Einführung
Das Congress Center Hamburg (CCH) zählt zu den bedeutendsten Veranstaltungsorten der Hansestadt und war bei seiner Eröffnung im Jahr 1973 das größte und modernste Kongresszentrum Europas. Nach Jahrzehnten intensiver Nutzung und einem ersten umfassenden Umbau 2007 begann im Jahr 2017 eine neue, noch ambitioniertere Sanierungsphase, die sich als eines der größten Bauprojekte Hamburgs herausstellte. Ziel der Sanierung war es, das denkmalgeschützte Ensemble für die Zukunft zu rüsten und gleichzeitig die Nachhaltigkeit sowie die Flexibilität des Areals zu steigern. Doch die Bauarbeiten verliefen nicht nach Plan: Es gab erhebliche Verzögerungen, Kostenexplosionen und technische Herausforderungen. Nach mehr als fünf Jahren Bauzeit und einem Budget von 297 Millionen Euro (ursprünglich 194 Millionen Euro) wurde das CCH schließlich 2022 offiziell wiedereröffnet. In diesem Artikel beleuchten wir die historische Bedeutung des CCH, die architektonischen Besonderheiten, die Bauverläufe und Herausforderungen, die Kostenentwicklung sowie die aktuellen Perspektiven des sanierten Kongresszentrums.
Geschichte und Entwicklung des Congress Center Hamburg
Erste Eröffnung und ursprüngliche Konzeption
Das Congress Center Hamburg (CCH) wurde am 14. April 1973 von Bundespräsident Gustav Heinemann eröffnet. Damals galt es als größtes und modernstes Kongresszentrum Europas. Das Gebäudekomplex, errichtet im Stil des Brutalismus, besteht aus einem terrassenförmig angelegten Betonbau und einem angeschlossenen Hotelhochhaus. Es liegt zwischen dem Bahnhof Dammtor und dem Park „Planten un Blomen“ und war schnell zum zentralen Treffpunkt für nationale und internationale Veranstaltungen avanciert.
Die ursprüngliche Planung sah einen flexiblen, multifunktionalen Veranstaltungsraum vor, der sich an die Bedürfnisse des 20. Jahrhunderts anpassen ließ. Mit einer Fläche von über 36.000 Quadratmetern war das CCH ein Vorreiter in der Architektur großer Kongresszentren.
Erste Sanierung und Erweiterung (2007)
Im Jahr 2007 fand die erste größere Sanierung statt. Damals wurde das CCH um eine Ausstellungshalle und zusätzliche Konferenzsäle erweitert. Diese Maßnahmen dienten dazu, den Anforderungen wachsender und komplexer Veranstaltungen nachzukommen. Die 2007er Sanierung war ein erster Schritt in Richtung Modernisierung, der jedoch nur die Grundlagen legte für den umfassenden Umbau, der 2017 begann.
Beginn der zweiten Sanierung (2017)
Im Jahr 2017 startete eine umfassende Revitalisierung des CCH. Die Sanierung umfasste nicht nur die Modernisierung der technischen Ausrüstung, sondern auch die Erneuerung von Fassaden, Eingangsbereichen, Sälen und Ausstellungsflächen. Ziel war es, das CCH für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts fit zu machen und gleichzeitig den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren.
Zur Erneuerung und Erweiterung des CCH wurde ein dreiteiliges Konzept entwickelt: Der Ostteil wurde als einziger komplett neu gebaut, während die Bereiche Mitte und West denkmalgerecht saniert wurden. Ein zentrales Element der Sanierung war der gläserne Gang „Belvedere“, der die drei Gebäudeabschnitte miteinander verbindet.
Architektur und Ausstattung des CCH
Flächen und Räume
Nach der Sanierung verfügt das CCH über insgesamt 36.000 Quadratmeter Fläche, verteilt auf bis zu 50 flexibel nutzbare Säle, 12.000 Sitzplätze, ein 12.000 Quadratmeter großes Foyer sowie 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der größte Saal fasst bis zu 3.000 Besucher.
Die Räume sind so gestaltet, dass sie sich sowohl für kleine Meetings als auch für große internationale Kongresse eignen. Ein besonderes Highlight ist der Saal Z, auch als „Perle“ bezeichnet, der über Europas größte Rollbildleinwand verfügt.
Besondere architektonische Merkmale
Eines der auffälligsten Elemente des CCH ist die Eingangshalle, die bei einer Deckenhöhe von 28 Metern über 2000 Quadratmeter umfasst. Ein weiteres architektonisches Highlight ist die Pendelleuchte im Foyer, die mit einem Gewicht von über einer Tonne die größte ihres Typs in der Welt ist. Zudem ist das CCH auf dem Dach der Halle H mit Europas größtem Staudendachgarten ausgestattet.
Die Sanierung brachte auch neue Technologien mit sich, wie z. B. moderne Beleuchtungssysteme, Klimaanlagen und Sicherheitsvorrichtungen. Besonders hervorzuheben ist der Staudendachgarten, der nicht nur optisch beeindruckend ist, sondern auch ökologische Vorteile bietet, wie Biodiversität und Wärmeisolierung.
