Einführung
Das Spreewaldbad in Berlin-Kreuzberg, ein stadtbekanntes Freizeitbad, befindet sich seit 2023 in einer umfassenden Grundsanierung. Mit einer Investitionssumme von 42 Millionen Euro ist dies die größte Einzelmaßnahme in der Geschichte der Berliner Bäder-Betriebe und gleichzeitig eine der bedeutendsten Investitionen in öffentliche Badeanstalten Berlins in den letzten 25 Jahren. Die Sanierung umfasst nicht nur die bauliche Erneuerung, sondern auch eine tiefgehende Modernisierung, die das Bad auf das kommende Jahrzehnt vorbereiten soll.
Die Sanierungsarbeiten, die bis 2026 oder 2027 andauern, betreffen sämtliche Bereiche der Anlage. Ziel ist es, das Spreewaldbad in ein modernes, barrierefreies und energieeffizientes Freizeitbad zu verwandeln, das sowohl Familien, Sportler als auch Erholungssuchende anzieht. Zudem soll das Projekt eine positive Impulsfunktion für den zentralen Stadtteil Kreuzberg und den angrenzenden Görlitzer Park entfalten.
Dieser Artikel beleuchtet die Details der Sanierung, die geplanten Veränderungen, die technischen Aspekte sowie die Bedeutung des Projekts für die lokale Infrastruktur.
Geschichte und aktueller Zustand des Spreewaldbads
Das Spreewaldbad, ursprünglich als „Wellenbad“ bekannt, wurde im Jahr 1987 nach Plänen des Architekten Christoph Langhof eröffnet. Es zählt damit zu den Bädern, die in den 1980er-Jahren westberlinscher Architektur und Stadtplannung entsprangen. Die Anlage wurde in einer fünfjährigen Bauzeit errichtet und ist seitdem fester Bestandteil der Berliner Bäderlandschaft. Sie befindet sich an der Wiener Straße 59h und erstreckt sich über das Gelände des Görlitzer Parks, einem zentralen Freizeitort in Kreuzberg.
Über seine 36-jährigen Geschichte hinweg wurde das Bad mehrfach saniert, darunter 2003 mit einer Renovierung der Fliesen, Filter und Messtechnik. 2007 musste das Sprungbecken jedoch aufgrund von Korrosionsschäden an den Stahlträgern gesperrt werden. Obwohl diese Renovierungen notwendig waren, reichten sie nicht aus, um die Anlage für die Zukunft fitzumachen. So entstand der Plan einer umfassenden Grundsanierung, die das Bad grundlegend neu gestalten und in die Zukunft rüsten soll.
Planung und Bauherr: Die Berliner Bäder-Betriebe
Die Sanierung wird durch die Berliner Bäder-Betriebe (BBB), eine AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts), durchgeführt. Die BBB ist für die Betreuung und Entwicklung der städtischen Freizeitbäder zuständig und hat sich mit dieser Investition einem ihrer bisher ambitioniertesten Projekte gestellt. Laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Johannes Kleinsorg handelt es sich hierbei um die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens.
Die Planung wird vom renommierten Architekturbüro AHM Architekten übernommen, das auch für andere Sanierungsprojekte der BBB verantwortlich ist. Die Planungsphase begann im Jahr 2021, und die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Insgesamt umfasst das Projekt eine Bruttogeschossfläche von 5.700 Quadratmetern und ein Brutto-Rauminhalt von 46.500 Kubikmetern. Die Sanierung erfolgt über alle Leistungsphasen (LPH 1–9), was bedeutet, dass die Planung, die bauliche Umsetzung und die Inbetriebnahme vollständig in den Fokus gestellt werden.
Baukonzept und geplante Maßnahmen
Die Sanierung des Spreewaldbads ist ein umfassendes Projekt, das sowohl bauliche als auch funktionale Aspekte betrifft. Im Zentrum steht die Erneuerung der gesamten Badeanlage, wobei besondere Aufmerksamkeit auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit und neue Freizeitangebote gelegt wird.
Umbau der Wasseranlagen
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Neugestaltung der Wasseranlagen. Das Sprungbecken erhält einen höhenverstellbaren Boden, der nicht nur Springen, sondern auch Aqua-Fitness-Kurse ermöglicht. Darüber hinaus wird das Sprungbecken in seiner Funktion erweitert, um mehrere Nutzungsprofile abdecken zu können.
Ein weiteres Highlight ist die Installation einer neuen Breitrutsche, die vom Spreewaldplatz aus sichtbar sein wird. Diese Rutsche ersetzt das traditionelle Kaskadenbecken, das vollständig rückgebaut wird. Der Einstieg in die Rutsche erfolgt über einen versteckten Treppenturm im Hang. Der Neubau des Rutschenbereichs verbindet Sauna- und Freizeitbereich, wodurch ein multifunktionaler Freizeitort entsteht.
Zwar war ursprünglich geplant, auch interaktive Spielelemente und Slacklines über dem Wasser zu integrieren, doch aufgrund gestiegener Kosten mussten diese Projekte aus dem Plan gestrichen werden. Ein ähnlicher Kurs wurde auch mit der Sanierung der Sauna eingeschlagen, die ursprünglich in ein modernes Wellnesskonzept eingebunden werden sollte.
Energetische Sanierung
Die Energieeffizienz spielt eine zentrale Rolle in der Sanierung. Geplant sind:
- Dämmung der Fassaden und Dächer
- Einbau neuer, hochisolierender Fenster
- Modernisierung der Türen
- Installation energieeffizienter Technik
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Energieverbrauch des Bades deutlich zu reduzieren. Zudem wird das Dach mit Photovoltaik-Elementen ausgestattet, was die Erzeugung erneuerbarer Energie ermöglicht. Diese Investitionen sind nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch ein klarer Beitrag zur Erreichung der Klimaziele Berlins.
Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit
Die Sanierung des Spreewaldbads legt auch einen starken Fokus auf Barrierefreiheit. So werden die sanitären Anlagen, Umkleiden und Zugänge umfassend saniert, um die Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Die Neugestaltung der Zugangspfade und Eingangsbereiche wird sicherstellen, dass das Bad für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nutzbar bleibt.
Ein weiteres Projekt ist das begehbare Gründach mit Liegewiese, das den Nutzern zusätzlichen Freizeit- und Aufenthaltsraum bietet. Dieser Bereich wird in den Sanierungsplan integriert und bleibt Bestandteil des Projekts.
Zeitlicher Ablauf und aktuelle Entwicklungen
Die Sanierungsarbeiten begannen im Herbst 2023, nachdem das Bad am 30. Juni 2023 für die Öffentlichkeit geschlossen wurde. Die Bauzeit ist auf mindestens dreiinhalb Jahre veranschlagt, was eine Wiedereröffnung voraussichtlich im Jahr 2027 erwarten lässt.
Im Vorfeld der Schließung veranstalteten die Berliner Bäder-Betriebe eine Informationsveranstaltung am 28. Februar 2023 im Zelt des Zirkus Cabuwazi, direkt neben dem Wellenbad. Ziel war es, Nutzer und Anwohner über die Sanierungspläne zu informieren und Fragen zur Dauer der Schließung zu beantworten.
Bedeutung für den Kiez und den Görlitzer Park
Die Sanierung des Spreewaldbads ist nicht isoliert von der städtischen Entwicklung in der Umgebung. Sie ist eingebettet in eine umfassende Aufwertung des öffentlichen Raums, insbesondere im Umfeld des Görlitzer Parks. Während in diesem Bereich umstrittene Sicherheitsmaßnahmen wie Zäune für Debatten sorgen, zeigt die Sanierung des Bades eine alternative Herangehensweise an der Stadtentwicklung: Investitionen in Infrastruktur und Lebensqualität.
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg betont, dass das Projekt ein städtebauliches Signal setzt: Es ist ein Schritt in Richtung einer Politik, die Freizeitangebote und soziale Teilhabe in den Vordergrund stellt. Neben der Sanierung des Bades wird auch ein neuer Spielplatz im östlichen Teil des Parks gebaut, der den Freizeitwert der Anlage weiter steigert.
Zusätzlich ist die Sanierung des Spreewaldbads ein Impuls für den zentralen Stadtteil Kreuzberg. Die Nachbarschaft gilt als sozial wie infrastrukturell herausfordernd, doch sie ist gleichzeitig stark frequentiert und zentral gelegen. Die Berliner Bäder-Betriebe betonen, dass das Projekt einen wichtigen Beitrag zur sozialen und funktionalen Stärkung des Bezirks leistet.
Vergleich mit anderen Sanierungsprojekten in Berlin
Die Sanierung des Spreewaldbads ist Teil einer größeren Initiative der Berliner Bäder-Betriebe, ihre Anlagen in den kommenden Jahren grundlegend zu modernisieren. In diesem Jahr werden ebenfalls das Stadtbad Schöneberg und die Schwimmhalle Zingster Straße saniert. Weitere Projekte, wie die Renovierung der Schwimmhalle Sewanstraße, der Stadtbad Wilmersdorf und der Kombibäder Mariendorf und Spandau, sind in Planung oder in der Umsetzung.
Laut den Berliner Bäder-Betrieben stehen 2024 insgesamt 152 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. In den kommenden Jahren sind weitere Sanierungen vorgesehen, darunter im Stadtbad Mitte, im Sommerbad am Insulaner und im Kombibad Mariendorf. Zudem sind Neubauten in Planung, wie das Multifunktionsbad Pankow.
Fazit
Die Sanierung des Spreewaldbads in Berlin-Kreuzberg ist ein ambitioniertes und notwendiges Projekt, das die Zukunft der städtischen Bäderlandschaft sichert. Mit einer Investition von 42 Millionen Euro wird das Bad nicht nur baulich erneuert, sondern auch in eine moderne, barrierefreie und energieeffiziente Anlage verwandelt. Die geplanten Veränderungen – von der Neugestaltung der Wasseranlagen über die energetische Sanierung bis hin zur Schaffung multifunktionaler Freizeitbereiche – unterstreichen den Anspruch, das Spreewaldbad zu einem zentralen Treffpunkt für alle Bevölkerungsgruppen zu machen.
Zudem ist das Projekt ein wichtiger Impuls für den Stadtteil Kreuzberg und den angrenzenden Görlitzer Park. Es zeigt, wie Investitionen in Infrastruktur und Freizeitangebote zur Stärkung der sozialen und städtebaulichen Entwicklung beitragen können. Mit einer Bauzeit von mindestens dreiinhalb Jahren ist die Wiedereröffnung voraussichtlich für 2027 geplant. Bis dahin bleibt das Bad für die Öffentlichkeit geschlossen, doch die Investitionen und die Planung sind bereits in vollem Gange.
Quellen
- Spreewaldbad in Berlin: Modernisierung für 42 Millionen Euro
- Wellenbad am Spreewaldplatz in Berlin wird umfassend saniert
- Wellenbad am Spreewaldplatz: Veränderungen beim Umfang der Umbauarbeiten
- Goerlitzer Park: Neues Konzept für Schwimmbad am Spreewaldplatz
- Bad am Spreewaldplatz, Berlin – Sanierung durch AHM Architekten