Einführung
Der Gasometer in Oberhausen zählt zu den bedeutendsten Industriedenkmälern im Ruhrgebiet und ist mit einer Höhe von 117,5 Metern sowie einem Durchmesser von knapp 68 Metern das Wahrzeichen dieser Region. Erbaut in den Jahren 1927 bis 1929 vom MAN Werk Gustavsburg, diente das Bauwerk ursprünglich der Speicherung von Hochofengas. Nach seiner Stilllegung im Jahr 1988 wurde der Gasometer in einen multifunktionalen Veranstaltungs- und Ausstellungsort umgewandelt und seit 1994 als einzigartiger kultureller Leuchtturm genutzt. Mit über acht Millionen Besuchern in den letzten Jahrzehnten hat sich das Bauwerk als zentraler Bestandteil der kulturellen Identität des Ruhrgebiets etabliert.
Nach 90 Jahren weist das Bauwerk jedoch altersbedingte Schäden auf, weshalb Ende 2018 die denkmalgerechte Komplettsanierung des Gasometers beschlossen und in den Jahren 2019 bis 2021 umgesetzt wurde. Die Sanierungsmaßnahme kostete rund 14 Millionen Euro und betraf insbesondere die Erhaltung der historischen Substanz sowie die Modernisierung der baulichen Struktur. Ziel war es, das Bauwerk bis mindestens ins Jahr 2050 vor weiteren Schäden zu schützen und seine Nutzung als kulturelle Einrichtung sicherzustellen.
Die Sanierung war nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, bei dem Industrieerbe mit kultureller und touristischer Nutzung verknüpft wird. Der Gasometer ist Teil der Route der Industriekultur und in die Europäische Route der Industriekultur (ERIH) eingebunden. Seine Sanierung zeigt, wie historische Gebäude mit modernen Methoden und sensibler Planung in die Zukunft überführt werden können.
Der Gasometer Oberhausen: Historische Bedeutung und bauliche Konstruktion
Ursprung und Funktion
Der Gasometer wurde in den Jahren 1927 bis 1929 als Scheibengasbehälter in der MAN-Bauweise errichtet. Er diente zunächst der Eisenhütte Oberhausen als Speicher für Hochofengas und später der Kokerei Osterfeld als Speicher für Kokereigas. Mit einem Speichervolumen von ca. 347.000 Kubikmetern war der Gasometer bis 1988 das größte dieser Art in Europa. Seine Konstruktion besteht aus 24 horizontal liegenden, polygonalen Doppel-T-Trägern, die die horizontale Stabilität gewährleisten. Die Wände bilden 8,80 Meter lange, 0,81 Meter hohe und 5 Millimeter dicke, aufgenietete Mantelbleche.
Das Dach des Gasometers ist aus 24 Fachwerkträgern zusammengesetzt, die radial im sogenannten Königspunkt zusammenlaufen. Auf diesen Fachwerkträgern ruht die restliche Dachkonstruktion. Die gesamte Baustruktur unterliegt dem Denkmalschutz, was die Sanierungsmaßnahmen besonders sensibel gestaltete.
Kulturelle Transformation
Nach der Stilllegung im Jahr 1988 wurde der Gasometer auf Vorschlag der IBA Emscher Park umgebaut und ab 1994 als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt. Diese kulturelle Wiederverwendung markiert einen wichtigen Schritt im Strukturwandel des Ruhrgebiets, bei dem ehemalige Industrieanlagen in moderne kulturelle Einrichtungen überführt wurden. In den 90er Jahren und später erlangte der Gasometer internationale Aufmerksamkeit durch künstlerische Projekte, darunter Installationen des renommierten Künstlers Christo.
Stellung im kulturellen Raum
Der Gasometer ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt Oberhausen, sondern auch ein zentraler Bestandteil der kulturellen und touristischen Infrastruktur des Ruhrgebiets. Er ist Teil der Route der Industriekultur und der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH), die Industrieerbe als Kulturgut bewahren und vermitteln. Seine Verortung in der Neuen Mitte Oberhausens, unmittelbar am Rhein-Herne Kanal, macht ihn zu einem prominenten Anziehungspunkt.
