme des Bundes und die Modernisierung der Bausubstanz sowie der Technik können die Bäder erhalten und für zukünftige Generationen gesichert werden.