Generalsanierung des Freizeitbades Tauris: Modellprojekt für nachhaltige Baulicherhaltung

Einführung

Das Freizeitbad Tauris in Mülheim-Kärlich steht seit Jahrzehnten als zentraler Anlaufpunkt für Freizeit, Sport und Gesundheit in der Region. Eröffnet im Jahr 1991, war das Tauris ein Publikumsmagnet und etablierte sich als wichtiges soziales und sportliches Zentrum. Nach über 30 Jahren Betrieb und einer durch die COVID-19-Pandemie verursachten Schließung im Jahr 2020 stand das Bad vor einer entscheidenden Weichenstellung: der umfassenden Generalsanierung.

Die Sanierung des Freizeitbades Tauris ist nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein komplexes Beispiel für die Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich der kommunalen Infrastruktur, ökologischer Modernisierung und innovativer Finanzierungsmodelle. Mit einem Investitionsvolumen von 17,2 Millionen Euro (später auf 23 Millionen Euro gestiegen) und einer Förderung von 2,4 Millionen Euro vom Bund ist das Projekt ein Paradebeispiel für die Kombination öffentlicher und privater Ressourcen.

Ziel der Sanierung ist es, das Tauris nicht nur wieder in einen technischen und funktionellen Zustand zu bringen, sondern auch an die heutigen Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Der Fokus liegt dabei auf Ökologie und Ökonomie, mit der Planung eines Nahwärmeverbundsystems in Kooperation mit Schwimmbad und Schule sowie einer PV-Anlage auf dem Außengelände, um elektrische Energie zu erzeugen und CO₂ einzusparen.

In diesem Artikel wird das Sanierungsprojekt des Tauris detailliert beschrieben, einschließlich seiner Hintergründe, technischen Aspekte, finanziellen Rahmenbedingungen, politischen und gesellschaftlichen Dimensionen sowie der zukünftigen Auswirkungen.

Historischer Hintergrund und Notwendigkeit der Sanierung

Das Freizeitbad Tauris wurde 1991 eröffnet und zog sich schnell in das Leben der Region ein. Mit einer markanten Architektur und einer breiten Palette an Angeboten – von Schwimmunterricht für Kinder bis hin zu Aquafitness für Erwachsene – entwickelte sich das Tauris zu einem zentralen Freizeit- und Gesundheitszentrum. Die Anlage war nicht nur für die Einwohner der Stadt Mülheim-Kärlich, sondern auch für die umliegenden Gemeinden von großer Bedeutung.

Schon früh wurde das Bad von neun Schulen der Verbandsgemeinde genutzt, um Schwimmunterricht zu erteilen. Der Triathlon-Verein nutzte die Anlage regelmäßig für Trainingszwecke, und die Volkshochschule bot Baby- und Kleinkinderschwimmkurse sowie Kurse für Erwachsene an. Allerdings stießen die bestehenden Ressourcen und Infrastruktur mit der Zeit an ihre Grenzen. Aktuell bot das Bad nicht mehr die erforderlichen Kapazitäten für alle Nutzergruppen, was zur Notwendigkeit einer Sanierung führte.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wird ein barrierefrei zugängliches Becken für die Gesundheitskurse mit entsprechender Wassertiefe gebaut. Diese Maßnahme ist notwendig, da die Gesundheitskurse aktuell in ungeeigneten Becken stattfinden, was den Schwimmbetrieb einschränkt. Zudem ist eine umfassende technische Erneuerung erforderlich, um den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Die Planung und Finanzierung der Sanierung

Die Sanierung des Tauris ist ein Bauauftrag der Stadt Mülheim-Kärlich, der unter strengen rechtlichen, wirtschaftlichen, finanziellen und technischen Vorgaben gesteuert wird. Um die Sanierung zu realisieren, hat die Stadt einen Investorenwettbewerb durchgeführt. In diesem Wettbewerb sollte ein Investor das Freizeitbad erwerben und unter Einhaltung der kommunalen Vorgaben saniert und weiterbetrieben werden.

Die Stadt Mülheim-Kärlich legte Wert auf eine energetische und nachhaltige Sanierung, unter Einbeziehung von regenerativen Energien. Die Immobilie geht in das Eigentum des Investors über. Hinsichtlich des Grundstücks wird ein Erbbaurechtsvertrag mit einem jährlichen Pachtzins von mindestens 5 % des Bodenrichtwertes geschlossen. Der angebotene Pachtzins spielt auch in die preisliche Bewertung des Angebotes ein.

