Einleitung
Der Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf ist nicht nur ein Besuchermagnet für rund 500.000 Menschen jährlich, sondern auch ein Paradebeispiel für die Herausforderungen, die mit komplexen Bauprojekten in der öffentlichen Hand einhergehen können. Nach einer umfassenden Sanierung, die 2017 nach knapp vier Jahren Bauzeit abgeschlossen wurde, stehen nun erneut aufwändige Instandsetzungsarbeiten an. Die Historie des Aquazoos ist geprägt von massiven Pannen, Kostensteigerungen und Verzögerungen, was die Diskussion um die geplante "XXL-Erweiterung" des Geländes weiter anheizt. Dieser Artikel beleuchtet die Sanierungsgeschichte des Aquazoos, die aktuellen Arbeiten und die kontroversen Pläne zur Erweiterung im Kontext der angespannten Haushaltslage der Stadt Düsseldorf.
Die umfassende Sanierung 2013-2017
Die jüngste große Sanierung des Aquazoos Löbbecke Museum begann im Jahr 2013 und sollte eigentlich 2015 abgeschlossen werden. Tatsächlich dauerten die Arbeiten jedoch bis in den Herbst 2017, begleitet von einer ganzen Reihe von Pannen und Problemen. Die ursprünglich geplanten Baukosten von 13 Millionen Euro entwickelten sich zu einer Gesamtsumme von rund 20 Millionen Euro.
Während der Bauphase kam es zu erheblichen Problemen mit den Becken, die undicht waren, sowie zu Schäden an den Tropenpflanzen, die durch die klimatischen Bedingungen während der Bauarbeiten erfroren. Diese Probleme führten nicht nur zu Verzögerungen beim Abschluss der Baumaßnahmen, sondern trieben die Kosten in die Höhe.
Aufgrund dieser Probleme wurde der Aquazoo in den Jahren 2016 und 2017 in das sogenannte "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler aufgenommen. In diesem Buch werden Fälle öffentlicher Geldverschwendung dokumentiert, und die Aufnahme des Aquazoos unterstreicht die finanziellen und technischen Probleme des Projekts.
Die Sanierung von 2013-2017 umfasste grundlegende Maßnahmen zur Modernisierung der Anlagen, um den aktuellen Standards für Tierhaltung und Besucherbeförderung gerecht zu werden. Allerdings zeigte sich schon bald nach Abschluss der Arbeiten, dass die Qualität der ausgeführten Arbeiten nicht den Erwartungen entsprach.
Die Teilsanierung 2023
Bereits wenige Jahre nach der umfassenden Erneuerung musste der Aquazoo wegen Wasserschäden erneut saniert werden. Die Sanierungskosten beliefen sich auf rund 770.000 Euro, die von der Stadt Düsseldorf getragen werden mussten. Der Wasserschaden betraf den Bodenbelag des Aquazoos, der erneuert werden musste.
Die Arbeiten im Jahr 2023 erforderten die Umsiedlung einiger Tiere, die für die Dauer der Baumaßnahmen in ein Übergangsheim umziehen mussten. Die Kosten für diese temporäre Unterbringung betrugen 228.000 Euro. Besonders aufwendig gestaltete sich der Transport für zwei giftige Arten: Krustenechsen und Hornvipern wurden kurzerhand nach München verlegt, wo sie für die Zeit der Baumaßnahmen eine neue Bleibe fanden.
Interessant ist, dass der nun behobene Wasserschaden bereits kurz nach Abschluss der Baumaßnahme 2017 aufgetreten war und der Stadt Düsseldorf somit bekannt war. Trotz dieser Tatsache blieb die Stadt am Ende auf den Kosten für diese Nachbesserungen sitzen.
Ein wesentlicher Teil der Sanierungskosten entfiel auf die notwendige Sanierung der Fußbodenheizung, die allein über eine halbe Million Euro verschlang. Dies unterstreicht die mangelhafte Qualität der bei der umfassenden Sanierung 2017 ausgeführten Arbeiten, die bereits nach wenigen Jahren erneut Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich machten.
Weitere Sanierungsarbeiten 2025
Im Jahr 2025 stehen erneut Teilsanierungsarbeiten im Aquazoo an. Diesmal sind die Terrarien in den Themenbuchten R bis V betroffen. Um Platz für die baulichen Maßnahmen zu schaffen, müssen diese von Montag, dem 14. Juli 2025, an temporär verdeckt werden. Hierzu zählen unter anderem die Gehege der Nacktmulle, Krokodilschwanzechsen und der Titicaca-Riesenfrösche.
