Sanierung des Pergamonmuseums: Eine kulturhistorische Baumaßnahme mit 1,5 Milliarden Euro Budget

Die Sanierung des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel ist nicht allein ein Projekt zur Erhaltung eines bedeutenden kulturellen und architektonischen Ensemble, sondern auch ein Vorzeigeprojekt in der modernen Bau- und Sanierungsbranche. Mit einem Gesamtbudget von 1,5 Milliarden Euro und einem geplanten Abschluss im Jahr 2037 handelt es sich hierbei um eine der umfangreichsten und aufwendigsten Sanierungsmaßnahmen in der kulturhistorischen Bauwelt Europas.

Diese Sanierung ist technisch extrem herausfordernd, da die eingerichteten archäologischen und kulturellen Großobjekte – darunter das Ischtar-Tor von Babylon und der Pergamonaltar – nicht zerstört oder ausgebaut werden dürfen und daher unter hohem Schutz stehen. Gleichzeitig möchte man das Museumsbauwerk funktional, barrierefrei und nachhaltig modernisieren.

In diesem Artikel werden die Hintergründe der Sanierung, die technischen Aspekte des Bauprojekts, die finanzielle Struktur und Zukunftsvision des Museums detailliert erläutert – basierend ausschließlich auf den bereitgestellten Quellen.


Hintergrund und Bedeutung des Pergamonmuseums

Das Pergamonmuseum wurde in den Jahren 1910 bis 1930 erbaut und gehört zum Ensemble der Berliner Museumsinsel, das 1999 durch die UNESCO als * Weltkulturerbe anerkannt* wurde. Es besteht aus drei bedeutenden Museumsbereichen:

  • Das Museum für Antikensammlung, das u. a. den Pergamonaltar beheimatet.
  • Das Vorderasiatische Museum, das das berühmte Ischtar-Tor von Babylon ausstellt.
  • Das Museum für Islamische Kunst, das unter anderem mit ausländischen Grabungsuntersuchungen bespielt ist.

Das Museum zählt zu den beliebtesten Museumsbesuchen in Deutschland, mit regelmäßig über einer Million Besuchern pro Jahr. Besonders der Pergamonaltar, der um die Zeit von 180–160 v. Chr. in Kleinasien erbaut wurde, zählt zu den kostbarsten Kunstdenkmälern in der Welt und ist aufgrund seiner Größe und den künstlerischen Monumentalität nicht verlegbar.

Bereits seit den 1930er Jahren hatte das Museum eine Reihe von Sanierungsarbeiten ansetzen müssen, doch diese waren stets notdürftig und uneinheitlich verlaufen, wie Barbara Helwing, eine der Direktorinnen des Museums, bestätigt hat. Mit der Sanierung 2023–2037 wird nun das erste Mal eine durchgehende, umfassende Rundumsanierung des gesamten Museums begonnen, die Masterplan der Museumsinsel bereits seit langem vorsah.


Ausgangssituation des Gebäudes

Laut der UNESCO-Ansprache des Bundeskulturstaatsministeriums und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat sich die Museumsinsel insgesamt sehr erfolgreich als architektonisches und kulturhistorisches Ensemble etabliert; der Zustand des Pergamonmuseums brachte jedoch langfristig Risiken für die Standsicherheit des Gebäudes und die Erhaltung der Exponate mit sich.

Hauptprobleme:

  1. Wasserbau- und Stabilitätsmängel: Der südliche Gebäudeteil war als harvarieanfällig eingestuft worden. Eine durch die Jahre entstandene starke Durchfeuchtung und schlechte Dichtung führte unter anderem dazu, dass Teile der archäologischen Baugruppen Schaden nehmen konnten.
  2. Veraltete technische Anlagen: Heizung, Kälte- und Belüftung, Brandschutz sowie Aufzüge und barrierefreie Zugänge blieben hinter aktuellen Anforderungen zurück.
  3. Baustoffveränderungen: Jahrzehntelange Beanspruchung durch Klimafaktoren führte zu Rissen, Feuchtigkeit in Wänden und Bodenunterspülungen.

Zudem erfordern die architektonischen Grundmauern, die durch mehrere Tonnen Kunstwerke stabilisiert sind, besondere Handhabungen. Wie Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz betonte:

„Wenn man die Hauptausstellungsstücke herausbaut, sind sie zerstört. Da muss man unheimlich vorsichtig sein.“

Diese Stabilität zu bewahren war eines der zentralen Ziele der Sanierung.


