Generalsanierung des Eisstadions am Gutenbergweg in Landshut: Modernisierung im Zeichen von Technologie, Energieeffizienz und Sicherheit

Einführung

Das Eisstadion am Gutenbergweg in Landshut, eine der zentralen Sportstätten der Region, durchlief in den Jahren 2019 bis 2021 eine umfassende Generalsanierung. Diese Maßnahmen waren dringend notwendig, da das Stadion nicht mehr den aktuellen Anforderungen an Sicherheit, Technik und Energieeffizienz entsprach. Die Sanierung umfasste insgesamt drei Bauabschnitte und wurde aufgrund der hohen Investitionskosten und der technischen Komplexität sorgfältig geplant. Ziel war es, die Eishalle für den professionellen Eissport und zukünftige Großveranstaltungen fit zu machen, ohne den Spielbetrieb der lokalen Mannschaften übermäßig zu stören.

Die Gesamtkosten der Sanierung betrugen zwischen 22 und 23,3 Millionen Euro, was deutlich über den ursprünglich geplanten 15,5 Millionen Euro lag. Dennoch fand das Projekt auf breite Unterstützung durch verschiedene Finanzierungsquellen, darunter auch Mittel aus Bundesprogrammen, statt. Im Zuge der Arbeiten wurde das Stadion auf den neuesten Stand gebracht, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die Dachkonstruktion, die Kälte- und Lüftungstechnik sowie die Sicherheitsmaßnahmen gelegt wurde. Die Sanierung führte schließlich zur offiziellen Erneuerung des Stadions unter dem Namen „Fanatec Arena“.

Hintergrund der Sanierung

Das Eisstadion am Gutenbergweg war ein zentraler Bestandteil der Sportlandschaft in Landshut. Es diente als Heimstätte des EV Landshut, der in der drittklassigen Eishockey-Oberliga DEL2 spielt, und war zudem Veranstaltungsort für nationale und internationale Eissportveranstaltungen. Die Anlage war jedoch technisch stark veraltet, und die marode Dachkonstruktion stellte eine existenzielle Bedrohung dar. Ohne Gegenmaßnahmen wäre das Stadion im Sommer 2019 stillgelegt worden, da die Statiker eine weitere Betriebsgenehmigung nicht mehr erteilt hätten.

Die Sanierung war daher nicht nur dringend, sondern auch zwingend erforderlich, um den Profi-Eissport in Landshut langfristig zu sichern. Zudem stellte das Stadion als Veranstaltungsort ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Asset für die Region dar. Die Stadt Landshut setzte daher alles daran, den Spielbetrieb möglichst störungsfrei aufrechtzuerhalten, indem die Sanierungsarbeiten über drei Bauabschnitte in der spielfreien Zeit durchgeführt wurden.

Zielsetzungen der Sanierung

Die Generalsanierung hatte mehrere zentrale Ziele, die sowohl technisch als auch funktional relevant waren. Die wichtigsten Maßnahmen umfassten:

  1. Sanierung der Dachkonstruktion:
    Die ursprüngliche Dachstruktur war nicht mehr tragfähig und musste durch eine neue, klimatisch angepasste Konstruktion ersetzt werden. Diese Arbeiten waren der erste Bauabschnitt der Sanierung und fanden ab Anfang Mai 2019 statt. Die neue Dachkonstruktion war so geplant, dass sie die besonderen Anforderungen einer klimatisierten Eishalle erfüllte.

  2. Modernisierung der Kälte- und Lüftungstechnik:
    Die alten Kälteanlagen, die überwiegend aus den 1980er Jahren stammten, waren nicht mehr effizient und verursachten einen hohen Energieverbrauch. In den weiteren Bauabschnitten wurde eine energieeffiziente Kälteerzeugung eingebaut, und die Abwärme wurde genutzt, um den Energieverbrauch weiter zu reduzieren. Zudem wurde eine neue Lüftungsanlage installiert, die einen energieoptimierten Kaltluftsee über der Eisfläche gewährleistete.

  3. Sicherheitstechnische Ertüchtigung:
    Die Sanierung umfasste auch umfassende Sicherheitsmaßnahmen. So wurden die Fluchtwege neu angepasst, und die Stehplatztribüne Ost wurde komplett neu gebaut. Diese Maßnahmen waren notwendig, um die aktuellen Sicherheitsvorschriften zu erfüllen und die Zuschauerkennzahlen für Großveranstaltungen zu steigern.

  4. Ausbau der Zuschauerkapazität:
    Die Zuschauerkapazität wurde von knapp 7000 auf ca. 4448 Plätze reduziert, wobei 2539 Sitz- und 1909 Stehplätze zur Verfügung standen. Diese Anpassung erfolgte, um die Sicherheit zu erhöhen und die Energieeffizienz zu verbessern. Zudem wurden die Stehplätze in den unteren Bereich der Tribüne Ost verlegt, was die Sicht auf das Geschehen deutlich verbesserte.