Das Aquazoo-Management hat auf diese Situation reagiert, indem es die Sichtschutzwände als Raum für kleine Sonderausstellungen nutzt. Auf diesen Wänden werden unter anderem Highlights aus der Sonderausstellung "Giganten des Atlantiks" gezeigt, die zuletzt 2023 zu sehen war. Der Rest des Hauses bleibt für Besucher jedoch uneingeschränkt zugänglich.
Im Backstage-Bereich des Terrariums werden Abdichtungsarbeiten erledigt. Aus diesem Grund ziehen einige tierische Bewohner für die Dauer der Arbeiten aus und finden vorübergehend im Pädagogik-Trakt des Aquazoo ein temporäres neues Zuhause. Die betroffenen Buchten erhalten einen Sichtschutz, während die Arbeiten durchgeführt werden.
Container als Übergangslösung
Im Zuge der anstehenden Teilsanierung wurden im März 2025 Container vor dem nördlich gelegenen Aquazoo-Teich aufgestellt. Am Donnerstag, 6. März 2025, begannen die Arbeiten für ein Container-Fundament, und am Dienstag, 11. März 2025, wurden die Container mit Hilfe eines Krans aufgestellt.
Der Zugang zum Aquazoo Löbbecke Museum in der Kaiserswerther Straße 380 wird durch diese Maßnahme nicht beeinträchtigt. Für die Gäste des Aquazoos gibt es keine Einschränkungen. Die Container dienen als zusätzlicher Raum für Veranstaltungen und museale Angebote, da bei Arbeiten im Terrarium ein fehlerhafter Fliesenspiegel erneuert und dadurch entstandene Wasserschäden behoben werden.
Bereits während der technischen Sanierung von 2013 bis 2017 wurden übergangsweise Reptilien, Amphibien und Insekten im großen Seminarraum des Instituts untergebracht und gepflegt. Aufbauend auf den guten Erfahrungen mit dieser zeitweisen Haltung wird in diesem Jahr erneut der Seminarraum einige der Tiere aus dem Landrevier beherbergen. Da der Raum solange für die Nutzung durch die Abteilung Naturbildung und viele pädagogische Veranstaltungen wegfällt, werden diese in eigens errichteten Containern vor dem Institut stattfinden.
Lediglich ein kleines Areal der Parkfläche vor dem Aquazoo wird während der Arbeiten abgesperrt werden. Die Containerlösung zeigt, wie die Betreiber des Aquazoos versuchen, die Beeinträchtigungen für Besucher und Tiere so gering wie möglich zu halten, während notwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.
Die Debatte um den "XXL-Ausbau"
Hintergrund der aktuellen Sanierungsarbeiten ist die Debatte um einen geplanten "XXL-Ausbau" des Aquazoos, der auf eine Verdreifachung der Fläche abzielt. Die Grundlage für diesen Ausbau bildet eine Machbarkeitsstudie, die bereits im vergangenen November der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Politik reagierte darauf grundsätzlich positiv, argumentiert sie doch mit den Vorteilen eines erweiterten Aquazoos: mehr Platz für Tiere und Sammlung, eine eigene Gastronomie sowie zusätzliche Sanitäranlagen.
Angesichts von rund 500.000 Besuchern pro Jahr scheint der Bedarf an einer größeren und moderneren Infrastruktur auf der Hand zu liegen. Allerdings gibt es erhebliche Bedenken, insbesondere seitens des Bundes der Steuerzahler, der in seiner Juli/August-Ausgabe der Mitgliederzeitschrift "Die NRW-Nachrichten" vor einem "XXL-Ausbau" warnt.
Der Bund der Steuerzahler führt zur Untermauerung seiner Kritik konkrete Zahlen aus der städtischen Haushaltsplanung an. Im Jahr 2013 erwirtschaftete Düsseldorf noch einen Überschuss von mehr als 37 Millionen Euro. Bereits ein Jahrzehnt später, im Jahr 2025, droht der Stadt jedoch ein deutliches Minus von knapp 300 Millionen Euro. Neben dem sinkenden Eigenkapital bereiten vor allem die steigenden Zinsbelastung und die hohe Verschuldung Sorgen.
In einer solch angespannten Haushaltslage, so die Argumentation des Vereins, müsse Düsseldorf Prioritäten setzen. Die Lösung der Platzprobleme im Aquazoo sollte nicht durch einen kostspieligen Ausbau erfolgen, sondern durch andere, kostengünstigere Maßnahmen. Der verantwortungslose Umgang mit Steuergeldern in der Vergangenheit, gepaart mit den dramatischen Verschlechterungen der städtischen Finanzen, mache einen "XXL-Ausbau" schlichtweg nicht vertretbar.
