Die 1,5-Milliarden-Euro-Renovierung des Pergamonmuseums: Ein Mammutprojekt für Kultur, Bau und Sanierung

Einleitung

Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel, ein UNESCO-Welterbe, befindet sich seit 2023 in einer der umfassendsten Sanierungsmaßnahmen in seiner Geschichte. Mit einer geschätzten Kostenhöhe von 1,5 Milliarden Euro für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des historischen Bauwerks ist die Sanierung ein Projekt von ungewöhnlicher Ausmaße – sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht. Die Arbeiten, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken, beinhalten die Sanierung und Erweiterung des Museums, die Sicherung und Präsentation von Kulturgütern, wie dem berühmten Pergamonaltar, und die Umsetzung moderner baulicher und technischer Standards.

Die Sanierung spiegelt nicht nur die technischen Herausforderungen der Renovierung historischer Gebäude wider, sondern auch die kulturellen und architektonischen Ambitionen, die in der Planung zum Ausdruck kommen. Für Bauexperten, Restauratoren, Kulturmanager und Architekten ist das Projekt ein Paradebeispiel für die Integration von Konservierung, Modernisierung und Zugänglichkeit in einem sensiblen historischen Kontext.

In diesem Artikel werden die Hintergründe, Planung, technische Aspekte und aktuelle Entwicklungen der Sanierung des Pergamonmuseums detailliert beschrieben – basierend auf verfügbaren Quellen, die durch die Bundesbehörden, Museumsdirektionen und Medienberichte bereitgestellt werden.

Historischer Hintergrund und Bedeutung des Pergamonmuseums

Die Anfänge und der Wiederaufbau nach dem Krieg

Das Pergamonmuseum wurde zwischen 1910 und 1930 nach Plänen des Architekten Alfred Messel erbaut. Der Bau zog sich über 20 Jahre, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution und die Hyperinflation der 1920er Jahre. Die ursprünglichen Planungen sahen einen vierten Flügel zum Kupfergraben, eine Kolonnade sowie einen Portikus im Innenhof vor – jedoch blieben diese Elemente unvollendet. Das Museum wurde sozusagen „unfertig“ der Öffentlichkeit übergeben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Die Dächer über den großen Architektursälen erlitten besonders starke Schäden. Der Wiederaufbau dauerte von 1948 bis 1959, und 1980 wurde die Museumsinsel durch eine Brücke über den Kupfergraben weiterentwickelt, um die Zugangssituation zu verbessern.

Der Pergamonaltar: Herzstück und Symbol

Das Museum beherbergt einige der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt. Sein bekanntestes Ausstellungsobjekt ist der Pergamonaltar, ein Monument aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Der Altar, der zu den herausragenden Kunstwerken der Antike zählt, war bis 1910 Teil eines Königspalastes in Pergamon, bis er nach Berlin gebracht wurde. Sein Relief erzählt in epischer Form die mythische Schlacht zwischen Göttern und Giganten – eine visuelle Darstellung, die bis heute fasziniert.

Die Sanierungsmaßnahmen: Umfang, Planung und Kosten

Gesamtkosten und Zeitplan

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist in zwei Bauabschnitten unterteilt:

  • Bauabschnitt A (2013–2025): Grundinstandsetzung und Ergänzung des Nord- und Mittelflügels.
  • Bauabschnitt B (2023–2036): Sanierung des Südflügels und Errichtung des vierten Flügels.

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich laut jüngsten Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung auf 1,5 Milliarden Euro. Der Zeitplan wurde im März 2023 angepasst: Der Nord- und Mittelflügel, der seit 2023 geschlossen ist, soll im Jahr 2027 wiedereröffnet werden. Der Südflügel, der aktuell nicht Teil der Sanierungsarbeiten war, bleibt geschlossen bis 2037. Die Errichtung des vierten Flügels, der ursprünglich in Alfred Messels Planung enthalten war, ist Teil der Sanierung des Südflügels und soll bis 2036 abgeschlossen sein.