Die Stadt knüpft an die Umsetzung Anforderungen im Bereich der Daseinsvorsorge, was die Rechtslage weiter kompliziert. Laut der EU-Rechtsprechung könnte es sich um einen Bauauftrag handeln, was bedeutet, dass der Investor nicht einfach den Preis als Hauptkriterium für die Vergabe nutzen kann, sondern auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen muss.

Die Kosten für die Sanierung stiegen im Laufe der Planung von 17 Millionen auf 23 Millionen Euro. Diese Erhöhung führte zu heftigen Diskussionen im Stadtrat, wo verschiedene Positionen vertreten wurden. Einige Stadtratsmitglieder befürworteten eine Generalsanierung, während andere skeptisch blieben und alternative Lösungen vorschlugen. Der Beschluss für die Sanierung wurde schließlich knapp gefasst, doch die Umsetzung stieß auf weitere Hürden.

Im August 2024 kam es zu einer überraschenden Wende: Der Rat stimmte für den Verkauf der Einrichtung. Die Gründe für die interne Beratung und die Nicht-Nennung der Bieter sind bis heute umstritten. Der Gewinner des Wettbewerbs entschied sich schließlich, öffentlich zu machen, was er mit der Anlage beabsichtigte.

Technische Sanierung und nachhaltige Energieversorgung

Der technische Schwerpunkt der Sanierung liegt auf der Entwicklung eines nachhaltigen Energieversorgungskonzepts. Anstatt einfach die Heiztechnik auszutauschen, wurde ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, der die Entwicklung in Richtung einer CO₂-neutralen Energieversorgung für den gesamten Komplex zum Ziel hat.

Die Grundlage für dieses Konzept bildete eine Machbarkeitsstudie, die von der goodmen energy GmbH erstellt wurde. Diese Studie untersuchte die Möglichkeit einer Quartiersversorgung über ein Wärmenetz und führte zu einem hybriden Versorgungskonzept, das erneuerbare Energien mit Erdgas kombiniert.

Ein zentraler Bestandteil der Sanierung ist das Nahwärmeverbundsystem, das in Kooperation mit dem Schwimmbad und der Schule umgesetzt wird. Dieses System ermöglicht es, Energie effizienter zu nutzen und den Energiebedarf des Bades zu reduzieren. Zudem wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Außengelände geplant, um elektrische Energie zu erzeugen und so CO₂ einzusparen.

Ein weiteres Ziel ist die Steigerung der Attraktivität des Bades. So sollen beispielsweise die Saunagäste nach der Sanierung von einer angenehmeren Atmosphäre profitieren. Auch die Erneuerung der Gebäudehülle und die Schaffung barrierefreier Zugänge sind Teil der Planung.

Finanzielle und politische Dimensionen

Die Sanierung des Tauris ist nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein komplexes Finanzierungsmodell. Mit der Erhöhung der Investitionskosten von 17 auf 23 Millionen Euro stellte sich die Frage, ob die Stadt allein die Mittel bereitstellen kann. Eine Generalsanierung dieser Größenordnung ist für eine Stadt mit rund 11.500 Einwohnern eine große Herausforderung.

Die Stadt Mülheim-Kärlich erhielt eine Förderung von 2,4 Millionen Euro vom Bund, was die Finanzierung zwar entlastete, aber nicht vollständig löste. Der Bundestagsabgeordnete Josef Oster betonte, dass die Sanierung notwendig sei, um das Bad wieder zu einem zentralen Anziehungspunkt für die Region zu machen. Er zeigte sich überzeugt, dass das Tauris nach Abschluss der Arbeiten eine große Anziehungskraft entwickeln und eine wichtige Bereicherung für das Freizeitangebot der gesamten Region sein wird.

Auf politischer Ebene fand das Projekt große Aufmerksamkeit. Lokale Politiker, darunter der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm und Beigeordnete der Stadt Mülheim-Kärlich, beteiligten sich aktiv an der Diskussion. Auch auf kommunaler, Landes- und Bundesebene wurde die Sanierung als Projekt mit überregionaler Bedeutung betrachtet.

