Gesund Bauen und Renovieren – Nachhaltigkeit, Wohngesundheit und Kreislaufwirtschaft im Fokus

Die Nachfrage nach gesundem Bauen und Renovieren hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen – nicht zuletzt durch die Erfahrungen mit der Corona-Krise und wachsende Bewusstsein für Umweltthemen. Immer mehr Bauherren, Architekten und Handwerker erkennen den Mehrwert, den eine sorgfältige Planung, die Verwendung natürlicher Materialien und ein bewusster Umgang mit Ressourcen im privaten wie gewerblichen Bereich mit sich bringt. Gesundes Bauen ist dabei nicht nur ein Aspekt der Bauplanung, sondern ein umfassender Prozess, der sich mit der Baubiologie, der Schaffung eines gesunden Raumklimas und der Wirtschaftlichkeit im Lebenszyklus des Gebäudes befasst.

Dieser Artikel liefert einen umfassenden Überblick über das Thema „Gesund Bauen und Renovieren“, basierend auf aktuellen Projekten, Empfehlungen und Fakten aus der Praxis. Dabei werden Schwerpunkte auf die Themenkreise gesundes Raumklima, ökologische Materialien, Kreislaufwirtschaft und die Bedeutung von professioneller Planung gelegt.


Gesundes Bauen – Grundlagen und Ziele

Gesundes Bauen beschreibt einen Bauansatz, der darauf abzielt, die physische und psychische Gesundheit der Bewohner langfristig zu fördern. Dies umfasst nicht nur die Wahl von Materialien, sondern auch die Optimierung von Luftqualität, Schallschutz, Lichteinfall und thermischer Behaglichkeit.

Im Rahmen des INTERREG-Projekts „Healthy Building Network (HBN)“ wird dieses Thema systematisch weiterentwickelt. Das Projekt verfolgt das Ziel, das Bewusstsein für gesundes Bauen und Renovieren zu schärfen und bestehendes Wissen über Kreislaufwirtschaft, emissionsarme Materialien und Energieeffizienz zugänglich zu machen. Insgesamt wird gesundes Bauen als ein Prozess verstanden, der sowohl für die Gesundheit der Bewohner als auch für die Umwelt von Vorteil ist.

Ein Beispiel für eine umgesetzte Projektidee ist der Neubau des Kreisarchivs in Viersen, der Ende 2021 realisiert wurde. Dieses Projekt zeigt, dass gesundes und nachhaltiges Bauen auch wirtschaftlich umsetzbar ist und langfristige Vorteile bringt.


Wichtige Aspekte von Gesundem Bauen und Renovieren

1. Schadstoffarme Materialien

Ein zentraler Aspekt des gesunden Bauens ist die Verwendung schadstoffarmer Materialien. Beim Renovieren und Bauen sollten Materialien bevorzugt ausgewählt werden, die keine oder nur geringe Emissionen von Schadstoffen wie Formaldehyd, VOC (flüchtige organischer Verbindungen) oder anderen chemischen Substanzen ausstoßen.

Dazu zählen:

  • Emissionsarme Lacke und Lasuren
  • Farben mit Umweltsiegeln (z. B. Blauer Engel)
  • Tapeten, die keine synthetischen Klebstoffe enthalten
  • Umweltfreundliche Bodenbeläge (z. B. Holz, Fliesen aus natürlichen Materialien)

Zusätzlich ist es wichtig, dass die Materialien nicht nur gesundheitlich unbedenklich sind, sondern auch im Sinne der Kreislaufwirtschaft eingesetzt werden – also so, dass sie nach der Nutzung wiederverwertbar oder kompostierbar sind.

2. Gutes Raumklima

Ein gesundes Raumklima ist entscheidend für die Wohngesundheit. Da wir etwa 80 % unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, ist die Luftqualität im Innenraum von großer Bedeutung. Ein gutes Raumklima kann durch folgende Maßnahmen gefördert werden:

  • Regelmäßiges Lüften auch während der Renovierung
  • Die Verwendung von Baustoffen mit geringer Schadstoffemission
  • Energieeffiziente Lüftungssysteme
  • Die richtige Dämmung von Wänden, Fenstern und Dächern

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Feuchtigkeit. Schimmelbildung ist ein häufiges Problem in feuchten Räumen und kann die Gesundheit der Bewohner stark beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, dass Bauten so geplant und ausgebaut werden, dass sie nicht anfällig für Schimmel und Feuchtigkeit sind.

3. Baubiologie als Leitfaden

Die Baubiologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit der Beziehung zwischen Menschen und der gebauten Umwelt beschäftigt. Ziel der Baubiologie ist es, ein naturnahes, gesundes und nachhaltiges Wohnumfeld zu schaffen. Dazu gehören:

  • Die Beratung bei der Wahl von Baustoffen und Innenausbau
  • Die Planung und Bauleitung bei energiesparendem Bauen
  • Die Analyse von Schadstoffen, Wohngiften wie Radon oder Elektrosmog
  • Die Optimierung von Schlaf- und Arbeitsräumen

Professionelle Baubiologen begleiten oft die Planung von Neubauten oder Sanierungen und helfen dabei, ein optimales Gleichgewicht zwischen Gesundheit, Komfort und Nachhaltigkeit zu finden.