Herausforderungen der Sanierung
Alterungserscheinungen und Schäden
Nach 90 Jahren Nutzung und durch die stetige Exposition gegenüber Wetterbedingungen zeigte das Bauwerk altersbedingte Schwächen. An zahlreichen Stellen wiesen die Stahlhülle und das Tragwerk Korrosionsschäden auf, die eine umfassende Sanierung erforderlich machten. Die Gasometer Oberhausen GmbH schrieb Ende 2018 die denkmalgerechte Komplettsanierung aus und beauftragte Lindner Lohse Architekten BDA mit der Planung. Ziel der Maßnahme war es, das Bauwerk bis mindestens ins Jahr 2050 vor weiteren Schäden zu schützen und gleichzeitig die historische Substanz zu erhalten.
Denkmalschutz und Sanierungskonzept
Die Sanierung wurde unter den Vorgaben des Denkmalschutzes durchgeführt, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die Erhaltung der ursprünglichen Struktur gelegt wurde. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Zuwendungsempfängern, Zuwendungsgebern, Denkmalschützern, Juristen, Fachingenieuren und der Bundesbauverwaltung. Ein interdisziplinäres Sanierungskonzept wurde entwickelt, das sowohl die technischen als auch die kulturellen Aspekte des Bauwerks berücksichtigte.
Technische Aspekte der Sanierung
Die Sanierungsarbeiten betrafen insbesondere die Stahlhülle, die gestrahlt und nach denkmalschutztechnischen Ansprüchen neu beschichtet wurde. Die Deckschicht erhielt eine Farbe, die sich am Originalfarbton orientierte, der im Jahr 1949 beim Wiederaufbau des Gasometers verwendet wurde. Die Farbmischung bestand aus einem grauen Grundton mit einer oxydrötlichen Einfärbung.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Erneuerung der Umläufe, Treppen und der charakteristischen Ausbläser. Diese Elemente wurden mit Hilfe eines Spezialkrans und Industriekletterern montiert. Auch die Außenanlagen wurden in den Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt und wiederhergestellt.
Gerüst und Ausrüstung
Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung war das Errichten eines 1000 Tonnen schweren Gerüsts, das die Arbeiten an der Außenhülle ermöglichte. Das Gerüst umfasste eine Fläche von 30.000 Quadratmetern und war notwendig, um die Arbeiten in luftiger Höhe sicher durchzuführen. Der Rückbau des Gerüsts erfolgte in den Monaten April bis September 2021 und ermöglichte schließlich das Entfernen der Einhausung und den ersten Blick auf die sanierte Fassade.
Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen
Planung und Durchführung
Die Planung der Sanierung wurde ab 2019 durch das Architekturbüro Lindner Lohse Architekten BDA durchgeführt, das ein interdisziplinäres Sanierungskonzept entwickelte. Die Maßnahme wurde im Zuge eines Verhandlungsverfahrens 2019 an das Büro vergeben. Die Durchführung der Arbeiten erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Gasometer Oberhausen GmbH, der Bundesbauverwaltung und weiteren Fachleuten aus dem Bereich Ingenieurwesen.
Koordinierung und Förderung
Die Sanierung wurde durch eine Gruppe von Stakeholdern koordiniert, darunter Zuwendungsempfänger, Zuwendungsgeber, Denkmalschützer, Juristen, Fachingenieure und die Bundesbauverwaltung. Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, sowie die Regionaldirektorin des Regionalverbands Ruhr, Karola Geiß-Netthöfel, beteiligten sich aktiv an der Planung und Umsetzung der Sanierung. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen, Daniel Schranz, informierte sich regelmäßig über den Fortschritt der Maßnahmen.
Schrittweise Umsetzung
Die Sanierungsarbeiten wurden in mehreren Phasen durchgeführt. Zunächst erfolgten die Arbeiten an der Stahlhülle, bei denen die Korrosionsschutzarbeiten durchgeführt wurden. Anschließend wurde die neue Farbe aufgebracht, wobei der Farbton an das Original aus dem Jahr 1949 angepasst wurde. Die Umläufe, Treppen und Ausbläser wurden nach Abschluss der Fassadenarbeiten montiert. Schließlich erfolgten die Arbeiten an den Außenanlagen, um das Erscheinungsbild des Gasometers zu vollenden.
