Renovieren von gefliesten Fassaden: Techniken, Kosten und Planungshinweise

Die Renovierung einer gefliesten Fassade ist eine anspruchsvolle, aber lohnenswerte Aufgabe, die sowohl ästhetische als auch funktionale Aspekte umfasst. Geflieste Fassaden sind oft auf älteren Häusern zu finden, insbesondere in den 70er- und 80er-Jahren, und bieten zwar eine robuste Struktur, können aber mit der Zeit Risse, Feuchtigkeitsschäden oder optische Mängel aufweisen. Die Renovierung solcher Fassaden erfordert fundiertes Wissen über Materialien, Techniken und die spezifischen Herausforderungen, die bei der Beseitigung oder Überarbeitung von Fliesen entstehen.

Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die verschiedenen Methoden zur Renovierung geflisterter Fassaden, einschließlich der Dämmungstechniken wie WDVS (Wärmedämmverbundsystem), Einblasdämmung oder die Aufbringung von Klinkerriemchen. Zudem werden die Kostenfaktoren, Pflegeanforderungen und Fördermöglichkeiten erläutert, um Planungssicherheit für Eigentümer und Handwerker zu schaffen.


1. Ausgangssituation: Geflieste Fassaden – Vorteile und Herausforderungen

Geflieste Fassaden sind aufgrund ihrer robusten Beschaffenheit und ihrer optischen Wirkung in der Baubranche weit verbreitet. Sie bestehen meist aus Kacheln oder Ziegelsteinen, die mit Mörtel verklebt sind. Diese Fassaden sind witterungsbeständig und können bei richtiger Pflege über Jahrzehnte bestehen bleiben. Allerdings sind sie nicht ohne Nachteile: Die Fliesen sind schwer zu entfernen, und bei Schäden müssen oft große Flächen bearbeitet werden. Zudem bieten geflieste Fassaden schlechtere Wärmedämmung als moderne Materialien.

Eine Renovierung ist in der Regel dann erforderlich, wenn die Fliesen Schäden aufweisen, die Dämmung nicht mehr ausreicht oder die Fassade optisch erneuert werden soll. In solchen Fällen ist eine genaue Planung erforderlich, um die Struktur nicht zu gefährden und langfristige Resultate zu erzielen.


2. Dämmungsoptionen bei gefliesten Fassaden

Die Dämmung einer gefliesten Fassade ist oft ein zentraler Aspekt der Renovierung, da die Wärmedämmung von alten Häusern meist unzureichend ist. Es gibt verschiedene Techniken, die für die Dämmung solcher Fassaden in Betracht gezogen werden können. Im Folgenden werden die drei gängigsten Methoden vorgestellt:

2.1 WDVS (Wärmedämmverbundsystem)

Das WDVS ist ein weit verbreitetes System zur Aufdämmung von Fassaden. Es besteht aus einer Dämmungsschicht, die auf der Wand befestigt wird, gefolgt von einer Putzträgerschicht und einer Oberflächenschicht. Bei der Anwendung eines WDVS auf einer gefliesten Fassade müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein.

  • Voraussetzungen für WDVS auf gefliesten Fassaden:
    Die Fliesen müssen stabil und nicht beschädigt sein. Zudem ist eine gründliche Reinigung erforderlich, um eine optimale Haftung des Dämmmaterials zu gewährleisten. Bei Fliesen, die bereits mit Kleber oder Putz versehen sind, kann es zu Problemen bei der Diffusion kommen. In solchen Fällen ist die Anwendung eines WDVS nur nach Rücksprache mit einem Fachplaner sinnvoll.

  • Nachteile:
    Ein Nachteil des WDVS ist, dass es die ursprüngliche Optik der Fassade verändert. Zudem kann die Dämmung, wenn nicht korrekt angewandt, zu Feuchtigkeitsproblemen führen, insbesondere wenn die Luftschicht zwischen den Mauerschalen nicht berücksichtigt wird.