  5. Neugestaltung der Fassade und Freianlagen:
    Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war die Neugestaltung der Fassade und Freianlagen. Eine textile Fassade wurde eingebaut, die die Ost- und Teile der Isarseite des Stadions bedeckt. Diese Fassade verdeckte unansehnliche Technik und stellte zudem einen optischen Akzent dar. Die Freianlagen wurden ebenfalls überarbeitet, wobei Geh- und Radwege asphaltiert und der Vorplatz neu gestaltet wurden.

Bauabschnitte und zeitliche Planung

Die Sanierung erfolgte in drei Bauabschnitten, um den Spielbetrieb möglichst wenig zu stören. Die Arbeiten wurden jeweils in der spielfreien Zeit durchgeführt, was eine besonders sorgfältige Planung erforderte.

Bauabschnitt 1: Sanierung der Dachkonstruktion (2019)

Im ersten Bauabschnitt wurde die marode Dachkonstruktion durch eine neue, dauerhafte Struktur ersetzt. Diese Arbeiten begannen ab Anfang Mai 2019 und umfassten die Entfernung der alten Dachkonstruktion sowie die Installation der neuen, klimatisch angepassten Dachstruktur. Zudem wurden provisorische Abstützpfeiler aufgestellt, um die Stabilität während der Arbeiten zu gewährleisten.

Ein besonderes logistisches Problem ergab sich bei der Entfernung und Installation der alten und neuen Dachbauteile. Um die schweren Bauteile abzubauen und neue Materialien in das Stadion zu bringen, wurden zwei Obendreherkrane mit einer Ausladung von 70 m und 65 m eingesetzt. Diese Kräne konnten das gesamte Gebäude überdecken und ermöglichten so eine effiziente Arbeitsteilung.

Bauabschnitt 2: Modernisierung der Kälte- und Lüftungstechnik (2020)

In den zweiten Bauabschnitt flossen die Arbeiten an der Kälte- und Lüftungstechnik ein. Dabei wurde die alte Kälteerzeugung durch eine energieeffizientere Anlage ersetzt. Zudem wurde die Abwärme genutzt, um den Energieverbrauch weiter zu reduzieren. Die Lüftungsanlage wurde ebenfalls modernisiert, wodurch ein energieoptimierter Kaltluftsee über der Eisfläche geschaffen wurde.

Diese Maßnahmen stellten einen wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigeren und energieeffizienteren Eishalle dar. Zudem wurde die Kälteleistung reduziert, indem die Eisfläche verkleinert wurde, was den Energiebedarf der Anlage verringerte.

Bauabschnitt 3: Sicherheitstechnische Ertüchtigung und Fassadengestaltung (2021)

Der dritte Bauabschnitt war geprägt von Sicherheitsmaßnahmen und der Neugestaltung der Fassade. Die Fluchtwege wurden angepasst, und die Stehplatztribüne Ost wurde neu gebaut. Zudem wurden die provisorischen Abstützpfeiler, die den Spielbetrieb beeinträchtigt hatten, entfernt, um die Sicht auf das Geschehen zu verbessern.

Ein weiteres zentrales Element dieses Bauabschnitts war die textile Fassade. Diese Fassade bedeckte die Ost- und Isarseite des Stadions und verdeckte unansehnliche Technik. Zudem wurde eine sieben Meter hohe und 52 Meter lange Fläche gestaltet, auf der jubelnde EVL-Fans abgebildet wurden. Diese Maßnahme trug dazu bei, das Erscheinungsbild des Stadions deutlich zu verbessern.

Finanzierung und Förderung

Die Generalsanierung war mit hohen Investitionskosten verbunden. Die Gesamtkosten betrugen zwischen 22 und 23,3 Millionen Euro, was deutlich über den ursprünglich geplanten 15,5 Millionen Euro lag. Die Kostensteigerung war auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. So war es notwendig, ein Aussteifungsbauwerk zu errichten, um die Stabilität der Dachkonstruktion zu gewährleisten. Zudem lagen die Ausgaben für Kälte- und Lüftungstechnik sowie für die Elektroausstattung höher als in der Machbarkeitsstudie geschätzt.

Trotz der hohen Kosten fand das Projekt breite Unterstützung durch verschiedene Finanzierungsquellen. Eine wichtige Förderung kam vom Bund, der die Sanierung mit 2 Millionen Euro aus dem Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ unterstützte. Zudem wurden regionale und kommunale Mittel eingesetzt, um das Projekt finanzieren zu können.

Die Finanzierungsfrage war jedoch auch Gegenstand intensiver Diskussionen. Oberbürgermeister Alexander Putz forderte die Planer auf, die Vorentwürfe nochmals auf Einsparungsmöglichkeiten hin zu prüfen. Zudem regte er an, ernsthaft über einen Neubau der Eishalle nachzudenken, falls die Sanierung am Ende den finanziellen Rahmen von 20 Millionen Euro nicht einhalten sollte. Ein Neubau, der an die Anforderungen der DEL2 orientiert war, wurde als mögliche Alternative in Betracht gezogen.

Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen

Die Sanierung des Eisstadions hatte auch Auswirkungen auf die umliegende Umwelt. So war es notwendig, um genügend Platz für die Baumaßnahmen zu schaffen, rund 21 Bäume im Vorplatzbereich des Stadions zu fällen. Fünf Varianten zur Neugestaltung des Vorplatzes wurden im Umweltsenat vorgestellt, wobei schließlich die Variante 5 gewählt wurde. Diese Variante sah die Beseitigung von 21 Bäumen vor, wobei drei markante Eichen vor dem Stadion gerettet werden konnten.

Die Baumbeseitigungen wurden von der Stadt als unumgänglich angesehen, um die Sanierungsarbeiten durchführen zu können. Dennoch wurden Schutzmaßnahmen ergriffen, um den ökologischen Verlust so gering wie möglich zu halten. So wurden neue Bäume im Vorplatzbereich gepflanzt, und die Freianlagen wurden sorgfältig gestaltet, um den ökologischen Charakter des Areals zu bewahren.

Eröffnung und Zukunftsperspektiven

Die sanierte Eishalle wurde am Samstag, 30. Oktober 2021, mit einem Tag der offenen Tür feierlich wiedereröffnet. Die Eröffnungsfeier fand unter dem Namen „Fanatec Arena“ statt, wodurch ein neues Kapitel in der Geschichte des Stadions begann. Oberbürgermeister Alexander Putz nahm die feierliche Einweihung vor, wobei zahlreiche Ehrengäste anwesend waren, darunter Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler, Landrat Peter Dreier und verschiedene Politiker aus der Region.

Im Rahmen des Tages der offenen Tür konnten die Besucher das runderneuerte Stadion erstmals besichtigen. Es gab Präsentationen der Jugendteams der Altersgruppen U9, U11 und U13 mit Trainingseinheiten und -spielen. Zudem fand ein zweistündiger Publikumslauf statt, bei dem Interessierte das Eis im neuen Stadion testen konnten. Der Tag endete mit einer öffentlichen Trainingseinheit der DEL2-Mannschaft des EV Landshut, die von Trainer Leif Carlsson und Kapitän Stephan Kronthaler geleitet wurde.

Die offizielle Eröffnung wurde von der Stadt als Meilenstein gefeiert, der nicht nur den Eissport in Landshut, sondern auch die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Region stärkte. Zudem wurde das Stadion als Veranstaltungsort für internationale Eissportveranstaltungen genutzt. So wurden die Spiele der U18-Weltmeisterschaft der deutschen Gruppe im April/Mai 2022 im Eisstadion am Gutenbergweg ausgetragen.

Fazit

Die Generalsanierung des Eisstadions am Gutenbergweg in Landshut war ein komplexes und herausforderndes Projekt, das sowohl technisch als auch logistisch auf hohem Niveau durchgeführt wurde. Die Sanierung stellte nicht nur eine dringende Notwendigkeit dar, sondern auch einen Schritt in Richtung Modernisierung und Nachhaltigkeit. Durch die Investitionen in neue Technologien, Sicherheitsmaßnahmen und Energieeffizienz wurde das Stadion für die Zukunft fit gemacht.

Zudem war die Sanierung ein gutes Beispiel dafür, wie grobplanerische Maßnahmen mit der Aufrechterhaltung des Spielbetriebs abgestimmt werden konnten. Die drei Bauabschnitte ermöglichten es, die Arbeiten in der spielfreien Zeit durchzuführen, wodurch die Mannschaften und Fans nicht übermäßig gestört wurden. Zudem fand das Projekt breite Unterstützung durch verschiedene Finanzierungsquellen, was den langfristigen Erfolg der Sanierung sicherte.

Die Eröffnung der „Fanatec Arena“ markierte den Abschluss eines langen und intensiven Sanierungsprozesses. Das Stadion ist nun nicht nur ein modernes Areal für den Profi-Eissport, sondern auch ein attraktiver Veranstaltungsort für die Region. Mit der Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen, der Energieeffizienz und der optischen Gestaltung hat das Eisstadion eine neue Qualität gewonnen, die es für die Zukunft fit macht.

Quellen

  1. Generalsanierung des Eisstadions Landshut – Modernisierung für den professionellen Eissport
  2. Umbau und Modernisierung Eisstadion Gutenbergweg 32, Landshut
  3. Generalsanierung der Eishalle 1 „Fanatec Arena“
  4. Kostenexplosion bei der Sanierung des Eisstadions in Landshut
  5. Umweltsenat beschäftigt sich mit Eisstadion-Sanierung

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