Grundlegende Herausforderungen

Die Sanierungsarbeiten sind aufgrund der historischen Sensibilität des Gebäudes, der Aufbewahrung und Präsentation von Kulturgütern, sowie der technischen Anforderungen besonders komplex. Die Gebäudestruktur, die in den 1990er Jahren als „sehr schlecht“ eingestuft wurde, erfordert eine umfassende Sanierung. Zudem müssen die technischen Anlagen modernisiert werden, um den heutigen Sicherheits- und Zugänglichkeitsstandards gerecht zu werden.

Sicherung und Präsentation der archäologischen Exponate

Der Pergamonaltar und andere Großobjekte

Die Sicherung und Präsentation der monumentalen Architekturexponate, insbesondere des Pergamonaltars, war eine logistische Herausforderung. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden beinahe hunderttausend Objekte aus dem Südflügel des Museums beräumt, um die Baumaßnahmen zu ermöglichen. Diese Schritte waren notwendig, um die Exponate vor Schäden durch die Bauphasen zu schützen.

Der Pergamonaltar selbst wird nach der Sanierung im Nord- und Mittelteil des Museums präsentiert. Laut Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wird dieser Bereich einem „komplett neuen Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst“ gewidmet sein. Der Altar ist somit nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein architektonisches Fokussierungsobjekt der neuen Präsentation.

Technische Aspekte der Präsentation

Die Präsentation der Exponate erfolgt unter Berücksichtigung moderner museologischer Standards. Die Ausstellungskonzepte berücksichtigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse und ermöglichen eine bessere Einbettung der archäologischen Objekte in ihre historischen Kontexte. Zudem sind neue restauratorische Methoden, insbesondere bei glasierten Keramiken wie dem Ischtar-Tor oder der Prozessionsstraße, von zentraler Bedeutung.

Die Sanierung im Detail: Baukonstruktion und Materialien

Der vierte Flügel und die Wiederaufnahme der ursprünglichen Planung

Die Erweiterung des Museums durch den vierten Flügel, der direkt am Kupfergraben liegt, ist ein zentrales Element der Sanierung. Der Entwurf stammt ursprünglich von Alfred Messel und wurde in der Planung von Oswald Mathias Ungers weiterentwickelt. Der vierte Flügel schafft eine Verbindung zwischen Nord- und Südflügel und ermöglicht eine neue Zugänglichkeit für Besucher.

Die neue unterirdische Erschließung wird optimale Verbindungen für künftige Besucherströmen bieten. Zudem wird der Hof des Pergamonmuseums seine ursprünglich intendierte räumliche Proportion wiedererlangen, was zur Harmonisierung der Monumentalität des Ehrenhofs beiträgt.

Bauliche Modernisierung und Denkmalschutz

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist ein Paradebeispiel für die Vereinigung von Denkmalschutz und moderner Architektur. Die Grundinstandsetzung des denkmalgeschützten Bestands erfolgt unter Berücksichtigung der originalen Planungsgedanken, wobei neue Materialien und Techniken sorgfältig eingefügt werden. So soll der Charakter des Gebäudes gewahrt bleiben, gleichzeitig aber eine bessere Nutzbarkeit für Besucher, Mitarbeiter und Exponate gewährleistet werden.

Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist die Anpassung des Museums an moderne Standards der Barrierefreiheit. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Zugänglichkeit von Kulturinstitutionen stark gestiegen. Die Sanierung des Pergamonmuseums berücksichtigt diese Entwicklungen und integriert barrierefreie Wege, Aufzüge, Hörgeräte und andere technische Unterstützungsmittel.