Besonders kritisch sieht der Bund der Steuerzahler die Tatsache, dass der Aquazoo bereits in den Jahren 2016, 2017 und 2023 im sogenannten "Schwarzbuch" vertreten war, in dem der Verein von Fällen öffentlicher Geldverschwendung berichtet. Die Stadt Düsseldorf habe sich 2013 aus finanziellen Gründen gegen eine Erweiterung des Aquazoos entschieden, obwohl sie sich damals noch für die Sanierung des Hauses ausgesprochen hatte. Warum in der aktuellen schwierigen Finanzsituation eine Erweiterung geplant wird, leuchtet dem Bund der Steuerzahler nicht ein.
Lehren aus der Baugeschichte
Die erneuten Sanierungen nach nur wenigen Jahren belegen eindrucksvoll die Konsequenzen einer mangelhaften Bauausführung. Die umfassende Sanierung von 2013-2017 sollte eigentlich eine dauerhafte Lösung für die baulichen Probleme des Aquazoos schaffen, stattdessen erwiesen sich viele Arbeiten als mangelhaft und mussten nur wenige Jahre später wiederholt werden.
Die Kostensteigerungen von ursprünglich geplanten 13 Millionen Euro auf tatsächliche 20 Millionen Euro sowie die mehrfachen Verzögerungen zeigen, wie wichtig eine sorgfältige Planung und Realisierung von Bauprojekten ist. Die Probleme mit den undichten Becken und den erfrierenden Tropenpflanzen während der Bauarbeiten sowie die späteren Wasserschäden unterstreichen die Bedeutung qualitativ hochwertiger Ausführung.
Die Tatsache, dass der Bund der Steuerzahler den Aquazoo mehrfach in sein "Schwarzbuch" aufgenommen hat, zeigt, dass das Projekt als Beispiel für misslungene öffentliche Bauprojekte gilt. Dies schadet nicht nur dem Ruf der Stadt Düsseldorf, sondern führt auch zu einem Vertrauensverlust bei den Bürgern in die Fähigkeit der Verwaltung, Großprojekte erfolgreich umzusetzen.
Fazit
Die Sanierungsgeschichte des Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf ist ein Lehrstück für die Herausforderungen, die bei komplexen Bauprojekten in der öffentlichen Hand entstehen können. Die umfassende Sanierung von 2013-2017 war von massiven Pannen, Kostensteigerungen und Verzögerungen geprägt, was zur Aufnahme des Projekts in das "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler führte. Bereits wenige Jahre später mussten erneut aufwändige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden, die die Stadt Düsseldorf weitere 770.000 Euro kosteten.
Die aktuellen Teilsanierungen im Jahr 2025 sowie die Containerlösungen als Übergangslösung zeigen, dass die Betreiber des Aquazoos bemüht sind, die Beeinträchtigungen für Besucher und Tiere so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass die Qualität der bei der umfassenden Sanierung 2017 ausgeführten Arbeiten nicht den erforderlichen Standards entsprach.
Die Debatte um den geplanten "XXL-Ausbau" des Aquazoos steht im Spannungsfeld zwischen den Wünschen nach mehr Platz für Tiere und Besucher und der prekären Haushaltslage der Stadt Düsseldorf. Der Bund der Steuerzahler warnt angesichts des erwarteten Defizits von knapp 300 Millionen Euro im Jahr 2025 vor einem weiteren kostspieligen Großprojekt und fordert eine klare Prioritätensetzung.
Die Geschichte des Aquazoos liefert klare Lektionen: Qualität, Sorgfalt und eine realistische Finanzplanung sind nicht Luxus, sondern Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Erfolg eines Bauprojekts. Ob die Pläne für den Ausbau des Aquazoos unter den gegebenen finanziellen Bedingungen realisiert werden können, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass die Stadt Düsseldorf bei zukünftigen Bauprojekten auf eine sorgfältige Planung und Ausführung achten muss, um die teuren Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Quellen
- RP ONLINE - Aquazoo muss teilweise erneut saniert werden
- Zoos.media - Sanierung im Aquazoo Düsseldorf: Keine Einschränkung für Besucher
- T-Online - Bund der Steuerzahler warnt vor geplantem XXL-Ausbau
- Austraße Zürich - Aquazoo Düsseldorf: Großprojekt mit Baupannen
- Düsseldorf.de - Sanierungsarbeiten: Aquazoo stellt Container auf
- Aquazoo Düsseldorf - Teilsanierung im Aquazoo Löbbecke Museum