  • Anwendung bei Klinkerfassaden:
    Bei Klinkerfassaden kann das WDVS sinnvoll sein, wenn die Fassade vorher vollständig abgetragen wird. Allerdings ist das Entfernen von Klinkern aufwendig und kann teuer werden.

2.2 Einblasdämmung

Die Einblasdämmung ist eine Technik, die besonders bei doppelten Mauerschalen oder Hohlwänden eingesetzt wird. Bei dieser Methode wird loser Dämmstoff in den Zwischenraum zwischen den Mauerwerksschichten geblasen. Das hat den Vorteil, dass die Fassade nicht abgetragen werden muss.

  • Voraussetzungen:
    Die Hohlraumbreite spielt eine entscheidende Rolle. Je breiter der Hohlraum, desto besser ist die Dämmwirkung. Zudem muss die Klinkerqualität gut sein. Geflieste oder nachträglich gestrichene Fassaden sind hierbei oft nicht geeignet, da sie nicht diffusionsoffen sind.

  • Fachkraft erforderlich:
    Die Einblasdämmung ist eine aufwendige Technik, die nur von qualifizierten Handwerkern durchgeführt werden sollte. Fehlerhafte Anwendung kann zu erheblichen Schäden führen, insbesondere wenn Feuchtigkeit entsteht.

  • Vorteile:
    Die Einblasdämmung ist in der Regel kostengünstiger als das WDVS, da keine zusätzliche Putzschicht erforderlich ist. Zudem bleibt die ursprüngliche Fassadenstruktur erhalten.

2.3 Klinkerriemchen

Bei der Renovierung einer gefliesten Fassade ist es manchmal sinnvoll, die Optik der Fassade zu bewahren, ohne sie komplett abzutragen. In solchen Fällen kann die Anwendung von Klinkerriemchen eine gute Alternative sein. Diese bestehen aus dünnen Ziegelscheiben, die optisch dem echten Klinker sehr ähnlich sehen.

  • Vorteile:
    Klinkerriemchen sind leicht anzuwenden und erlauben es, die Dämmung in Kombination mit der optischen Erneuerung der Fassade durchzuführen. Zudem sind sie in der Regel kostengünstiger als die vollständige Erneuerung der Klinker.

  • Nachteile:
    Die Langlebigkeit von Klinkerriemchen kann geringer sein als die von echtem Klinker. Zudem ist eine sorgfältige Planung erforderlich, um Unebenheiten oder Risse zu vermeiden.

  • Dämmungskombination:
    Klinkerriemchen können mit WDVS kombiniert werden, wodurch eine gute Dämmung und eine optisch ansprechende Fassade entsteht. Allerdings ist es wichtig, dass die Dämmung korrekt angebracht wird, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden.


3. Entfernen von Fliesen – Herausforderungen und Methoden

Bei der Renovierung einer gefliesten Fassade kann es notwendig sein, die Fliesen zu entfernen, um eine neue Dämmung oder eine andere Fassadenbeschichtung aufzubringen. Dies ist jedoch eine aufwendige Arbeit, die Vorsicht erfordert, um die Struktur der Wand nicht zu gefährden.

3.1 Wann Fliesen entfernt werden sollten

Fliesen sollten in der Regel dann entfernt werden, wenn der Kleber gelöst ist oder die Fliesen stark beschädigt sind. Dies ist meist der Fall, wenn der Belag mehrere Jahrzehnte alt ist und sich Risse gebildet haben. Allerdings gibt es Alternativen, um die Fliesen zu erneuern, ohne sie komplett zu entfernen.

3.2 Alternativen zum Entfernen

  • Lackieren oder Überkleben:
    Eine günstigere Alternative zum Entfernen ist das Lackieren oder das Überkleben der Fliesen mit Haftfolie. Dies ermöglicht es, die Fliesen optisch zu erneuern, ohne sie zu entfernen.