Die Rolle der Restauratoren: Konservierung und Wiederherstellung

Millimeterarbeit an antiken Werken

Seit 2023 ist das Pergamonmuseum geschlossen, um die Sanierungsarbeiten durchzuführen. In dieser Zeit sind Restauratoren und Konservatoren in den Hallen aktiv. Eine der herausragenden Arbeiten ist die Restaurierung des Hephaistion-Mosaiks, das etwa eine Million Steinchen umfasst. Larissa Piepo, eine der Restauratorinnen, beschreibt die Arbeit als „Millimeterarbeit“, bei der jedes Steinchen sorgfältig in die richtige Position gebracht wird. Die Restauratoren ergänzen verlorene Stellen mit neutral schwarzen Steinen und vermeiden Spekulationen über die ursprüngliche Gestalt. Ihr Ziel ist es, die Spuren der Geschichte sichtbar zu machen, ohne sie zu verfälschen.

Philosophie der Restaurierung

Die Restaurierung folgt einem wissenschaftlichen und ethischen Ansatz: Sie zielt nicht auf eine perfekte Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands ab, sondern betont die historische Patina und die Zeichen der Zeit. Dies ist besonders bei Objekten wie dem Pergamonaltar oder dem Hephaistion-Mosaik von Bedeutung, bei denen jedes Detail ein Stück Geschichte ist.

Kultur und Zukunft: Das Pergamonmuseum als Erbe für die nächsten Generationen

Ein Versprechen an die Zukunft

Jan Kleihues, BBR-Präsident, betont, dass das Pergamonmuseum ein „gewichtiges Versprechen an die Zukunft der Berliner und der Museumslandschaft weltweit“ sei. Er sieht das Museum nicht nur als kulturellen Schatz, sondern auch als architektonisches Erbe, das in 200 Jahren noch immer als „außerordentlicher Ort“ wahrgenommen werden wird. Diese Vision ist ein zentraler Aspekt der Planung: das Museum nicht nur zu erhalten, sondern für zukünftige Generationen zugänglich und relevant zu machen.

Zeitkapsel und kulturelle Zeugnisse

Im Zuge der Sanierung wurde eine Zeitkapsel mit traditionellen Gegenständen, wie Münzen und einer Tageszeitung, gefüllt. Besondere Objekte, wie eine moderne Tafel aus gebranntem Ton mit Keilschrift, symbolisieren die kulturelle Verbindung zu den Sammlungen des Vorderasiatischen Museums. Die Zeitkapsel ist ein symbolischer Abschluss der aktuellen Phase, der auch in der Zukunft eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart herstellt.

Fazit

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist nicht nur ein Projekt der Architektur, sondern ein multidisziplinäres Vorhaben, das Kultur, Technik, Geschichte und Zukunft miteinander verbindet. Mit einer Investition von 1,5 Milliarden Euro und einer Bauzeit von über einem Jahrzehnt ist das Projekt ein Mammutunterfang. Die Herausforderungen, die sich aus der Kombination von Denkmalschutz, moderner Bauweise und museologischen Anforderungen ergeben, wurden durch sorgfältige Planung, wissenschaftliche Zusammenarbeit und die engagierte Arbeit von Restauratoren und Architekten gemeistert.

Für Bauherren, Planer und Kulturmanager bietet das Pergamonmuseum ein lehrreiches Beispiel dafür, wie historische Gebäude im 21. Jahrhundert sinnvoll und zukunftsorientiert modernisiert werden können – ohne ihre kulturelle und architektonische Substanz zu verlieren. Das Projekt zeigt, dass Sanierung und Erweiterung nicht Gegensätze sind, sondern Bestandteile eines gemeinsamen Weges, der Kultur und Technik in Einklang bringt.

Quellen

  1. pergamonaltar-und-co-die-15-milliarden-euro-renovierung-des-berliner-museums
  2. eine-kulturikone-im-umbau-wie-sich-das-pergamonmuseum-bis-2037-veraendern-wird
  3. berlin-pergamonmuseum-sanierung-restauratorin
  4. bauprojekt-pergamonmuseum-bauabschnitt-b
  5. alles-neu-schliessung-und-sanierung-des-pergamonmuseums
  6. start-fuer-den-zweiten-bauabschnitt-zur-gesamtfertigstellung-des-pergamonmuseums

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