Einleitung
Das Kreishaus Recklinghausen, errichtet Mitte der 1970er Jahre und in Betrieb genommen 1979, steht seit mehr als vier Jahrzehnten im Dienste der Kreisverwaltung. Mit einer Gesamtfläche von 32.000 m² verteilt auf fünf Bauteile war das Gebäude zwar durchgehend instandgehalten und optisch erneuert worden, doch der Zustand der technischen Ausrüstung, die Brandschutzverhältnisse und die bauliche Substanz erforderten inzwischen eine umfassende Sanierung. Im Jahr 2023 begann die umfangreichste Baumaßnahme in der Geschichte des Kreises Recklinghausen: die Komplettsanierung des Kreishauses. Mit einem geplanten Abschluss im Jahr 2029 wird das Projekt nicht nur das Erscheinungsbild des Verwaltungsgebäudes grundlegend verändern, sondern auch die technischen Anlagen modernisieren und eine optimierte Arbeitsumgebung für die Beschäftigten sowie bessere Bedingungen für die Bürgerdienstleistungen schaffen.
Die Sanierung erfolgt im laufenden Dienstbetrieb, was bedeutet, dass die baulichen Maßnahmen in Abschnitten durchgeführt werden müssen. Daraus resultieren Interimslösungen, darunter der Abzug von Räumlichkeiten in externe Liegenschaften. Besonders die Sanierung des Sitzungstrakts führte dazu, dass der Kreistag vorübergehend in die Stadthalle in Oer-Erkenschwick umzog. Zudem ist die Sanierung nicht nur im Gebäudeinneren vorgesehen, sondern auch in den Außenanlagen, einschließlich der Innenhöfe und Parkflächen, die sich in einem altersbedingten Zustand befinden.
Die Planung und Realisierung des Projekts erfolgen unter Beteiligung mehrerer Spezialisten, darunter das Planungsbüro Kemper, das für die Sanierung der Außenanlagen verantwortlich ist, sowie das Architekturbüro assmann architekten, das als Generalplaner fungiert. Ziel ist es, das Kreishaus zu einem modernen, repräsentativen, funktionellen und zugänglichen Verwaltungsgebäude zu machen, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht.
Historischer Hintergrund und aktueller Zustand des Gebäudes
Das Kreishaus Recklinghausen wurde in den 1970er Jahren errichtet und seither lediglich durch optische Renovierungsmaßnahmen und laufende Instandhaltungsarbeiten instandgehalten. Das Gebäudekomplex ist in fünf Bauteile (A bis E) gegliedert, wobei vier Bauteile jeweils um großzügige Innenhöfe gebaut sind, und Bauteil E in Form und Ausrichtung als Sonderbau ein eigenes Profil besitzt. Der gesamte Gebäudekomplex ist unterkellert und erstreckt sich über eine Grundstücksfläche von etwa 36.700 m².
Zwar wurde das Gebäude über die Jahre instandgehalten, doch die technischen Anlagen und die bauliche Substanz hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten so verschlechtert, dass eine umfassende Sanierung unumgänglich wurde. Sachverständige und Fachingenieure stellten umfangreiche Mängel in den Bereichen Brandschutz, elektrotechnische Infrastruktur, Lüftungstechnik und Gebäudeleittechnik fest. Bisherige Sanierungsmaßnahmen waren lediglich auf die Sicherheitsrelevanten Bereiche beschränkt.
Im Jahr 2017 wurde das Sanierungsprojekt unter dem Namen „Arbeitswelt 2025“ initiiert. Ziel war es, nicht nur die bauliche Substanz zu sichern, sondern auch die Arbeitsorganisation und Bürostruktur grundlegend zu modernisieren. Die assmann Gruppe wurde mit der Erstellung der funktionalen Leistungsbeschreibung beauftragt und unterstützte das Vergabeverfahren. Zudem wurde eine Neubauvariante an einem anderen Standort untersucht, doch letztlich setzte sich die Sanierung des bestehenden Gebäudes durch.
Umfang der Sanierungsarbeiten
Die Sanierung umfasst sowohl interne als auch externe Maßnahmen und ist in mehrere Bauteile unterteilt, die im laufenden Betrieb abgearbeitet werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Sanierungsaspekte detailliert beschrieben.
Brandschutzmaßnahmen
Eine der zentralen Aufgaben der Sanierung ist die Verbesserung der Brandschutzverhältnisse. Das bestehende Gebäude entspricht nicht mehr den aktuellen Brandschutzvorschriften. Die Sanierungsarbeiten beinhalten daher die Errichtung von Brandschutzschwellen, die Installation von Rauchabzugsanlagen, die Modernisierung der Türtechnik und die Einführung von neuen Brandmeldeanlagen. Ziel ist es, das Gebäude in den Sicherheitsstandards der heutigen Zeit zu modernisieren und die Sicherheit der Beschäftigten sowie Besucher zu erhöhen.
