Einleitung
Das Pergamonmuseum in Berlin, eines der bedeutendsten Museumsgebäude der Welt, befindet sich derzeit in der größten und umfassendsten Sanierung seiner Geschichte. Mit geschätzten Kosten von 1,5 Milliarden Euro stellt dieses Projekt eines der größten Kulturbauprojekte Europas dar. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der berühmte Pergamonaltar, ein architektonisches Meisterwerk aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, das nach der Sanierung eine völlig neue Präsentation erfahren wird. Die Sanierung, die in zwei Hauptbauabschnitte unterteilt ist, wird voraussichtlich bis 2037 andauern, wobei bereits im Frühjahr 2027 Teile des Museums mit dem Pergamonaltar wiedereröffnet werden sollen. Dieser Artikel beleuchtet den Umfang, die technischen Aspekte und die Herausforderungen dieser gewaltigen Sanierungsmaßnahme.
Umfang und Zeitplan der Sanierung
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist das größte und komplexeste Bauprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wird in zwei Hauptbauabschnitte unterteilt:
Bauabschnitt A: Nord- und Mittelteil
Der erste Bauabschnitt umfasst den Nordflügel und den nördlichen Mittelteil des Museums, wo sich der berühmte Pergamonaltar befindet. Die Bauarbeiten in diesem Bereich wurden bereits 2013 begonnen und sollen im Jahr 2025 abgeschlossen werden. Die Wiedereröffnung dieses Teils ist für das Frühjahr 2027 geplant.
Für diesen Abschnitt wurden bereits 489 Millionen Euro investiert. Während der Schließzeit wird ein Interims-Schaufenster des Vorderasiatischen Museums erhalten bleiben, um den Besuchern dennoch Einblicke in die Sammlungen zu ermöglichen.
Bauabschnitt B: Südteil und Erweiterung
Der zweite Bauabschnitt, der im März 2025 beginnen soll, umfasst den Südkopf, den Südflügel mit der Prozessionsstraße von Babylon und dem Ischtar-Tor sowie den Mittelbau Süd mit dem Miletsaal. Für diesen Abschnitt sind Kosten von 722,4 Millionen Euro veranschlagt, mit zusätzlichen 295,6 Millionen Euro für Risiken und Baupreissteigerungen.
Besonders bemerkenswert ist, dass im Zuge dieser Sanierung der ursprünglich von Alfred Messel und später Oswald Mathias Ungers geplante, aber nie realisierte vierte Flügel errichtet wird. Dieser neue Flügel wird direkt am Kupfergraben als Verbindungsbau zwischen Nord- und Südflügel entstehen und wird die ursprünglichen Pläne der Architekten umsetzen.
Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist für 2036 geplant, sodass das gesamte Museum im Jahr 2037 wieder vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.
Die Notwendigkeit der Sanierung
Das Pergamonmuseum, das 1930 eröffnet wurde, hat im Laufe seiner Geschichte erhebliche Schäden erlitten. Besonders der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren an dem Gebäude. Die nachfolgenden Instandsetzungen wurden laut Barbara Große-Rhode vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung als "völlig unzureichend" beschrieben.
Ein akutes Problem ist die starke Durchfeuchtung des Bauwerks, die den Sanierungsbedarf weiter verstärkt. Laut Große-Rhode ist der gesamte Komplex "havarieanfällig". Auch die technischen Anlagen des Museums sind veraltet und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Die Sanierung ist also nicht nur eine Frage der Ästhetik oder der Verbesserung der Besuchererfahrung, sondern eine dringende Notwendigkeit, um das Weltkulturerbe zu erhalten. Wie Stiftungspräsident Hermann Parzinger betont, handelt es sich um "herausragendes Weltkulturerbe, das in einem fürchterlich maroden Zustand ist und das muss es uns wert sein".
Der Pergamonaltar im Zentrum der Sanierung
Der Pergamonaltar, das Herzstück des Museums, steht im Mittelpunkt der Sanierungsarbeiten. Dieses monumentale Bauwerk aus dem 2. Jahrhundert vor Christus gehörte zur Residenz der Könige von Pergamon in der Westtürkei, die dort eine Kulturmetropole nach dem Vorbild Athens geschaffen hatten.
Nach der Sanierung wird der Altar eine komplett neue Präsentation im Nord- und Mittelteil des Museums erfahren. Dieser Bereich wird "einem komplett neuen Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst" gewidmet sein, und der Altar selbst wird als Teil dieser neuen Ausstaltung präsentiert. Wie Hermann Parzinger erklärt, wird der Pergamonaltar "vielleicht sogar das Hauptstück der ganzen Insel" sein.
Die Sicherung und Vorbereitung der monumentalen Architekturexponate, darunter auch des Pergamonaltars, war eine gewaltige logistische Leistung. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden beinahe hunderttausend Objekte aus dem Südflügel des Museums beräumt, um die weiteren Arbeiten zu ermöglichen.
Restaurierungsarbeiten an den Exponaten
Während das Museum geschlossen ist, finden parallel zu den Baumaßnahmen umfangreiche Restaurierungsarbeiten an den Exponaten statt. Für Restauratorin Larissa Piepo ist diese Zeit eine besondere: "Am Anfang war es sehr einschüchternd, und jetzt ist es eine Wohltat, sich in diesen Räumen tagtäglich zu bewegen und die Kunst wirken und genießen zu können."
