Einleitung
Die Sanierung und der Neubau des Bankhauses Lampe in Bielefeld bieten ein herausforderndes und gleichzeitig beeindruckendes Beispiel für die Verbindung von Denkmalschutz, städtebaulicher Qualität und moderner Technik. Am Alten Markt gelegen, ist das Gebäudeensemble ein zentrales Wahrzeichen Bielefelds und zählt zu den historisch und architektonisch bedeutsamsten Stadtbildteilen. Die Sanierungsmaßnahmen, die von 2016 bis 2019 andauerten, erforderten nicht nur die Erhaltung der denkmalgeschützten Fassaden, sondern auch die Entwicklung einer technisch und energetisch modernen Gebäudestruktur, die sich in das bestehende Stadtbild einfügt.
Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Planung, die Herausforderungen, die technischen Maßnahmen und die städtebauliche Bedeutung des Projekts. Es wird gezeigt, wie die Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden, die Archäologie im Innenhof und die Neubauintegration auf eine harmonische Weise gelungen sind. Zudem wird auf die Verzögerungen und die endgültige Fertigstellung im Dezember 2019 eingegangen.
Projektgeschichte und Ausgangslage
Die Sanierungsarbeiten am Bankhaus Lampe begannen im Winter 2016, als die Mitarbeiter der Bank ihr Ausweichquartier in der Hermannstraße bezogen. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Abbrucharbeiten am Hauptgebäude, wodurch eine umfassende Sanierung und Erneuerung des gesamten Gebäudekomplexes erforderlich wurde. Insgesamt waren mehrere Gebäude betroffen: drei Bankgebäude am Alten Markt, ein Gebäude am Gehrenberg und ein weiteres in der Piggenstraße. Die Projektziele umfassten nicht nur die Sanierung des Bestands, sondern auch die Erweiterung des Gebäudeensembles durch neue Baukörper, die sich in das historische Stadtbild einfügen.
Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem Alter und dem Zustand der Gebäude. Während die Fassaden am Alten Markt unter Denkmalschutz standen und erhalten bleiben mussten, waren die rückwärtigen Gebäudeteile sanierungsbedürftig und entsprachen nicht mehr den technischen und energetischen Anforderungen eines modernen Bankgebäudes. Die Herausforderung bestand darin, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das die Erhaltung der historischen Substanz mit den Erfordernissen eines zeitgemäten Bankbetriebs verbindet.
Planung und Denkmalschutz
Die Planung des Sanierungs- und Neubauprojekts stellte besondere Anforderungen an die beteiligten Architekten und Ingenieure. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege der Stadt Bielefeld und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wurde ein Konzept entwickelt, das die Erhaltung der stadtbildprägenden Fassaden als Baudenkmal ermöglichte. Die historischen Giebel wurden dabei in eine neue Stahlbetonkonstruktion eingebunden, um sie vor Erschütterungen und Belastungen während der Bauarbeiten zu schützen. Die Giebel wurden in einer Kombination aus Trägern und Klauen gegen den Wind gestärkt.
Ein besonderes Highlight der Planung war die Einbeziehung der archäologischen Funde im Innenhof. Während der Erdarbeiten wurden Spuren aus der Bronzezeit entdeckt, darunter Keramikscherben, Tierknochen, Austernschalen und Holzkohlereste. Besonders auffallend waren zwei 500 Jahre alte Gussformen, die im 15. Jahrhundert für das Gießen von Relieftafeln verwendet wurden. Die archäologischen Ausgrabungen, die über sechs Monate andauerten, waren ein unerwarteter, aber wertvoller Teil des Projekts.
Bauzeit und Projektverlauf
Die Bauzeit des Bankhauses Lampe erstreckte sich von Januar 2018 bis November 2019. Der 5-geschossige Neubau wurde hinter der denkmalgeschützten und provisorisch abgestützten Bestandsfassade erstellt. Die historischen Bestandsgiebel wurden während der Rohbauerstellung mit in die neue Stahlbetonkonstruktion eingebunden. Die Bauarbeiten in den Tiefen der Baustelle waren besonders komplex, da die räumlich stark begrenzten Anliegerstraßen und Fußgängerzonen die Zufahrt zur Baustelle erschwerten.
Die Arbeiten umfassten Erdarbeiten, Maurer- und Betonarbeiten, sowie Umbauarbeiten im alten Bestandsbereich. Die Planung und Ausführung der Arbeiten erfolgten in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, um die städtebaulichen und denkmalpflegerischen Vorgaben einzuhalten. Die Erdarbeiten führten zudem zu sensationellen Funden, die in den Berichten der LWL-Archäologen beschrieben werden.
Technische und energetische Maßnahmen
Ein zentrales Ziel des Projekts war die Entwicklung eines technisch und energetisch modernen Bankgebäudes, das sich in das historische Stadtbild einfügt. Dazu gehörten unter anderem eine hochwertige Wärmedämmung, effiziente Beleuchtungssysteme und möglicherweise auch erneuerbare Energietechnik wie Solaranlagen auf den Dächern oder Fassaden. Diese Maßnahmen trugen nicht nur zur Reduzierung der Betriebskosten bei, sondern auch zur Erreichung klimapolitischer Ziele.
