Einleitung
Das Wiener Secessionsgebäude, eines der bedeutendsten und bekanntesten Jugendstilwerke Österreichs und der Welt, erstrahlt nach einer umfassenden Sanierung wieder in vollem Glanz. Die Arbeiten, die von August 2017 bis September 2018 andauerten, haben das denkmalgeschützte Bauwerk nicht äußerlich restauriert, sondern auch technisch modernisiert, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. Mit Kosten von 3,5 Millionen Euro wurde das Gebäude unter der Leitung von Adolf Krischanitz in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Wien saniert, wobei besondere Herausforderungen durch die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Ausstellungsbetrieb zu bewältigen waren. Dieser Artikel beleuchtet die umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die technischen Aspekte, die Finanzierung und die Bedeutung dieser für die Erhaltung des Wiener Kulturerbes entscheidenden Maßnahme.
Historische Bedeutung des Gebäudes
Das Wiener Secessionsgebäude zählt zu den weltweit bedeutendsten Baudenkmälern des Jugendstils. Es wurde 1897-1898 nach den Plänen von Joseph Maria Olbrich als Ausstellungsgebäude für die Vereinigung bildender Künstler Österreichs, bekannt als Secession, errichtet. Das Gebäude gilt als eines der herausragendsten Beispiele der jugendstilistischen Architektur und trägt den Wahlspruch der Künstlervereinigung: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit".
Die Kosten für das Gebäude wurden großteils von den Mitgliedern der Vereinigung bildender Künstler Österreichs aufgebracht. Als Baugrund wurde "seitens der Gemeindevertretung in Wien, laut Beschluss vom 17. November 1897, ein an der künftigen Wienzeile bei der Akademie gelegener, vortrefflich geeigneter Platz zur Errichtung eines Kunst-Ausstellungsgebäudes überlassen". Angeblich wurde diese Lösung nach persönlicher Vorsprache von Josef Engelhart bei Bürgermeister Karl Lueger gefunden, nachdem die Errichtung des Ausstellungshauses an der Ringstraße gescheitert war.
Architektonisch hebt sich das Weiß des Gebäudes bewusst von der sandsteinfarbenen Umgebung der Gründerzeithäuser ab. Die halbkreisförmige Kuppel ist eine Reminiszenz an das bekannte barocke Bauwerk Fischer von Erlachs – und gleichzeitig eine Verwertung von Olbrichs Aufenthalt in Tunis. Die Fassade des revolutionären Bauwerks des Jugendstils ähnelt mit seinen kuppelüberwölbten Flachdächern und den bewusst undekorierten Seiten formal einem nordafrikanischen Gebäude. Die Dekoration ist bewusst gesetzt: Gorgonenhäupter, Lorbeerbäume, die Eulen der Pallas Athene, ein abstrakter Linienschwung und an der Rückseite der "Reigen der Kranzträgerinnen".
Besonders markant ist die goldene Kuppel, die im Volksmund den spöttischen und heute liebevollen Namen "Krauthappel" trägt. Die weithin sichtbare goldene Kuppel aus Lorbeerranken formt sich aus 2.500 Blättern und über 300 Beeren und wurde 1897–98 nach den Plänen von Joseph Maria Olbrich errichtet. Das vielfältig flimmernde Spiel der Tonwerte und Lichtreflexe verleiht dem Blätterwerk eine besonders lebendige Wirkung.
Der Sanierungsprojekt 2017-2018: Umfang und Herausforderungen
Über 30 Jahre nach der letzten umfassenden Generalinstandsetzung in den Jahren 1985/86 wurde im August 2017 eine erneute, notwendige Sanierung in Angriff genommen, die im September 2018 erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Sanierung war ein komplexes Unterfangen, das technische Modernisierung mit denkmalpflegerischen Aspekten verband. Wie Präsident Herwig Kempinger betonte, ging es dabei nicht um eine Neuinterpretation des Gebäudes, sondern vielmehr um eine Modernisierung unter technischen Gesichtspunkten.
Die Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Wien durchgeführt, um die denkmalschutzrechtlichen Anforderungen zu erfüllen und die historische Substanz des Gebäudes zu bewahren. Besondere Herausforderung war die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Ausstellungsbetrieb. Die Secession blieb während der gesamten Sanierungsphase für das Publikum geöffnet, was eine präzite Planung und Organisation erforderte. Die Bauarbeiten wurden in verschiedenen Abschnitten durchgeführt, um Beeinträchtigungen für Besucher und Ausstellungen so gering wie möglich zu halten.