Die Einbindung von Akteuren auf verschiedenen Ebenen verdeutlicht, dass die Sanierung des Tauris nicht nur ein lokales Projekt ist, sondern auch in die übergeordneten Finanzierungs- und Planungskonzepte eingebettet wird.

Öffentliche Kommunikation und Transparenz

Die Transparenz gegenüber der Bürgerschaft spielte in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Um die Öffentlichkeit bestmöglich zu informieren und für einen direkten Austausch zu sorgen, wurde eine Bürgerversammlung anberaumt. Bei dieser Veranstaltung wurde der Stand der Sanierungsmaßnahmen vorgestellt und Fragen aus dem Publikum beantwortet.

Die Kommunikationsstrategie der Stadt umfasste auch die Einbindung der Presse und der sozialen Medien. Regelmäßige Updates über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten und der Finanzierung wurden veröffentlicht, um das Projekt transparent zu halten. Allerdings gab es in der Vergangenheit Kritik, dass die Kommunikation nicht immer ausreichend gewesen sei.

So führte die Entscheidung, den Verkaufsprozess intern zu beraten und die Namen der Bieter nicht zu nennen, zu Unmut unter den Bürgern. Viele fühlten sich schlecht informiert, was die Notwendigkeit einer besseren Kommunikationsstrategie verdeutlichte.

Die Zukunft des Tauris

Die Generalsanierung des Freizeitbades Tauris ist ein Mehr-einheiten-Projekt, das weit über eine typische Baumaßnahme hinausgeht. Es ist eine Antwort auf altersbedingten Bausubstanzverlust, verschärft durch unvorhergesehene strukturelle Mängel. Gleichzeitig ist es ein Finanzierungsprojekt, das den Wandel von einer rein kommunalen Investition hin zu einem privaten Investment zur Erhaltung der öffentlichen Daseinsvorsorge darstellt.

Entscheidend und fachlich besonders bemerkenswert ist jedoch das Energiekonzept, das als Fallstudie für eine erfolgreiche und umfassende nachhaltige Modernisierung eines Bestandsgebäudes dienen kann. Der Ansatz, statt Abriss eine ökologische und ökonomische Optimierung durchzuführen, ist wegweisend.

Das Tauris steht somit exemplarisch für die Zukunftsfähigkeit öffentlicher Bauten, die durch intelligente Sanierung nicht nur technisch saniert, sondern ökonomisch tragfähig gemacht und in Einklang mit den Zielen des Klimaschutzes gebracht werden können.

Fazit

Die Generalsanierung des Freizeitbades Tauris in Mülheim-Kärlich ist ein herausforderndes und vielschichtiges Projekt, das sowohl technische, finanzielle als auch politische Aspekte vereint. Es zeigt, wie durch eine intelligente Sanierung nicht nur der Bausubstanzverlust eines öffentlichen Gebäudes bekämpft werden kann, sondern auch eine nachhaltige und ökologische Zukunft gestaltet werden kann.

Das Projekt ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie kommunale Infrastruktureinrichtungen durch eine Kombination aus öffentlichen und privaten Ressourcen erneuert und weiterentwickelt werden können. Es unterstreicht die Notwendigkeit, bei Sanierungsprojekten nicht nur die technischen Aspekte im Vordergrund zu sehen, sondern auch die gesellschaftlichen und ökologischen Dimensionen zu berücksichtigen.

Mit dem Tauris wird ein Modellprojekt geschaffen, das für andere Städte und Gemeinden eine wertvolle Orientierung bieten kann. Es zeigt, wie durch eine durchdachte Planung, eine transparente Kommunikation und eine nachhaltige Energieversorgung ein öffentliches Gebäude nicht nur technisch wiederhergestellt, sondern auch in die Zukunft gebracht werden kann.

Quellen

  1. Sport-Jugend-Kultur: Steckbrief Mülheim-Kärlich – Familien- und Freizeitbad Tauris
  2. Austrasse Zürich: Generalsanierung Freizeitbad Tauris – Eine Fallstudie für nachhaltige Sanierung und öffentliche Finanzierung
  3. Blick aktuell: Freizeitbad Tauris wird aufwendig saniert
  4. Ausschreibungen Deutschland: Investorenwettbewerb Sanierung Freizeitbad Tauris
  5. Blick aktuell: Nach langer Zeit wieder Einigkeit beim Thema Tauris im Stadtrat

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