Zeitrahmen, Kosten und Finanzierung

Die Sanierung des Pergamonmuseums wird in zwei Bauabschnitten durchgeführt und umfasst für diese Phasen folgende finanzielle Planung:

  • Erster Bauabschnitt: 489 Millionen Euro
  • Zweiter Bauabschnitt: 722,4 Millionen Euro
  • Kostenreserve (Risikopuffer + Baupreissteigerungen): ca. 300 Millionen Euro
    Gesamtsumme: ca. 1,5 Milliarden Euro

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus Bundesmitteln, was in einer Kulturstaatsministerin-Klausur der politischen Bedeutung des Projekts Rechnung trägt. Laut Aussagen von Claudia Roth, Kulturstaatsministerin:

„Deshalb finanziert der Bund als alleiniger Träger der Baukosten sehr gerne die aufwändige Sanierung des Pergamonmuseums mit erheblichen Mitteln.“

Der Bundesbaubeauftragte (BBR) übernimmt die projektbegleitende Finanz- und Qualitätskontrolle. Ziel der Maßnahme ist es, das Museum bis 2037 wieder für den vollen Museumsbetrieb freizugeben.

Diese Sanierung ist ausgeschlossen durch Ticketeinnahmen und Privatinvestitionen finanziert zu werden. Die Kostenbelastung für den Gesamtstaat ist daher hoch, doch der geplante Nutzen – Sicherung des Weltkulturerbes für zukünftige Generationen und verbesserte Besuchererfahrung – begründet dies.


Bauministerium und Projektorganisation

Die Projektverantwortung liegt bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in enger Kooperation mit den örtlichen Museumsleitungen, dem Bundesbaubeauftragten und der Wirtschaftkammer für Museen. Gleichzeitig wird die Sanierung eng mit den Berlin-Investoren abgestimmt, die in der Museumsinsel auch für die baulichen Übergänge zu anderen Museumsbauten, wie dem Neuen Museum, der James-Simon-Galerie und dem Bode-Museum verantwortlich sind.

Die Abwicklung erfolgt in einem dreistufigen Prozess:

  1. Auflösung der alten Raumbestandteile, Schutz und teilweise Verschiebung von Museumsobjekten
  2. Neubewertung der statischen Tragwerke und Baustoffe, Brandschutzmaßnahmen
  3. Schaffung neuer Zugangssysteme, Dachsanierung sowie Energieeffizienzmaßnahmen

Bereits in der Vorbereitungsphase, die mehr als eineinhalb Jahre andauerte, wurden fast 100.000 Objekte aus dem Südflügel beräumt. Diese Maßnahme war enorm logistisch aufwendig und setzte die eng abgestimmte Kooperation zwischen verschiedenen Museumsbereichen und Förderern voraus.


Technische Aspekte der Sanierung

Ziel ist es, das Pergamonmuseum in eine funktionale, moderne und nachhaltige Einrichtungslandschaft zu überführen, die sowohl konservatorisch als auch baulich über den jetzigen Standard hinausgeht.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Ein besonderes Augenmerk der Sanierungsplanung liegt auf Energieeffizienz. Die geplanten Energiedirektiven legen fest, dass:

  • Bei Bestandsgebäude ein Energie-Gebäudestandard (EGB) von 55 erreicht werden muss
  • Beim Neubau-Bereich (Flügel 4) ein EGB von 40 angestrebt wird

Dies wird durch die Installation von Photovoltaik-Anlagen über dem Glasdach des Südflügels sowie über dem Dach des neuen Flügels (Flügel 4) erreicht. Zudem werden optimierte Klimatechniken und regenerative Energienutzung in das Konzept integriert.

Erschließung und Barrierefreiheit

Ein zentrales Projekt ist auch die Schaffung einer neuen barrierefreien Erschließung, darunter:

  • Ein neuer Pergamonsteg über den Kupfergraben mit barrierefrei erreichbaren Aufzügen und Treppen
  • Eine neue Erschließung des Haupteingangs durch den sogenannten Tempietto, ein kubisches Eingangsbauwerk in der Mitte des zukünftigen Innenhofes

Diese Maßnahmen sollen den Zugang und Durchgang des Museums optimieren und eine breiteren Menschenkreis – einschließlich Menschen mit Einschränkungen – ermöglichen.


Vorgesehener Neubau: Viertelrundgang und interne Verknüpfung

Ein zentrales architektonisches Ziel ist die Errichtung eines vierten Flügels, der bis dato nie realisiert, aber geplant war. Dieser Flügel wird:

  • Ein durchgehender Rundgang durch alle Großarchitekturen des Museums ermöglichen
  • Einen neuen Innenhofbereich, den sogenannten Tempietto, beherbergen
  • Verbindungswege zu den Nachbargebäuden schaffen

Die Funktion des vierten Flügels wird außergewöhnlich, da er die bislang fragmentierte Präsentation der archäologischen Grundmauern beenden soll und eine flächige, konzeptionell einheitliche Ausstellung ermöglichen wird.