Herausforderungen während der Sanierung
Verzögerungen und Kostenexplosionen
Die Sanierungsarbeiten begannen ursprünglich im Jahr 2017, und die offizielle Eröffnung war für 2019 geplant. Doch bereits kurz nach Beginn der Bauarbeiten traten erste Probleme auf. Einer der Hauptgründe für die Verzögerungen war die Entdeckung von Asbest in Teilen der alten Konstruktionen. Asbestentfernungen sind aufwendig und erfordern besondere Sicherheitsvorkehrungen, weshalb dieser Schritt die Bauzeit stark verlängerte.
Ein weiterer Faktor für die Verzögerungen war die Corona-Pandemie, die ab 2020 den gesamten Baubetrieb beeinträchtigte. Zudem gab es Lieferengpässe für Stahlbauteile, was weitere Bauverzögerungen verursachte.
Die Kosten, die ursprünglich auf 194 Millionen Euro kalkuliert waren, stiegen schließlich auf 297 Millionen Euro. Die zusätzlichen 103 Millionen Euro entstanden aufgrund von Asbestentfernungen, pandemiebedingten Stillständen und unvorhergesehenen baulichen Komplikationen. Die Bürgerschaft genehmigte in mehreren Schritten zusätzliche Gelder, doch auch das reichte nicht aus, um die Kosten vollständig zu decken.
Teil-Inbetriebnahme und Bauteil West
Obwohl die Sanierungsarbeiten in den Bereichen Ost und Mitte weitgehend abgeschlossen waren, blieb der Westbau aufgrund schwerer Mängel noch bis 2021 unvollständig. In diesem Abschnitt blieben Arbeiten an der Elektroinstallation, der Beleuchtung und der Brandschutztechnik unvollendet. So war der Westbau nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, was die Nutzbarkeit des CCH weiter eingeschränkte.
Erst im Jahr 2021, nach weiteren Investitionen und Nacharbeiten, wurde der Westbau schrittweise in Betrieb genommen. Die offizielle Eröffnung des gesamten CCH erfolgte dann im Jahr 2022. Zwar war der Westbau noch nicht vollständig fertig, doch die Veranstaltungen konnten nun in den Bereichen Ost und Mitte stattfinden.
Die Rolle des CCH im internationalen Kongressgeschäft
Wettbewerbsfähigkeit und Marktposition
Nach der Sanierung ist das CCH nicht nur ein technischer Meilenstein, sondern auch eine strategische Investition in das kongress- und messegewerbliche Angebot Hamburgs. Die Hansestadt verzeichnet in den letzten Jahren eine zunehmende Konkurrenz durch andere deutsche und europäische Städte, die ebenfalls moderne Kongresszentren anbieten. In dieser Situation setzt Hamburg Messe und Congress (HMC) auf die multifunktionale Ausstattung und die einzigartige Architektur des CCH, um auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Beispiele aus der Praxis
Ein markanter Erfolg der Sanierung ist die Veranstaltung im Jahr 2023, bei der Volkswagen im CCH seine neuesten Modelle einem internationalen Publikum präsentierte. Die Sicherheitsvorkehrungen und die technische Ausstattung des CCH ermöglichten eine reibungslose Präsentation, die nach Einschätzung von HMC-Mitarbeitern nicht ohne die Sanierung möglich gewesen wäre.
Zudem hat das CCH 2023 mit 56 Veranstaltungen und rund 125.000 Besuchern einen Rekordumsatz erzielt. Dies zeigt, dass das sanierte CCH nicht nur eine architektonische Attraktion ist, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und attraktiv für internationale Veranstalter.
Fazit
Die Sanierung des Congress Center Hamburg war ein Mammutprojekt, das sich in mehreren Hinsichten als Herausforderung erweisen sollte. Obwohl die Bauarbeiten erheblich über Zeit und Budget liefen, ist das CCH nach der Revitalisierung zu einem modernen, multifunktionalen und technisch hochwertigen Kongresszentrum geworden. Die architektonischen Besonderheiten, die erweiterten Flächen und die neuen Technologien machen das CCH zu einem attraktiven Standort für nationale und internationale Veranstaltungen. Zudem hat das Projekt gezeigt, wie komplexe Bauvorhaben in der Realität ablaufen können: mit unvorhergesehenen Problemen, aber auch mit großer Entschlossenheit und Investitionen, um am Ende ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen.
Mit der offiziellen Eröffnung im Jahr 2022 und den ersten Veranstaltungen 2023 hat das CCH nun den Beweis erbracht, dass es sich trotz der Bauverzögerungen und Kostensteigerungen als wertvolle Investition erweist – nicht nur für Hamburg als Stadt, sondern auch für das internationale Kongress- und Messegeschäft.
Quellen
- Congress Center Hamburg - Projekte
- Sanierung: Hamburgs CCH wird zu millionenschwerer Dauer-Baustelle
- Sanierung des Congress Center Hamburg: Kostenexplosion und Verzögerungen
- Congress Center Hamburg – Der neue Treffpunkt der Hansestadt
- Hamburger Kongresszentrum wird nach Sanierung eröffnet
- Sanierung des Kongresszentrums nach über fünf Jahren fertig
- CCH in Hamburg endlich fertig – ein Blick ins Innere