Die Kombination von historischer Fassade und moderner Technik im Inneren des Gebäudes stellte eine besondere Herausforderung dar. Die Planer mussten sicherstellen, dass die neuen technischen Anlagen unauffällig integriert werden und das historische Erscheinungsbild des Gebäudes nicht stören. Dies erforderte individuelle Lösungen und maßgeschneiderte Technikelemente.
Integration in das Stadtbild
Die Integration des Bankhauses Lampe in das Stadtbild von Bielefeld war ein zentrales Anliegen des Projekts. Die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen mussten besonders sensibel auf die städtebauliche Umgebung eingehen. Die gestalterische Entscheidung, sich bewusst an die Architektur der 1950er Jahre anzulehnen, ist eine interessante Wahl. Diese Epoche stellt in der deutschen Architekturgeschichte einen Übergang dar, in dem traditionelle Elemente mit modernen Formen verbunden wurden. Diese Verbindung von Tradition und Moderne entspricht auch dem grundsätzlichen Ansatz des Projekts, bei dem historische Bausubstanz mit moderner Technik und Funktionalität verbunden wird.
Die räumliche Wirkung des Gebäudes auf den Alten Markt wurde durch die Sanierung weiter gestärkt. Das Bankhaus Lampe bleibt ein prägendes Element dieses wichtigen städtebaulichen Raums und trägt zur hohen Qualität der öffentlichen Räume in der Bielefelder Innenstadt bei. Die Erhaltung der denkmalgeschützten Fassaden war dabei von zentraler Bedeutung. Diese prägenden Elemente des Stadtbilds wurden denkmalgerecht saniert und behalten ihre historische Wirkung bei. Gleichzeitig wurde das Gebäudeensemble durch die Neubauten erweitert, ohne das städtebauliche Gesamtbild zu stören.
Zeitplan und Verzögerungen
Wie bei vielen Bauprojekten dieser Größenordnung gab es auch beim Bankhaus Lampe Abweichungen vom ursprünglichen Zeitplan. Gemäß ersten Planungen sollte der Umbau bereits Ende 2018 abgeschlossen sein. Tatsächlich wurde das Gebäude jedoch erst im Dezember 2019 fertiggestellt, was einer Verzögerung von etwa einem Jahr entspricht. Die Verzögerungen beeinflussten die Planung für die Rückkehr der Mitarbeiter und die Wiederaufnahme des normalen Geschäftsbetriebs.
Im August 2019 starteten die finalen Arbeiten im Außenbereich der Lampe-Bank am Alten Markt. Laut einer Sprecherin des Bankhauses Lampe, Anna Lena Kleine, sollte das Gebäude nach damaligem Stand Ende November für die Bank bezugsfertig sein. Tatsächlich wurde das Gebäude jedoch erst im Dezember 2019 fertiggestellt, wie aus einer Quelle hervorgeht. Die Mitarbeiter der Niederlassung zogen dann von ihrem Ausweichquartier an der Hermannstraße zurück ins Herz der Bielefelder Altstadt. Dieser Umzug hatte bereits mehr als zwei Jahre gedauert, da die Mitarbeiter bereits im Winter 2016 ihr Quartier bezogen hatten, als die Abbrucharbeiten am Hauptgebäude begannen.
Fazit
Die Sanierung und der Neubau des Bankhauses Lampe in Bielefeld gelang als vorbildliches Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz. Die Kombination von Denkmalschutz, moderner Technik und städtebaulicher Qualität zeigt, wie historische Gebäude für die Zukunft fit gemacht werden können, ohne ihren kulturellen Wert zu verlieren. Die Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden, die archäologischen Funde und die sorgfältige Planung trugen dazu bei, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Das Bankhaus Lampe ist nicht nur ein Wahrzeichen Bielefelds, sondern auch ein Modellprojekt für die Sanierung historischer Gebäude in dicht bebauten Stadträumen. Die Erhaltung der denkmalgeschützten Fassaden und die Integration moderner Baukörper in das Stadtbild demonstrieren, wie sich Tradition und Moderne sinnvoll verbinden lassen. Zudem wird das Gebäudeensemble durch die Maßnahmen deutlich an Größe gewonnen, was nicht nur für die Bank, sondern auch für die Stadt Bielefeld von Vorteil ist.
Quellen
- austrasse-zuerich.ch – Sanierung und Neubau des Bankhauses Lampe in Bielefeld
- agn.de – Bankhaus Lampe Bielefeld
- porr.de – Bankhaus Lampe Bielefeld
- westfalen-blatt.de – Wieder freie Sicht aufs Bankhaus Lampe
- nw.de – Das Bielefelder Bankhaus Lampe am Alten Markt wird erst 2019 fertig
- claassander.de – Bankhaus Lampe in Bielefeld