Die Sanierung umfasste sowohl die Restaurierung äußerer architektonischer Elemente als auch eine umfassende Modernisierung der technischen Infrastruktur und der Innenräume. Ziel war es, das historische Gebäude für die Zukunft zu rüsten und gleichzeitig seine einzigartige ästhetische Qualität als Jugendstilwerk zu erhalten.
Außenrenovierung: Kuppel und Fassade
Restaurierung der Kuppel
Die goldene Kuppel, das markanteste Merkmal des Secessionsgebäudes, erfuhr eine umfassende Restaurierung. Die Arbeiten an der schmiedeeisernen Konstruktion umfassten Reparaturschweißungen und Verbesserungen der Stützkonstruktion, um die Langlebigkeit des Bauwerks zu gewährleisten. Anschließend wurden alle 2.500 Blätter und 342 Beeren demontiert, gereinigt und mit einer neuen Beschichtung versehen, bevor sie vergoldet wurden. Die Neuvergoldung des gesamten Kuppelwerks war eine der aufwendigsten Aufgaben der Sanierung.
Zur Finanzierung dieser aufwendigen Arbeiten wurde die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" ins Leben gerufen. Der Aufruf, einen Beitrag in Höhe von 100 Euro zur Vergoldung eines Kuppelblattes zu spenden, fand überwältigenden Zuspruch. Mehr als 1.500 Bürgerinnen und Bürger folgten diesem Aufruf, wodurch es möglich wurde, einen Großteil der Kuppel durch private Mittel finanzieren zu lassen. Die Namen der Spender, die mindestens 10.000 Euro gespendet hatten, werden dauerhaft im Eingangsbereich der Secession angebracht.
Fassadensanierung
Die denkmalgeschützte Fassade des Gebäudes wurde ebenfalls einer umfassenden Sanierung unterzogen. Dabei wurden beschädigte Bereiche instand gesetzt, die ursprüngliche Bausubstanz jedoch bewahrt. Diese Maßnahme legte den Grundstein für die weitere Nutzung des historischen Gebäudes als Ausstellungsort, machte jedoch in den folgenden Jahrzehnten eine erneute, umfassende Sanierung notwendig.
Auch die Farbgebung der Fassade wurde restauriert. Das Secessionsgrün wandelte sich von dunklem Resedagrün (vergleichbar mit Lorbeer) in ein pastelliges, zartes Grün. Das Gebäude steht nun wieder in blendendem Weiß da, und das goldene "Krauthappl" glitzert frisch veredelt im Sonnenlicht.
Modernisierung: Technische Infrastruktur und Barrierefreiheit
Neben der äußeren Restaurierung wurde das Secessionsgebäude auch technisch modernisiert, um den aktuellen Präsentations- und Vermittlungsnotwendigkeiten gerecht zu werden. Die Modernisierung der technischen Infrastrumt umfasste insbesondere:
- Klima- und Lüftungsanlagen
- Sanitäranlagen (WCs)
- Beleuchtung mit LED-Technik
- Einbau eines Lifts, um den "Beethoven-Fries" von Gustav Klimt barrierefrei zugänglich zu machen
Zusätzlich wurde im ersten Untergeschoss ein neuer Veranstaltungsraum eingerichtet, der zusätzliche Möglichkeiten für Präsentationen und Veranstaltungen bietet. Die Firma Vitra richtete den neugestalteten Shop im Erdgeschoss des Gebäudes ein.
Die Modernisierung der technischen Infrastruktur stellt sicher, dass das Secessionsgebäude auch in Zukunft als eines der besten unabhängigen Ausstellungshäuser fungieren kann. Das Ausstellungsprogramm wird weiterhin von internationalen und österreichischen Künstlerinnen und Künstlern geprägt sein und dem Ruf der Institution gerecht werden.
Finanzierung: Öffentliche Mittel, private Spenden und Sponsoring
Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf 3,5 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte durch eine Kombination aus öffentlichen Mitteln, privaten Spenden und Sponsoring:
- Bundesministerium: ca. 1,17 Millionen Euro (ein Drittel)
- Stadt Wien: 1,2 Millionen Euro
- Private Spender: ca. 1,17 Millionen Euro (ein Drittel)
Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Finanzierungskombination aus öffentlichen Mitteln, privaten Spenden und Sponsoring. Die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich an der Erhaltung wichtiger Kulturgüter zu beteiligen. Die langjährige Partnerschaft mit der Erste Bank, die die Secession seit 20 Jahren unterstützt, wurde ebenfalls besonders betont.