Schließung, Wiedereröffnung und Interimsbereiche

Das Museum war offiziell am 23.10.2023 komplett geschlossen. Im Gegensatz zu ursprünglichen Plänen, nach denen immer einige Bereiche zugänglich bleiben sollten, wurde diese Option aufgegeben, da sie materiell und zeitlich zu aufwendig wäre. Der Gesamtenergiebedarf und der logistische Aufwand für Teilrenovierungen und Teilöffnung wären zu hoch.

Zur Sicherung des Museumsbetriebs während der Sanierungsphase entstanden Interimsbereiche, die:

  • Den Museumsbetrieb für nördliche und mittlere Gebäudeteile bis 2027 ermöglichen
  • Einen kontinuierlichen Zugang zu Teilen der Sammlungen gewährleisten
  • Die Sicherheit und Konservierung weiterer Exponate gewährleisten

Diese Interimsbereiche sind jedoch als vorübergehende Maßnahme zu verstehen. 2027 sollen der Nord- und Mittelteil des Museums erstmals wieder dauerhaft geöffnet und nach Sanierung integriert werden.


Restaurative Maßnahmen in Gange

Zur gleichen Zeit, als die Sanierungsarbeiten am Gebäude begonnen haben, wurden auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten innerhalb der Museumsräume durchgeführt, insbesondere im Nordteil. Die restaurativen Arbeiten umfassen:

  • Genauere Konservierung, z. B. Marmorreparaturen, Fassungsanpassungen
  • Restaurierung von Wandreliefs, Mosaiken und Skulpturen
  • Schutzmaßnahmen gegen Umweltbelastungen (staubige Luft, Feuchtigkeit)

Die Arbeiten zeigen, wie Detailgenauigkeit und sensibles Vorgehen bei der Erhaltung von antiken Denkmälern erforderlich sind. Larissa Piepo, eine der Restauratorinnen, betont:

„Am Anfang war es sehr einschüchternd, und jetzt ist es eine Wohltat, sich in diesen Räumen tagtäglich zu bewegen und die Kunst wirken und genießen zu können.“

Ein Beispiel für künstlerische Präzision ist das sogenannte Hephaistion-Mosaik, ein antikes Werk aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., das aus einer Million Einzelsteinchennuten besteht und bis zur Wiedereröffnung 2027 restauriert wird.


Zukunftsvision

Nach Abschluss der Sanierung im Jahr 2037 wird das Pergamonmuseum nicht nur technisch und architektonisch vollständig erneuert, sondern es wird auch in seiner Funktion erweitert:

  • Es wird ein kontinuierlich genutzter Kulturraum sein, der konservatorische wie publikumswirksame Maßnahmen ermöglicht
  • Der Zugang wird barrierefrei und durchgängig sein
  • Die präsentative Ausstellungsskulptur wird in einer eindeutigeren Raumkonzeption gezeigt
  • Interaktive Erklärungen und digitale Assistenz werden integriert

Diese Erweiterung macht das Pergamonmuseum in die Richtung einer modernen, zentralisierten Plattform für Kulturgut in Berlin, das nicht nur als Museum, sondern als kultureller Bezugspunkt für Forschung und Bildung fungiert.


Fazit

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist nicht nur ein großes kulturhistorisches Projekt, sondern gleichermaßen eine bauliche Herausforderung, die aufwendige Planung, technisch exzellente Umsetzung und finanzpolitische Bereitschaft erfordert. Die geplanten Maßnahmen – von der Dachsanierung über die barrierefreie Erschließung bis zur Klima- und Energieoptimierung – machen das Gebäude fit für die Zukunft.

Für das Museum ist es ein Übergang zur Erneuerung: Von einem maroden, aber historischen Bau, hin zu einem zeitgemäßen und funktionalen Kulturzentrum, das nicht nur Erinnerung an die Antike bewahrt, sondern auch für zukünftige Generationen und internationale Besucher zugänglich und nachhaltig bleibt.

Insgesamt wird das Pergamonmuseum nach 2037 einer der wichtigsten Beziehungspunkte zwischen Kultur und Technik, Geschichte und Gegenwart sein und als deutscher Leuchtturm der kulturtechnischen Innovation gelten.


Quellen

  1. Austraße Zürich – 15 Milliarden, Sanierung für Weltkultur
  2. Sanierung des Pergamonmuseums – Stiftung Museum für Vorderasiatische Kultur
  3. Blog der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz – Schließung und Sanierung
  4. ZDFheute – Sanierung des Pergamonmuseums
  5. DW – Pergamonmuseum schließt bis 2027
  6. Entwicklungsstadt Berlin – Kulturikone im Wandel

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