  • Überfliesen:
    Bei der Überfliesentechnik wird eine neue Schicht Fliesen auf die vorhandenen Fliesen gelegt. Dies ist eine sinnvolle Option, wenn die alten Fliesen stabil sind und keine Schäden aufweisen.

3.3 Technik des Entfernens

  • Entfernung von Bodenfliesen:
    Bei der Entfernung von Bodenfliesen wird in der Regel ein Elektrohammer verwendet, der das Material schnell und effizient entfernt. Nach dem Entfernen muss der Boden sorgfältig ausgeglichen werden, damit eine neue Verlegung möglich ist.

  • Entfernung von Wandfliesen:
    Bei Wandfliesen wird meist mit Hammer und Meißel gearbeitet, um einzelne Fliesen vorsichtig zu entfernen. Bei größeren Flächen kann ebenfalls ein Elektrohammer eingesetzt werden.

  • Vorsicht bei Fußbodenheizung:
    Bei Fassaden mit integrierter Fußbodenheizung ist bei der Entfernung besondere Vorsicht geboten. Die Heizung darf nicht beschädigt werden, da dies zu erheblichen Kosten führen kann. Daher ist es ratsam, die Arbeiten von einem Fachmann durchführen zu lassen.


4. Pflege und Reinigung von gefliesten Fassaden

Eine sorgfältige Pflege ist entscheidend, um die Langlebigkeit und die ästhetische Wirkung einer gefliesten Fassade zu gewährleisten. Mit der Zeit können Verunreinigungen auftreten, die die Fassade stumpf wirken lassen und Schäden verursachen können.

4.1 Reinigungsmethoden

  • Leichte Verschmutzungen:
    Leichte Verschmutzungen können mit Schmierseife, einer Bürste und heißem Wasser beseitigt werden. Dies ist eine einfache und kostengünstige Methode, die ohne spezielle Geräte auskommt.

  • Hartnäckige Verschmutzungen:
    Bei hartnäckigen Verunreinigungen ist ein Hochdruckreiniger oft die beste Lösung. Damit können Verschmutzungen effizient und schonend entfernt werden, ohne die Fliesen zu beschädigen.

  • Mörtelstückschäden:
    Wenn sich Mortelstücke lösen, können diese einfach ausgebessert werden. Dazu wird frischer Mörtel verwendet, um die Lücken zu füllen. Dies hat keinen Einfluss auf die Eigenschaften der Fassade.

4.2 Imprägnierung

Eine regelmäßige Imprägnierung der Fassade verhindert Risse und altersbedingte Spuren. Es wird empfohlen, die Imprägnierung alle zehn Jahre zu erneuern, um die Fassade bestmöglich zu schützen.


5. Fördermöglichkeiten bei der Renovierung geflisterter Fassaden

Die Renovierung einer Fassade kann mitunter hohe Kosten verursachen, weshalb es sinnvoll ist, Fördermaßnahmen in Betracht zu ziehen. Es gibt mehrere staatliche und private Förderprogramme, die bei der Dämmung und Renovierung von Fassaden eingesetzt werden können.

5.1 KfW-Förderungen

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite und Zuschüsse für energetische Sanierungen an. Bei der Renovierung einer gefliesten Fassade kann eine Dämmung im Rahmen dieser Förderung gefördert werden.

5.2 BAFA-Förderungen

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt ebenfalls energetische Sanierungen. Es gibt spezielle Programme für die Dämmung von Fassaden, die auch auf gefliesten Fassaden angewandt werden können.

5.3 Voraussetzungen für Förderungen

Um Förderungen in Anspruch zu nehmen, ist es wichtig, diese vor Beginn der baulichen Maßnahmen zu beantragen. Zudem müssen die Arbeiten von qualifizierten Handwerkern durchgeführt werden, um die Voraussetzungen der Förderprogramme zu erfüllen.