Wie Bundesminister Gernot Blümel bei der Eröffnung der sanierten Secession erwähnte, mussten aufgrund der Komplexität der Sanierung eines historischen Gebäudes zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Blümel zeigte sich erfreut über den Abschluss der Sanierung und betonte die überregionale, internationale Bedeutung der Secession: "Es freut mich, dass wir zur erfolgreich abgeschlossenen Sanierung und Renovierung der Secession zusammenkommen. Jeder, der sich ein wenig mit Kunst und Kultur beschäftigt, kennt die Idee dahinter. Das streicht die eindeutig überregionale, internationale Bedeutung heraus, die die Secessionisten von damals aber auch heute hatten und haben."
Bedeutung für den Kulturerbe und zukünftige Nutzung
Die Sanierung des Wiener Secessionsgebäudes ist ein gelungenes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Technik. Über 30 Jahre nach der letzten umfassenden Renovierung wurde das bedeutende Jugendstilwerk nicht nur äußerlich restauriert, sondern auch technisch modernisiert, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichieren.
Die Arbeiten an der goldenen Kuppel, der Fassade und den Innenräumen erfolgten in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden und bewahren die historische Substanz des Gebäudes. Gleichzeitig wurde das Gebäude mit modernster Technik ausgestattet, die eine zeitgemäße Nutzung als Ausstellungshaus ermöglicht.
Wie Stadträtin Veronica Kaup-Hasler für Kunst, Kultur und Wissenschaft in Wien betonte, handelt es sich bei dem Secessionsgebäude um eines der beeindruckendsten Jugendstilwerke seiner Art, dessen Erhalt und Bewahrung eine wichtige kulturpolitische Aufgabe ist. Die Stadt Wien stellt daher laufend erhebliche Mittel für den Erhalt derartiger Kulturschätze zur Verfügung und nimmt mit ihrem Anteil an der Sanierung ihre kulturpolitische Verantwortung wahr.
Boris Marte, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ERSTE Stiftung, hob hervor, dass der erfolgreiche Abschluss der Erneuerung der Secession als Haus ein historischer Moment und ein wichtiges Signal sei. Die Sanierung werde helfen, die Secession als Idee, Haltung und Zweck in Zukunft noch stärker und noch selbstbewusster leben zu können.
Herwig Kempinger, Präsident der KünstlerInnenvereinigung Secession, zeigte sich erfreut über den erfolgreichen Abschluss der Renovierung eines der bedeutendsten Jugendstilgebäude Österreichs. Dank ging an alle, die das Projekt unterstützt haben: das Bundeskanzleramt, die Stadt Wien und vor allem die zahlreichen privaten Spender und Sponsoren. Besonders hervorgehoben wurde die langjährige Partnerschaft mit der Erste Bank, die die Secession seit 20 Jahren unterstützt.
Fazit
Die Sanierung des Wiener Secessionsgebäudes ist ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von Denkmalschutz und moderner Technik. Über 30 Jahre nach der letzten umfassenden Renovierung wurde das bedeutende Jugendstilwerk nicht nur äußerlich restauriert, sondern auch technisch modernisiert, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die Arbeiten an der goldenen Kuppel, der Fassade und den Innenräumen erfolgten in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden und bewahren die historische Substanz des Gebäudes.
Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Finanzierungskombination aus öffentlichen Mitteln, privaten Spenden und Sponsoring. Die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich an der Erhaltung wichtiger Kulturgüter zu beteiligen. Mit der Fertigstellung der Renovierung zum 100. Todestag vieler Gründer der Wiener Secession gelang es, ein wichtiges Signal für den Fortbestand der Idee der Secession zu setzen: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit".
Die Sanierung stellt sicher, dass das Secessionsgebäude auch in Zukunft als eines der besten unabhängigen Ausstellungshäuser fungieren kann. Das Ausstellungsprogramm wird weiterhin von internationalen und österreichischen Künstlerinnen und Künstlern geprägt sein und dem Ruf der Institution gerecht werden. Die Modernisierung der technischen Infrastruktur und die Schaffung barrierefreier Zugänge ermöglichen eine zeitgemäße Nutzung des historischen Bauwerks, ohne seine einzigartige ästhetische Qualität als Jugendstilwerk zu beeinträchtigen.