Nachhaltiges Bauen – Der Lebenszyklus im Fokus

Nachhaltiges Bauen bedeutet mehr als nur Energie sparen. Es geht um eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zum Rückbau. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Aspekte:

1. Ressourceneffizienz

Die Bauwirtschaft verbraucht weltweit einen großen Anteil an Ressourcen. Nachhaltiges Bauen zielt darauf ab, diese Ressourcen effizienter zu nutzen. Dazu zählen:

  • Die Verwendung von regenerativen Materialien (z. B. Holz, Hanf, Zellulose)
  • Der bewusste Umgang mit Energie (z. B. durch Dämmung, Passivhaus-Standard)
  • Die Einbindung von Kreislaufwirtschaftskonzepten (z. B. Wiederverwertung von Materialien)

2. Emissionsreduktion

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Reduktion von CO₂-Emissionen. Dies geschieht vor allem durch:

  • Den Einsatz erneuerbarer Energien (z. B. Solaranlagen, Wärmepumpen)
  • Die Optimierung der Energieeffizienz (z. B. durch hohe Dämmwerte, Lüftungssysteme)
  • Die Reduktion von Materialtransporten durch regionale Lieferketten

3. Soziale und ökologische Verantwortung

Nachhaltiges Bauen ist nicht nur ökologisch, sondern auch sozial verantwortlich. Dazu gehört:

  • Die Erhöhung der Wohnqualität für alle Bevölkerungsgruppen
  • Die Schaffung von Arbeitsplätzen in der regionalen Bauwirtschaft
  • Die Förderung von Innovationen und Technologien, die zur Verbesserung der Umwelt beitragen

Praktische Tipps für gesundes und nachhaltiges Bauen und Renovieren

1. Materialauswahl

Die Wahl der richtigen Baustoffe ist entscheidend. Beim Bau oder der Renovierung sollte darauf geachtet werden, dass die Materialien:

  • Natürlichen Ursprungs sind (z. B. Holz, Hanf, Lehm)
  • Schadstofffrei oder emissionsarm sind (z. B. mit Umweltzeichen)
  • Recycelbar oder kompostierbar sind
  • Regional und nachhaltig hergestellt werden

Ein gutes Beispiel ist Holz, das bei korrekter Verarbeitung ein nachhaltiges und gesundes Baustoff ist. Wichtig ist jedoch, dass es aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und mit natürlichen Mitteln behandelt wird.

2. Energieeffizienz

Die Energieeffizienz eines Gebäudes kann durch folgende Maßnahmen verbessert werden:

  • Hochwertige Dämmung von Wänden, Fenstern und Dächern
  • Der Einsatz von Triple-Verglasung oder thermisch getrennten Fenstern
  • Die Verwendung von energieeffizienten Lüftungssystemen
  • Die Installation von Solaranlagen oder Wärmepumpen

Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Reduktion von Energiekosten bei, sondern auch zur Schonung der Umwelt.

3. Professionelle Beratung

Ein weiterer Schritt in Richtung gesundes Bauen ist die Inanspruchnahme von fachlich erfahrenen Beratern. Verbraucherzentralen bieten z. B. Unterstützung bei der Suche nach Handwerkern und Architekten, die sich mit dem Thema „gesundes Bauen“ auskennen. Zudem können sie bei der Auswahl von Materialien und der Planung von Sanierungsmaßnahmen helfen.


Gesund Bauen – Eine Investition in die Zukunft

Gesundes Bauen ist nicht nur ein Trend, sondern eine notwendige Entwicklung in der Bauwirtschaft. Es bietet nicht nur Vorteile in Bezug auf die Gesundheit der Bewohner, sondern auch langfristige wirtschaftliche Vorteile durch:

  • Reduzierte Betriebskosten durch Energieeffizienz
  • Geringere Instandhaltungskosten durch hochwertige Materialien
  • Eine höhere Lebensqualität durch optimale Wohnumgebungen

Viele Kommunen und öffentliche Bauherren achten bereits seit längerer Zeit auf die chemische Raumluftqualität und messen die Emissionen von Baustoffen. In der Privatwirtschaft fehlt jedoch oft ein ganzheitliches Bewertungssystem. Hier könnten Initiativen wie das Healthy Building Network eine wertvolle Orientierung bieten.

Ein weiterer Aspekt ist, dass gesundes Bauen oft auch wirtschaftlich umsetzbar ist. So zeigen Projekte wie der Neubau des Kreisarchivs in Viersen, dass gesunde und nachhaltige Bauweisen auch wirtschaftlich Sinn machen.


Fazit

Gesundes Bauen und Renovieren ist mehr als nur ein Modethema – es ist eine notwendige Entwicklung in der Bauwirtschaft, die sowohl die Gesundheit der Bewohner als auch die Umwelt schützt. Die Verwendung schadstoffarmer Materialien, die Schaffung eines gesunden Raumklimas und der Einsatz nachhaltiger Bauweisen sind zentrale Aspekte dieses Ansatzes. Zudem zeigt sich, dass gesunde und nachhaltige Bauweise auch wirtschaftlich umsetzbar ist und langfristige Vorteile bietet.

Durch eine professionelle Planung, die Berücksichtigung der Baubiologie und den Einsatz von Kreislaufwirtschaftskonzepten kann eine optimale Balance zwischen Gesundheit, Umwelt und Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Die Zukunft der Bauwirtschaft liegt in der Integration dieser Prinzipien, um nicht nur bessere Gebäude zu errichten, sondern auch ein besseres Leben zu ermöglichen.


Quellen

  1. euregio-rmn.de – Gesundes Bauen und Renovieren
  2. aok.de – Nachhaltig und gesund renovieren
  3. wfg-kreis-viersen.de – Nachhaltiges Bauen
  4. lilligreen.de – Gesundes Bauen
  5. baubio-logisch.de – Gesundes Bauen ist messbar
  6. haus.de – Nachhaltiges Bauen
  7. gesund-wohnen.com – Baubiologie und Baugesundheit

Ähnliche Beiträge