Haustechnik und Energieeffizienz
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist die Erneuerung der Haustechnik. Die bestehenden elektrotechnischen, lüftungstechnischen und Heizungsanlagen sind veraltet und erfüllen nicht mehr die heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Komfort. Im Rahmen der Sanierung werden diese Anlagen durch moderne Systeme ersetzt. Dazu zählen:
- Elektrotechnik: Austausch der veralteten Leitungen und Installation neuer Verteilsysteme mit moderner Steuerungstechnik.
- Lüftungstechnik: Einbau neuer, energieeffizienter Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.
- Heizungstechnik: Modernisierung der Heizsysteme durch den Einbau effizienterer Heizkessel und die Einführung von dezentralen Heizsystemen.
- Gebäudeleittechnik: Installation einer neuen Gebäudeleittechnik (BMS), die die Steuerung und Überwachung aller Haustechniksysteme ermöglicht.
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Energieverbrauch des Gebäudes zu reduzieren und gleichzeitig den Komfort der Beschäftigten zu verbessern.
Dachsanierung
Ein weiteres zentrales Sanierungsprojekt ist die vollständige Dachsanierung. Das Dach des Kreishauses war stark verschlissen und wies erhebliche Schäden auf, die zu Schimmelpilzbildungen und Feuchtigkeitsschäden führten. Im Rahmen der Sanierung wird das Dach komplett erneuert. Dazu zählen:
- Abbruch der bestehenden Dachkonstruktion.
- Neue Dachabdichtung mit modernen Materialien.
- Verbesserung der Dämmung, um die Energieeffizienz des Gebäudes zu steigern.
- Neuerrichtung von Dachbegrünungen, wo dies sinnvoll ist.
Durch diese Maßnahmen wird das Dach nicht nur funktional wieder hergestellt, sondern auch energieeffizient und nachhaltig gemacht.
Fassaden- und Innenausbauarbeiten
Die Sanierung umfasst auch umfangreiche Fassaden- und Innenausbauarbeiten. Die bestehende Fassade wird abgebaut und durch eine moderne, repräsentative Fassade ersetzt. Diese ist in Grautönen gehalten und verleiht dem Gebäude ein modernes Erscheinungsbild. Gleichzeitig erfüllt die neue Fassade wichtige technische Funktionen:
- Verbesserte Wärmedämmung: Die neue Fassade trägt dazu bei, den Energieverbrauch zu senken.
- Schutz vor Witterungseinflüssen: Sie bietet besseren Schutz gegen Niederschlag, Wind und andere Witterungseinflüsse.
- Optimales Tageslicht: Die Fassadengestaltung berücksichtigt die optimale Nutzung von Tageslicht, was den Energieverbrauch für Beleuchtung reduziert.
Im Inneren des Gebäudes erfolgt ein fast vollständiger Rückbau der bestehenden Innenwände. Schadstoffbelastete Materialien werden zurückgebaut, und das Gebäude wird weitestgehend leer geräumt, um einen neuen, modernen Innenausbau zu ermöglichen.
Außenanlagen
Neben den baulichen Maßnahmen innerhalb des Gebäudes erfolgt auch eine umfassende Sanierung der Außenanlagen. Die Freianlagen, Innenhöfe und Parkflächen sind in einem altersbedingten Zustand und werden daher komplett erneuert. Ziel ist es, die Außenbereiche barrierefrei, nachhaltig und funktional zu gestalten. Dazu zählen:
- Neugestaltung der Innenhöfe: Die bisherigen Innenhöfe wirken wenig einladend und bieten eine geringe Aufenthaltsqualität. Sie werden neu gestaltet, um eine bessere Nutzung durch Mitarbeitende und Besucher zu ermöglichen.
- Neubau eines Parkhauses: Nach einer Analyse mehrerer Parkraumvarianten empfahl das Planungsbüro Kemper den Bau eines mehrgeschossigen Parkhauses. Dieser Vorschlag wurde vom Bauherrn umgesetzt und stellt einen separaten Folgeauftrag dar.
- Erneuerung der Zugänge und Eingangsbereiche: Die Eingangsbereiche werden barrierefrei gestaltet, um die Zugänglichkeit zu verbessern.
- Modernisierung der Entwässerungssysteme: Die bestehenden Entwässerungssysteme werden ersetzt, um die Langfristigkeit und Funktionalität der Außenbereiche zu gewährleisten.
Die Fertigstellung der neuen Außenanlagen ist für das Jahr 2030 geplant.
Herausforderungen der Sanierung
Die Sanierung des Kreishauses Recklinghausen ist mit mehreren Herausforderungen verbunden, die sich aus der Größe des Projekts, der Komplexität der baulichen Maßnahmen und der Tatsache ergeben, dass die Arbeiten im laufenden Betrieb durchgeführt werden.
Sanierung im laufenden Betrieb
Die größte Herausforderung der Sanierung ist, dass die Arbeiten im laufenden Dienstbetrieb durchgeführt werden. Das bedeutet, dass nicht alle Räume gleichzeitig gesperrt oder abgerissen werden können. Stattdessen erfolgen die Sanierungsarbeiten in Abschnitten, wobei jeweils bestimmte Bereiche für die Sanierung freigeräumt werden müssen. Daraus resultieren Interimslösungen, bei denen Räumlichkeiten in externe Liegenschaften verlegt werden.
