Bauen im Bestand: Veranstaltungen und Seminare zum nachhaltigen Umgang mit Bestandsimmobilien

Im Zuge der steigenden Forderung nach Klimaschutz und Nachhaltigkeit rückt der Umgang mit Bestandsimmobilien in den Fokus der Baubranche. Zahlreiche Veranstaltungen und Seminare, die in den nächsten Jahren angeboten werden, thematisieren die Herausforderungen und Chancen, die sich mit der energetischen Modernisierung, dem Umbau und der Umnutzung von Bestandsgebäuden verbinden. Ziel ist es, die CO₂-Bilanz der Baubranche zu senken, die kulturelle Kontinuität zu wahren und gleichzeitig die Energieeffizienz zu steigern. In diesem Artikel werden die relevanten Veranstaltungen aus den Jahren 2023 bis 2025 vorgestellt und analysiert, wobei der Fokus auf inhaltlichen Schwerpunkten, zeitlichen Abläufen und den jeweiligen Referenten liegt.

Energetische Modernisierung: Fokus auf den Gebäudebestand

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein zentrales Thema in der aktuellen Baupolitik. Zahlreiche Seminare und Workshops thematisieren, wie Energieeffizienz mit baulicher Tradition vereinbar ist. So etwa das Seminar „Planer- und Sachverständigentage: Gebäudebestand energetisch modernisieren“, das am 1. Februar 2024 in Hannover stattfindet. Organisiert von der Bernhard-Remmers-Akademie, widmet sich die Veranstaltung insbesondere der Modernisierung von Gebäudeuntergeschossen, Ziegelfassaden und Sockelbereichen. Darüber hinaus wird auf Beratungsleistungen und staatliche Fördermittel eingegangen, die Bauherren und Eigentümern helfen können, finanzielle Anreize zu nutzen und sinnvolle Sanierungsstrategien zu entwickeln.

Ein weiteres Beispiel ist das Seminar „Backsteinstadt Hamburg – Energetische Modernisierung und Baukultur“, das am 31. Januar 2024 in Münster stattfindet. Der Backstein prägt maßgeblich das Hamburger Stadtbild und stellt gleichzeitig eine besondere Herausforderung dar, da die architektonische Identität durch energetische Maßnahmen nicht beeinträchtet werden darf. Die Veranstaltung thematisiert, wie Klimaschutzanforderungen in die Stadtentwicklung und Architektur eingebettet werden können.

Umnutzung und Umnutzungskonzepte: Vom Leerstand zum neuen Nutzen

Ein weiteres zentrales Thema ist die Umnutzung von leerstehenden Gebäuden, insbesondere in städtischen Gebieten. Die Veranstaltung „Schneller umnutzen“ am 21. Mai 2025, die in Berlin angeboten wird, widmet sich dieser Herausforderung. Organisiert von der Bundesstiftung Bauakademie, diskutieren vier Experten aus den Bereichen regionalen Leerstandsmanagements, proaktiver Stadtentwicklung, Bauen im Bestand und (Um-)Bauforschung, wie die Umnutzung und der Umbau von leerstehenden Gebäuden beschleunigt und vereinfacht werden können. Vor dem Hintergrund von Wohnraummangel, hohen Baukosten und Ressourcenschutzzielen wird deutlich, dass Umnutzungskonzepte nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll sind.

Ein ähnliches Thema wird im Seminar „Umbau statt Neubau: Gebäude revitalisieren und graue Energie minimieren“ am 7. Oktober 2024 in Mannheim vertieft. Referent ist Dr. Maximilian Jordan, RA und FA für Bau- und Architektenrecht. In diesem Seminar lernen Architekten, Planer, Kommunen und Bauherren Strategien für den technischen und architektonischen Umgang mit Bestandsgebäuden kennen. Neben den Chancen der Umnutzung wird auch auf die damit verbundenen Hindernisse eingegangen.

Holzbau im Bestand: Tradition und Innovation

Ein weiteres spannendes Thema ist der Holzbau im Bestand, der in mehreren Seminaren und Vorträgen behandelt wird. So etwa im Seminar „Holzbau – Bauen im Bestand“, das in Wien im April 2024 stattfindet. In fünf Abenden werden die wichtigsten Themen rund um das Bauen mit Holz im Bestand behandelt, von Aufstockungen und Anbauten bis hin zu Sanierungen. Experten erläutern aktuelle Holzbautechnologien und geben praktische Tipps für die Umsetzung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bauphysik, Konstruktionssystemen und den Besonderheiten des Holzbaus im Planungs- und Bauprozess.