Meilensteine und Abschluss
Ein wichtiger Meilenstein der Sanierung war die Enthüllung der neuen Farbe, die im April 2021 erfolgte. Mit dem Abschluss der Korrosionsschutzarbeiten und dem Rückbau des Gerüsts konnte der Gasometer sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückgewinnen. Die letzte Phase der Sanierung umfasste die Wiederherstellung der Außenanlagen und die finalen Arbeiten an den Umläufen und Treppen.
Bedeutung der Sanierung
Erhalt industrieller Kulturgüter
Die Sanierung des Gasometers in Oberhausen ist ein herausragendes Beispiel für den sensiblen Umgang mit Industriedenkmälern. Die Maßnahme zeigt, wie historische Bauwerke mit modernen Methoden und sensibler Planung in die Zukunft überführt werden können. Der Gasometer ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, bei dem Industrieerbe mit kultureller Nutzung verknüpft wird.
Vorbildfunktion für künftige Projekte
Die Sanierung des Gasometers kann als Vorbild für ähnliche Projekte in anderen Städten dienen. Sie demonstriert, wie die Erhaltung historischer Gebäude mit der Modernisierung ihrer Funktion vereinbar ist. Die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Denkmalschützern und Fördergebern zeigt, wie interdisziplinäre Teams komplexe Sanierungsprojekte erfolgreich umsetzen können.
Wirtschaftliche und touristische Bedeutung
Der Gasometer ist nicht nur ein kultureller Leuchtturm, sondern auch ein wirtschaftlicher Anziehungspunkt. Seine Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltungsort zieht Besucher aus der ganzen Welt an und trägt so zur Entwicklung der regionalen Tourismusbranche bei. Die Sanierung hat nicht nur die bauliche Stabilität des Bauwerks gesichert, sondern auch dessen Attraktivität für künftige Nutzer und Besucher beibehalten.
Fazit
Die Sanierung des Gasometers in Oberhausen ist ein herausragendes Beispiel für die Erhaltung und Modernisierung eines Industriedenkmal. Mit einer Höhe von 117,5 Metern und einem Speichervolumen von 347.000 Kubikmetern ist das Bauwerk nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein kulturell und touristisch bedeutendes Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Die Sanierungsmaßnahmen, die zwischen 2019 und 2021 durchgeführt wurden, stellten eine besondere Herausforderung dar, da es galt, die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig die notwendige Modernisierung für die Zukunft zu gewährleisten.
Die Sanierung erfolgte unter den Vorgaben des Denkmalschutzes und betraf insbesondere die Stahlhülle, das Tragwerk und die äußeren Anlagen. Mit einer Investition von rund 14 Millionen Euro wurde das Bauwerk bis mindestens ins Jahr 2050 vor weiteren Schäden geschützt. Die Erneuerung der Farbe, die sich an den Originalfarbton aus dem Jahr 1949 orientierte, ermöglichte es, das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gasometers wiederzugeben.
Die Sanierung des Gasometers ist nicht nur ein technisches Erfolg, sondern auch ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Sie zeigt, wie Industrieerbe mit kultureller Nutzung und touristischer Attraktivität verknüpft werden kann. Der Gasometer ist ein zentraler Bestandteil der Route der Industriekultur und der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH), die Industrieerbe als Kulturgut bewahren und vermitteln. Seine Sanierung unterstreicht die Bedeutung von Industriedenkmälern für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Quellen
- Sanierung des Industriedenkmals: Der Gasometer Oberhausen als technisches und kulturelles Meisterwerk
- Neue alte Farbe für Industriedenkmal: Aufwändige Komplettsanierung des denkmalgeschützten Gasometers in Oberhausen
- Denkmalgerechte Sanierung Gasometer Oberhausen
- Denkmalsanierung des Gasometers in Oberhausen durch Lindner Lohse Architekten
- Komplettsanierung des Gasometers in Oberhausen
- Baustellentagebuch des Gasometers in Oberhausen