Ein Beispiel hierfür ist die Sanierung des Sitzungstrakts. Da dieser Bereich während der Sanierungsarbeiten nicht genutzt werden konnte, zog der Kreistag in die Stadthalle in Oer-Erkenschwick um. Solche Umzüge sind zwar unvermeidlich, führen aber zu organisatorischen und logistischen Komplexitäten, die sorgfältig geplant werden müssen.
Planung und Koordination
Die Sanierung eines Gebäudekomplexes mit insgesamt 32.000 m² Fläche und fünf Bauteilen erfordert eine intensive Planung und Koordination. Da die Sanierung in mehreren Bauteilen parallel stattfindet, müssen die verschiedenen Bauphasen sorgfältig abgestimmt werden. Dazu zählen:
- Planung der Bauphasen: Jede Bauphase muss so geplant werden, dass sie möglichst wenig Störungen im laufenden Betrieb verursacht.
- Koordination der Handwerker: Die verschiedenen Handwerksfirmen, die an der Sanierung beteiligt sind, müssen eng miteinander koordiniert werden, um Überschneidungen und Verzögerungen zu vermeiden.
- Planung der Interimslösungen: Die Verlegung von Räumlichkeiten in externe Liegenschaften erfordert eine sorgfältige Planung, um die Funktionalität der Räume sicherzustellen.
Kosten und Zeitplanung
Die Sanierung des Kreishauses Recklinghausen ist mit erheblichen Kosten verbunden. Allein die Sanierung der Außenanlagen wird mit 4,95 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen die Kosten für die Sanierung des Gebäudesinneren, die Brandschutzmaßnahmen, die Haustechnik, die Fassadenarbeiten und die Modernisierung der Sitzungsräume. Die Gesamtkosten des Projekts sind nicht öffentlich bekannt, doch sie dürften in den hohen Millionenbereich gehen.
Auch die Zeitplanung ist ein entscheidender Faktor. Die Sanierung wurde im Jahr 2023 begonnen und ist für das Jahr 2029 abgeschlossen. Das bedeutet, dass das Projekt über einen Zeitraum von sechs Jahren läuft. In dieser Zeit müssen alle Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen werden, ohne dass der Betrieb der Kreisverwaltung stark eingeschränkt wird.
Ergebnisse und Ausblick
Die Sanierung des Kreishauses Recklinghausen wird das Gebäude in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Mit der Erneuerung der Fassaden, der Dächer, der Haustechnik und der Außenanlagen wird das Kreishaus zu einem modernen, repräsentativen und funktionellen Verwaltungsgebäude.
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist die Schaffung einer neuen Bürgerzone, die als zentrale Anlaufstelle für die Bürgerdienstleistungen dienen wird. Diese Zone wird nicht nur optisch neu gestaltet, sondern auch funktional optimiert, um den Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Dienstleistungserbringung zu ermöglichen.
Die Sanierung wird auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt der Beschäftigten haben. Die neue Bürostruktur, die im Rahmen des Projekts „Arbeitswelt 2025“ entwickelt wurde, wird flexible, moderne und gesunde Arbeitsplätze schaffen. Dadurch wird nicht nur die Effizienz der Arbeit gesteigert, sondern auch die Zufriedenheit der Beschäftigten.
Fazit
Die Sanierung des Kreishauses Recklinghausen ist eines der bedeutendsten Bauvorhaben in der Geschichte des Kreises. Mit einer Gesamtfläche von 32.000 m² und einer Sanierungskosten im hohen Millionenbereich wird das Projekt das Gebäude in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Die Arbeiten umfassen die Modernisierung der Brandschutzverhältnisse, die Erneuerung der Haustechnik, die Dachsanierung, die Fassadenarbeiten, die Erstellung einer neuen Bürgerzone und die Sanierung der Außenanlagen.
Die größte Herausforderung der Sanierung besteht darin, dass die Arbeiten im laufenden Betrieb durchgeführt werden müssen. Daraus resultieren Interimslösungen, bei denen Räumlichkeiten in externe Liegenschaften verlegt werden. Dennoch gelingt es dem Projektteam, die Sanierungsarbeiten so zu planen, dass der Betrieb der Kreisverwaltung möglichst wenig eingeschränkt wird.
Mit der Fertigstellung des Projekts im Jahr 2029 wird das Kreishaus Recklinghausen ein modernes, repräsentatives und funktionelles Verwaltungsgebäude sein, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht. Die Sanierung ist nicht nur eine Investition in die Zukunft der Kreisverwaltung, sondern auch ein Symbol für moderne Verwaltung und nachhaltige Gebäudeplanung.
Quellen
- Kreishaussanierung: Vorbereitende Maßnahmen und Hochbaumaßnahmen
- Sanierung des Kreishauses in Recklinghausen
- Kreishaussanierung: Maler- und Lackierarbeiten
- Sanierung Recklinghäuser Kreishaus: Politik zieht um
- Komplettsanierung des Kreishaus Recklinghausen
- Sanierung der Außenanlagen des Kreishauses Recklinghausen
- Neue Bürgerzone im Recklinghäuser Kreishaus