Ein Beispiel für die detailreichen Restaurierungsarbeiten ist das Hephaistion-Mosaik aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, das derzeit von Piepo und ihrem Team restauriert wird. Dieses Mosaik besteht aus einer Million Steinchen und erfordert äußerst präzise Arbeit.
Die meisten Restaurierungsarbeiten am Pergamonaltar wurden bereits absolviert, wie Tomas Fitzel in einem Bericht feststellt. Während die Arbeiten in anderen Flügeln des Museums fortgesetzt werden, werden Besucher ab 2027 über einen neuen Eingang zum Pergamonaltar gelangen, der noch geschaffen werden muss.
Technische Aspekte der Sanierung
Baukonstruktion und Materialien
Die Sanierung umfasst die Grundinstandsetzung des denkmalgeschützten Bestands sowie die Ergänzung durch einen neuen Flügel. Der vierte Flügel, der direkt am Kupfergraben als Verbindungsbau zwischen Nord- und Südflügel entstehen wird, wird die ursprünglichen Pläne von Alfred Messel und später Oswald Mathias Ungers umsetzen.
Das Museum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von 1948 bis 1959 wiederaufgebaut und wurde 1980 durch eine Brücke über den Kupfergraben ergänzt, um die Zugangssituation zu verbessern. Diese historische Entwicklung muss bei der Sanierung berücksichtigt werden.
Umweltfreundliche Technologien
Zur Verbesserung der Umweltbilanz werden nach Angaben der Projektverantwortlichen Photovoltaik-Module auf dem Glasdach des Südflügels und dem Dach des neuen Flügels installiert. Diese Maßnahme trägt zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei und reduziert den ökologischen Fußabdruck des Museums.
Barrierefreier Zugang
Im Zuge der Bauarbeiten wird auch der Pergamonsteg über den Kupfergraben als Neubau mit Treppenanlage und barrierefreien Aufzügen errichtet. Diese Maßnahme verbessert die Zugänglichkeit des Museums für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen und entspricht den modernen Anforderungen an den Museumsbetrieb.
Besuchererwartungen und Besucherzahlen
Trotz der sanierungsbedingten Schließungen kamen 2019, im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, immer noch 804.000 Besucherinnen und Besucher ins Pergamonmuseum. Die hohe Nachfrage zeigt, welches Interesse an diesem Museum besteht.
Die Erwartungen an die Wiedereröffnung sind bereits jetzt enorm. Laut Hermann Parzinger waren die vorab freigeschalteten Zeitslots für die Wiedereröffnung 2027 in kürzester Zeit ausgebucht, und Tausende Menschen werden erwartet. Vor Ort sind laut SPK noch Tagestickets erhältlich.
Die Zukunft des Pergamonmuseums
Nach Abschluss der Sanierungen im Jahr 2037 wird das Pergamonmuseum nicht nur instand gesetzt, sondern auch modernisiert und erweitert sein. Der neue vierte Flügel wird einen durchgehenden Rundgang durch die antiken Architekturexponate ermöglichen, was die Besuchererfahrung erheblich verbessern wird.
Zusätzlich zu den baulichen Veränderungen entstehen neue Verbindungsbauten zum Bode-Museum, zum Neuen Museum und zur James-Simon-Galerie. Die Außenanlagen werden ebenfalls neugestaltet, was das gesamte Erscheinungsbild der Museumsinsel verbessern wird.
Die Sanierung ist Teil eines größeren Masterplans für die Museumsinsel, der darauf abzielt, das gesamte Ensemble zu erneuern und durch eine "archäologische Promenade" unterirdisch zu verbinden. Diese Maßnahmen werden dazu beitragen, das Pergamonmuseum und die gesamte Museumsinsel für zukünftige Generationen zu bewahren und zugänglich zu machen.
Fazit
Die Sanierung des Pergamonmuseums und insbesondere des Pergamonaltars ist ein gewaltiges Unterfangen, das nicht nur architektonische, sondern auch logistische und restauratorische Herausforderungen mit sich bringt. Mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro stellt es eines der größten Kulturbauprojekte Europas dar.
Die zweigeteilte Sanierungsstrategie, die bereits 2027 eine Teileröffnung ermöglicht, zeigt die komplexe Planung dieses Projekts. Während der Nord- und Mittelteil mit dem Pergamonaltar bereits 2027 wieder zugänglich sein wird, dauert die Sanierung des Südteils bis 2037.
Neben der reinen Sanierung des denkmalgeschützten Bestands wird das Museum um den lange geplanten vierten Flügel erweitert, der die ursprünglichen Pläne der Architekten umsetzen wird. Diese Erweiterung wird einen vollständigen Rundgang durch die antiken Architekturexponate ermöglichen und die Besuchererfahrung erheblich verbessern.
Die parallel durchgeführten Restaurierungsarbeiten an den Exponaten, wie dem Pergamonaltar und dem Hephaistion-Mosaik, zeigen den hohen Qualitätsanspruch dieses Projekts. Es geht nicht nur um die Erhaltung des Gebäudes, sondern auch um die Bewahrung der unschätzbaren kulturellen Schätze für zukünftige Generationen.
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist somit ein Leuchtturmprojekt für den Umgang mit historischen Baudenkmälern – ein Balanceakt zwischen Erhalt, Modernisierung und Zugänglichmachung von Weltkulturerbe.