Biologisch bauen, renovieren und wohnen: Praxisnahe Anleitung für ein gesundes Zuhause

Die Forderung nach einem gesunden, schadstofffreien und nachhaltigen Wohnraum gewinnt zunehmend an Bedeutung. Inmitten der industriellen Bauwirtschaft, die oft ökologische Aspekte nur am Rande berücksichtigt, ist die Initiative der privaten Bauherren und Architekten entscheidend, um wirklich biologisch und umweltverträglich zu bauen. Das Handbuch „Biologisch bauen, renovieren und wohnen“ von Herbert Artelt, Architekt und langjähriger Experte im ökologischen Wohnungsbau, bietet hier eine umfassende und praxisnahe Anleitung. In diesem Artikel wird der Inhalt und die Botschaft des Buches detailliert vorgestellt, wobei der Fokus auf den konkreten Empfehlungen und Techniken liegt, um ein gesundes und ökologisches Zuhause zu schaffen.

Was bedeutet biologisch bauen, renovieren und wohnen?

Biologisch bauen bedeutet, den Bauprozess und die Materialwahl bewusst auf die Gesundheit der Bewohner und die Umwelt abzustimmen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bau- und Renovierungsverfahren, die oft auf chemische Verbindungen, synthetische Materialien und energieintensive Techniken zurückgreifen, setzt biologisches Bauen auf natürliche, nachhaltige und emissionsarme Materialien. Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und Gebäude zu schaffen, das sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirkt.

Herbert Artelt, der mit diesem Buch eine klare Position bezieht, betont, dass der Begriff „ökologisch“ in der heutigen Zeit oft missbraucht wird. Viele Industrieunternehmen nutzen ihn, um Produkte zu vermarkten, die weit von einer echten ökologischen Haltung entfernt sind. Daher ist es entscheidend, sich bewusst für Materialien und Techniken zu entscheiden, die tatsächlich schadstoffarm und umweltfreundlich sind.

Die Grundstückswahl: Der erste Schritt zu einem ökologischen Zuhause

Die Wahl des Grundstücks ist die erste entscheidende Maßnahme, um ein biologisch geplantes Projekt zu starten. Laut Artelt gibt es mehrere Kriterien, die bei der Grundstückswahl besonders berücksichtigt werden sollten:

  • Lage und Umgebung: Das Grundstück sollte möglichst nicht in der Nähe von Verkehrskreuzungen, Industriegegenden oder Elektromagnetfeldquellen liegen. Eine ruhige, natürliche Umgebung fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden.
  • Bodenbeschaffenheit: Der Boden sollte frei von Schadstoffen und umweltverträglich genutzt werden können. Vor dem Kauf empfiehlt Artelt eine Bodenuntersuchung.
  • Wasserverhältnisse: Ein natürlicher Wasserhaushalt, der nicht durch Drainage oder Bauarbeiten gestört wird, ist ein weiterer Faktor. Grundwasserspiegel und Fließrichtungen sollten berücksichtigt werden.
  • Orientierung und Klima: Die Ausrichtung des Grundstücks beeinflusst das Mikroklima und die Energiebilanz des Hauses. Südseitige Grundstücke sind oft vorteilhaft für eine natürliche Beheizung.

Diese Faktoren bilden die Grundlage für ein biologisch geplantes Projekt und tragen dazu bei, dass das Gebäude in den Kontext seiner Umgebung eingebettet ist.

Konstruktion und Baumaterialien: Emissionsarme und nachhaltige Lösungen

Die Wahl der Baumaterialien ist entscheidend für die Gesundheit der Bewohner und die Umwelt. Artelt betont, dass es heute zahlreiche Alternativen zu herkömmlichen Materialien gibt, die schadstoffarm, nachhaltig und ökologisch sind.

Wandmaterialien

  • Lehm: Lehm ist ein traditionelles, aber bis heute modernes Material. Es ist atmungsaktiv, regelt die Feuchtigkeit im Raum und ist vollständig biologisch abbaubar.
  • Kalk: Kalkputze und Kalkmörtel sind ebenfalls natürliche Materialien, die eine hohe Dampfdurchlässigkeit bieten und Schimmelbildung vorbeugen.
  • Holz: Massivholz oder Holzwerkstoffe, die mit natürlichen Harzen behandelt werden, sind eine gute Alternative zu chemisch belasteten Spanplatten oder MDF.