Ein weiteres Highlight ist der Vortrag „Hölderlinhaus Nürtingen – Holzbau im Dialog der Zeiten“, der am 17. Oktober 2024 online stattfindet. Das Hölderlinhaus in Nürtingen ist ein Beispiel dafür, wie Altes bewahrt und Neues integriert werden kann. Ein Holzhybridbauwerk entsteht in den historischen Strukturen, das Nachhaltigkeit und kulturelle Kontinuität betont.

Sanierung und Umbau: Rechtliche und praktische Herausforderungen

Neben der technischen Umsetzung ist auch die rechtliche Seite beim Umbau und der Sanierung von Bestandsimmobilien von großer Bedeutung. Das Seminar „Umbau und Sanierung von Bestandsimmobilien“ am 7. Oktober 2024 in Mannheim befasst sich mit der Begriffsklärung, Besonderheiten des Architekten- und Ingenieurvertrags sowie des Ausführungsvertrags. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Urheberrecht, das als unterschätztes Projektrisiko im Sanierungsprozess gilt.

Ein weiteres Seminar, das am 14. Oktober 2024 online stattfindet, ist „Holzschutz vs. Denkmalschutz – Die DIN 68800 und ihre Anwendung in historischem Bestand“. In diesem Seminar werden die Themen Holzschäden, Holzschädlinge, Holzschutzmaßnahmen und Holzschutzmittel behandelt. Besondere Beachtung wird auch den Aspekten der Instandsetzung historischer Gebäude gewidmet.

Bewertungssysteme und Zertifizierung von Bestandsquartieren

Ein weiteres spannendes Thema ist die Entwicklung von Bewertungssystemen für Bestandsquartiere. Im Workshop „Entwicklung eines Bewertungssystems für Bestandsquartiere“ am 11. Januar 2024 online diskutieren Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Bereiche der Branche über die Rahmenbedingungen für eine potenzielle DGNB Systementwicklung für die Zertifizierung von Bestandsquartieren. Ziel ist es, eine nachhaltige Transformation des Bestands zu ermöglichen und gleichzeitig Klimaschutzziele zu erreichen.

Nachhaltigkeit im Fokus: Energieeffizienz und Fördermittel

Die Veranstaltung „Energieeffizientes Bauen und Sanieren – unterstützt durch Fördermittel“ am 19. Dezember 2023 online bietet wertvolle Informationen über die Wege zu einem Effizienzhaus bei Sanierung oder Neubau. Referentin Gesa Lenhardt, Architektin und Energieberaterin, informiert über Entscheidungsgrundlagen, um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit abzuwägen. Ein weiteres Highlight ist der Vortrag „Sanieren, aber richtig“, der im Rahmen der 27. Internationalen Passivhaustagung 2024 in Innsbruck stattfindet.

Fazit

Der Umgang mit Bestandsimmobilien ist ein zentrales Thema in der heutigen Baupolitik und der Praxis. Zahlreiche Veranstaltungen und Seminare bieten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die sich mit energetischer Sanierung, Umnutzung und Umbau verbinden. Ob es um Holzbau im Bestand geht, die rechtlichen Aspekte des Sanierungsprozesses oder die Entwicklung von Bewertungssystemen für Bestandsquartiere, die Diskussionen zeigen, wie Nachhaltigkeit und kulturelle Kontinuität miteinander verbunden werden können. Für Bauherren, Architekten, Planer und Energieberater bieten diese Veranstaltungen nicht nur wissenschaftliche Hintergründe, sondern auch praktische Handlungsempfehlungen.

Quellen

  1. Bernhard-Remmers-Akademie
  2. Baumesse Lingen
  3. DGNB
  4. IFBau
  5. pro:Holz Austria
  6. Bundesstiftung Bauakademie
  7. Bauzentrum München
  8. Propstei Johannesberg
  9. Hamburger Energielotsen
  10. Akademie der Künste, Berlin

Ähnliche Beiträge