6. Kostenfaktoren bei der Renovierung

Die Kosten für die Renovierung einer gefliesten Fassade können stark variieren, je nach Material, Technik und Umfang der Arbeiten. Im Folgenden werden einige typische Kostenfaktoren erläutert:

6.1 WDVS

Die Kosten für ein WDVS liegen in der Regel zwischen 60 und 100 Euro pro Quadratmeter, abhängig von der Dämmstärke und der Materialqualität.

6.2 Einblasdämmung

Bei der Einblasdämmung können die Kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Quadratmeter liegen, wobei die Hohlraumbreite einen großen Einfluss auf die Effizienz und damit die Kosten hat.

6.3 Klinkerriemchen

Klinkerriemchen sind in der Regel günstiger als echter Klinker. Die Kosten liegen meist zwischen 20 und 40 Euro pro Quadratmeter.

6.4 Fliesenentfernung

Die Kosten für die Entfernung von Fliesen variieren je nach Fläche und Material. In der Regel liegen die Kosten zwischen 10 und 30 Euro pro Quadratmeter, wobei bei großen Flächen zusätzliche Kosten für das Ausgleichen des Untergrundes anfallen können.


7. Praxisbeispiele und Empfehlungen

7.1 Praxisbeispiel: Renovierung einer gefliesten Fassade mit WDVS

Ein Praxisbeispiel aus dem Forum "Bauexpertenforum" beschreibt den Fall eines Hauses aus den 70er Jahren, bei dem ein WDVS auf eine geflieste Fassade aufgebracht werden sollte. Die Herausforderung bestand darin, die Fliesen zu stabilisieren und eine optimale Haftung des Dämmmaterials zu gewährleisten. In diesem Fall wurde empfohlen, die Fliesen vorher zu prüfen und gegebenenfalls zu erneuern, um Schäden zu vermeiden.

7.2 Empfehlungen für die Planung

  • Fachplanung ist unerlässlich:
    Die Renovierung einer gefliesten Fassade erfordert eine sorgfältige Planung, um Schäden zu vermeiden. Es ist ratsam, die Arbeiten von qualifizierten Handwerkern durchführen zu lassen.

  • Prüfung der Fliesen:
    Vor der Dämmung sollten die Fliesen auf Stabilität und Schäden geprüft werden. Bei Bedarf ist eine Teilrenovierung oder der Austausch einzelner Fliesen sinnvoll.

  • Dämmung in Kombination mit optischer Erneuerung:
    Es ist sinnvoll, Dämmung und optische Erneuerung in Kombination vorzunehmen, um langfristige Resultate zu erzielen.


8. Fazit

Die Renovierung einer gefliesten Fassade ist eine komplexe, aber lohnenswerte Aufgabe, die sowohl funktionale als auch ästhetische Vorteile bietet. Durch die richtige Planung und die Anwendung moderner Dämmtechniken wie WDVS, Einblasdämmung oder Klinkerriemchen kann die Fassade nicht nur optisch erneuert, sondern auch energieeffizient gemacht werden.

Es ist wichtig, die individuellen Bedingungen der Fassade zu prüfen und die Arbeiten von qualifizierten Handwerkern durchführen zu lassen, um langfristige Resultate zu erzielen. Zudem ist die Inanspruchnahme von Förderprogrammen wie KfW und BAFA eine gute Möglichkeit, die Renovierungskosten zu reduzieren.

Mit der richtigen Planung und den passenden Materialien kann eine geflieste Fassade erneuert werden, um das Haus nicht nur optisch zu verschönern, sondern auch energieeffizient und langlebig zu machen.


Quellen

  1. Bauexpertenforum – WDVS auf geflieste Außenwand
  2. AroundHome – Klinkerfassade
  3. Die Hausgestalter Stuttgart – Referenzen und Leistungen
  4. Blauarbeit – Kosten für Fliesenentfernung

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