Dämmung

  • Cellulose-Dämmung: Recycelte Papierfasern, die mit Flammschutzmitteln aus natürlichen Stoffen behandelt sind, sind eine emissionsarme Dämmung.
  • Schafwolle: Schafwolle ist ein weiteres natürliche Dämmmaterial. Sie ist atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und bietet gute Wärmedämmung.
  • Hanf: Hanfbaulose oder Hanf-Mörtel sind ebenfalls in der Biologischen Baukunde verbreitet. Sie sind umweltfreundlich und biologisch abbaubar.

Bodenbeläge

  • Naturbeläge: Holzböden aus Massivholz, Bambus oder Naturstein sind bevorzugt. Sie sind langlebig, atmungsaktiv und können in der Regel ökologisch produziert werden.
  • Linoleum: Aus natürlichen Materialien wie Leinöl, Jute, Bauxit und Glycerin hergestellt, ist Linoleum ein weiteres emissionsarmes Bodenbelagsmaterial.

Decken und Wände

  • Tapeten: Naturtapeten aus Leinen oder Jute sind eine gute Alternative zu chemischen Tapeten.
  • Wandfarben: Lasuren oder Farben auf Kalk- oder Lehm-Basis sind umweltverträglich und schadstofffrei.

Artelt betont, dass es wichtig ist, die gesamte Konstruktion auf Atmungsfähigkeit und Schadstofffreiheit zu überprüfen. Jedes Material sollte nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus funktionellen und ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt werden.

Die Technik: Energieeffizienz und schadstoffarme Haustechnik

Ein biologisch geplantes Haus setzt auch auf eine schadstoffarme und energieeffiziente Haustechnik. Die Technik ist ein entscheidender Faktor für die Umweltbilanz des Hauses.

Heiztechnik

  • Niedertemperatur-Heizsysteme: Heizsysteme, die mit niedrigen Temperaturen arbeiten, sind oft effizienter und passen besser zu natürlichen Materialien.
  • Wärmepumpen: Wärmepumpen nutzen die Umweltenergie und können effizient Wärme bereitstellen.
  • Holzheizung: Eine Holzheizung, die aus lokalen und nachhaltig bewirtschafteten Quellen stammt, ist eine weitere Option. Wichtig ist, dass sie ordnungsgemäß installiert und betrieben wird.

Lüftung

  • Natürliche Lüftung: Durch Fensterlüftung und richtige Fensteranordnung kann eine ausreichende Frischluftzirkulation ohne zusätzlichen Energieverbrauch ermöglicht werden.
  • Nutzer-Lüftung: Ein Lüftungssystem, das von den Bewohnern aktiv genutzt wird, ist oft effektiver als ein automatisiertes System.

Sanitär

  • Wassersparmaßnahmen: Duschen mit Wasserspar-Duschköpfen, Toilettenspülungen mit Doppelspülung und Ablaufrohre aus natürlichen Materialien tragen zur Umweltbilanz bei.
  • Abwasserbehandlung: Eine natürliche Abwasserbehandlung, wie z. B. durch biologische Kläranlagen, kann in vielen Fällen sinnvoll sein.

Artelt betont, dass die Technik nicht nur aus funktionaler, sondern auch aus ökologischer Sicht geplant werden muss. Ein ökologisches Haus sollte nicht nur schadstofffrei sein, sondern auch energieeffizient und umweltfreundlich in Betrieb genommen werden.

Die Inneneinrichtung: Gesundheitliche und ökologische Aspekte

Die Einrichtung ist ein weiterer entscheidender Faktor für die Gesundheit der Bewohner. Viele Möbel, Teppiche und Stoffe enthalten Schadstoffe, die sich negativ auf das Wohnumfeld auswirken können.

Möbel

  • Massivholzmöbel: Möbel aus Massivholz sind langlebig und oft schadstofffrei, vorausgesetzt, sie werden mit natürlichen Lacken oder Harzen behandelt.
  • Kunststofffrei: Kunststoffmöbel, insbesondere solche mit chemischen Weichmachern, sollten gemieden werden.

Teppiche

  • Naturfaserteppiche: Teppiche aus Wolle, Jute oder Hanf sind eine gute Alternative zu synthetischen Fasern.
  • Schadstoffgeprüfte Teppiche: Es gibt heute viele Teppiche, die schadstoffgeprüft sind und sicher für die Nutzung im Haushalt sind.

Stoffe

  • Natürliche Stoffe: Vorzugsweise Stoffe aus Baumwolle, Leinen oder Seide verwenden, die nicht mit chemischen Mitteln behandelt wurden.
  • Schadstoffgeprüfte Stoffe: Immer nach Zertifizierungen oder Schadstoffprüfung fragen, insbesondere bei Kindertextilien.

Artelt empfiehlt, sich bewusst für Einrichtungsgegenstände zu entscheiden, die nicht nur optisch ansprechend, sondern auch gesundheitlich unbedenklich sind. Ein biologisch geplantes Zuhause sollte nicht nur in der Konstruktion, sondern auch in der Einrichtung ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur herstellen.

Tipps zum ökologischen Wohnen und Arbeiten

Ein biologisch geplantes Zuhause ist nicht nur ein Gebäude, sondern auch ein Lebensstil. Artelt gibt zahlreiche Tipps, um den Alltag nachhaltig und gesund zu gestalten.

Schadstofffreie Haushaltschemie

  • Natürliche Reinigungsprodukte: Statt chemischen Reinigern sollten natürliche Alternativen wie Zitronensaft, Essig oder Baking Soda verwendet werden.
  • Schadstoffgeprüfte Putzutensilien: Bürsten, Tücher und Putzmittel sollten ebenfalls schadstofffrei sein.

Energieeffizienz im Haushalt

  • LED-Lampen: LED-Lampen sind energieeffizient und haben eine lange Lebensdauer.
  • Energiespargeräte: Haushaltsgeräte mit einem hohen Energieeffizienzgrad tragen zur Umweltbilanz bei.

Richtiges Klima im Innenraum

  • Feuchtigkeitsregelung: Eine gute Feuchtigkeitsregelung verhindert Schimmelbildung und unterstützt die Atemgesundheit.
  • Lichtplanung: Natürliche Lichtquellen und eine gute Lichtplanung tragen zum Wohlbefinden bei.

Artelt betont, dass ein ökologisches Zuhause nicht nur aus der Planung und Konstruktion besteht, sondern auch aus der täglichen Nutzung und Pflege. Ein gesunder Lebensstil ist eng verbunden mit dem Konzept des biologischen Bauens.

Die Gartengestaltung: Ein grüner Lebensraum

Die Gartengestaltung ist ein weiteres Element, das zum Konzept des biologischen Bauens gehört. Ein ökologisch geplantes Grundstück trägt nicht nur zum Wohlbefinden bei, sondern auch zur Biodiversität und zum Klimaschutz.

Pflanzen und Bäume

  • Natürliche Bepflanzung: Eine Bepflanzung mit einheimischen Pflanzen ist oft besser als exotische Gärten. Sie benötigen weniger Pflege und fördern die Biodiversität.
  • Baumsetzung: Bäume in der Nähe des Hauses tragen zur Klimaregulation und zur Schallabsorption bei.

Wassermanagement

  • Regenwasser-Regenwasser: Ein Regenwasser-Regenwasser-Regelungssystem kann das Wasser für Gartenzwecke nutzen.
  • Niederschlagswassermanagement: Ein gutes Niederschlagswassermanagement verhindert Überschwemmungen und unterstützt den Wasserhaushalt.

Biodiversität

  • Wildbienen und Vögel: Wildbienenkästen, Vogelhäuser und Blütenpflanzen fördern die Biodiversität und tragen zur Gesundheit des Ökosystems bei.
  • Schädlingsbekämpfung: Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel sollten gemieden werden. Stattdessen können natürliche Methoden wie Schädlingsfallen oder Nützlinge eingesetzt werden.

Artelt betont, dass ein biologisch geplantes Grundstück nicht nur ein Ort zum Wohnen, sondern auch ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist. Ein grüner Lebensraum ist ein zentraler Aspekt für ein gesundes und nachhaltiges Leben.

Fazit

Das Buch „Biologisch bauen, renovieren und wohnen“ von Herbert Artelt ist ein wertvolles Handbuch für Bauherren, Architekten und alle, die sich für ein gesundes und schadstofffreies Zuhause interessieren. Es bietet nicht nur praktische Tipps und Empfehlungen, sondern auch einen kritischen Blick auf die heutige Industrie, die oft den Begriff „ökologisch“ in den falschen Kontext setzt. Ein biologisch geplantes Zuhause ist nicht nur ein Schutz vor Schadstoffen, sondern auch eine Investition in die Gesundheit der Bewohner und die Umwelt.

Mit der steigenden Nachfrage nach umweltfreundlichen und gesunden Wohnräumen ist es entscheidend, dass Bauherren und Architekten sich bewusst für ökologische Materialien, Techniken und Lebensstil entscheiden. Ein biologisch geplantes Zuhause ist nicht nur ein Projekt, sondern ein Lebensweg, der auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden beruht.

Quellen

  1. Biologisch bauen, renovieren, wohnen
  2. Biologisch bauen, renovieren, wohnen
  3. Buch von Herbert Artelt: Biologisch bauen, renovieren und wohnen
  4. Biologisch bauen, renovieren, wohnen
  5. Biologisch bauen, renovieren, wohnen

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